Fanfic: Heiraten für Fortgeschrittene
Kapitel: Den Bruder sucht man am Besten zu Fuß: Auf nach Tokio!
Prolog: Den Bruder sucht man am Besten zu Fuß: Auf nach Tokio!
Das hier ist der fehlende Prolog, der für manche Ereignisse in der Story ganz wichtig ist. Also: Hier kommt er:
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Das Licht schien nur schwach durch das kugelförmige Fenster und schaffte es kaum das ganze, in grau gehaltene, Zimmer zu erhellen. Die schmutzigen Gardinen wehten in der frischen Brise, die einem braunhaarigen Jungen eine Strähne ins Gesicht blies. Genervt wischte er sie weg und blickte aus dem Fenster. Ein paar Kinder spielten mit einer dreckigen Dose Fußball. Ihre aufgeschlitzten Kleider klebten an ihren Körpern und ihre kleinen, ausgemergelten Gesichter verfolgten den Weg der Dose über die karge Erde, die als Spielfeld diente. Der Junge seufzte. Genau wie seine Familie waren diese Kinder arm und hatten meistens nicht mal genug Geld, um sich ein Brötchen beim Becker zu kaufen. Trotzdem erfreute sie so etwas Einfaches, wie mit ihren Freunden Fußball zu spielen.
Er guckte auf die, eigens reparierte, Uhr.
„Viertel nach vier“, sprach er wie in Trance. Seine Mutter musste bald kommen. Vom Supermarkt bis in die Wohnung waren es gerade mal 10 Minuten, außerdem hatte sie ja das Fahrrad mitgenommen. Wenn er daran dachte, wie hart sie arbeiten musste…Hätte er doch nur diesen verdammten Job gekriegt, aber der Geschäftsführer hatte ihn nicht mal angehört. In seinem Viertel gab es viele, die keinen oder einen wenig bezahlten Job hatten. Genauso wie seine Mutter, mussten sie hart arbeiten, um ihre Familien zu ernähren.
Plötzlich klopfte es an der Tür. Das konnte nur seine Mutter sein. Sie klopfte zaghafter als der Vermieter und stärker als jedes Kind. Er lächelte und machte die Tür auf. Dort stand eine braunhaarige Frau mit leuchteten blauen Augen und markanten Gesichtszügen. Sie schaute ihren Sohn liebevoll an und ging dann zum Tisch hinüber.
„Wie war die Arbeit?“, fragte ihr Sohn sie und half seiner Mutter, da diese sich mit zwei Taschen abmühte.
„Wie immer. Und du? Hast du was gefunden?“, in der Stimme der Frau vernahm man Hoffnung, doch ihr Gegenüber verneinte.
„Leider nicht. Der Geschäftsführer sagte, ich sei zwar gut genug, aber er würde keine Leute einstellen, die aus diesem Viertel kommen. Das wäre zu gefährlich. Außerdem hätte er schon mal einen ähnlichen Fall gehabt. Er bedauert es sehr.“ Der Satz triefte förmlich vor Sarkasmus.
Nun seufzte seine Mutter.
„Wie sollen wir das bloß schaffen? Mein Gehalt reicht nicht mehr für die nächste Miete und so schnell werde ich auch nicht befördert.“ Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen. Was sollten sie jetzt tun? Sie spürte eine kalte, schmale Hand auf ihrer und wieder kam dieses Gefühl in ihr auf. Er hatte die gleichen Hände wie sein Vater. Sie waren genauso kalt, jedoch genauso tröstend. Ob sein Ebenbild wohl auch so war?
„Wir schaffen das, Mum! Das haben wir bis jetzt immer und wenn es hart auf hart kommt, geh ich in die Stadt. Da finde ich bestimmt etwas! Mach dir keine Sorgen.“
„In die Stadt?“
Sie starrte ihn an, als hätte er gerade das Kommen einer außerirdischen Spezies bestätigt.
„Ja, du musst in die Stadt…“
Die Braunhaarige blickte traurig zur Tür und schaute dann wieder auf ihren Sohn. Dieser starrte sie mit undefinierbarem Blick an.
„Ich muss dir was erzählen.“ Sie wischte sich über die Stirn und setzte sich auf. „Es geht um unsere Familie.“
„Um unsere Familie?“
„Ja.“ Sie sprach etwas langsamer und lauter.
„Du hast noch zwei andere Brüder.“
Das Weiße in seinen Augen wurde immer größer, was zur Folge hatte, das seine Pupillen schrumpften.
„Sie leben in Tokio und wie ich höre geht es ihnen soweit ganz gut.“ Er konnte nicht glauben, was er da hörte. Er hatte zwei Brüder in Tokio. Warum hatte seine Mutter ihm das erst jetzt gesagt?
Sie nahm seinen Arm.
„Du musst zu ihnen gehen. Ich will dass du sie kennen lernst. Du musst nach Tokio, dort kriegst du sicher einen Job und dann will ich das du sie besuchst, sobald du weißt, wo sie wohnen.“
Seine Mutter stand auf, verschwand im Keller und holte einen alten Koffer. Danach ging sie in sein Zimmer und durchforstete seine Kommode, auf der Suche nach frischen Sachen.
All das ging an ihm vorbei. Er konnte das immer noch nicht fassen. 18 Jahre hatte er nichts davon gewusst. 18 Jahre wurde er belogen. Wie gern hätte er einen Menschen zum Reden gehabt und plötzlich bekam er nicht nur einen, sondern zwei. Zwei Menschen, die ihn nicht kannten und er sie nicht.
„Verwandt und doch so fern.“, sprach er leise zu sich selbst. Seine Mutter war nun schon mit dem Koffer fertig und drückte ihm eine Bahnkarte in die Hand. Daraufhin umarmte sie ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Blick nicht zurück, ja? Was mit mir geschieht ist egal, Hauptsache dir und deinen Brüdern geht`s gut. Pass auf dich auf!“
Sie lies ihn los, schleppte ihn zur Tür, gab ihm seine Koffer und klopfte ihm auf die Schulter.
„Du schaffst das schon!“
Er saß im Zug nach Tokio. Die Landschaft ging am Fenster vorbei, so dass man gerade noch Bäume und Sträucher erkennen konnte. Der Zug fuhr durch einen Tunnel und alles wurde dunkel. Dem jungen Mann fiel dies gar nicht auf. Zu sehr war er mit sich und seinen Gedanken beschäftigt. Die Tatsache, dass er zum ersten Mal mit der Bahn fuhr, ließ ihn kalt. Er hatte sein Zuhause verlassen, sich ins Ungewisse begeben, wo keiner ihn kannte und wo alles genauso schwarz war, wie in einem Tunnel.
Plötzlich hielt der Zug knirschend an. Die Reisenden wurden in den Waggons hin und her geschaukelt, bis sie Halt fanden. Etwas versperrte den Weg. Schwer atmend kam der Schaffner in das Abteil.
„Keine Aufregung. Nur ein kleines Hindernis, das wir so bald wie möglich aus dem Weg räumen werden!“
Mit diesen Worten öffnete er die Zugtür und ging raus.
Die meisten Passagiere im Zug waren mittleren Alters und man sah ihnen an, dass sie einen wichtigen Posten haben mussten. Jede zweite Minute guckten sie auf ihre Rolex-Uhren und tippten eifrig Botschaften auf ihren Laptops, was mir ihren engen Anzügen ziemlich schwer zu sein schien.
Dem Braunhaarigen war es eigentlich egal, wann er ankam. Zu viele Gedanken schwirrten ihm im Kopf herum.
„Tja, so ein Pech!“, grinste ein älterer Mann neben ihm und lachte über seine hektischen Mitreisenden.
„Müssen sie auch auf eine WICHTIGE Besprechung?“ Er kicherte wieder und schaute nun seinen Nachbarn an. Dieser erwiderte mit Angenervter Stimme:
„Zeit ist Geld und Geld habe ich nicht!“
Der alte Mann zog eine beleidigte Schnute und wandte sich dann wieder an den genervten jungen Mann.
„Warum fahren sie dann nach Tokio?“
Seufzend sagte der Braunhaarige: „Das geht sie nichts an. Oder frage ich sie danach, was sie in dieser Stadt wollen?“
Der Alte schien Gefallen an dem Gespräch zu haben. Gerade wollte er was erwidern, als ein lautes Geräusch durch den Raum ging. Der junge Mann war blitzschnell auf den Beinen.
„Das war ein Schuss…“, sagte er mit bebender Stimme. In der nächsten Minute fiel er in ein tiefes schwarzes Loch. Dieses Geräusch erinnerte ihn an etwas.
„Das kannst du nicht machen, John. Ich kenne dich! Du bist nicht der Mann, der seinen eigenen Bruder erschießt! Lass die Waffe sinken!“
„Warum sollte ich, Alexander? Du hast mich belogen und betrogen bis zum heutigen Tag. Du
und deine Kate!“
„Aber, John…“
„Nun wirst du bezahlen. Bezahlen für das, was du mir angetan hast! Du kommst hier nicht mehr raus…“
Er war wieder in seinem Abteil. Was war das nur gewesen? Wer waren diese Männer und was hatten sie mit ihm zu tun?
Jemand schlug ihm hart auf den Bauch und er schaute auf.
„Aufstehen!“
Der alte Mann war weg und vor ihm stand ein Mann mit schwarzer Maske. Er hatte eine Pistole in der Hand und fuchtelte wie wild damit rum. Erst verstand der Braunhaarige nicht, was hier passiert war, doch dann begriff er. Man hatte sie überfallen. Aber warum?
„Aufstehen, habe ich gesagt!“
Der Mann packte den Braunhaarigen am Hemd und zog ihn hoch. Er schaute ihn an und erstarrte.
„Seto Kaiba?“
Sein Hemd wurde losgelassen und die erstaunten Augen des Maskierten ruhten auf seinem Opfer. Dann schien er sich wieder gefasst zu haben und drückte dem Blauäugigen seine Pistole an die Schläfe.
„Ich hoffe sie haben sich schon passende Worte überlegt, Herr Kaiba, denn das wird ihr letzter Ausflug werden. Au revoir.“
Ein lauter Schuss hallte durch den Zug und lies die Fahrgäste erschaudern. Danach hörte man das Geräusch eines fallenden, leblosen Körpers. Das Licht in den Augen des Mannes erlosch und Blut triefte auf den schmutzigen Teppichboden Ein Kind begann zu schreien und plötzlich war es still im Zug nach Tokio.
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Ich hoffe, es war nicht zu schlimm für euch. Aber so fängt das Ganze an.