Am Rande der Nacht

entgegenzukommen, „Hab ich den Job noch?“
„Ja ja, haben Sie“, antwortete er noch ein wenig zerstreut. Er räusperte sich, wischte sich mit einem blütenweißen Stofftuch einige Schweißperlen von der Stirn und warf mir einen fast flehenden Blick zu. Ich kannte ihn eigentlich als sehr autoritären, wenn nicht gar herablassenden Zeitgenossen. Umso mehr musste ihn der Vorfall mitgenommen haben. „Nun... eh... Würden Sie in einer Stunde nochmal wiederkommen?“, bat er.
„Natürlich“, kroch ich ihm in den Hintern. Er hatte sich’s verdient. Immerhin durfte ich in der Firma bleiben, „Bereiten Sie in Ruhe Ihre Standpauke vor und ich denke derweil über ein paar gute, aber garantiert gelogene Erklärungen nach, die Sie sowieso nicht hören wollen, einverstanden?“
„Einverstanden“, erwiderte er matt. Mit einer Geschwindigkeit, als hätte es in der Schule zur Pause geläutet, sprang ich auf und marschierte auch schon auf die Tür zu. „Oh, und Virgin...?“, rief er mich noch einmal zurück. Ich neigte wissend den Kopf. „Es bleibt unter uns, wenn Sie sich endlich angewöhnen, mich beim Vornahmen zu nennen.“
Na also. Der alte Mann lächelte schon wieder. Meine gute Tat hatte ich damit für heute getan. Das kam nun wahrlich nicht oft vor.