Am Rande der Nacht
mich auf den Boden fallen und tat es Rick nach, legte meine Hände auf die zur Unkenntlichkeit verbrannte Masse, die einmal ein Bein gewesen war. Mein Mitbewohner musterte mich prüfend. Als er schließlich zu sprechen begann, klang er, als bete er. „Ya aëmus vela ravem enis“
„Ya aëmus vela ravem enis”, echote ich, weit weniger feierlich. Eine von Ricks Händen legte sich auf meine und dann durchströmte mich das Gefühl, das ich schon von den paar Malen kannte, die er mich geheilt hatte. Ein ruhiges, gleichmäßiges Pulsieren, das mich schläfrig und zufrieden machte.
Unendlich erleichtert sah ich zu, wie aus den unförmigen Überresten vor mir wieder Beine wurden, wie das zerstörte Gewebe gesunder Haut platzmachte, bis schließlich nur noch die größtenteils den Flammen zum Opfer gefallene Hose an den schaurigen Anblick erinnerte.
Klirrend fiel mein Dolch aus seiner Hand, die ihn eben noch, vor Schmerz verkrampft, fest umklammert hatte. Der Rotschopf seufzte tief, rührte sich nicht. Rick robbte ein Stück zur Seite, bis er neben seinem Kopf saß. „Cunno“, sagte er ihm direkt ins Ohr, woraufhin er sofort einschlief. Friedlich lag er da, mit entspannten Zügen und gleichmäßigem Atem und erinnerte nun wieder an den, der mich gnädigerweise aus meinem Alptraum geweckt hatte.
„Das war verdammt knapp“, ermahnte mich mein Mitbewohner leise. Ich nickte zustimmend. Das war es in jeder Hinsicht gewesen. Wir wuchteten den Schlafenden zu zweit auf’s Bett. Die Gefahr, dass er aufwachen würde bestand nicht, wie ich aus eigener Erfahrung wusste. Ein entschiedenes Cunno, vom Richtigen gesagt, war zuverlässiger als alle Schlafmittel zusammen.
„Tut mir leid, dass ich so spät da war“, beteuerte Rick, „Er hatte mich eingeschlossen und ich hatte meinen eigenen Schlüssel nicht im Zimmer.“ Verlegen strich er sich über den Hinterkopf. „Ich fürchte, wir werden demnächst eine neue Tür kaufen müssen.“ Ich musste lachen. „Das ist momentan mein kleinstes Problem.“ Ich hob den Dolch vom Boden auf und legte ihn zurück auf den Schreibtisch. „Woher hast du den?“, wollte Rick wissen.
„Von Nicks Mentor. Da fällt mir ein, dass ich dir das Ding geben sollte. Und den Stein.“ Er stellte sich neben mich und betrachtete beides eingehend. „Alles klar“, meinte er, „Ich kümmere mich morgen darum. Für heute bin ich mit meinen Kräften am Ende.“
„Was wirst du damit machen?“
„Daraus“, korrigierte er mich nicht ohne Stolz. „Eine brauchbare Waffe... Hoffentlich.“
Das genügte mir vorerst. Auf dem Bett rollte sich der Schlafende auf die Seite. „Wann wird er aufwachen?“, fragte ich. Rick sah auf die Uhr. „So gegen Mittag, fürchte ich. Ich hab mir nicht sehr viel Mühe gegeben mit dem Wort.“
„Das ist okay. Kannst du dafür sorgen, dass er nicht abhaut?“
„Sicher. Ich pass auf. Du willst ihm ja nichts Böses.“
„Will ich nicht? Da wär ich mir nicht so sicher“, knirschte ich. Ich konnte nicht gerade von mir behaupten, dass ich den Kerl sonderlich mochte.
„Ya aëmus vela ravem enis. - Ich wünsche dir kein Leid. In der alten Sprache kann man nicht lügen, selbst wenn der Kopf nicht weiß, was man sagt“, erwiderte Rick gelassen.
„Klugscheißer“, maulte ich. „Ich muss noch was erledigen. Hast du mein altes Wörterbuch noch? Japanisch – Englisch?“
„Ja, bestimmt irgendwo. Aber was willst du damit?“, wunderte er sich.
„Sprechen“, antwortete ich. Er seufzte, machte jedoch keinen weiteren Versuch, mehr aus mir herauszukriegen. Dazu kannte er mich einfach zu gut. Stattdessen ging er in sein Zimmer, um das Buch zu suchen. Ich nutzte die Gelegenheit und ließ den Staubsaugerbeutel mit der Asche in meinem Rucksack verschwinden.
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Öff, das war ne schwere Geburt. So liest es sich leider auch. Das nervige Wissenschaftsdeutsch im Studium versaut mir meinen schönen, kitschigen Fanficschreibstil *schnief*. Das Kapitel holpert so dahin, aber ich wollte über diese Stelle endlich mal rüber! Na egal, hoffe, ihr hattet euren Spaß und falls es Yaoi-Fans unter euch gibt: Ätschbätsch! Nix passiert! Reingefallen!
*husträusper* Okay, dann flüchte ich jetzt mal lieber zu meinen Büchern.