Im Licht der Dunkelheit

wie war sie nur auf das Motiv gekommen?
Als ich sie den Tag über sah, sprach ich sie nicht darauf an. Was hätte ich auch sagen sollen? Mein Verhältnis zu meine Eltern war nicht so gut, dass ich mit ihnen über meine Träume sprach. Ich fand, das war auch eine sehr persönliche Sache und sagte zu viel über den eigenen Seelenzustand aus, das hatte ich von Morten gelernt. Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machten.

All diese Ereignisse in letzter Zeit ließen die Erinnerungen an das, was damals passiert war wieder aufleben. Ich musste jetzt einfach wieder daran denken, vor Allem nach diesem Traum. Schon vor ihrem Brand wurde diese Kathedrale immer von den Leuten gemieden. Sie war entehrt, weil es darin schon seit kurz nach ihrem Bau eine Reihe von Selbstmorden gab und auch andere mysteriöse Unfälle passiert waren. Sie galt allgemein als verflucht. Doch man wollte sie nicht abreißen, nicht nach all dem Aufwand mit dem Bau und all den Kosten. Also entschied man sich, sie einfach dort stehen zu lassen, dort am Rande der Stadt als religiöser Schandfleck. An dieser Stelle hätte sowieso niemand mehr sein Haus gebaut. Und über die Jahrzehnte verfiel sie langsam, doch nur von außen und kaum Jemand begab sich in ihre Nähe. Nicht einmal die Feuerwehr als der Brand geschah. Sie ließen die Kathedrale einfach abbrennen und Niemand kam, um zu gaffen, wie es ja bei Bränden oft üblich war. Keine Polizei befasste sich mit dem Fall. Sie waren einfach nur froh, dass der Spuk endlich enden würde. Doch dem war nicht so. ich bekam heute noch Magenschmerzen, wenn ich daran dachte, was passiert war. Denn sie Kathedrale war nicht abgebrannt. Ich wusste noch, wie ich damals halb verrückt geworden war, als ich sie da am nächsten Tag unverändert und unbeschadet da stehen sah, als hätte sie niemals auch nur einen Funken abbekommen. Sie war einfach wieder da und grinste mich spöttisch an, zeigte mir, dass ich wohl verrückt sein musste, mit nichts als ihren gleichen Kratzern und Beschädigungen an der Außenwand, welche sie noch vor Tagen zuvor gehabt hatte. Ich war mir sicher, ich wäre auch verrückt geworden, wäre Morten nicht gewesen. Er hatte ja auch alles gesehen. Er war mein Zeuge, dass mein Verstand doch noch einigermaßen gesund sein musste und dafür war ich ihm mehr als dankbar. Damals wollte ich mich wieder mit ihm treffen, um darüber zu reden, um damit fertig zu werden. Doch wie lange wir auch zusammensaßen um zu reden, ich bekam einfach keine klaren Antworten von ihm. Er wusste etwas, doch er erzählte es nicht. Er meinte immer, ich sollte es selbst versuchen herauszufinden. Er wollte mir das Kartenlegen beibringen und sprach viel darüber, welche Methoden wohl die besseren seien und welche nur Spielerei und fragte mich, wie ich das Eine oder Andere Blatt deuten würde. Doch ich wollte niemals selbst Karten legen und schon gar nicht, dass sie mir gelegt wurden. Er mag es vielleicht interessant gefunden haben, doch ich wollte nur etwas über meine Zukunft wissen, solange es etwas Gutes war. Ja, manchmal wählte auch ich lieber den Weg der Ignoranz, weil ich vielleicht einfach keine schlechten Nachrichten mehr ertragen hätte.