Im Licht der Dunkelheit
hätte sie nichts begriffen. „Aus irgendwelchen Gründen bist du die Einzige, die diese Kathedrale zerstören kann-“, “Ich soll sie zerstören?“, „Ja, damit niemand mehr wie uns geboren werden kann und wir endlich sterben können“, erklärte er. „Oh Mann.“, sagte ich. Das wurde mir langsam zu viel. Warum denn nur gerade ich? Wenn ich das richtig verstanden hatte, sollte ich die beiden töten und alle, die sonst noch unsterblich waren und aus dieser Kathedrale kamen. Das konnte ich, verdammt noch mal, nicht tun. Ich stand auf, um mir etwas zu trinken zu holen und als ich kurz an der Theke wartete, wurde mir klar, dass ich diese Geschichte langsam zu glauben begann. Unglaublich, dachte ich, aber ich war nun einmal nicht gerade der ignoranteste Mensch und musste zugeben, dass es mal schön war, zu glauben, dass etwas so Phantastisches wirklich gab. Mit der Flasche Rotwein und einem Glas kehrte ich an den Tisch zurück. „Was habt ihr euch eigentlich gedacht, wie ich allein diese Kathedrale zerstören soll?“, fiel mir ein. „Ich. .weiß es nicht.“, gestand Morten. Na das war ja ein guter Anfang.
Als der Rotwein langsam begann, sich in meinem Blut zu verteilen, ließ auch endlich diese schmerzhafte Last nach, die seit dieser Nachricht auf mein Inneres drückte und als ich gerade in Gedanken diesem köstlichen Getränk dankte, sprang Zaira plötzlich auf, die, wie sich rausstellte, die ganze Zeit über Wodka getrunken haben musste. „Na kommt schon, einen solch dramatischen Untergang gilt es doch zu feiern! Lasst uns unsere letzten Tage in vollen Zügen genießen und das verdammte Ende ehren!“, grölte sie fröhlich. „Auf die Erlösung und das Ende aller Schrecken!“, sagte sie feierlich und stieß mit mir an. Daraufhin nahm Morten ihr das Glas aus der Hand und trank es aus, „Auf die Erlösung!“, bestätigte er mit dem ersten wahren Lächeln, das ich von ihm sah. Ich war schon längst von der plötzlichen guten Laune angesteckt und tanzte mit Zaira zu einem Lied von Slayer.
Den ganzen Abend hatten wir noch getrunken und gefeiert bis der Laden schloss und der Besitzer uns herausgeschmissen hatte, und als wir nach einem ausgiebigen Stadtspaziergang endlich müde genug waren, verabschiedete sich Morten noch mit einem „Danke“ und ich mich bei ihm mit einem langen Abschiedskuss, der, wie ich hoffte, keine Folgen haben würde. Inzwischen hatte ich mich auch mit Zaira sehr gut angefreundet und wir gingen daraufhin noch etwas Frühstücken, insofern man das um drei Uhr morgens schon behaupten konnte. Wir hatten uns noch lange unterhalten und es stellte sich heraus, dass sie doch nicht diese Lügnerin war, wie ich es anfangs von ihr dachte und als ich irgendwann um sechs Uhr ins Bett kam, wünschte ich mir nichts mehr, als dass es kein Morgen gäbe. . .