Drachengeist

Ausschau. Er sah sich die Ganze Zeit um und flog manchmal auch noch ein Stück höher, um besser sehen zu können, aber er fand keine. Auch Jessica sah sich um, aber sie konnte wegen der Dunkelheit fast nichts sehen und glaubte sowieso, dass Saphir, oder generell Drachen, bessere Augen hatte als Menschen. Sie würde, wenn es in dieser Gegend überhaupt eine Höhle gab, sie sowieso übersehen. Für sie sah in der Dunkelheit alles relativ gleich aus: Überall Berge und Klippen, Täler und Wälder, von denen sie manchmal nur die Umrisse von Baumwipfeln sah.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon suchten, aber es schien ihr nach einer Weile hoffnungslos noch eine Höhle zu finden. Saphir setzte wieder zum Landen an und Flog tiefer. Jessica ging davon aus, dass er, nachdem sie geglaubt hatte, keine Höhle mehr zu finden, auch die Hoffnung aufgegeben hatte oder eben wie sie dachte, dass es keinen Sinn mehr hatte, weiter zu suchen, aber als sie nicht mehr weit vom Boden entfernt waren, sah sie einen Eingang in eine Höhle. Saphir hatte es tatsächlich geschafft eine Höhle zu finden! Aber als sie gelandet waren und Jessica sich von dem Rücken des Drachen rutschen ließ, hatte sie ein komisches Gefühl, wie ein Stein im Magen. Irgendwie wollte sie nicht in diese Höhle gehen, aber sie konnte sich nicht erklären warum, außerdem hatten sie keine andere Möglichkeit; ansonsten mussten sie Draußen schlafen.
Jessica versuchte sich abzulenken und nicht auf dieses Gefühl in ihrem Bauch zu achten und hoffte, dass Saphir nicht sofort verschwand, damit sie ihn morgen früh nicht schon wieder rufen musste, damit sie weiter nach den Gargoillen und dem Drachengeist-Kristall suchen konnte, doch das Gefühl wurde immer stärker, aber jetzt konnte sie nicht mehr zurück. Dicht neben dem Drachen ging sie in die Höhle um abzuschätzen, wie groß sie in etwa war, aber es war zu dunkel um etwas zu erkennen, aber jeder ihrer Schritte halte lange wieder, also schätzte sie, dass sie ziemlich groß war. Sie wollte sich eigentlich sofort hinlegen und schlafen aber plötzlich zuckte sie zusammen und ein gewaltiger Schauer lief ihr über den Rücken als sie wieder die kratzenden Geräusche der Gargoille hörte. Es waren viele Stimmen, sehr viele, aber genau wusste sie es nicht, weil sie alle auf einmal sprachen. Wahrscheinlich hatten sie sie und den Drachen schon bemerkt. Schnell machte sie kehrt und lief mit dem Drachen aus der Höhle. Noch als sie sich umdrehte, hörte sie, dass sie schon verfolgt wurden. Sie hatten zwar vorgehabt, den Gargoillen den Drachengeist-Kristall abzunehmen, aber sie waren zu viele; man brauchte sie dafür nicht zu zählen. Die fünfzehn Gargoille, die Jáy mit Jessica losgeschickt hatte, konnten sie vielleicht noch überlisten, aber diese Gruppe waren mindestens 50! Das konnten sie nicht schaffen!
Als sie rannten und von den Gargoillen verfolgt wurde lief Jessica zu ihrem Drachen und packte mit einer Hand wieder ein Horn. Es würde zwar schwieriger sein, beim laufen auf den Rücken des Drachens zu klettern, aber zum Anhalten hatten sie keine Zeit. Sie versuchte während des Laufens abzuspringen und sich auf den Rücken des Drachens zu katapultieren, aber beim ersten Versuch knallte sie gegen die Flanke des Drachen und wäre beinahe hingefallen. Sie raffte sich wieder auf und versuchte es noch einmal. Sie versuchte sich so doll wie nur möglich abzustoßen und flog förmlich auf Saphirs Rücken. Sie drückte wieder ihre Beine an den Bauch des Drachens und hielt sich an seinen Hörnern fest. Die vielen Stimmen der Gargoille waren und schon sehr nahe. Sie mussten sich beeilen und abheben. Im nächsten Augenblick verlor Saphir auch schon den Boden unter seinen Pranken und hob ab. Er hatte seine Schwingen schon ausgeklappt und ruderte wie wild mit ihnen in der Luft, um schnell an Höhe zu gewinnen. Schon nach wenigen Sekunden, so schien es Jess, waren sie schon außer Reichweite der Gargoille. Nachdem sie ihnen entkommen war, überlegte sie, mussten sie zurück-gegangen sein, Verstärkung geholt haben und weiter nach ihr gesucht haben und am Abend wollten sie in dieser Höhle übernachten und am nächsten Tag weiter nach der Flüchtigen suchen, aber auch sie wollten sich in dieser Höhle niederlassen und sind selbst entkommen, nachdem so viele Gargoille hinter ihnen her gewesen waren.

Nach zehn bis fünfzehn Minuten landeten sie wieder auf einem Berghang, auf dem ein Wald aus vielen verschiedenen Baumarten stand. Jessica suchte sich ein Plätzchen unter einem Baum, legte sich hin und schlief sofort ein. Sie war erschöpft und immer noch etwas überrascht und geschockt und wollte nur noch schlafen. Der Drache legte sich neben sie und schien auch sofort zu schlafen; ihm musste es ja genauso gehen. Im Schutz des Drachen vor dem Wind konnte Jessica gut schlafen, aber sie war auch viel zu erschöpft, um den Kalten Wind und den harten, nassen Boden unter sich zu spüren.