Because I love you
Was für ein Hundeleben
Kapitel 2 – Was für ein Hundeleben
„Mein Schädel brummt vielleicht.“, stammelte Tyla und griff dabei an ihren Kopf. Nur langsam gewöhnten sich ihre Augen ans fahle Licht des Mondes. Es war nicht schwer festzustellen das tiefe Nacht herrschte.
„Was mach ich denn überhaupt hier und das auch noch um solch eine Zeit. Es riecht nach feuchter Erde und mir ist schrecklich kalt. Einfach mal scharf nachdenken, also ich hatte einen schrecklichen Alptraum. Chris war Tod und ich, ich auch, oder? Nein, ich sollte ihn retten. Aber das ist ja nur Schwachsinn und beantworte mir nicht was denn nun geschehen ist! Ich war doch auf keiner Party, hab nichts getrunken, also kann ich doch auch gar keinen Filmriss haben. Dann war das vielleicht gar kein Traum…?“
Tyla schüttelte den schmerzenden Kopf und biss vor Schmerzen die Zähne fest zusammen. Erst als das durchdringende Pochen langsam weniger wurde wollte sie sich aus ihrer liegenden Position erheben. Aber als sie versuchte sich hin zustellen taumelte sie wie eine Betrunkene und landete mit einem dumpfen Aufprall unmittelbar wieder im Dreck. Tyla verstand die Welt nicht mehr, entsetzt schaute sie an sich herunter. Ihre Augen weiteten sich und nachdem sie sehr sorgsam ihren ganzen Körper gesichtet hatte, schrie sie aus voller Lunge:
„Oh mein Gott, oh Gott, oh Gott… Meine Hände, meine Haut…, was? Es war kein Traum! Ich – ich bin ein Hund! Oh mein Gott, ich bin ein Hund! Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Ich muss träumen, anders geht das doch gar nicht.“
Es fehlte nicht viel, da wäre sie rücklings wieder in Ohnmacht gefallen. Ungläubig wagte sie sich nochmals zu vergewissern, ob es doch nur ein kurzer Tagtraum gewesen wäre. Schwarzes, samtweiches, kurzes Fell, braune, große, süße Knopfaugen, zwei knuddelige Schlappohren, eine feuchte, kleine Hundeschnauze, wie vier schwer zu koordinierende, Tapspfoten, war was sie sah. Ihr neuer Körper, der auf keinem Traum beruhte. Nur ihr Hinterteil war nicht zusehen. Aber natürlich interessierte gerade dieser Bereich ihres Körpers sie, wie bei jedem Mädchen. Hecktisch begann sie sich im Kreis zu drehen um einen kurzen Blick auf ihre Rute zu erhaschen, jedoch vergeblich. Erschöpft vom hinterher hetzen lies sie sich auf wieder auf den Boden fallen.
„Ich bin ein Labradorwelpe, Ein Hund! Wie soll ich denn so Chris retten? Oh je. Das ist doch totaler Wahnsinn…, genau, dass muss es sein, ich habe den Verstand verloren, wäre schliesslich nicht verwunderlich, oder? Ach was labere ich schon wieder für einen Müll, ich bin ein Hund. Aber wie soll ich denn so nach Hause kommen? Um das Problem sollte ich mich wohl zu aller erst kümmern.“
Kurzerhand machte sie sich auf dieses Problem anzupacken, doch weit kam sie nicht. Es waren nur ein paar Schritte, dann strauchelte sie und fiel um. Vor Wut tobend fing sie an sich und ihre Lage zu verfluchen:
„Verdammt, wie soll man denn mit vier Beinen laufen. Aaah, das sind zwei zu viel! So ein verfluchter Mist. Ich hasse es, ich hasse alles. Es ist doch nicht zu fassen! Bei dem Tempo bin ich in vier Wochen, mit viel Glück, gerade mal aus diesem scheiß Wald draußen.“
Enttäuscht von dem herben Rückschlag, presste sie die Zähne knirschend zusammen und voller Wut und Entschlossenheit versuchte sie es noch einmal und tatsächlich, diesmal gelangen ihre schon mehrere Meter, auf denen sie nur zwei oder dreimal einen Baum streifte. Glücklicherweise gewöhnte sie sich nach und nach an ihren neuen Körper, zumindest was das Gehen anging.
Tyla hatte schon ein erhebliches Stück zurück gelegt, als ihr Bewusst wurde dass sie sich verlaufen hatte. Ängstlich schaute sie in die Dunkelheit, die alles umgab. Die Bäume waren riesig, viel größer als sie es gewohnt war und bedrohlich wehten die schwarzen Blätter im Wind. Von überall her ertönten grausige Geräusche, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließen. Ihre Ohren schmerzten von den lärmenden Tönen, die ihr ein Gefühl gaben, als würde ihr Gehör jeden Moment zerplatzen. Panik, ein Tyla nur all zu bekanntes Gefühl, überkam sie. Hektisch, geradezu hysterisch, hüpfte das kleine Hündchen umher. Sie knurrte ins Nichts, fletschte die Zähne obwohl nichts zusehen war. Und da geschah plötzlich wovor ihre Sinne sie die ganze Zeit versuchten zu warnen. Eine riesige Eule stürzte sich aus dem schwarzen Sternenhimmel herunter, auf sie. Gerade noch im allerletzten Moment sprang Tyla zur Seite und entging nur knapp den blitzenden Krallen der hungrigen Eule. Einen winzigen Augenblick lang sahen sich die beiden an. Die gelben, glühenden Augen der Eule durchdrangen Tyla und von Todesangst gepackt blieb ihr nichts weiter als die Flucht. Sie rannte so schnell wie ihre vier kleinen Pfötchen sie trugen. Sie sprang über kleine Äste die ihr den Weg versperrten und fiel dabei kein einziges Mal hin. Immer wieder versuchte sie zuhören, ob die Eule ihr noch folgte, aber es gelang ihr nicht. Der Wind pfiff ihr um die Ohren und drang alle anderen Geräusche ab. Nach hunderten von Metern, völliger Orientierungslosigkeit, machte die kleine Hündin schlapp. Erschöpft knickten ihre kurzen Beine weg und letztendlich blieb sie hechelnd liegen. Nachdem sich ihre Atmung wieder ein wenig normalisiert hatte, schaute sie sich um. Zu ihrer Erleichterung hatte die Eule bereits aufgegeben und das gab Tyla ein kleines Gefühl von Sicherheit.
„Na das war ja was, so viel Action bekommt mir echt nicht. Warum musste es gerade ein Hund sein?! Ach bringt ja alles nichts, also schön, wo bin ich denn hier? Obwohl ich langsam eh die Hoffnung aufgebe, jemals nach Hause zu finden. Aber hmm…, Moment mal was ist denn das?“
Die Ohren des kleinen Hündchens zuckten zusammen und ein wohltuendes Gefühl erfüllte sie. Endlich gab es wieder Hoffnung für sie.
„Da ist eine Straße. Ja, ich höre die Autos ganz klar und deutlich, sie kann also nicht weit sein. Sollte das etwa bedeuten, dass ich zur Abwechslung auch mal Glück habe. Ganz sicher, jetzt wendet sich das Blatt, ha!“
Flink machte sich Tyla wieder auf. Sie sprang auf ihre Pfoten und tapste weiter hinfort, wobei sie sich voll und ganz auf ihr Gehör verließ. Wie erwartet dauerte es nicht lange bis Tyla endlich aus dem dunklen Wald heraus fand und bei der, für sie gigantisch erscheinenden, Kirche ankam.
„Endlich, ich dachte schon ich würde nie mehr aus diesem Wald raus finden. Aber jetzt wird alles wieder gut, nun weis ich wieder wo ich bin und wo ich hin muss. Jetzt stellt sich nur die Frage, „Wie“. Zu Fuß brauche ich bestimmt einen ganzen Tag, wenn ich durchgehend laufe. Mal überlegen, mit dem Auto braucht man circa eine Stunde. Aber das ist nun mal ein Auto und ich bin ein Hund mit einer Beinlänge von, Gott weis wie kurz. Ich muss ruhig bleiben und überlegen, denn wenn ich jetzt wieder in Panik und Selbstmitleid verfalle, bin nicht nur ich, sondern auch Chris verloren. Also Tyla, du schaffst das schon, bleib nur ruhig…!“, machte sie sich selbst Mut.
Sacht wedelte ihr Schwanz über den Boden, während sie saß und nachdenklich in den Himmel schaute. In ihren Augen spiegelte sich der sichelförmige Mond und die Entschlossenheit war in ihr Gesicht gezeichnet.
Plötzlich, nach längerem sitzen und denken, kam ihr die zündende Idee.
„Ich hab’s! Der Bus. Ich muss es irgendwie in den Bus schaffen, wenn ich in dem drin sitze, komme ich Kinderleicht nach Hause, ohne viel Mühe, ohne schmerzende Pfoten und vor allem ohne großen Zeitaufwand. Ha, ich bin ja so gut! Nun denn packen wir’s an, ab zur Bushaltestelle.“
Sie platzte fast vor Glück und Stolz und hätte sie jemand gesehen, so hätte er sicher bezeugen könne, dass auch Hunde strahlen und lachen können.
Es war ihr selbst nicht ganz klar woher sie noch diese Kräfte nahm, doch darüber zerbrach sie sich nicht lange den Kopf. Rasch hatte sie sich erhoben und war los gerannt. Sie lief über den Friedhof und auch diesmal schlich sich dieses kalte, einschüchternde Gefühl von Angst in ihre Knochen. Ohne es bewusst zu wollen wurde sie immer schneller. Erst an der Straße angekommen bremste sie ab. Recht überflüssig schaute sie nach rechts und schliesslich nach links, ein weiteres mal nach Rechts und lief anschließend zur gegenüberliegenden Straßenseite. Von dort aus konnte sie im gelblichen Schein der verdreckten Straßenlaternen bereits das Haltestellenschild des Busses erkennen. Putzmunter bewegte sie sich in großen Sprüngen auf die Haltestelle zu, doch am Ziel angekommen, bot sich ihr eine neue Herausforderung, der Fahrplan. Es war ein gewöhnliches Holzhäuschen, wie es häufig an Bushaltestellen zu finden war. Unter der kleinen Unterdachung war eine Bank, die einen halben Meter über dem Boden angebracht war. Über der hölzernen Bank, an der Wand des Unterstands hingen die Fahrpläne, verschlossen in einem gläsernen Kasten. Tyla war mit einem Blick klar was es zu tun galt. Sie stand unmittelbar vor der kleinen Sitzbank und bereitete sich vor zum Sprung. Die kleinen Vorderpfötchen bereits nach obenhin ausgestreckt, sprang sie ab. Geradeso schaffte sie es, sich mit ihren Krallen am Holz fest zu halten. Mühsam zog sie sich hoch und nach größten Anstrengungen hatte sie es endlich geschafft. Ein erleichterter, herzhafter Puster war zuhören, da war Tyla bereits wieder fit und bereit weiter zu machen. Noch etwas wackelig auf ihrem Hinterlauf und die beiden Vorderpfoten fest gegen die Glasscheibe gestemmt.
„Ha, ha, so weit so gut. Aber…, och nein! Wie spät haben wir es denn jetzt eigentlich? Das kann doch alles nicht sein! Alles geht schief, ich kann nicht mehr, meine Beine tun weh und ich bin Todmüde, aber das schlimmste, all die Anstrengungen waren völlig umsonst!“
Enttäuscht und verärgert über ihre eigene Dummheit ließ sie sich auf die Bank fallen. Alle Viere von sich gesteckt, lag sie auf dem Rücken und dachte angespannt darüber nach was