Because I love you
jedoch war es nur das leise Fiepen eines verletzten Hundes. Er rannte mit dem Hund im Arm ins Haus hinein. Nicht einmal eine Minute später kam er zusammen mit seiner Mutter wieder aus dem Haus heraus gestürmt. Über Tyla war eine kleine Decke gelegt worden und seine Mutter hielt den Autoschlüssel fest in Händen. Doch das hatte Tyla bereits nicht mehr mitbekommen, sie verlor sich erneut im schwarzen Nichts der Angst. Der Angst durch einen kleinen, dummen Fehler alles zu verlieren.
„Ein Glück, dass sah schlimmer aus als es eigentlich war. Wir konnten sie ja schliesslich schon gleich wieder mitnehmen.“
„Das stimmt wohl. Ich frag mich nur was dein Vater dazu sagen wird?“
„Ach Mama, guck doch mal wie süß sie ist, da wird Papa kaum sagen sie soll ins Tierheim und erstrecht nicht wenn erfährt was geschehen ist.“
„Na ja versuchen kannst du’s ja. Aber erzähl ihm lieber nicht das wir mit ihm beim Tierarzt waren, du kennst ihn ja.“
„Ja das tu ich, nur zu Gut.“
„Was sind das denn für Stimmen? Hä, bin ich nicht Tod? Ah, es tut alles weh, verdammt. Wo bin ich denn bloß schon wider?“
Von unglaublicher Neugier besessen, versuchte sich Tyla aufzurichten. Ihre Augen waren zwar offen, doch da sie in einem Korb lag sah sie nichts. Mit den Vorderpfoten versuchte sie ihren Oberkörper aufzurichten, aber ihre Beine wackelten wie Pudding und unliebsam plumpste sie zurück in den Korb. Chris, der die Hündin aus dem Augenwinkel heraus beobachtet hatte, sah wie die Kleine sich bemühte aufzustehen. Überrascht und Glücklich rief er nach seiner Mutter:
„Hey, sie ist aufgewacht! Schau sie dir mal an! Echt drollig, das Ding.“
„Hmm, welches Ding denn?… Moment mal…, ich? Ich bin doch kein Ding! Was fällt dem eigentlich ein?“, maulte Tyla in sich hinein, die mittlerweile auch mitbekommen hatte, das niemand sie verstehen konnte.
Beleidigt rümpfte sie die Nase, was Chris noch mehr in Verzücken versetzte, offenbar schien er einen Narren an dem kleinen Hündchen gefressen zuhaben, was Tyla natürlich genauso freute. Vorsichtig streckte Chris Tyla seine Hand entgegen, doch anstatt an ihr zu schnüffeln wie es sich eigentlich für einen völlig fremden, ängstlichen und jungen Hund gehört hätte, schmiegte sie sich genüsslich an. Chris belächelte dies und ließ es sich nicht nehmen, das kleine Hündchen gehörig zukraueln und zustreicheln.
Nun hielt Tyla gar nichts mehr, nicht einmal ihre bohrenden Schmerzen, keine Kraft der Welt hätte sie noch halten können. All ihre Gefühle hatten sie übermannt, all die Trauer, das Glück und der winzige Wink der Hoffnung. Sie sprang aus dem Korb heraus, direkt in Chris Arme. Es war so seltsam wieder bei ihm zu sein, obwohl er vor kurzem doch noch unerreichbar für sie war. Sie spürte seine warme Hand auf ihrem Rücken, die langsam und sacht über ihn rüber strich. Tyla wünschte sich nichts sehnlicher als das dieser Moment ewig anhalten würde, doch dem war natürlich nicht so. Höchst vorsichtig setzte Chris den kleinen Welpen zurück in seinen Korb. Dann ging er zurück in die Hocke und sprach zu Tyla:
„Jetzt bleibst du erstmal hier, schläfst ein bisschen und wenn dann mein Vater kommt, musst du genauso überzeugend sein wie eben, klar? Bis dahin hab ich ja noch genug Zeit mir einen Namen einfallen zulassen. Also Schlaf schön!“
Tyla, die jedes Wort ihres neuen Herrchens verstanden hatte, legte sich sofort hin und schloss die Augen. Erstaunt und verwirrt zugleich sah Chris das kleine Hundebaby an. Kopfschüttelnd verließ er den Raum.
„Ich hab es tatsächlich bis hier her geschafft. Nun brauch ich nur noch schlafen und gesund werden, alles andere schaffe ich auch. Endlich muss ich keine Angst mehr haben. Endlich bin ich in Sicherheit, endlich…“
Das kleine Köpfchen fiel zur Seite und innerhalb weniger Sekunden war Tyla eingeschlafen.
Es war bereits Abends, als Tyla wieder aufwachte. Dem lautstarken Gespräch, welches aus der Küche bis ins Wohnzimmer drang, war zu entnehmen, dass es um sie ging. Wie schon erwartet war Chris Vater alles andere als erfreut, doch von dieser Kleinigkeit wollte sich Tyla nicht mehr aufhalten lassen, dafür war sie bereits zu weit gegangen. Entschlossen und mit den letzten Worten von Chris im Kopf, verließ sie ihren Korb und stapfte mutig in Richtung Küche. Sie war schon oft bei Chris zu Hause gewesen und kannte sich daher bestens aus. Die Stimmen wurden lauter, umso weiter Tyla sich der Küche nährte.
„Irgend so einen Hund von der Straße aufsammeln, wohin kommen wir denn da? Du weist genau was ich darüber denke Chris.“
„Aber Papa sieh in dir doch wenigstens an! Sie ist so süß und lieb, außerdem wird sie schon nicht auf deine Möbel springen und auf den Teppich machen. Ich verspreche es dir. Wenigstens bis sie wieder Gesund ist und danach entscheidest du dann ob wir sie behalten oder doch weggeben. Was hältst du davon?“
„Ach Chris…, ein Hund? Aber wenn du es denn so sehr willst, geb ich wohl ausnahmsweise mal nach.“
Tyla hatte alles mit angehört. Im Türrahmen war sie stehen geblieben und hatte auf das Ende des Gespräches gewartet. Chris, der zuerst aufgestanden war, entdeckte die wedelnde Hündin. Freudestrahlend nahm er sie hoch und hielt sie seinem Vater vor.
„Das ist sie. Und ist sie nicht süß?“
Tyla war klar, das dies ihr Moment war. Nun musste sie alles tun um so knuddelig wie Möglich auszusehen. Sie riss die Augen weit auf, wedelte mit ihrem Schwanz und versuchte zu lächeln, was recht dümmlich aussah, aber trotzdem nicht seine Wirkung verfehlte. Sogar ein kleines Lächeln zauberte sie dem etwas störrischen Mann aufs Gesicht. Chris hielt ihm den jungen Hund entgegen. Nach kurzem Überlegen nahm schliesslich auch Chris Vater den kleinen Hund in den Arm. Tyla war nun klar, dass sie gewonnen hatte. Sie durfte bleiben, das also hatte sie vorerst geschafft.
„Na ja, wenigstens kein Mischling. Scheint recht pfiffig zu sein, das Kerlchen.“
„Mädchen.“
„Wie?“
„Na, das ist eine Hündin. Sira, werde ich sie nennen.“
„Ach so, hmm Sira also…! Na kleine Sira, du hast es ja gehört, meine Möbel sind tabu für dich.“
Lachend wuschelte Chris Vater ihr über den Kopf und setzte sie dann wieder behutsam ab. Chris, der sein Glück kaum fassen konnte, fiel seinem Vater um den Hals und bedankte sich ausgiebig. Damit fertig verließ er zusammen mit der anhänglichen Hündin den Raum. Während des Gehens drehte er sich zum, ihm hinterher tapsenden, Hund und meinte strahlend:
„Komm Sira, ich zeig dir mein Zimmer.“
„Ach das kenn ich doch schon.“, meinte Tyla und stellte sogleich fest das nichts weiter als ein seltsam klingendes Fiepen herausgekommen war. Chris aber schien das nicht zustören im Gegenteil, begeistert rief er:
„Wie süß, sie versucht mir zu antworten.“
Tyla, oder wie sie nun hieß, Sira zog ihre nicht vorhandenen Augenbrauen hoch und dachte sich:
„Manchmal ist er echt zu blöd, als ob Hunde reden könnten, ha. Na schön aber wenn er darauf abfährt, was tut man nicht alles für die große Liebe.“
„Nun komm schon Sira, etwas schneller bitte.“, drängelte ihr Herrchen sie und murrend machte sie sich auf ihm zufolgen.
„Er hat gut reden, schliesslich wurde nicht er wie eine Mumie einbandagiert…“, nörgelte sie in sich hinein und versuchte dabei die zahlreichen Stufen der hölzernen Treppe zu erklimmen. Endlich oben angekommen, war Chris längst in seinem Zimmer verschwunden, doch Tyla brauchte nicht lange sich zurecht zu finden. Alles sah durch den erheblichen Größenunterschied etwas anders aus, doch das bereitete ihr die geringeren Probleme. Viel eher schafften sie ihre Wunden vom Unfall.
„Da bist du ja. Was für ein schlaues Mädchen.“, empfing sie Chris, als auch Tyla es endlich ins Zimmer geschafft hatte. Freudig sprang sie ihn an, doch weit hinauf reichte sie nicht, gerade mal bis zum Knie reichte sie ihm. Chris aber lächelte nur freundlich, hob sie hoch und setzte sie auf sein gemachtes Bett. Verwundert schaute sie zu ihm auf, denn normalerweise tat Chris nie etwas, was seinem Vater missfallen könnte. Es war als verstände Chris was sie dachte und beruhigend erklärte er:
„Papa kommt hier nicht rein und da das hier so zusagen mein Reich ist, darfst du auch auf die Möbel, nur unten natürlich nicht. Verstehst du das?“
„Natürlich, bin doch nicht blöd.“, dachte sich Tyla mürrisch, obwohl sie von Innen fast platzte vor Glück. Wie eine kleine Diva machte sie es sich auf dem Bett gemütlich und schaute Chris dabei zu wie er ihr Körbchen einrichtete.
An diesem Abend wich Chris nicht mehr von ihrer Seite. Er blieb die gesamte Zeit über in seinem Zimmer und surfte im Internet, wobei er immer wieder einen kurzen, verstohlenen Blick auf die kleine Tyla warf. Diese spielte währenddessen vergnügt mit einem gigantischem Kuscheltier, es war fast doppelt so groß wie sie und erst dadurch kam ihr der Kampf gerecht vor.
„Ha, du hast doch keine Chance gegen mich, also gib lieber auf, General Pingu. Ich kenne eure bösen Absichten! Ihr wollt die Weltherrschaft um dann alles in eine unheimliche, gigantische Eiswüste zu verwandeln. Aber damit werden sie nicht durchkommen. Denn ich bin SuperSira, ha, ha… Oh man das ist ja so affig und macht so irre viel Spaß, juhu! Jetzt hab ich euch Pingu!!“
„Na du amüsierst dich ja prächtig. Dir scheint’s schon wieder richtig gut zu gehen, nicht wahr?“
„Nicht jetzt, ich rette gerade die Welt.“, drängelte Tyla ab, doch für Chris war es einfach nur ein kurzes, verspieltes Bellen.
Müde rieb sich der Junge die Augen und fuhr den PC runter. Er stand auf, schob seinen Stuhl an den Schreibtisch und drehte sich wieder zu Tyla.
„So meine Kleine, dann wollen wir mal schlafen gehen, nicht?“
Gesagt getan, Chris begann sein weißes Hemd aufzuknöpfen. Tyla war wie erstarrt. Dieser Moment war ihr unglaublich peinlich