Because I love you

und am liebsten wäre sie im Erdboden versunken. Das Hemd schwebte sacht zu Boden und landete neben Tylas Korb, in dem sie mittlerweile lag. Den kleinen Kopf tief ins Kissen gegraben, konnte sie die Neugier nicht bezwingen und ertappte sich selbst dabei wie sie nach ihm lugte.
„Okay, ich bleib jetzt einfach hier liegen und press den Kopf so fest wie möglich ins Kissen.“, malte sie sich aus, woraufhin sie ihre Idee auch gleich in die Tat umsetzte. Doch leider war ihre Idee nicht all zu ausgereift, denn bereits nach wenigen Sekunden waren ihre Sauerstoffvorräte erschöpft. Gierig nach Luft schnappend riss sie den Kopf hoch, doch was sie sah schockierte sie erneut. Chris war gerade dabei gewesen den Knopf an seiner Jeans zu öffnen. Tyla spürte wie ihr das Blut in den Kopf schoss und hektisch suchte sie nach einer Lösung. Chris wollte gerade die Hose runter ziehen, da sprang Tyla aus ihrem Korb und rannte zur Tür, an dieser sprang sie hoch, fiepte und kratzte. Fragend sah der halb ausgezogene Junge seinen kleinen Freund an, doch dann verstand er was los war.
„Ach so, du musst wohl noch mal, ne? Na dann komm mal mit raus.“
„Puh, es hat funktioniert. Die Hose ist noch dran. Aber das Hemd…, na ja das geht ja noch.“, fiel es ihr vom Herzen.
Erleichtert stolzierte Tyla Chris vorweg, die Treppen hinunter bis zur Terrassentür. Alles war dunkel unten, denn Chris Eltern waren bereits zu Bett gegangen. Nicht verwunderlich, da es schon zwei Uhr morgens war. Langsam und äußerst Vorsichtig schob Chris die gläserne Terrassentür auf. Eilig lief Tyla in die kühle Nacht hinein, denn zufälliger Weise musste sie wirklich. Auch Chris trat aus der Wohnung hinaus, um nach Tyla zu schauen. Die aber war schon in einem Gebüsch verschwunden, damit sie niemand beobachtete, schon gar nicht Chris. Der stand auf der Terrasse und fror bitterlich, denn trotz der herrschenden Jahreszeit, war es Abends immer recht kühl, vor allem wenn man mit freiem Oberkörper, Nachts im Garten stand.
Zufrieden und glücklich kam Tyla wieder aus ihrem Gebüsch heraus gekrochen und sah den zitternden Chris vor sich. Seine Muskeln zuckten zusammen und die Zähne klapperten. Leicht genervt strich sich Chris durch sein blondes Haar und schaute dabei hoch in den Wolkenüberzogenen Himmel. Als Tyla ihn so sah, traute sie sich nicht mehr sich zu bewegen. Das durch die Wolken schimmernde Licht des Mondes funkelte in seinen Augen, der kühle Wind wehte durch sein goldenes Haar. Es ließ Tyla erschaudern, so hatte sie ihn nie gesehen. Er hatte etwas nachdenkliches und trauriges an sich, dass Tyla so nicht von ihm kannte. Von seiner Traurigkeit angesteckt, setzte sie sich zu Chris Füßen und stupste mit ihrem Kopf gegen sein Bein. Sie senkte den Kopf leicht zur Seite und setzte einen fragenden Blick auf. Wie erwartet reagierte Chris auf sie und er schien zu verstehen was sie sagen wollte. Entschuldigend meinte er:
„Was, verwirr ich dich, das tut mir leid! Alles ist in Ordnung, also lass uns doch wieder hoch gehen, es ist ziemlich kalt hier draußen.“
Ein wenig enttäuscht richtete sie ihren Kopf zu Boden und folgte Chris ins Wohnzimmer, an der Tür blieb er stehen und verschloss diese wieder. Tyla währenddessen war bereits hoch geschlichen und sah sich um. Da kam ihr plötzlich die Idee. Ihre Pfoten waren noch voller Blumenerde und unmittelbar neben ihr, im Flur des Obergeschosses, stand der Wäschekorb. Um ihren Plan in die Tat umzusetzen musste sie nun nur noch auf Chris warten, der sich aber auch schon auf der Treppe befand. Dann auf der letzten Stufe, nahm Tyla es in die Pfote. Sie sprang Chris an und lies sich ganz, ganz langsam an seiner Hose wieder hinab. Es hatte funktioniert, die Hose war ordentlich mit Dreck beschmiert. Offensichtlich verärgert sah Chris Tyla an.
„Los geh ins Körbchen!“, befahl er und richtete seine Aufmerksamkeit danach wieder seiner Hose.
„So ein Mist, na ja muss ich sie halt in die Wäsche geben.“
Einen kurzen Blick riskierte sie noch und verschwand dann grinsend im Zimmer. In dieser Nacht schlief Tyla ungewohnt gut, keine bösen Alpträume die sie überkamen, keine kalte und unbequeme Holzbank auf der sie schlafen musste und kein Gefühl von Angst mehr, dass sie zerfraß.

Am nächsten Morgen, war es Tyla die zuerst wieder auf den Beinen war. Sie lag in ihrem Körbchen und beobachtete Chris beim schlafen.
„Er könnte so ein Machoarsch sein, wie all die anderen, schliesslich ist er bildschön, intelligent, beliebt, super sportlich und… trotzdem herzensgut. In der Schule und auch sonst ist er immer so unnahbar, jedoch nie unhöfflich und hier, hier ist er so verspielt und frei. Selbst wenn er niemals meine Liebe erwidern würde, darf ich ihn nicht sterben lassen. Das hat er einfach nicht verdient. Ach je…“
Mit diesen Gedanken stand Tyla vorsichtig auf und schlich sich zur Tür, während Chris sich hin und her drehte. Geschickt drückte sich Tyla durch die, einen Spalt offene, Tür. Sie lief in die Küche, wo ihr Futternapf stand. Mit größtem Missfallen begutachtete sie das streng riechende Hundefutter und zutiefst angewidert rümpfte sie die Nase.
„Äh, so was esse ich doch nicht! Aber wohin bloß damit? Hmm, hatte Chris nicht einen Gartenteich?!“
Mit diesem wenig ausgereiften Plan machte sich Tyla, zusammen mit ihrem Futternapf, auf ihn in die Tat umzusetzen. Mit dem relativ leichten Topf im Maul schlenderte sie durchs Wohnzimmer, bis zur Terrassentür, die zu ihrem unglaublichen Glück, aufgelassen wurde, als Chris Vater das Haus verlies um Brötchen zu holen. Das war ihre Chance, wie ein geölter Blitz schoss sie über den Rasen, bis zum Teich. Den Napf immer noch fest im Maul, machte sie sich ans Werk, sie legte ihren Kopf schief und schüttete so das Fressen ins Wasser. Als nach größter Mühe auch das letzte Stückchen Hundefutter verschwunden war, machte sie sich auf den Weg zurück. Sie hörte schon wie das Fahrrad auf den Hof fuhr und mit einem Satz sprang sie über die kleine Schwelle zurück ins Wohnzimmer. In der Küche verstaute sie wieder sicher ihren Futternapf und machte sich dann guter Hoffnung auf nach Oben. Vorsichtig schaute sie durch den offenen Spalt der Tür, doch niemand war da.
„Puh, Glück gehabt, er scheint duschen gegangen zu sein.“
Das kleine Hündchen lies sich auf sein Hinterteil fallen und betrachtete betrübt ihren knurrenden Bauch. Vor lauter Hunger bemerkte sie nicht einmal wie die Tür sich aufschob und Chris herein kam. Sie sah erst von ihrem Bäuchlein ab, als man sie ansprach:
„Na du, bist du also auch wieder da, kleine Ausreißerin.“
Tyla hob ihren Kopf und ein lautes Quieken, das mehr und mehr in ein Japsen überging hallte durch den ganzen Raum.
„Huch, was ist denn? Hast du dich erschrocken?“
Chris stand lächelnd in der Tür, mit nichtsweiter bekleidet als einem Handtuch, das nass über seiner Schulter hing und einer blauen Unterhose. Am liebsten wäre Tyla in diesem Moment Tod umgefallen, doch irgendwie erhörte man sie nicht und so blieb sie lediglich sitzen und starrte stur zu Boden. Chris aber lachte nur über das verwunderliche Verhalten seiner Hündin und ging zu ihr in die Hocke.
„Komm doch mal her Sira!“, bat er und streckte ihr beide Hände entgegen.
Wasser tropfte von seinen nassen Haaren herunter und lief über seinen muskulösen Oberkörper. Tyla war wie hypnotisiert, wackelig tapste sie auf Chris zu, direkt in seine offenen Arme. Grinsend nahm er den kleinen Hund und stand auf. Tyla merkte wie ihr immer schwindeliger wurde und alles in ihrem Kopf sich drehte. Chris schien mit ihr zu sprechen doch es kam nicht bei ihr an, alles was sie wahrnahm waren drehende Bilder. Plötzlich setzte Chris den kleinen Hund wieder zurück, völlig unerwartet für die Kleine und so sackte sie ordnungsgemäß zusammen.
„Sira, was ist denn mit dir?“, rief Chris bestürzt und ließ sich neben Tyla auf den Boden fallen.
„Oh je, reiß dich zusammen Tyla, sonst zieht er sich ja nie was an. Los, aufstehen!“, ermahnte sich Tyla selbst und versuchte sich aufzurichten.
Um nicht gleich wieder umzufallen, setzte sie sich und blinzelte Chris an. Überglücklich und erleichtert streichelte er Tyla über den Kopf. Dann ließ er das kleine Hündchen stehen und ging zu seinem Schrank. Ein paar Minuten später war er fertig angezogen und stand wartend in der Tür.
„Kommst du Sira?!“, fragte er die Hündin auffordernd und ging daraufhin raus auf den Flur. Tyla ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und folgte Chris hinunter in die Küche. Der stand bereits neben dem leeren Topf und stellte bewundernd fest:
„Oho, du musst ja einen Hunger gehabt haben.“
Tyla sah zum Futternapf, von diesem zu Chris und schliesslich zum reich gedeckten Frühstückstisch.
„Was heißt hier „gehabt haben“? Ich bin immer noch am verhungern!“
Chris hatte schon längst vom Hund und seinem Napf abgesehen. Er hielt einen kleinen Notizzettel in Händen auf dem offensichtlich etwas geschrieben stand. Nachdem er sich die Nachricht durchgelesen hatte, warf er den Zettel in die Mülltonne und drehte sich wieder Tyla zu.
„Wie’s aussieht müssen wir wohl alleine Frühstücken. Papa musste schon wieder früher los und Mama ist auch schon weg. Na ja, zumindest hat er Brötchen geholt.“
Er zog den Stuhl unterm Tisch vor und setzte sich. Wortlos griff er nach einem Brötchen und begann zu Frühstücken. Es war eine gedrückte und unangenehme Stimmung. Tyla spürte wie es Chris ganz klar nieder geschmettert hatte, alleine Frühstücken zu müssen. Oft hatte er erwähnt, das seine Eltern viel unterwegs sein, doch dass es ihm so nah ging hatte sie nicht gewusst. Sie hatte so vieles nicht über ihn gewusst, wobei sie sich doch schon so lange kannten. Es war seltsam und kaum zu ertragen für Tyla, doch hatte sie auch keine Idee was sie als kleiner Hund schon für ihn tun könnte. Denn ein Hund könnte doch keinen