Because I love you

weiter, hinaus auf den Hof, bis hin zum Auto. Unsanft warf er die ersten Taschen in den Kofferraum des Autos, zu Tylas größter Erleichterung war ihre Tasche die Oberste. Innerlich jubelnd rief sie:
„Endlich hab auch ich mal Glück, na wenn’s bloß anhält. Hoffentlich bleibt keine Zeit mehr nach mir zusuchen. Wie ich Chris Vater kenne wird er es ihm verbieten nach mir zusuchen wenn die Zeit so knapp ist.“
Erstaunlicherweise sollte sie recht behalten, Chris war völlig aufgelöst, geradezu hysterisch, als sein Vater ihm ausdrücklich und herrisch befahl, er solle die Suche nach dem Hund unterlassen. Chris sollte einen seiner Freunde mit der Suche beauftragen und in New York angekommen sich erkundigen. Natürlich war das für Chris völlig unakzeptabel, aber ihm blieb nichts anderes über als sich seinem Vater zu beugen.
Tyla platzte fast vor Glück als sich endlich das Auto in Bewegung setzte. Die Fahrt zum Flughafen war lang und extrem strapazierend für Tyla, jedoch ebenso anstrengend für Chris. Er hatte nicht ein Wort verloren und die Wut stand ihm ins Gesicht geschrieben. Auch als es endlich aus dem Auto heraus ging schwand Tylas Hoffnung nicht, sie hatte so ein unbegründendes Gefühl, das ihr Hilfe von Oben zuteil wurde und ganz unrecht hatte sie damit nicht. Chris nahm seine Tasche und folgte seinen Eltern, um ein zuchecken. Wie es üblich war mussten die Koffer zum Durchleuchten, die nächste Hürde die es zu meistern ging. Eigentlich hätte hier nun alles zu Ende sein müssen, dachte sich Tyla, doch der verantwortliche Beamte lies Chris Koffer ohne jegliches Kommentar durchlaufen und so landete sie auf dem Fahrzeug, das die Gepäckstücke in den Bauch des Flugzeuges verfrachtete.
Tyla platzte fast vor Neugier und nur zu gern hätte sie ihren Kopf aus der dunklen, muffigen Tasche heraus gesteckt, aber das Risiko in letzter Sekunde doch noch entdeckt werden zu können war ihr zu groß. Somit blieb sie vorerst in der Tasche, nur einen kleinen Spaltweit öffnete sie den Reißverschluss, um frische Luft zuschnuppern. Körperlich, wie auch Geistig war Tyla komplett am Ende. Es war ihr als hätte sie nicht ein Fünkchen Energie mehr, was auch nicht sonderlich verwunderlich war, ernährte sie sich schliesslich seit Wochen von nichtsweiter als Resten die Chris ihr aus reiner Güte abgab. Zudem rannte sie Stundenlang und das Tag für Tag, wie eine geisteskranke, hinter ihrem Herrchen her. Selbst Nachts fand sie keine Ruhe, denn in dieser suchten sie grausame Träume, Gedanken, wie Gefühle heim und ließen ihr keine Chance sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Sogar in diesem Moment war es ihr nicht möglich auch nur ein Auge zu schließen, obwohl sie vor Müdigkeit hätte Tod umfallen können.
„Das hat doch alles keinen Sinn mehr! Ich bin ein Frag, so kann ich doch niemanden retten, wahrscheinlich überlebe ich nicht einmal den Flug. Kaum Sauerstoff, seit Tagen, ach was Wochen, kein fester Schlaf mehr und der Antrieb ist wie weggewischt. Warum muss das bloß alles so schwierig sein?“, murmelte Tyla deprimiert in sich hinein. Natürlich hatte sie längst die Hoffnung begraben, jemand würde ihr Antworten geben auf ihre Fragen, doch musste sie, wenn auch nur mit sich selbst, reden um nicht völlig den Verstand zu verlieren. Aber diesmal sollte sich das ändern. Tyla erschrak sich fast zu Tode, als die ihr bekannte, sanfte Stimme sprach:
„Es ist so schwierig, weil du es dir so kompliziert machst. Geh die Aufgabe einfach mit mehr Vertrauen und Zuversicht an. Glaub an dich und deine Stärke, dann wird alles Gut. Außerdem bist du nie allein, denn schließlich sehe ich alles, wozu du selbstverständlich auch gehörst.“
Vorm ersten Schock erholt stellte Tyla zutiefst berührt fest:
„Also hast du mir doch geholfen. Ich wusste es, ich hab es gespürt. Aber was soll das bedeuten, ich soll mir selbst vertrauen, tue ich das etwa nicht?“
„Na diese Frage ist wohl überflüssig.“
„Stimmt.“, stellte Tyla beschämt fest.
„Du musst einfach deine Sorgen vergessen. Du hast genug Kraft in dir um das Vorgenommene auch zu bewältigen.“
„Aber das kann ich nicht. Ich kann einfach nicht vergessen und die Angst zu versagen frisst mich auf, mehr und mehr.“
„Das weis ich doch und deshalb bin ich schliesslich hier, um dir zu erklären wie es weitergeht Bis jetzt habe ich dir so gut wie möglich geholfen, aber sobald du in New York angekommen bist, mische ich mich nicht mehr ins Geschehen ein, dann bist du ganz auf dich allein gestellt. Merk dir das ganz genau, auch wenn das nun nicht gerade aufbauend ist!“
„Nein, das ist es tatsächlich nicht. Und meine Angst nimmt es mir leider auch nicht.“
„Auch dem bin ich mir bewusst, deshalb hab ich noch ein letztes Geschenk für dich. Der Flug wird einige Stunden dauern und in denen wirst du schlafen. Ich schenke dir einen unbeschwerten Schlaf, in dem du all deine Sorgen vergessen und dich regenerieren kannst. Mit der daraus gewinnenden Kraft kannst du es schaffen. Vergiss jedoch nicht, dass ich dir deine Angst nicht vollkommen nehmen kann, sie lebt in dir und solange du sie nicht selbst besiegst, kann sie dir keiner nehmen, so leid mir das tut. Deshalb lerne so schnell wie möglich an dich selbst zuglauben! Aber jetzt solltest du schlafen und dich erholen, kleine Tyla.“
„Aber…, ich wollt doch noch…“, wisperte sie bevor ihr die Augenlieder zu schlugen und all die Anspannung von ihr fiel.

Es rüttelte und schüttelte sie, Stimmen murmelten in der Ferne und ihrer empfindlichen Nase stieg der muffige Geruch des Koffers hinein. Tyla war aus ihrem tiefen Schlaf erwacht und wünschte sich nun nichts sehnlicher als endlich aus ihrem selbst gewählten Gefängnis zu kommen.
Alles hatte den Anschein sie würden im Haus Chris Großmutter angekommen sein, denn nach und nach wurden die Stimmen klarer was Tyla vermuten ließ angekommen zu sein. Sie hatte gar nicht bemerkt wie das Flugzeug gelandet war und sie samt Koffer ins Auto verfrachtet wurde, doch da war sie auch nicht schade drum. Sie hatte auch so schon genug Turbolenzen zu ertragen, besonders als Chris sich mit seinem Koffer die Treppen hinaufbegab. Die Tasche schlug Stufe, für Stufe auf und Tyla hörte wie Chris Vater schrie:
„Chris, heb die Tasche an! Du machst das Holz kaputt.“
Von Chris kam daraufhin nur ein mürrisches Knurren und das Aufschlagen hatte ein kurzweiliges Ende. Im oberen Geschoss angekommen öffnete er eine Tür, schritt hindurch und warf sie hinter sich zu. Er schleuderte die Tasche lustlos aufs Bett und Selbst lies er sich neben ihr nieder. Plötzlich war alles ganz still und Tyla sammelte all ihren Mut zusammen. Zögerlich und nicht im Geringsten davon überzeugt das Richtige zu tun, kratzte sie an der Innenseite der Tasche, um auf sich aufmerksam zumachen. Chris hob seinen Kopf erschrocken hoch und starrte seine Tasche an, aber nichts geschah. Für einen winzigen Moment glaubte er daran verrückt geworden zu sein, doch dann begann das Kratzen erneut. Wie von der Tarantel gestochen sprang der blonde Junge auf und griff sich seine Tasche. Mit aller Kraft riss er den Reisverschluss auf, so heftig, dass dieser kaputt ging und Tyla sich verängstigt in eins seiner T-Shirts grub.
Chris Augen weiteten sich und trotz des Glückes, dass er in diesem Moment empfand, saß der Schock so tief, dass es ihm die Sprache verschlug. Tyla aber ließ sich davon nicht beirren. Sie krabbelte vorsichtig aus der Tasche und sprang auf Chris Schoß. Sie war noch sehr wackelig auf den Beinen, fast so wie an jenem Tag als sie in Gestalt eines kleinen Hundes erwachte.
Nur zu gern hätte sie mit Chris gesprochen, doch er verstand sie leider nicht und obwohl sie das wusste ließ sie es sich nicht nehmen mit ihm zu sprechen.
„Ich freu mich so dich zu sehen, Chris. Ach könntest du mich doch nur verstehen. Ich könnte dir alles erklären.“
Das Fiepen des Hundes brachte Chris Augenblicklich seine Sprache zurück. Den Zeigefinger auf die Lippen gepresst zischte er:
„Pss sei doch still, wenn Papa dich hört!“
Tyla erschrak, daran hatte sie gar nicht gedacht.
„Was machst du hier bloß? Vor allem, wie bist du denn in diese Tasche gekommen? Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Irgendetwas stimmt hier nicht, das spüre ich! Tyla verschwindet spurlos und du tauchst aus dem Nichts aus. Du fliegst als „Schwarzer Passagier“ bis nach New York und das in meiner winzigkleinen Reisetasche. Also entweder verliere ich vollkommen den Verstand oder…, oder… ach was weis ich.“
Für einen kurzen Moment blieb Tyla das Herz stehen, doch als ihr klar wurde, dass er doch nicht hinter ihr Geheimnis gekommen war, schlug es gewohnt weiter. Auch die Sorge um ihr menschliches Ich schien sie tief zu berühren. Mit gemischten Gefühlen sah sie in die Augen, des ihr gegenübersitzenden Jungen, doch der schien sie bereits nicht mehr zu beachten. Um ihrer Verwirrung besser Ausdruck zu verschaffen senkte sie den Kopf schräg zur Seite, aber auch dies schlug nicht bei ihm an. Er schaute geradewegs an ihr vorbei. Selbst das auf- und abhüpfen des kleinen Hundes lenkte seine Aufmerksamkeit nicht um. Völlig erschöpft und Ideen los gab Tyla schliesslich auf. Sie setzte sich neben ihn ans Bett und gelangweilt, wie auch enttäuscht verfolgte sie seinen getrübten Blick. Er schwiff quer durchs Zimmer und traf…
„Ja ist es denn die Möglichkeit. Dieses Foto ist doch das gleiche, wie meins. Unser Foto, aber wieso dieser wehleidige Blick? Vermisst er mich etwa, schliesslich macht er sich ja auch Sorgen um mich, aber das soll er doch gar nicht. Was kann ich nur tun?“
Ihr nachdenklicher Blick traf während er das Zimmer durchstreifte auf den Computer und in just diesem Moment kam Tyla die rettende Idee.
„So mache ich’s, das wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffe. Einfach nur warten bis er hinunter zum Abendessen geht und dann schnell eine E-Mail versenden.