Because I love you
Weil ich dich liebe!
Kapitel 4 – „Weil ich dich liebe!“
„Tyla, du bist tot!“
Die Worte hallten nach und drangen jedes Mal wie Pfeile in des Mädchens Herz. Sie verzog keine Miene und zu erwidern wusste sie erstrecht nichts. Die Worte verschwanden und es blieb nichts außer das junge Mädchen, das unentwegt in die Leere hinein starrte. Es kam einem vor als hätte sie die Stimme gar nicht gehört, die sie schliesslich über ihren eigenen Tod aufgeklärt hatte. Doch plötzlich murmelte sie kaum hörbar:
„Tot also?“
„Ja so ist es.“
„Dann habe ich also doch nicht gewonnen! Nur ein Unentschieden heraus geschlagen.“, nuschelte sie monoton vor sich hin.
„Du hast ihn gerettet! Aber dein eigentlicher Wunsch blieb dir unerfüllt.“
„Ach was, ich hab ihn gerettet und das ist alle was zählt.“
„Nein, das ist es nicht! Jeder hat ein recht darauf glücklich zu sein, auch du.“
„Ja, nur ist es jetzt wohl dafür zu spät.“, die letzten Worte fielen ihr unsagbar schwer, die Tränen flossen ihr über die roten Wangen und perlten sacht von ihrer Oberlippe ab.
„Für mich gibt es kein „zu spät“! Nun denn, ich kann dir die Möglichkeit geben dich von ihm zu verabschieden und zwar als das was du wirklich bist, als Tyla, als Mensch. Du kannst ihm sagen was du fühlst und erfahren ob es ihm auch so geht.“
„Das ist äußerst großzügig, doch ich fürchte ich muss ablehnen. Mir liegt nichts mehr daran es zu erfahren.“
„Du hast Angst! Du hast Angst vor der Gewissheit, nicht wahr?!“
„Ich – ich …, ach was.“, stotterte sie und machte eine lange Pause.
„Du kannst mich nicht belügen, schliesslich weis ich was du denkst und fühlst.“, ermahnte sie die Stimme barmherzig.
Verweint sah sie zu Boden und nickte zaghaft.
„Ja es stimmt ich habe Angst davor zu bereuen was ich getan habe, wenn ich erfahre, dass er mich nie gemocht, mich nie geliebt hat, außerdem ist da die Angst, dass der Schmerz nur noch größer wird wenn ich erfahre, dass er mich sosehr liebt wie ich ihn, wir aber nie in Zweisamkeit leben können. Die Vorstellung diesen furchtbaren Schmerz die restliche Ewigkeit mit mir tragen zu müssen, lässt mich innerlich zerbrechen.“
„So ist das mit der Liebe, sie ist nicht nur schön, sie kann auch ebenso schmerzhaft sein. Deshalb mache ich dir einen Vorschlag, verabschiede dich von ihm und wenn geschieht was du so fürchtest, dann lasse ich dich vergessen und du wirst so deinen Frieden finden.“
Tyla schwieg, in ihrem Kopf ging sie den Vorschlag genaustens durch und kam zu dem Schluss:
„Um alles in der Welt will ich endlich diese drei Worte los werden!“
„Nun denn, sei es so. Einen Tag geb ich dir, doch der Fairness halber sollte ich dir vielleicht sagen, dass ich die Erinnerungen aller an dich verschwinden lasse, wenn der Tag vorüber ist, du verstehst sicher weshalb.“
„Natürlich.“, lachte Tyla und erinnerte sich unter Tränen wie alles begonnen hatte.
„Nun schließ die Augen, Tyla!“, befahl man ihr und gehorsam tat sie wie gesagt.
Mit einem Ruck öffnete sie ihre Augen und stellte fest, dass sie mitten im Wald lag, in dem Wald, wo alles begonnen hatte. Ihre Tasche lag neben ihr, sie trug die selbe Kleidung und auch das Messer lag neben ihr auf dem Boden.
„Das war doch nicht etwa ein Traum, oder?“, fragte sie sich, doch nach einem heftigen Kopfschütteln meinte sie: „Nein mit Sicherheit nicht, also sollt ich mich lieber beeilen, schliesslich habe ich noch viel zu erledigen.“
Schwungvoll erhob sie sich und klopfte ihre Kleidung ab, griff nach ihrer Tasche und machte sich auf aus dem Wald heraus, denn mittlerweile wusste sie wie sie diesem Wald zu entkommen hatte.
Während sie durchs Dickicht stampfte schien ihr der Mond strahlend aufs Haupt und nachdenklich sprach sie mit sich selbst:
„Als erstes sollte ich Chris eine Nachricht schreiben, dass ich ihn treffen möchte, dann verabschiede ich mich von meiner Familie und zum Abschluss kommt dann Chris. Ja so mach ich’s wohl, obwohl schon seltsam nicht.“
Die große Träne in ihrem Auge glitzerte wie eine Perle im Schein des Mondes und gab ein Bild der Schönheit, dass unbeschreiblich war.
Aus dem Wald heraus gefunden, begann die Sonne langsam zu dämmern und Tyla machte sich ans Werk ihren Plan in die Tat umzusetzen. Als erstes schrieb sie Chris eine SMS mit Ort und Zeit, zu der sie ihn treffen wollte, dann fuhr sie mit dem Bus nach Hause, wo sie sich der ersten Verabschiedung stellte.
„Wie feige von mir! Ich konnte es ihnen einfach nicht sagen „Lebewohl“ es ging nicht über meine Lippen. Trotzdem war es wunderbar noch einmal in ihren Arme liegen zu dürfen, Mama…, Papa!“
Die Bluse war bereits leicht feucht, von all den Tränen die vergossen wurden und auch jetzt gab man ihr nicht die Chance zu trocknen.
Bitterlich weinend, so dass sich all die Menschen auf der Straße nach ihr umschauten, zog Tyla weiter ihren Weg.
Sie fuhr in die Stadt und marschierte unaufhaltsam in ein kleines Zoogeschäft in mitten der Stadt. Heraus kam sie nach wenigen Minuten mit einem mittelgroßen Karton.
Die große Turmuhr schlug bereits zwanzig Uhr, als Tyla noch auf dem Rand des Stadtbrunnens saß und ein riesiges Eis schleckte, den Karton dabei nicht einen Moment aus den Augen lassend. Nachdem auch der letzte Schlag vergangen war erhob sie sich, schob den Rest des Eises in den Mund und griff nach dem Karton.
„Noch eine Stunde, da könnt ich auch zu Fuß gehen.“, murmelte Tyla zu sich selbst und hatte bei ihrer Entscheidung nicht die dunklen Wolken hinter sich in betracht gezogen.
Mit dem Karton in Händen ging Tyla los und schnell war klar das sie unterwegs zum Badesee war. Tatsächlich kam sie dort ca. 15 Minuten vor neun Uhr an. Es hatte bereits heftig angefangen zu regnen und Tyla war bis auf ihre Unterwäsche völlig durchnässt, nur dem Karton war nicht ein einziger Tropfen begegnet, mit der Hilfe ihrer Jacke und ihres Körpers hatte sie ihn, wie eine Mutter ihr Kind, beschützt.
Am Badesee stand jeher ein kleiner hölzerner Pavillon, den Tyla als Unterstand aufsuchte. In ihn stellte sie ihren Karton und selbst ging sie zurück in den Regen um weiter Ausschau zuhalten. Zögerlich und voller Angst er könne absagen, schaute sie fast sekündlich auf das Display ihres Handys, doch keine Nachricht kam.
Tyla zitterte bereits vor Angst und Kälte, da bog plötzlich Chris um die Ecke. Auch er schien durchnässt bis auf die Knochen und bei seinem Anblick lies es Tyla erneut das Wasser in die Augen steigen, was man dank des Regens aber nicht erkannte.
„Gut siehst du aus!“, begrüßte Tyla lachend ihren Freund und musterte ihn von Oben bis Unten.
„Das musst du grad sagen! Du Spinnerin!“, pöbelte er spaßhaft, doch das junge Mädchen erschrak zutiefst. Hastig, so dass sich die Worte fast über schlugen fragte sie:
„Wieso Spinnerin?“
„Na ja ist doch offensichtlich, du fährst einfach zu deiner Tante ohne mir etwas zu sagen und willst dich dann mit mir unbedingt hier treffen und das auch noch bei so einem Hundewetter, also hoffe ich für dich das du einen heftigen Grund hast!“
Auch sein herzliches Grinsen brachte Tyla nicht mehr davon ab zu weinen und so versuchte sie zu sagen, was ihr auf dem Herzen lag, bevor ihr auch noch die Stimme versagen würde.
„Hör zu Chris, ich – ich…“, stammelte sie und fiel dem verdutzt dreinschauendem Jungen um den Hals.
„Ja was denn? Tyla, was ist mit dir?“
„Ach nichts. Ich war nur so froh dich zu sehen und… und…“
„Na wenn das so ist freust du dich gleich noch mehr, denn schau mal as ich für dich habe.“
Strahlend zog er eine riesige Schachtel Pralinen hinter seinem Rücken hervor und Tyla erkante sie sofort und blickte mit gemischten Gefühlen auf sie herab.
„Du hast dich also tatsächlich daran erinnert.“, stellte sie leicht beschämt fest und schaute Chris dabei tief in die Augen. Sie spürte wie ihr das Blut wieder in den Kopf schoss und dieser fast zu glühen anfing.
„Was soll das den, natürlich hab ich mich erinnert, so was würde ich nie vergessen. Schliesslich weis ich auch noch was deine ersten Worte zu mir waren. Du etwa nicht?“
„Natürlich weis ich das noch.“, lachte sie und wusste gar nicht mehr was sie sagen sollte.
Etwas verwundert sah Chris sie an und meinte fürsorglich:
„Nun lass uns mal die Pralinen, Pralinen sein und erzähl mir was du auf dem Herzen hast. Tyla, du weist doch das ich es nicht ertragen kann wenn du so traurig bist, also sag!“
„Ich, also ich…“, stotterte Tyla und ihre Gedanken begannen sich zu überschlagen und eh sie sich versah lag sie Chris erneut in den Armen. Sie konnte nichts sagen, die Tränen schossen ihr in die Augen und ihre Kehle schnürte sich fest zu. Es folgte ein kräftiger Biss auf ihre Unterlippe und mit dem Geschmack von Blut im Mund erkläruf iuf iuf iuf iuf iuf iuf iuf iich sehen, um meine letzte Chance wahrzunehmen, dir endlich zu sagen was ich wirklich für dich empfinde…! Chris, ich liebe dich.“
Chris sah aus als hätte man ihm gerade erzählt das Schweine fliegen könnten und Fassungslos starrte er sie an. Auch Tyla sah ihm in seine Augen und das lange Schweigen ihres Gegenübers band sich um ihr Herz und schnürte es fester und fester. Sie flehte darum das er doch endlich etwas sagen sollte. Bis plötzlich Chris nach ihrem, die Tränen wegwischenden Arm griff und ihn fest hielt. Er zog sie zu sich ran und machte einen Schritt auf sie zu. Seine freie Hand legte er auf ihren Hinterkopf und drückte ihn ganz sacht in seine Richtung und zart legten sich seine Lippen auf die ihren.
Der Regen prasselte auf das sich küssende Paar ein und es schien als wäre die Zeit stehen geblieben. Es schien eine Ewigkeit gedauert zuhaben, bis sich die beiden wieder von einander lösten.
Beim Anblick Tylas verweinten Augen, kamen Chris selbst die Tränen.
Tyla wusste das er auf ein Satz von ihr hoffte,