Das Phänomen der Vergeltung

Juwelen

Der Mord

Die Geschichte, die ich jetzt erzählen werde, ist alt. Aber noch nicht vor allzu langer Zeit geschehen. Sie spielt in Karesien, einem längst vergessenen Land. Wo es war steht bis heute noch in den Sternen. Im Mittelpunkt dieser, stehen drei Schwestern, Ruby, Amy und Jade. Benannt wurden sie nach Edelsteinen.
Ruby, mit ihrem langen dunkelroten Haar und ihrer wilden Persönlichkeit, teilt ihren Namen mit dem Rubin. Amy, die schöne. Ihre Haare haben erstaunlicher Weise einen zart lila Unterton und so wurde sie einem Amethysten gleichgestellt.
Und Jade ihre Haare waren dunkelbraun, doch ihre Augen waren so tief grün, dass wenn man hineinsah, man sich in einem grünen Wald wiederfand, also hatte ihre Mutter ihr den Namen der Jade gegeben. Die Edelstein–Mädchen hatten eine glückliche Kindheit, doch eines Tages kam Jade, die Jüngste, nach hause und rief nach ihren Eltern.
Ihre Schwestern waren nicht Zu Hause.
Ruby, die Älteste, war wahrscheinlich wieder in einen Streit verwickelt.
Und Amy interessierte sich nur für Jungs und war vermutlich bei ihrem Freund. Sie selbst hatte sich im Moment ganz auf die Schule konzentriert.
Sie war 14 Jahre alt und damit würde sich in diesem Jahr entscheiden ob sie auf eine bessere Schule gehen dürfte. Insgeheim hatte sie sich die Akademia Remi, die vornehmste Schule in ganz Karesien vor Augen gesetzt.
Als ihre Eltern nicht auf ihre Rufe antworteten, ging sie langsam die Treppe hinauf. Oben war es dunkel. Alle Fenster waren zugezogen.
Jade konnte nichts erkennen. Stille, sie konnte ihren eigenen Atem hören. Langsam breitete Panik sich in Jade aus.
Jemand sprang aus einem Fenster. Das konnte man ganz genau hören. Jade stürzte von Angst gejagt in das Zimmer ihrer Eltern. Dieses Fenster stand offen. Der Boden war besudelt von Blut. Als sie hoch sah, blickte sie in die toten Augen ihres Vaters.
Ihre Mutter lag auf dem Bett. Um sie hatte sich eine große Blutlache gebildet.
Jade fiel nichts anderes ein als zu schreien. Ruby, die gerade die Wohnungstür aufgeschlossen hatte. Hörte den Schrei ihrer kleinen Schwester und rannte nach oben. Als sie das Gemetzel sah sackte sie in die Knie. Ruby rappelte sich auf, die Tränen liefen ihr übers Gesicht, genau wie Jade. Ruby nahm ihre Schwester am Arm und zog sie fort. Raus aus dem Haus. Jade schluchzte und bekam kaum noch Luft. Geräuschvoll atmete sie ein.
„Wir...wir..mü...müssen zu Amy.“ Sagte Ruby mit tränenerstickter Stimme. Als sie bei dem Haus von Amys Freund ankamen hämmerte Ruby gegen die Tür. „Was ist?“ fragte der Junge, als er die Tür öffnete. „Amy.“ Schluchzte Jade. Er verschwand nach Innen. Kurz darauf kam er mit Amy zurück. Als Amy die Gesichter ihrer Schwestern sah lief sie sofort auf sie zu und nahm Jade in den Arm. „Was ist denn passiert?“
fragte sie Ruby und die in ihren Armen heulende Jade. Besorgt blickte sie von der einen zur anderen. „Amy?“ Amy verstand die Welt nicht mehr „Was denn?“ Ruby sah zu Boden. „Jemand...jemand..hat....“
weiter kam Ruby nicht. Einen erneuter Schwall Tränen konnte sie nicht zurückhalten.
„Jemand hat unsere Eltern auf dem Gewissen.“ Amys Blick wurde starr. Ihre blaugrünen Augen wurden trüb. Tränen stiegen hinein. Doch sie konnte sich nicht mehr beherrschen und so kullerten auch über ihr Gesicht Tränen. So standen die Schwestern einige Zeit da. Weinend, wütend, hilflos. Ruby fasste sich als erste wieder. „So, jetzt reicht es aber!“ sagte sie bestimmt.
„Wir müssen irgendwo hin.“ Sagte sie und Amy wischte sich die Tränen aus den Augen. „Du hast Recht.“ Jade löste sich von ihrer Schwester. Sie hatte ihr das ganze T-Shirt vollgeweint.
„Aber nach Hause können wir nicht!“ Ruby nickte. „Ehrlich gesagt habe ich gar keine Lust hier zu bleiben. Was hält uns noch hier?“ Amy und Jade blickten sie an. „Ich bin dafür, wir verfolgen den Mörder unserer Eltern.“ Amy schüttelte den Kopf
„Woher sollen wir wissen, wer er ist, wo er hin ist, warum er das getan hat, außerdem hätten wir doch keine Chance, wenn wir ihm dann endlich gegenüber stehen.“ Jade pflichtete ihr bei. „Aber hier bleiben will ich auch nicht. Da ist es besser wir wissen was wir wollen, oder? Ich bin dafür“ Amy schüttelte den Kopf. „Wir werden ihn sowieso nicht finden...also gehen wir.“ Ohne auch nur den geringsten Proviant oder ähnliches gingen die drei Mädchen in Richtung Süden.
In die Richtung, in die das Fenster gerichtet war. Durch das der Mörder entkommen war. Er war völlig leichtsinnig was sie taten. Ruby war die einzige von ihnen, die sich im Falle eines Angriffs verteidigen konnte.
Sie hatte die angesehene Kampfschule in ihrem Dorf besucht und hatte zur Not immer eine Klinge in ihrem Gürtel. Amy hatte sich noch nie mit etwas wie Kampf oder so beschäftigt. Und Jade, selbst wenn sie es gekonnt hätte. Sie war relativ klein. Und jeder Straßenräuber hätte sie mit roher Gewalt überwältigen können.
Und in dem Wald durch den sie gingen, sollte es viele Räuber geben. Nur gut, dass sie nicht zum Rauben dabei hatten. Weder Essen noch Geld. Das Einzige, was von Wert war auf ihrer Reise, war der Schmuck, den Amy immer trug. Plötzlich raschelte es im Gebüsch. Ruby drehte sich um. Ein junger Mann trat ruhig auf die Mädchen zu. Um seinen Arm war ein langes Band geschlungen. Es war weiß. Rubys Blick wanderte zu seinem Gesicht. Die flatternden Haare enthüllten seine spitz zulaufenden Ohren. „Das ist ein Elf.“
Sagte Ruby erstaunt.
„Ja, und?“ antwortete der junge Mann. „Es ist sehr leichtsinnig von euch, so spät in diesem Wald spazieren zu gehen. Besonders, weil die zwei kleineren nicht so aussehen, als ob sie kämpfen können.“ Fuhr er gelassen fort. Seine rotbraunen Haare wehten im Wind. „Ich könnte euch jetzt ganz einfach überfallen.“ Sagte seine ruhige Stimme und seine elegant geschwungenen Augen verengten sich.
„Was willst du?“ fragte Amy ängstlich. Sie war ein Angsthase. Das war sie und ist schon immer gewesen. Jade starrte den Fremden an. Sie wusste es war ein Elf, man hatte ihr eingetrichtert, alle Elfen seien schlecht und gefährlich.
Dennoch fand sie ihn schön. Sein Auftritt war elegant und beeindruckend. „Vielleicht will ich euch ausrauben.“ Sagte der Mann auf Amys Frage. „Das wagst du nicht!“ knurrte Ruby. Der Elf lächelte. Amy schüttelte den Kopf und den unangenehmen Gedanken loszuwerden. Dabei tanzten ihre schulterlangen, lila-blonden Haare um ihr Gesicht. „Was führt euch in den Wald?“ fuhr der Elf in einem weniger bedrohlichen Ton fort. Jade die bis jetzt geschwiegen hatte meldete sich zu Wort „Unsere Eltern sind ermordet worden und wir wollen uns rächen!“ Nun musste der Elf herzhaft lachen.
„Was ist so witzig?“
fragte Jade etwas unsicherer. Er beruhigte sich etwas und sagte dann immer noch lächelnd
„Ihr glaubt nicht wirklich, dass eine von euch einen ausgewachsenen Mann zum Fall bringen kann...Und wenn es ein Elf war? Was dann? Ihr würdet nicht mal eine halbwüchsige Elfe im Kampf besiegen.“ Er ging einen Schritt auf die Mädchen zu. Amy und Jade wichen zurück. Ruby blieb stehen, sie katte den Dolch auf ihrem Gürtel gezückt.
„Steck den Zahnstocher weg. Ich werde euch nichts tun.“ Ruby blickte ihn finster an, was ihm aber völlig egal zu sein schien.
„Ihr wollt also eure Eltern rächen, ja? Ich muss meine Schwester zurückholen, sie ist mir abhanden gekommen.“ Jade schaute verwirrt in seine Richtung „Was heißt, sie ist dir abhanden gekommen?“ Der Elf lächelte. Ein Lächeln war es ohne Frage, aber es sah irgendwie traurig aus. „Sie ist entführt worden.“ Sagte er und trat wieder ein bisschen näher.
Diesmal wich auch Ruby zurück.
Ein Windstoß kam auf und wehte ihr die Haare ins Gesicht. Als sie wieder frei Sicht hatte, stand der Elf genau vor ihrer Nase. Amy, die zwar alles hätte genau beobachten können. Hatte nicht erkannt. Er hatte sich viel zu schnell bewegt. Jade wollte wieder einen Schritt zurück, stolperte aber über einen Stein und fiel zu Boden. „Au!“ platzte es aus ihr heraus. Der Elf sah zu ihr herüber. Dann sah er wieder Ruby in die Augen. „Ich vermute, das derjenige, der meine Schwester entführt hat.
Auch eure Eltern getötet hat.“ Sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust. „Also möchte ich mich euch anschließen.“
Ruby war verwirrt. „Woher wollte er wissen, dass es der selbe war, der die zwei Verbrechen begangen hatte. Und warum wollte er sich ihnen anschließen? Rubys Verwirrung wurde immer größer, als Amy zustimmte. „Ja, das ist eine tolle Idee.“ Ruby ließ das Messer sinken und lief zu ihrer Schwester hinüber.
„Was soll das?“ wisperte sie anklagend. Amy beugte sich zu ihr vor. „Ich weiß was du meinst, aber du musst mich auch verstehen. Er hat Recht, wenn uns jemand überfällt, dann haben wir nicht die geringste Chance. Nicht mal gegen ein wildes Tier.“
Ruby sah sie eine Weile böse an, dann nickte sie. Sie drehte sich zu dem Elfen hin und straffte ihre Schultern. „Gut, du kannst mit uns gehen.“ Der Elf nickte zufrieden. „Gut, ich bin Sayo.“ Sagte er und beugte sich leicht vor. Jade rappelte sich auf und klopfte sich den Staub von den Klamotten. „Ich bin Jade.“ Sagte sie. „Ich heiße Amy.“ Sagte Amy mit leiser Stimmer.
„Und das ist Ruby.“ Sagte sie noch, da Ruby keine Anstalten machte sich vorzustellen. „Ich schlage vor wir richten bei der nächsten Gelegenheit ein Nachtlager auf, es ist schon spät.“ Sagte Sayo und ging voran, er ging aber nicht dem Weg nach, sondern Mitten ins Gestrüpp hinein. Die Schwestern folgten ihm mit Mühe, bis sie schließlich an eine Lichtung kamen. Sayo hob einen Ast auf. „Ich gehe Feuerholz sammeln, wartet hier.“ Jade lief sich in das zarte Gras fallen.
Amy setzte sich neben sie auf den Boden. Ruby blieb stehen. „Bis jetzt läuft doch alles ganz