Das Phänomen der Vergeltung
Schuld und Erschöpfung
"Ruby?" fragte eine bekannte Stimme. Sie öffnete die Augen und blickte dem Gesicht ihrer jüngeren Schwester entgegen. Sie richtete sich auf und sah sich um.
Wald?
Und dann strömten Erinnerungen auf sie ein. Schrecckliche, angseinflößende und beunruhigende.
Ruby stand langsam auf. Wieder sah sie sich um. Jade saß mit einem verträumten Blick auf einem großen Stein und betrachtete etwas in ihrer Hand.
Ruby konnte es nicht erkennen, aber eigentlich war es ihr auch egal.
Sie drehte ihren Kopf in die andere Richtung. Amy, die sie gerade geweckt hatte, saß schon wieder auf dem Boden und hielt ihr Gesicht der Sonne entgegen, das machte sie öfters.
Ruby musste lächeln.
Sie schritt eine Weile auf der Lichtung auf und ab. Dann sah sie den Elf von rechts kommen. Seinen Namen hatte sie wieder vergessen.
"Wo warst du?" fragte sie müde und gereizt. Er zuckte mit den Schultern. "Die Bäume betrachten." meinte er und ging davon.
Ruby hätte sich die Haare raufen können. Dieser Typ regte sie auf. Sie ging zu ihrer jüngsten Schwester und beruhigte sich auf dem Weg. "Was betrachtest du da?" fragte si freundlich, ihre Stimme klag besorgt und fürsorglich.
"Nichts." sagte Jade schnell und schloss ihre Hand zu einer Faust.
"Wollen wir gehen?" fragte der Elf von der anderen Seite der Lichtung.
Amy stand auf und Jade nickte.
"Jade?" sie sah sich nochmal zu Ruby um. "Wie heißt er nochmal?" fragte Rube un Jade seufzte.
"Sayo." sagte sie und lief auf den selbigen zu.
Sie setzen ihren We fort.
Es war langweilig und anstrengend. Amy war sowieso schon völlig erschöpft.
"Ich kann nicht mehr." jaulte sie.
Ruby, die for ihr ging, warf ihr einen genervten Blick zu. "Musst du uns das die ganze Zeit mitteilen. Gedankengäge spricht man nicht mit." entgegnete sie gereizt, denn auch ihr ging es nicht viel anders. Jade redete nur noch, wenn es umbedingt nötig war und ihr Gesichtsausdruck war durchgehen irgendwie abwesend.
Nur Sayo schien als einziger noch so, als wäre er gerade erst losgegangen.
Ruby war das ganze immernoch rätselhaft. Und langsam hielt sie sich selbst für dumm.
Sie hatten einfach ihre Stadt verlassen, in der ihnen hätte jemand 'normales' helfen können. Und dazu hatten sie ihre Eltern einfach zurückgelassen.
Ihre Eltern.
Ihr stiegen die Tränen in die Augen. Was hätten sie wohl zu dieser verqueren gesichte gesagt? Als Ruby still anfing zu weinen, spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter.
Sie sah sich um.
Sayo stand direkt neben ihr.
Obwohl sie völlig geräuschlos weinte, musste er sie wohl gehört haben.
Sie streifte seine Hand ab und sah weg.
"Es wird gut." sagte er auf seine übliche Art.
Ruby ließ den Kopf hängen und Amy holte auf. "Was ist?" fragte sie und klang dabei genauso müde, wie sie es die ganze Zeit behauptete.
"Es ist gut." antwortete Ruby und wischte sich das Gesicht wieder trocken.
Jade warf den Beiden einen teilnahmslosen Blick zu. Ihre Augen schienen milchig und halb geschlossen.
Amy machte sich Sorgen.
Unbeirrt marschierte Sayo vorran.
Amy war nicht traurig, denn sie hatte bisher noch nicht daran gedacht. Insgesamt dachte sie ziemlich wenig.
"Sayo?" rief Jade, ihre Stimme klang rau.
"Wann machen wir Rast?" fragte sie ermüdet.
Sayo nickte. "Gleich."
Amy runzelte die Stirn. "Auf sie hört mal wieder jeder." maulte sie und Ruby stieß sie leicht mit dem Ellenbogen in die Seite.
Amy schnaubte.
Kurz darauf hielt Sayo an einer Felswand. "Da müssen wir rauf." meinte er und legte seine Hände auf die steile Steinwand. "Äh ... Sayo?" unterbrach ihn Amy und seine Hände glitten vom kargen Fels. Er drehte sich zu ihr. Seine Augen schienen sich in ihre SDeele zu bohren. "Du kannst das ja bestimmt,
aber wir kommen daniemals hoch." sagte sie und verdrängte das starke Gefühl der Unbehaglichkeit.
Er nickte. "Mag sein, aber man sollte niemal unter einer Anhöhe rasten." sagte er entschlossen.
"Sayo. Das geht nicht." sagte Jade, die davor nur geschwiegen hatte.
Sayo sah auch sie an. Dann gab er klein bei.
Ruby wunderte sich ehrlich, warum er Jade aufs Wort gehorchte.
Sayo ging weiter, an der Felswand entlang. Nach etwa einer Stunde Weg, wurde die Klippe nur noch eine Ahnhöhe, bis es nur noch ein seichter Hügel war.
Amy hätte protestiert, aber dazu hatte sie keine Luft mehr.
Ihre Beine fühlten sich wie Blei an und bei jedem Schritt fuhr ihr ein stechender Schmerz in die Seite.
Als Sayo endlich Halt machte, ließ sie isch erschöpft und ausgelaugt ins Gras fallen.
Fast augenblicklich fielen ihr die Augen zu. Ruby lächelte.
Jade setzte sich neben ihre Schwester und lehnte sich an sie. Ihre halb geschlossenen Augen, schlossen sich nun entgültig. Der Atem der Beiden wurde ruhig und gleichmäßig. Sie schliefen.
Sayo beobachtete sie mit seinem prüfenden Blick.
2Warum tust du alles was sie sagt?" fragte Ruby in die Stille.
"Es sind die Augen ..." meinte sayo und seine Stime klang träumerisch.
"So voller Leid und Traurigkeit." erklärte er weiter. "Sie redet nicht mehr, in ihrem Kopf herrscht Verwirrung. Sie gibt sich die Schuld daran ..." sagte er und beobachtete Rubys kleine Schwester weiterhin.
"Das siehst du alles in ihren Augen?"
verblüfft sah Ruby ihn an.
"Das ausdrucksvollste an einem lebewesen, sind die Augen. Auch, wenn Menschen das volle Ausmaß dieser Schönheit nicht sehen können." sagte er nur und lehnte sich an einem Felsen, um Wache zu halten.
Ruby ging zu ihren Schwestern. Amy hatte sich auf dem Boden zusammengerollt und Jades Kopf lag auf Amys Schulter. Sie sahen so friedlich aus.
So unbekümmert, dass in Jade so viel Schmerz steckte, hätte Ruby niemals für möglich gehalten.
Dann schlief auch sie ein.
Sie schlief unruhig und klagende Stimmen riefen nach ihr. Rifen ihren namen, sagten ihr, dass sie alles falsch mache, schimpften sie, wegen irrelevanten Gründen.
Schweißgebadet schreckte sie aus dem Schlaf.
Sie sah sich um.
Amy lag da und schluchzte. Tränen verwandelten den Boden unter ihrem Gesicht in Match.
Unruhig drehte sich Amy von einer Seite auf die Andere.
"Was ist los?" fragte eine Stimme ihr gegenüber.
Sayo war immernoch wach?
"Ja ... äh ... sind die beiden schon die ganze Nacht so?" fragte sie zögernd.
Der Mond verlieh Sayos gesicht etwas unheimliches. Er nickte. "Genau wie du auch."
sagte er und drehte seinen Kopf Ruby zu.
Seine günen Augen leuchteten beinahe in der Finsternis. Dann stand Ruby auf und ging zu ihm rüber, um sich zu vergewissern, dass er es noch war.
Er sah so fremd aus. Als hätte Ruby ihn noch nie gesehen. Sie setzte sich zu ihm. Sie hatte Angst wieder einzuschlafen.
Sein ruhiger Atem, ganz nah bei ihr, beruhigte sie.
Dann, kurz bevor die Sonne aufging, erwachte jade mit einem panischen Aufschrei aus ihrem Schlaf.
Ruby rappelte sich auf und stürzte zu ihr, als sie in Tränen ausbrach.
Zitternd lehnte sich Jade an die Schulter ihrer Schwester. Ein Sonnenstrahl fiel auf den Boden vor ihr.
Er erhellte sayos gesicht. Jade atmete tief ein und schob Ruby von sich weg.
Stumm bedankte sie sich.
Sie stand auf und Ruby rüttelte leicht an Amys Schulter. Amy öffnete die Augen und Ruby wischte ihr den Dreck aus dem Gesicht.
Ruby sah verschwommen, die erwachende Welt vor sich und wünschte sich tot zu sein.
Wofür lebte sie noch? Warum war sie überhaupt hier? Wozu? Wenn sie den Mörder gefunden hatten, was würden sie dann tun?
Es war sinnlos.
"Ist es nicht." sagte Sayos Stimme ruhig.
"Was?" fragte Amy verblüfft und wischte ihre Sicht wieder klar.
"Wenn du nicht weißt warum, ist dein leben sinnlos. Ohne diese Erkenntnis, wirst du auf ewig ein Schatten deiner selbst sein." antwortete Sayo und Amy hatte wieder dieses Gefühl der Unbehaglichkeit.
Wie hatte er so präzise auf ihre Gedanken antworten können?
Sie zitterte, es war klat und warm zugleich.
Hatte er ihre Gedanken gelesen? Wie hatte er das gemacht?
"Deine Augen." war die Antwort.