Hinweise zum Glück
als absolute Idioten dastehen ließ. Cam musste Zeit ihnen beiden Zeit zum Nachdenken verschaffen:„Schön dich wieder zusehen DeCloud. Letztes Mal hast du uns zu abrupt verlassen, das fanden wir sehr schade. Wir hätten dich so gerne eines unserer hübschen Zimmer gezeigt. Toller Komfort: Vollpension, Klo im Zimmer und Fitnessraum innerhalb der Anlage und an die Gitter an den Fenstern gewöhnt man sich schnell, manche meinen sogar sie vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.“
DeCloud lächelte nur weiter selbstgefällig. „Heute werden Sie leider auch kein Glück haben. Für die heutige Nacht habe ich mir schon etwas ganz besonderes überlegt. Ein paar Freunde von mir sind heute zufällig in der Stadt und haben mir ein paar hübsche Geschenke hier gelassen, wie es Freunde eben tun. Nun will ich diese Geschenke gerne wiederum ein paar Freunden weiterschenken, da diese sooo traurig sind, dass sie etwas Aufheiterung gebrauchen könnten. Das dumme ist nur, dass diese Freunde außerhalb unserer schönen Stadt leben und ich aus unerklärlichen Gründen an der Grenze immer Probleme mit ihren freundlichen Kollegen bekomme. Nun wollte ich sie um einen kleinen Gefallen bitten, wären Sie beide wohl so freundlich diese Geschenke über die Grenze an meine Freunde zu bringen?“
Mühsam behielt Ben sein versteinertes Gesicht, auch Cam fiel es schwer die wilden Gedanken die in seinem Kopf kreisten nicht den anderen zu offenbaren. „Das ist eine sehr dreiste Bitte und ich denke nicht, dass wir ihr nachkommen werden und deine schmutzigen Geschäfte unterstützen.“, erklärte Cam mit kalter Entschlossenheit, wenn er nur die Ruhe behielt, würden sie vielleicht davon kommen.
Doch Ben hatte sich scheinbar eine andere Strategie überlegt:„Im Gegenteil wir werden deinen netten Herrn Cousin heute Nacht mit aufs Revier nehmen, ich habe immerhin diese Kette in seiner Tasche gefunden und da die Kette doch sehr wertvoll aussieht, würde ich gerne ihre Herkunft klären, wobei mir Herr Ricardo sicher gerne behilflich ist.“
Silvio verzog keine Miene. Langsam holte Ben seine Handschellen aus der Tasche und legte sie um die knorrigen Gelenke des weiterhin grinsenden Ricardos. „Gehen wir!“ Ben schritt mit Ricardo im Schlepptau los, auch Cam schloss sich ihnen an, doch traute er dem Frieden nicht, sein Magen verkrampfte sich zunehmend und er musste gegen die Übelkeit ankämpfen.
„So schnell würde ich das auch wieder nicht tun, Detective Brown!“, hallte Silvios kalte Stimmt durch die Sackgasse, er hatte gewartet bis sie an der Ecke zur Straße angekommen waren und kam ihnen jetzt gemächlichen Schritts hinter her. „Ich finde sie beide sollten meine Bitte noch einmal überdenken, es liegt mir wirklich sehr viel daran. Und dann auch noch Ricardo verhaften, so was tut man doch nicht. Immerhin gehört er zu Familie. Und Familie ist doch wichtig.“ Mit einem Mal richteten sich seine starren Augen auf Cam und fixierten ihn. „Habe ich nicht Recht, Herr Brown? Man muss seine Familie ehren, schätzen, lieben. So schnell kann man sie durch irgendeinen Unfall, oder ein Missgeschick verlieren. Wie kurzlebig ist so manches Glück… oder so manches junge Leben.“ Silvio machte ein paar weitere Schritte auf Cam zu.
Cam kämpfte einen verbitterten Kampf, seine ruhe zu bewahren, während in ihm alles zu wirbeln begann. „Ja besonders die Kleinen sind immer besonders arm dran. Sie sind noch so klein und schwach, und da kann Fieber, dessen Ursache nicht gefunden werden kann, und dass einfach nicht sinken will, schon sehr auszehrend wirken. Furchtbar, einfach furchtbar wie schlimm es manchmal kommen kann, nicht? Herr Brown?“ DeCloud stand nun direkt vor Cam, der kalte Geruch gerauchter Zigarren drang in seine Nase und brannte in seinen Augen.
Ben trat wie zur Unterstützung hinter Cam, beiden wurde flau im Magen, an den in Handschellen gefesselten Ricardo dachte nun keiner mehr. „Nun werden Sie doch nicht gleich so blass, Herr Brown. Ich kann sie beruhigen, ich habe mich ihrer Tochter und ihrer Frau angenommen, damit wir gut auf sie aufpassen können. Es wäre ja zu schade wenn den beiden etwas passiert. Nicht?“
Wenn den beiden etwas passiert. Die Worte hallten in Cams Kopf wieder und wieder. Das musste ein Scherz sein, ein ganz übler Scherz. Seine Frau und seine Tochter waren daheim in Sicherheit, es gab keine andere Möglichkeit. Wenn aber doch nicht, was sollte er dann tun? Er musste sich vergewissern, dass DeCloud die Wahrheit sagte. Obwohl alles in ihm sich gegen diese Behauptung sträubte, wusste er doch innerlich, dass DeClouds Worte wahr waren.
„Wie ich sehe Brown, glauben Sie mir. Das ist auch das Klügste, was sie tun können. Aber falls sie es nicht getan hätten, hätte ich hier den Beweis für Sie. Schauen Sie, erkennen Sie Bobo?“ Einer von DeClouds Männern hielt etwas Plüschiges in die Höhe. Für jemanden, der dieses etwas sah, war es nur ein normales Stofftier, doch Cam erkannte, dass es sich hier um den kleinen Stoffhund Bobo handelte, den er selbst damals zur Casseys Geburt besorgt hatte. Um seinen Hals trug das Tier eine kleine Stoffmütze, die seine Frau gestrickt hatte. Es gab keinen Zweifel daran, dass DeClouds Mann Casseys Lieblingsstoffhund in den Händen hielt.
„Das ist doch eine Lüge. Cam, siehst du nicht, dass der Kerl dich hineinlegen will? So ein Vieh bekommt man in fast jedem Laden.“ Bens Gesicht war ausdruckslos, doch Dank jahrelanger Erfahrung wusste Cam, dass es hinter den Augen seines Partners arbeitete.
DeClouds Lippen verzogen sich wieder zu einem grimmigen Grinsen. „Meine Herren, sehe ich aus wie jemand, der Scherze machen würde? Aber ganz wie Sie wollen. Erfüllen Sie meine Bitte nicht und Browns Frau samt Kind stirbt. Es liegt in Ihrer Hand. Nur würde ich mir an Ihrer Stelle nicht so lange Zeit lassen mit Überlegen. Meine Zeit ist schließlich kostbar. Also wie entscheiden Sie sich Detective Brown? Für oder gegen Ihre Familie?“
Cams Gedanken gerieten durcheinander. Was sollte er nun tun? Eigentlich gab es nur eine Möglichkeit, er musste DeClouds Wunsch nachkommen, so sehr ihm das auch missfiel. Aber wenn er dem nachgab, würde seine Familie dann einfach freigelassen werden? Das glaubte er kaum, aber die Hoffnung aufgeben, dass konnte er noch nicht. Selbst der kleinste Funken konnte das Leben seiner Familie retten. „Gib mir dein Telefon Ben.“ Die knappen Worte kamen Cam nur schwer über die Lippen. „Aber Cam..“ „Kein aber, ich habe keine Wahl. Verstehst du das nicht?“ Frustration war alles, was er in diesem Moment noch fühlen konnte und resignierte Hilflosigkeit. Er musste jetzt einfach einen klaren Kopf bewahren, da war kein Platz für überflüssige Gefühle. Kostbares Leben stand auf dem Spiel und mit einem Verbrecher wie DeCloud war nicht zum Spaßen. Dieser meinte es ernst.
„Wie ich sehe, haben Sie sich richtig entschieden Detective. Nur seien Sie gewarnt, dass ich keine Spielchen haben will. Sobald auch nur ein Cop auftaucht und meine Ware in Beschlag nimmt, können Sie sich von ihrer Frau und ihrer Tochter verabschieden.“ Der amüsierte Ton von DeCloud hatte einen scharfen Unterton angenommen.
Cams Stimme hatte hingegen einen kühlen Klang bekommen, obwohl er sich nur schwer ruhig verhalten konnte. „Und wer garantiert mir, dass du die beiden nicht einfach umlegst, wenn du hast, was du willst? Oder dass du sie nicht bereits schon umgebracht hast.“ „Sie haben mein Wort Detective.“ Beinahe hätte Cam aufgelacht. „Dein Wort? Wieviel ist das Wort eines Verbrechers wert? Das Wort eines Mannes, der eine wehrlose Frau und ein krankes Kind kidnappen lässt? Sag es mir, wie viel?“
„Cam lass gut sein. Wenn du ihn provozierst, wird das die Lage auch nicht entschärfen.“ Beschwichtigend legte Ben ihm die Hand auf die Schulter. Leiser fügte er hinzu: „Momentan ist er uns überlegen, also handle jetzt nicht unbedacht. Wir finden schon einen Weg die beiden zu retten. Dann wird dieser Mistkerl dafür bezahlen, das schwöre ich dir.“
Er hat Recht, verdammt noch mal, dachte Cam. Am liebsten wäre er auf DeCloud zugegangen, um ihm zu zeigen, dass er es hier mit einem richtigen Gegner zu tun hatte. Jemand, der sich wehren würde, aber das musste warten. Das Leben seiner Familie war wichtiger.
Ben trat einen Schritt näher an Cam heran. „Lass mich den Anruf erledigen. Du bist zu aufgebracht und das würde Fragen bei den Kollegen aufwerfen. Ich mache das.“ Cam stimmte ihm stumm zu. Daraufhin wandte Ben sich an DeCloud. „Es wird alles so erledigt, wie du es willst. Mein Handy liegt nur im Wagen. Ich gehe zurück und tätige den Anruf und dann lassen sie seine Familie frei.“
DeClouds Lachen zeigte seine Souveränität. „Sie glauben doch nicht, dass ich Sie einfach zu ihrem Wagen zurückgehen lasse und darauf vertraue, dass alles so verläuft, wie ich es wünsche.“ Mit einem kurzen Kopfnicken zeigte er auf Ricardo. „Er wird Sie begleiten, damit er Ihnen die nötigen Details mitteilen kann, während Detective Brown hier bei mir wartet. Wenn alles erledigt ist, werden wir die nächsten Schritte klären.“ Bevor Ben etwas erwidern konnte, sprach DeCloud weiter. „Und nun schnell. Wir haben schließlich nicht die ganze Nacht Zeit. Ich habe Termine. Nehmen Sie ihm die Handschellen bitte abnehmen und dann endlich anfangen würden.“
Die höhnische Höflichkeit hinter diesen Worten entfachte Cams Wut stärker. Nur Mühe und jahrelanges Training hielten ihn davor zurück einen Fehler zu machen. In seinem Augenwinkel sah er wie Ben mit Ricardo Richtung Wagen verschwanden und er nun alleine mit DeCloud und seinen Männern war. Während einer von ihnen sich eine Zigarette anzündete, blieb Cam eisern stehen. Sein Blick war wild und ließ sein Gesicht im Mondschein gefährlich wirken. Er wirkte wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Wenn DeCloud kein Profi gewesen wäre, dann wäre dieser im Angesicht der