Fundgrube der Wirritäten
Die Geschichte der Tante Joyce
OMG!!! Ich weiß wirklich nicht, auf was für Ideen ich komme XD Das gehört ja schon zur Kategorie irre-und-megapeinlich >_>
Es ist echt wirklich grottig und dieses Mal eindeutig wirr...
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„Mummy?“ John und Sally zupften mit fragenden Blicken an dem Rock ihrer Mutter. Ruhig stellte Mrs. Baker das Geschirr beiseite, welches sie gerade abwaschen wollte, trocknete sich die Hände vom Spülwasser, und drehte sich zu ihren kleinen Kindern um. „Was wollt ihr denn?“ Die Zwillinge zogen sie geheimnisvoll am Ärmel zu sich herunter und flüsterten: „Wir sind gerade eben der alten Tante Joyce begegnet, Mummy.“, meinten sie aufgeregt. Ihre Mutter lächelte. „Ihr sollt doch armen alten Damen nicht immer hinterher spionieren. Wie oft soll ich euch noch sagen, dass unter ihren faltigen Gesichtern keine Monster sind?“, tadelte sie, doch trotzdem konnte sie sich ein nachsichtiges Grinsen nicht verkneifen.
John schüttelte energisch den Kopf. „Das ist es nicht. Tante Joyce ist ja gar nicht arm, also zumindest von der Fröhlichkeit her.“
„Ja genau,“ ergänzte Sally und bekam große Augen. „Sie lächelte die ganze Zeit. Ganz egal, was passiert, oder was man sagt, sie ist immer am Lachen. Das ist ganz doll unheimlich, Mummy.“
„Was ist daran unheimlich, dass jemand glücklich ist?“ Neugierig auf die Antwort stemmte sie die Hände in die Hüften und sah ihre Kinder mit hochgezogenen Augenbrauen an. John und Sally warfen sich vielsagende Blicke zu, und schließlich holten beide tief Luft und sagten gemeinsam: „Weil sie blind ist.“
Da war es aus mit der Disziplin. Schallend fing Mrs. Baker an zu lachen. „Ach, ihr beiden seid einfach zu herrlich!“, japste sie, als sie die verwirrten Blicke von den Zwillingen bemerkte. „Nur weil sie nichts sehen kann, muss sie doch nicht traurig sein. Im Gegenteil.“
Ihre Mutter sprach für John und Sally in Rätseln. „Aber es muss doch langweilig sein, immer nur Dunkelheit um sich herum zu haben! So ganz ohne Farben, und die Blumen, und die Wiesen und all die Menschen.“ Sally breitete ihre kurzen Arme aus und deutete um sich herum. Für sie war es unverständlich, dass man ohne all das glücklich sein konnte. Ebenso für John.
Mrs. Baker seufzte. „Wisst ihr, Tante Joyce hat es selber so gewollt.“
„Wie meinst du das?“
Sie ging vor ihren Kindern in die Knie, und legte ihre Hände auf die kleinen Schultern. „Dafür, ihr zwei, seid ihr noch ein bisschen zu jung.“ John und Sally zogen einen Schmollmund. Sie hassten es, wenn ihre Mutter es so spannend machte, und dann sagte, dass das noch nichts für sie wäre. Sie waren gar nicht mehr so klein. Sechs Jahre waren schon eine Menge, fanden sie. Immerhin brauchten sie schon ihre zweite Hand, um das an den Fingern abzuzählen.
„Wir wollen das aber wissen, Mummy.“
„Ja, genau!“
Mrs. Baker sah von John zu Sally und blickte in die blauen Augen, die so entschlossen dreinschauten. „Aber wenn ihr heut Nacht nicht schlafen könnt, ist es nicht meine Schuld.“, meinte sie, erhob sich, griff nach je einer Hand und zog die beiden Kinder mit sich ins Wohnzimmer. Im Sessel angekommen zog sie John aufs linke und Sally aufs rechte Knie.
„Wisst ihr, dass ist alles schon eine Ewigkeit her. Ich war damals selbst noch ganz, ganz klein. Noch kleiner, als ihr jetzt seid.“, begann sie. „Tante Joyce war damals noch eine tüchtige Frau, die einen Krämerladen am Ende der Straße hatte. Sie lebte zusammen mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einen stattlichen Herrenhaus, um das jeder im Dorf sie beneidete. Das war aber auch ein herrlicher Garten.“
„Tante Joyce hatte eine Familie?“, fragte John ungläubig und Sally zog die Augenbrauen zusammen, als sie versuchte sich vorzustellen, wie Tante Joyce ohne all die Falten ausgesehen haben mochte.
„Oh ja. Sie hatte einen gutverdienenden Mann, sowie drei Söhne und eine Tochter. Ann, so hieß sie, war eine meiner besten Freundinnen. Bob, George und Roger waren schon älter. Sie gingen alle drei schon zur Universität, als ich mit meinen Eltern hierher zog. Tante Joyce besaß eine ganz wunderbare Familie.“
„Was ist dann passiert?“ Sally rutschte ungeduldig auf dem Bein ihrer Mutter herum.
„Dann, es war kurz nach meinem zehnten Geburtstag, begann der Krieg.“
„Krieg?“
„Ja, John. Krieg. Zweiundzwanzig Jahre ist es jetzt her, aber ich kann mich immer noch gut daran erinnern. Tante Joyce musste ihren Laden schließen, weil ihre Söhne und auch ihr Mann zur Armee gegangen sind, und sie sich alleine um Ann kümmern musste. Ein Jahr danach kam ein Brief an, in dem stand, dass George an der Front gefallen war. Ann war untröstlich gewesen, weil er damals immer mit ihr Drachensteigen war, was sie so sehr geliebt hatte.“
„Das ist traurig…“ Sally sah betrübt zu Boden.
„Es wurde noch trauriger. Kurz darauf starb auch ihr Mann und Roger. Bob kam schwer verwundet nach Hause. Seine Beine und ein Arm waren von einer Granate abgetrennt worden. Es war grauenhaft. Tante Joyce war so entsetzt und erschüttert, dass sie ihren Glauben verloren hat, und nie wieder zur Kirche gegangen ist. Ann hat damals sehr viel Zeit bei mir verbracht, weil ihre Mutter nur geweint hat, und Bob voller Schmerzen geschrieen hat. Medikamente gab es nicht und die Wundverbände waren knapp, so entzündeten sich die seine Verletzungen, und schließlich verließ auch er Tante Joyce.“
Mrs. Baker schwieg für eine Weile. Dann erzählte sie weiter: „Der Krieg war aber noch lange nicht vorbei. Die Angriffe kamen immer näher und irgendwann erreichten die Bomben unser Dorf. Wie flohen allesamt in eine alte Schule, die außerhalb der Mauern stand. Doch die Erschütterungen und all der Lärm drangen trotzdem bis zu uns. Als alles weitergezogen war, war unser Dorf komplett zerstört. Es gab eine große Hungersnot, weil es keine Vorräte mehr gab und die Ernte niedergebrannt war. Ann wurde sehr schwer krank, und starb schließlich, wie so viele andere an Unterernährung. Mein Vater auch. Tante Joyce war von da an ganz alleine. Sie wurde verbittert und einsam. Sie fand an gar nichts mehr gefallen. Alles, was ihr lieb und teuer war, war ihr genommen worden. Als schließlich auch noch ein letzter Angriff auf unser Dorf erfolgte, und sich einige nicht retten konnten, und sie die Verwundeten erblickte, fühlte sie sich wieder an Bob und George und Roger und Ann und ihren Mann erinnert. Mit Tränen in den Augen brach sie auf der Straße zusammen, und schrie, dass mir die Laute heute noch in den Ohren klingen: „Ich kann das ganze Leid nicht mehr mit ansehen!“, rief sie, nahm sich die Schere und befreite sich mit zwei kräftigen Schnitten von ihren Augäpfeln. Und von da an, wandelte sie glücklich auf der Erde.“