Die Zeit wird es zeigen
ihrer Freunde. Sein Vertrauen. Er wird sie hassen! Alle werden sie hassen! Weil sie ihre Bitte ignoriert hat. Doch sie kann nicht anders! Sie muss gehen und mit Midoriko sprechen! Vielleicht hat sie Informationen über Naraku. Doch auch diese Erkenntnis stimmt sie nicht glücklicher. Sie hat sie dazu gebracht die Sorge von ihren Freunden zu übergehen, sie stehen zu lassen. Ein Groll gegen die Jägerin brodelt sich in Kagome auf. Wie konnte sie ihr nur so etwas antun? Hätte sie es nicht anders machen können, sie irgendwann anders herbeiführen können? Doch das ist jetzt egal! Sie läuft bereits unaufhaltsam zu der alten Ruine. Tränen der Wut und Verzweiflung suchen sich, in Strömen, einen Weg über ihr zartes Gesicht. Die Augen auf das, was vor ihr liegt, gerichtet, rennt sie schluchzen durch die Natur, an Busche und Blume vorbei auf den Weg zur Schlucht. Viele Stunden, so kommt es Kagome vor, tragen sie ihre Beine fort, bis sie auf steinernen Boden halt machen. Sie ist da. Vor ihr liegt die Aussicht, die jeder Anderem wohl als wunderschön bezeichnet hätte, doch Kagome fürchtet sich davor. Sie weiß, dass die Splitter sie wieder in die Tiefe ziehen werden, ob sie will oder nicht. Ihre Augen sind angsterfüllt und glänzen vor Verzweiflung. Wie soll sie denn da heil runterkommen? Gibt es nicht einen anderen Weg nach unten? Ihre Füße setzten sich in Bewegung und lassen Kagome einen kurzen, verängstigten Schrei entweichen. Will diese Frau etwa, dass sie in ihren Tod stürzt? Doch auch das ständige wehren hilf nichts. Ihre Füße tragen sie gerade aus, auf die Klippen zu. An der Kante bleibt sie stehen. Nur noch ein Schritt trennt sie davor mit der Dunkelheit ein zu werden. In Kagome steigt zunehmen die Angst hoch. Der Splitter pulsiert. Ein angenehmes Gefühl breitet sich in ihr aus und wischt ihre Furcht beiseite. Nichts verängstigt sie mehr! Es ist wie ein Zauber.
Unbemerkt macht sie den letzten Schritt und stürz in die Tiefe. Ihr Herzschlag setzt für einen Moment aus, als sie dies realisiert. Der Wind schießt ihr entgegen und lässt Träne aus ihren Augen entweichen. Ihre Haare schlagen mit heftigen Bewegungen nach oben. Sie spürt die kalte Luft, die durch ihre Kleidung weht und sie an der Haut streift. Die Kälte macht sich in ihr breit und lässt eine Gänsehaut entstehen. Laut pfeift der Wind in ihren Ohren und ihre Augen können nur die Umrisse der vorbeiziehenden Felsenwand erkennen. Ihr Herz schlägt nun so schnell, als wenn sie gerade einen 60 min. Lauf hinter sich hatte. Doch Angst verspürt sie nicht! Das wohltuende Gefühl ist immer noch vorhanden und wird sogar noch stärker. Es scheint sie wie ein rosa/weißer Nebel zu umhüllen und ein zu schließen.
Da versteht Kagome. Dieses Gefühl, das ihr die Angst nimmt, ist ein Zeichen dafür, dass sie keine Furcht haben soll. Sie soll Midoriko vertrauen. Doch das Schulmädchen weiß, dass selbst die große Kriegerin es nicht schaffen wird sie ganz heil da runter zu bringen. Sonst hätte sie es das letzte Mal schon getan! Sie muss wohl nun auf ihre Kräfte vertrauen! Auch wenn sie bezweifelt, dass sie einen so starken Bannkreis hinbekommt, der sie, wie auf Luftkissen, weich aufkommen lässt.
„ Du bist meine Nachfolgerin! Du wirst vielleicht eines Tages stärker sein wie ich es je war!“ Diese Worte… Midoriko hat sie eins gesagt! Vielleicht war das wieder so eine Art Hinweis. Ein Hinweis, der sie möglicherweise aus dieser blöden Lage befreien kann.
Kagome holt tief Lust und schließt ihre Augen. Ihr Körper entspannt sich leicht im Flug. Nun gut, einen Versuch ist es werd! Und wenn er scheitern soll, dann…muss sie sich halt etwas Neues überlegen, vorausgesetzt ihr bleibt die Zeit dafür.
Sie fängt an sich zu konzentrieren und in ihre Gesichtszüge mischt sich ein hauch von Anstrengung ein. Unbemerkt wird ein Schweißtropfen in die Höhe gerissen, zu leicht ist er, als das er, in ihrem Tempo, mit in den Abgrund stürzen könne.
Eine Art rosa Staubwolke bildet sich langsam über Kagome und Glitzert trotz der starken Dunkelheit hell. Wie eine Kugel fängt es nun an sie zu umhüllen und einzuschließen. Ein Bannkreis. Doch dieser ist zu schwach, lass das er den Aufprall unverletzt geschehen lassen würde. Er würde alleine schon wegen dem Drück zerspringen und sich auflösen. Sie muss eine stärkeren erzeugen. Kagome faltet nun die Hände wie zu einem Gebet ineinander und stellt ihren Körper auf volle Spannung. Ihre Augenbraun zittern leicht unter der Anstrengung den Bannkreis zu verstärken und mehrere Schweißperlen werden nach oben getragen. Man hört ihre Zähne, die unter der Stärke ihrer Kiefers, laut knirschen. Sie hat den Atem angehalten um sich noch mehr auf ihr Tun zu konzentrieren. Ihre Lunge zieht sich dabei schwer zusammen. Nur ab und zu bemerkt sie, dass sie mal wieder atmen soll, doch das ist nur ein kurzer Gedanke, der zwar umgesetzt wird, sie sich jedoch direkt danach wieder auf ihre Arbeit konzentrieren muss. Kurz öffnet sie die Augen, um die Lage unter ihr ab zu checken. Mit Schrecken stellt sie fest, dass sie den Erdboden unter sich schon näher kommt. Sie kann deutlich die Umrisse des Flusses erkennen, in dem sie vor 4 Tagen schon einmal hineingestürzt ist. Doch da ist noch was. Etwas im Wasser. Es sieht aus wie ein schwarzer Fleck und nicht nur einer! Sehr viel eng aneinander gedrückte Schatten.
Kagome mehr erkennen! Und tatsächlich hilft es. Nur weiß sie nicht so genau ob das wegen der zusammen gekniffenen Augen oder wegen der zunehmenden Nähe des Flusses liegt. Vom einem zu anderen Moment reist Kagome ihre Augen weit auf, den was sie dort sieht gefällt ihr ganz und gar nicht! Felsen. Spitze lange Felsen, die perfekt dazu dienen Jemanden, wie sie, auf zu spießen! Auch wenn die Spitzen nicht so scharf wie bei einem Schwert sind, können sie einen, der mit so einer Geschwindigkeit herunter schießt, mit Leichtigkeit durchbohren. Eine Tatsache, die Kagome noch mehr dazu anstiftet ihren Bannkreis stabiler auf zu bauen, denn auf einen so schmerzhaften Tod, so stellt sie ihn sich zumindest vor, hat sie weiß Gott keinen Bock!
Schnell schließt sie die Augen wieder und widmet sich ihren Bannkreis ganz. Der weine rosa Staub glitzert noch immer, doch jetzt mischen sich viele Kleine Blitze hinzu. Wie bei einem Gewitter, zischen sie um den Kreis herum, so als wäre er auf Hochspannung. Das müsste reichen! So müsste sie wenigstes Lebendig unten ankommen! Wieder riskiert sie einen Blick nach unten und geratet sofort mit ihrer Meinung ins schwanken. Die ca. 4 Meter langen Felsen sehen von der Nähe noch gefährlicher aus wie eh schon. Kagome legt vorsichtshalber noch mal ihre ganzen Kräfte in ihren Bannkreis, doch so langsam kann sie nicht mehr! Sie hat einfach keine Energie mehr um den Bannkreis noch länger so stark zu halten. Noch nie zuvor hat sie eine so starke Barriere so lange aufrecht gehalten. Sie wird es nicht schaffen sie bis zu dem Aufprall zu festigen. Wieder schaut sie nach unten. Der Boden ist nur noch ca. 100 Meter von ihr entfernt und ist klar zu sehen. Kagome blickt über das Land, über Wälder, Felsen, Büsche, Grass bis hin…zu Sonne. Sie ist jeden Moment dabei hinter dem Horizont zu verschwinden. Die gelb/rot und orange Töne streifen über die Landschaft hin weg und gibt ihr eine wunderschöne Ausstrahlung.
Kagome betrachtet dies kurz. Vielleicht würde das hier ihr letztes Bild sein, das sie sieht, bevor sie stirbt. Doch Kagome will nicht aufgeben! Die Hoffnung stirbt zu letzt!
Sie reißt sich zusammen und versucht den Bannkreis so wie er ist aufrecht zu erhalten. Die Blitze sind zwar schwächer wie ganz zu Anfang, aber sie sind vorhanden. Doch das wird nicht reichen. Der Erdboden kommt näher. 30 Meter, 20 , 10.
Kagome sieht die Felsenspitzen auf sich zurasen, wie ein Dolch der ihr Herz durch bohren will.
Ein letzter Blick zu den Sonnenstrahlen die hinter der Landschaft verschwinden und nun die Dunkelheit die Führung über das Land übernimmt. Wieder werden Tropfen nach oben gerissen, doch dieses Mal sind es keine Schweißtropfen, …es sind Tränen. Tränen, die um Vergebung bitten.
„ Inu Yasha “, kommt der Name leise von den Lippen Kagomes, ehe diese die Augen schließt und das tödliche Aufkommen mit den Spitzen Felsen erwartet.
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