Vampir-Story
Ein nächtlicher Besucher
Mitten in der Nacht wurde ich von einem Geräusch geweckt. Ich wusste nicht was es war. Ich schlug die Augen auf. Im Zimmer war es dunkel und ich konnte nichts sehen, doch dann hörte ich das Geräusch noch einmal. Irgendetwas schlug gegen das Fenster. Meine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit und als ich sah was mich geweckt hatte stockte mir der Atem. Ein Vampir hing kopfüber vor meinem Fenster und starrte herein. Ich stand auf und ging langsam zum Fenster. Ein paar Schritte davon entfernt blieb ich stehen. „Tretet ein!“ hatte ich das gesagt? Musste ich wohl, denn sonst war ja niemand hier. Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen schwang das Fenster auf und der Vampir stand vor mir. Er war groß und hatte langes schwarzes Haar und leuchtend grüne Augen. Im schwachen Licht das durch das Fenster fiel, sah er übernatürlich schön aus und als er den Mund öffnete um zu sprechen, konnte ich seine langen, spitzen Eckzähne sehen. „Du hast mich herein gelassen.“ stellte er fest. Seine Stimme war leise und sanft, doch deutlich. Ich schwieg. Ich war mir sicher, dass er mich töten würde.
„warum?“ Fragte er. Die Frage überraschte mich.
„Warum nicht?“
„Die meisten Menschen, “ sagte er, „würden lieber auf eine andere Art sterben.“
„ich bin aber nicht die meisten Menschen.“ Der Vampir lies seinen Blick durch das Zimmer wandern. Sein Blick schweifte über die Vampirposter an den Wänden, den Totenkopf im Regal und meine Vampir-Bücher und –DVD-Sammlung. Ein lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Du bist wirklich nicht normal“ er lachte leise.
Wer ist schon normal? Fragte ich mich, doch ich sagte nichts und schaute ihn nur schweigend an. Als sein Blick ernster wurde wusste ich, dass mein Leben gleich enden würde. Sein Blick wanderte zu meinem Hals. Langsam kam er auf mich zu. Ich wich nicht zurück. „Ich werde es zu einem schnellen Ende bringen.“ Flüsterte er. „Du wirst nichts spüren.“
Merkwürdiger weise hatte ich immer noch keine Angst, dabei stand der Vampir schon direkt vor mir. Er hielt mich an den Schultern fest und senkte seinen Kopf zu meiner Kehle. Ich spürte wie seine Zähne meinen Hals berührten. Ich rechnete jeden Moment mit dem tödlichen Biss, als der Vampir innehielt. „Du hast keine Angst“ stellte er fest, „Normalerweise sterben meine Opfer fast vor Angst, wenn ich ihnen so nah bin. Vielleicht bist du die Richtige.“ Sagte er mehr zu sich selbst. Er trat einen Schritt zurück und sah mich geistesabwesend an. Eine Weile stand er schweigend vor mir und ich zuckte vor Schreck zusammen als er zu sprechen begann: „Möchtest du meinesgleichen werden? Wenn du nicht willst, werde ich dich gehen lassen, ich werde dich nicht töten.“
Mein Herz machte einen Sprung. Vor mir stand ein Vampir der mich seinesgleichen machen wollte! Ich wünschte mir seit Jahren nicht sehnlicher als das, auch wenn ich bisher nicht geglaubt hatte, dass es Vampire gibt, war das immer eine verlockende Vorstellung gewesen. Doch jetzt, wo ER hier war, ER der mir diesen Wunsch erfüllen konnte, war ich plötzlich nicht mehr sicher ob ich es wirklich wollte. Ich würde Blut trinken und Menschen töten müssen. Ich schaute ihn unsicher an. Er schien zu wissen was in mir vorging. In der Diele klappte eine Tür, jemand bewegte sich auf mein Zimmer zu und ich fürchtete er würde verschwinden. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich es ewig bereuen würde, ihn jetzt gehen zu lassen. „Mach mich zu einem von euch“ bat ich. Der Vampir nickte. Er schien zu merken, dass mir schon lange eine Frage auf der Zunge brannte, denn er fragte „was willst du wissen?“ Der Vampir schaute mich an. „Wie heißt Ihr?“
„Edward.“
da ging die Tür auf und meine Schwester starrte ungläubig herein.
„was…“ setzte sie an, doch Edward fiel ihr ins Wort.
„deine Schwester wird von hier verschwinden.“
Meine Schwester hatte einen glasigen Blick und nickte. Sie erinnerte mich etwas an einen Zombie.
„Sie hat sich mit euren Eltern euch gestritten und da hat sie den Entschluss gefasst von hier zu verschwinden, weil sie es nicht länger mit ihren aushält. Dir hat sie das erzählt. Du wirst es deinen Eltern morgen sagen. Du hast nichts von dem hier mitbekommen und gehst jetzt wieder ins Bett, verstanden?“
Sie nickte und verschwand wieder.
„Was hast du mit ihr gemacht?“ fragte ich. „Ich habe sie hypnotisiert“ antwortete er knapp.
„nun denn, bevor noch jemand dazu kommt, sollten wir uns beeilen. Ich spürte wie mein Herz zu rasen begann als er näher kam und sich erneut über mich beugte. Ich spürte den Biss kaum, doch fühlte ich, wie das Blut aus die Wunde schoss und meinen Hals hinunterlief. Ich nahm alles nur noch verschwommen war und alle Geräusche kamen mir vor, wie weit entfernt. Ich wusste, dass ich bereits einige Liter Blut verloren haben musste. Ich fühlte mich bereits mehr tot als lebendig, als er aufhörte zu trinken, sich ins Handgelenk biss und mich von seinem Blut trinken ließ. Ich hatte nicht gedacht, dass ich in der Lage wäre Blut zu trinken, doch ich wusste, ich würde sterben, würde ich es nicht tun. Also trank ich saugte das Leben in mich hinein bis er seinen Arm wegzog. Kaum hatte ich aufgehört zu trinken, setzten unvorstellbare Schmerzen ein. Mein ganzer Körper schmerzte. Ich fühlte mich als würde ich verbrennen. Das er mich hochhob und mit mir durch das geöffnete Fenster sprang, bekam ich kaum mit. Irgendwann wurde alles um mich herum schwarz und als ich wieder erwachte stellte ich fest, dass wir in einem Wald waren. Ich lag zusammengekrümmt auf dem Waldboden und er saß neben mir.
Da hörte ich einen dumpfen Ton, wie von einer Trommel. Ich suchte nach dem Ursprung dieses Geräusches, als ich feststellte, dass es das Schlagen des Herzens eines Hirsches seien musste, den ich bis eben noch nicht bemerkt hatte.
Ich setzte mich auf. „Wo sind wir?“ fragte ich.
„Etwa eine Tagesreise von unserem Clan entfernt.“
„unserem Clan?“
„das erklär ich dir später.“
Damit gab ich mich fürs erste zufrieden und schaute mich um. In vielen Büchern die ich gelesen hatte stand der Satz „als Vampir sieht man die Welt mit anderen Augen“ das stimmte tatsächlich. Ich sah Tiere, die so versteckt und reglos dasaßen, dass ich sie als Mensch niemals entdeckt hätte. Ich hörte Mäuse über den Boden trampeln wie Elefanten. Ich nahm jede noch so kleine Bewegung, jedes noch so kleine Geräusch so deutlich wahr, dass ich das Gefühl hatte mein ganzes Leben lang mit Scheuklappen herum gerannt zu sein. Die Sterne leuchteten so hell, dass ich sehen konnte als wäre es helllichter Tag. Von all diesen, ungewohnt lauten Geräuschen, bekam ich Kopfschmerzen.
„Es wird wohl noch eine Weile dauern bis ich mich an mein Dasein als Vampir gewöhnt habe, nicht wahr?“ wollte ich wissen
„Es geht schneller als du denkst, aber du wirst sicher Fragen haben? Was willst du wissen?“
„Was ist mit Knoblauch? Stimmt es das wir seinen Geruch nicht ertragen können?“
„Er stinkt zwar, aber nicht so sehr, dass ich ihn als Vampirschutz bezeichnen würde.“
„Was ist mit Kruzifixen?“
„Unsinn.“
„Und Weihwasser?“
Der Vampir verzog das Gesicht. „Weihwasser.. wirkt stark ätzend. Die verätzen Wunden heilen nur sehr langsam.“
„Und Silber?“
„Davon solltest du die Finger lassen.“
„Und was ist mit Holzpflöcken?“
„Uns einen Holzpflock durch das Herz zu treiben, ist neben dem Verbrennen, sowohl durch Sonnenlicht als auch durch Flammen, die einzig endgültige Methode uns zu töten.“
„Sonnenlicht ist also wirklich tödlich?“ fragte ich.
„Für dich schon.“
„Und für dich nicht?“
„Nein für mich nicht.“
„warum nicht?“ Fragte ich. So langsam gingen mir seine knappen Antworten gehörig auf die Nerven.
„Ein Vampir wird mit dem Alter immer stärker und irgendwann macht es einem nichts mehr aus. Ich weiß selbst nicht warum das so ist.“
„und wie lange dauert es bis man stark genug ist?“
„Das ist von Vampir zu Vampir unterschiedlich. Manche werden vielleicht nie soweit sein. Du bist auch noch nicht so weit, also würde ich vorschlagen du gräbst dir ein Loch. Die Sonne geht bald auf.“
„WAS?! Ich soll mir ein Loch graben?! Bei den Spinnen, Ratten und Käfern?!“ keifte ich. Also so hatte ich mir das Leben als Vampir eigentlich nicht vorgestellt. Die Vorstellung, dass mir diese ekligen kleinen Viecher über den ganzen Körper krochen, war so ziemlich das Schlimmste was es für mich gab. Ich hasste dieses Getier schon mein Leben lang. Edward schien überrascht über meinen Ausbruch zu sein, fing aber schließlich an zu lachen. Ich war sauer, dass er über mich lachte und starrte ihn wütend an, doch er ignorierte meinen wütenden Gesichtsausdruck. „Du bist mir ein schöner Vampir.“ Sagte er immer noch lachend. „Ein Vampir der Angst vor Spinnen hat… Na dann brat halt in der Sonne.“
Ich wusste, dass er recht hatte, ich war ein jämmerlicher Vampir. Aber es half auch nichts, wenn ich schon am Ersten Tag, meines Untoten Lebens endgültig sterben würde. Also machte ich mich grimmig daran ein loch zu graben, während mir Edward grinsend dabei zusah. Als das Loch groß genug war legte ich mich hinein und Edward schob die kalte, feuchte Erde auf mich bis nur noch mein Kopf, der jedoch im Schatten des dichten Farns lag, aus dem Waldboden schaute.
„Schön, dass du doch noch zur Vernunft gekommen bist. Tiere machen um Untote normalerweise sowieso einen großen Bogen“ Sagte Edward und sprang leichtfüßig auf den Baum der mir am nächsten stand, von dem er kurz darauf kopfüber herunterhing wie eine Fledermaus. Seine schwarzen lederartigen Flügel (weiß der Teufel wo die jetzt schon wieder herkamen!) hatte er um sich gelegt, so dass sie seinen gesamten Körper bedeckten. „Vampire können sich nicht nur in Tiere verwandeln, sie können sich auch