Vampir-Story

seinem kleinen Schützling nichts passiert… „ säuselte er und mit jedem Wort wuchs mein Hass auf ihn, „wie erbärmlich du bist ja noch schwächer als ich dachte, aber du kannst ja nichts dafür, wer einen Meister wie Edward hat, aus dem kann ja nichts werden…“ Das reichte, ich griff mir ein stück des dünne Seiles, was sich aus dem Netz gelöst hatte und schlang es ihm um den Hals. Drake keuchte und etwas Blut sickerte unter dem dünnen Seil hervor. Drake hatte Glück, das Seil riss und er taumelte zurück. Das Seil hatte zwar in seinen Hals geschnitten, jedoch nicht tief genug um ihn ernsthaft zu verletzen. Mit einem knurren stürzte ich mich auf ihn und schlug ihm ins Gesicht, ehe ich von Tom zurückgezogen wurde. Dia anderen Vampire, die vor Schreck nicht eingegriffen hatten, erwachten nun aus ihrer Starre und stellten sich schützend vor Drake und Tom gab mich endlich aus seinem Eisenharten Griff frei. Überrascht stellte ich fest, dass frisches Blut meinen Arm hinabfloss, welches nicht mein eigenes war. Ich warf einen eiskalten Blick in die Menge die sich um ihren Anführer scharrte und sah, dass Drake eine große klaffende Wunde über das gesamte Gesicht verlief. Man konnte deutlich den Abdruck meiner Klauen erkennen. Ein überlegenes Lächeln huschte über mein Gesicht ehe ich mich umwandte und mir demonstrativ ein Kunai in den Gürtel steckte. Ceredas folgte mir, ließ Drake und seine Kumpanen jedoch nicht aus den Augen, die ihrerseits die Flucht ergriffen, um ihren geliebten Drake ärztlich zu versorgen. Tom tadelte mich zwar, aufgrund meines „kleinen“ Wutanfalls, aber er nahm es mir wohl nicht ernsthaft übel. Ich hörte ihn etwas dass wie „genau wie Edward…“ klang murmeln und damit war das Thema erledigt. Auch wenn man mich die nächste Zeit über meiden würde, hatte das ganze doch einen Vorteil, denn Tom glaubte endlich die passende Waffe für mich gefunden zu haben. Er wollte mir jedoch nicht mehr verraten, als dass es sich um eine Hieb, Stich und gleichzeitig Würgewaffe handeln würde. Tom verabschiedete sich von mir und entschuldigte sich, dass er das Training so früh beendete, doch er müsse noch über die Waffe nachdenken. Ich war ziemlich ratlos was er für eine Waffe meinen könnte, aber mir bleib wohl nichts anderes übrig als abzuwarten… Es war noch zu früh um wieder schlafen zu gehen und nachdem ich eine Weile ratlos auf dem Boden saß und überlegte was ich tun konnte. Schließlich viel mein Blick auf den Wachturm. Es war zwar unwahrscheinlich, dass Edward jetzt schon zurückkehren würde, aber ich würde ihn von dort aus auf jeden Fall früher kommen sehen. Also kletterte ich auf den Turm und lies den winselnden Ceredas einige Meter unter mir zurück. Der Wächter schaute mich zwar etwas verwundert an, sagte aber nichts als ich mich neben ihn stellte und auf den Wald sah der unter mir lag. Die Bäume wogten sacht im leichten Wind und ab und an sah man einige Vögel durch die Luft gleiten. „Ist es nicht langweilig den ganzen Tag hier oben zu stehen?“ fragte ich den Wächter. Ich erkannt in ihm den jungen Vampir, der hier bereits Wache gehalten hatte, als ich das erste mal hier war.
„Irgendjemand muss es ja machen“ seufzte der Wächter, „ich bin übrigens Cyron.“, fügte er hinzu.
„Anna.“ Erwiderte ich knapp.
„Ja du bist die Schülerin von Edward, nicht wahr?“
„Ja“ bestätigte ich.
„Das merkt man dir an.“ grinste er.
„was? Warum?“ fragte ich überrascht.
„Hier gibt es nicht viele Vampire die Drake an die Kehle gehen würden.“
„Oh! Das hast du mitbekommen?!“ ich merkte wie ich leicht errötete.
„Sicher! Der Turm ist so hoch damit ich sowas sehe.“
„Aber du hast nicht eingegriffen.“
„Nein, es waren noch 10 andere Vampire bei Drake, die hätten eingreifen können.“
„Du magst ihn also auch nicht besonders hm?“
„Er hat mir bisher noch nie einen Grund gegeben ihn nicht zu mögen. Er ist kein guter Anführer für den Clan, aber ich habe nichts gegen ihn persönlich.“
„Weißt du wohin Edward geschickt wurde?“
Das Gesicht des Wächters verfinsterte sich. „Ich weiß es nicht mit Gewissheit, aber wenn die Krieger eines Clans ausgesandt werden, dann gibt es dafür eigentlich nur eine Erklärung…“
„Sie planen uns anzugreifen.“ Beendete ich den Satz.
Cyron nickte. „Gestern Abend haben wir an dem schmalen Eingang zur Höhle einen von ihnen getötet. Wir wissen nicht ob er zu einer größeren Gruppe gehörte, aber Spione sind selten allein unterwegs, und selbst wenn er allein war, wird sein verschwinden sie schnell zu uns führen. Edward und einige andere wurden vermutlich geschickt um herauszufinden wie viele Werwölfe hier in der Gegend sind und zu welchem Rudel der von gestern gehörte.“
Wir standen eine Weile schweigend und in Gedanken versunken nebeneinander und ich betete still, dass Edward nichts passieren würde, bis mich Ceredas erneutes Winseln aus meinen Gedanken aufschreckte. Es musste mehr Zeit vergangen seien als ich geglaubt hatte, denn ein schmaler roter Streifen am Horizont kündigte den nahen Sonnenaufgang an. Cyron wirkte eben so überrascht wie ich, auch er schien bis eben nicht bemerkt zu haben, dass der Tagesanbruch bereits so nahe lag. Ich verabschiedete mich von ihm und kletterte schnell den Turm hinab. Ich erreichte die Hütte ziemlich knapp vor dem Sonnenaufgang, war jedoch rechtzeitig in meinem Sarg.
Am nächsten Morgen, machte ich mich sofort auf zu Toms Hütte, ich wollte endlich wissen was er sich da für mich ausgedacht hatte. Ceredas folgte mir, wie schon nachts zuvor und wich nicht von meiner Seite. Tom war nicht da.
„Tom?“
„Hier drüben!“ der Ruf kam offenbar von draußen. Ich ging um das Haus herum und entdeckte ihn in einem Schuppen. Er war dabei etwas zu schleifen, was konnte ich nicht sehen, da es von seinem Körper verdeckt wurde. Ich ließ mich auf dem Boden nieder und wartete darauf, dass er fertig wurde. Ceredas setzte sich neben mich und ließ sich hinter den Ohren kraulen. Nach gut 10 Minuten wandte Tom sich zu mir um.
„Es ist fertig.“ Sagte er lächelnd und reichte mir die Waffe.
Es handelte sich dabei um ein Kunai an dem ein langes Drahtseil befestigt war.
„Es funktioniert ähnlich wie eine Kettensichel.“ erklärte Tom, Das Kunai, kannst du benutzen um dich im Nahkampf zu verteidigen oder als Kletterhilfe, zum graben, Schneiden usw. einsetzen. Das Drahtseil kannst du gut im Fernkampf einsetzen. Es ist so scharf, dass es, wenn du kräftig genug ziehst, Knochen zerteilt. Du kannst es natürlich auch zum Fesseln benutzen. Das Kunai beschwert es, so dass du es auch auf weite Entfernungen Zielgenau einsetzen kannst.
Ich betrachtete die Waffe in meiner Hand. Der Draht war so dünn, dass man ihn kaum sehen konnte, man sah ihn nur kurz aufblitzen wenn etwas Mondlicht auf ihn fiel.
Toms Aufforderung folgend, probierte ich das Sôtto-shi, wie er die Waffe genannt hatte, an einem Baumstamm aus. Ich hatte meine Bedenken ob der Draht stabil genug sein würde, doch Tom hatte recht gehabt und das Holz wurde vom Draht glatt in 2 Hälften geteilt. Nach ein paar Stunden Übung, hatte ich keine Probleme mehr damit die Waffe einzusetzen. Das Sôtto-kei-shi war wirklich perfekt. Die nächsten Nächte verbrachte ich damit, mich im Umgang mit dem Sôtto-kei-shi zu üben, doch Tom ermahnte mich, mich nicht zu sehr darauf zu fixieren und so übte ich mich auch im Umgang mit einigen anderen Waffen und wann immer ich Zeit hatte, leistete ich Cyron oben auf dem Turm Gesellschaft. Tom war alt und konnte nicht jeden Tag mit mir Trainieren, so übte ich oft allein, aber wann immer Cyron jemanden fand, der seine Wache übernahm (was leider nicht oft vorkam) schaute er mir zu um mich zu korrigieren und ein paar mal kämpfte er selbst mit mir. Es machte mehr Spaß ab und zu einen anderen Gegner vor sich zu haben, da ich mittlerweile zu schnell für Tom geworden war und er kaum noch Tricks und Fallen kannte, die ich nicht durchschaute. So zogen sich die Wochen dahin, Drake traute sich zum Glück nicht mehr in meine Nähe, seit ich das Sôtto-shi besaß. Ich stand wieder einmal oben bei Cyron auf dem Turm und schaute hinab auf den Wald, der sich langsam bunt färbte. Die Wochen waren nur so vorbeigeflogen und es gab immer noch keine Nachricht von Edward oder einem der anderen, mit jedem Tag wuchs meine Sorge um ihn und kein Wort Cyrons konnte daran etwas ändern.
„Drake hat Interesse an dir.“ Sagte Cyron plötzlich und riss mich aus meinen Trüben Gedanken.
Ich zog die Augenbrauen in die Höhe. „Hat er das?“
„Hast du nie bemerkt wie er dich ansieht?“
„Ich weiß nicht wie er mich ansieht, ich vermeide es ihn anzusehen.“ Sagte ich und in meiner Stimme schwang deutlich meine Abneigung gegen Drake mit.
„Was hast du gegen ihn?“ wollte Cyron wissen.
„Drake ist ein degeneriertes Scheusal, das keine Sekunde zögern würde diesen ganzen Clan zu opfern um sein eigenes Leben zu retten. Du weißt das ich Recht habe Cyron.“
„Vielleicht täuschst du dich in ihm.“ Wiedersprach er mir.
„Wenn Drake ein guter Anführer für diesen Clan wäre, dann hätte er längst irgendwelche Vorbereitungen für den Angriff getroffen, er hätte eine Verteidigung aufgebaut oder die anderen wenigstens von dieser bedrohlichen Situation informiert! Selbst wenn er glaubt, dass diese Burg ohnehin nicht mehr sichern ist, hätte er sich wenigstens um eine Unterkunft für den Clan im Revier eines anderen Clans bemühen können! Aber er hat bisher noch gar nichts unternommen! Edward und die anderen sind bereits 2 Monate weg und er hat den Clan noch nicht einmal darüber informiert, dass wir möglicherweise entdeckt wurden, ist es nicht so?! Wenn sie uns tatsächlich gefunden haben und angreifen haben wir keine Chance! Das wird kein Kampf sondern ein Blutbad! Wie viele Kampffähige Männer haben wir? 30? 50? Und wie viele haben die?