Wüstenrose

wenn die Saat Hoffnung in der Dürre sprießt

Land of death

Eine schreckliche Dürreperiode überzog ganz Ägypten. Auf den Feldern wuchs kaum noch genügend Nahrung um das Volk zu ernähren, die Seen und Flüsse fassten nur einen Bruchteil des so kostbaren Wassers, das sie sonst preisgaben. Unmut und Zorn machten sich in den Ägyptern breit, denn ihr ach so großer Pharao Akanumkanon war trotz seiner Macht nicht im stande, sein leidendes Volk zu erretten. Er verschwendete viel zu viel Zeit mit seinem Sohn, hieß es von mancher bösen Zunge. Gerüchten zu Folge sollte bald die Krönung des Prinzen stattfinden, der den Pharao somit ablösen und sein Land in bessere Zeiten führen sollte. So Richtig daran glauben, konnte jedoch kaum einer. Viel zu lange hatte ihnen ihr König versprochen, dass sie nichtmehr hungern müssten und ihre Kinder versorgen könnten, doch mit der Zeit zerfiel alle Hoffnung zu Staub. Genau wie das Wasser in den Brunnen der Dörfer, das für Ägypten so lebenswichtig war.
Ein stechender Schmerz machte sich im Kopfe des Pharaos breit. Diesen Schmerz verspürte er schon seid einiger Zeit und er wurde immer stärker. Er selbst war schon sehr alt, erfahren und in besseren Zeiten stets ein guter Herrscher gewesen. Doch nun spürte er, dass seine Zeit gekommen war. Er hatte keine Angst vor dem Tod, gewiss nicht. So wusste er, dass er mit Sicherheit in die Welt der Götter aufgenommen werden sollte, an deren Seite sitzen und über das, was er zurück gelassen habe, wachen würde. Doch noch war er am Leben und steckte seine gesamte Energie in seinen Sohn. Akanumkanons Augen brannten vom aufgewirbelten Staub und der sengenden Hitze und seine Haut begann ebenfalls zu schmerzen und zu brennen wie Feuer. Selbst für einen alten Mann, der durchaus die Tücken des Wüstenlandes kannte, war diese Trockenperiode eine Qual. Das Atmen fiel dem König immer schwerer und sein Atem röchelte wie ein altes Tier.
"Geht es euch gut, Vater?", vernahm er plötzlich eine Stimme, welche sich durch die Hitzeschwaden die seinen Kopf vernebelten ihren Weg bahnte. Ein junger, stattlicher Mann mit blond-schwarzem Haar, welches eine leichte Violettfärbung hatte, betrat den Thronsaal, verbeugte sich kurz, wie es sich gehörte und trat an den Thron heran. "Es geht schon. Hast du getan, was Mahado dir aufgetragen hat?", fragte er etwas trocken und schloss für einen Moment seine müden Augen. "Selbstverständlich.", gab sein Sohn zurück und runzelte die Stirn. Noch nie hatte er seinen Vater so mitgenommen und erschöpft gesehen, wie in den letzten Tagen und Wochen. Das sein Volk litt, war ihm wohlbekannt und auch das dieses Leid einen einschürenden Schmerz in dem Herz seines Vaters auslöste. "Ihr solltet euch etwas ausruhen.", schlug er vorsichtig vor, so wusste er doch, das sein Vater trotz seines Alters und seiner Güte ein sehr temperamentvoller Mann gewesen war, der sich nur ungern etwas sagen ließ. "Der Hunger und die Hitze ruht auch nicht. Und so kann ich ebenfalls nicht ruhen.", kam es nur von Seiten des Pharaos. "Du solltest dich lieber deiner Freizeit widmen. Genieße sie mein Sohn, denn bald wirst du meine Stelle als Herrscher einnehmen und für all diese Menschen und deren Wohl verantwortlich sein." Der Prinz nickte nur kurz und verließ schließlich den Thronsaal.
Er selbst wollte nie Prinz sein. Natürlich, es hatte seine guten Seiten. In einigen Räumlichkeiten des Palastes war es stets angenehm kühl, egal wie die Sonne herunterbrannte und um Essen und Trinken musste er sich ebenfalls nie Sorgen. Dennoch. Die Verantwortung für ganz Ägypten zu tragen bereitete ihm mehr als nur Kopfschmerzen. Ein weiterer Punkt der ihm Sorgen bereitete, war die Tatsache, dass sein Vater von ihm verlangte, bis zu seiner Krönung eine Gemahlin zu finden. Das war jedoch leichter gesagt als getan. Wie viele junge Frauen rissen sich darum, Königin von Ägypten zu werden? Das gute Aussehen des Prinzes war im ganzen Land durchaus bekannt und dementsprechend war die Anzahl der Frauen, die sich für ihn interessierten. Doch, so war sich der junge Mann sicher, waren die meisten von ihnen wohl mehr nach dem unendlichen Reichtum, dem Ruhm und der Macht verfallen als ihm selbst. Viele hatte er gesehen. Schöne Frauen, durchaus, doch war bis jetzt keine einzige dabei, zu der er sich wirklich hingezogen fühlte.
Der Prinz marschierte langsam in Richtung Schlossgarten und setzte sich dort auf den Rand eines Brunnens. Besorgt und mit in Sorgenfalten gelegte Stirn blickte er in das Wasser und betrachtete sein eigenes Spiegelbild. Er wollte gerade die Augen schließen, als er ein lautes Quietschen hinter ihm vernahm. "Priiinz!", quiekte es hinter ihm, ehe ein qurirrliges, braunhaariges Mädchen hinter einem der Bäume hervorsprang. "Sag Mahado nicht, dass ich hier bin, sonst gibts wieder Ärger.", murmelte sie und setzte sich neben den Thronerben. Dieser grinste nur. Das junge Mädchen schaffte es jedes Mal, seine schlechte Laune und seine bösen Gedanken zu vertreiben. So kannten sich die zwei doch schon, seid sie kleine Kinder gewesen waren. "Mana, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich beim Namen nennen sollst!", gab er nur zurück und blickte sie für einen Moment ernst an. "Tse.. wie Ihr wünscht.. Atemu.", fügte sie etwas patzig hinzu und streckte ihrem Gegenüber frech die Zunge heraus. Sie war eine der wenigen, die den Prinzen noch wie einen normalen Menschen ohne adeliges Blut behandelten. Das war es, was er so an seiner Freundin liebte, denn manchmal gab es für ihn nichts Schöneres, als jemanden, der ihn verstand und mit ihm sprach, als wäre er irgendjemand, nur nicht der Sohn des Pharaos. "Du solltest nicht dauernd abhauen, sonst schaffst du deine Prüfungen nie.", meinte er etwas nachdenklich und blickte sie durchdringend an. Mana jedoch legte nur den Kopf schief und zuckte mit den Schultern. "Ach Quatsch. Ich bin doch ein Naturtalent! Siehst du!", sagte sie etwas überheblich und zückte ihren Zauberstab. Sie murmelte einige Formeln und ehe sie es sich versah, spritze eine Wasserfontäne aus dem Brunnen und traf sie genau im Gesicht. Etwas verdattert und erschrocken saß sie da, mit klatschnassem Haar, das ihr wild ins Gesicht hing und einem nicht weniger verwunderten Blick. Atemu konnte sich das Lachen nicht zurückhalten und prustete laut los. "Hey! Das ist nicht nett!", schnauzte sie ihren Freund an und begann ihn mit Wasser zu bespritzen. Der Prinz stieg sofort auf dieses kleine Spielchen ein und rechte sich sofort.
Ihr buntes Treiben wurde allerdings schnell unterbrochen, als sie ein tiefes Räuspern hinter sich vernahmen. "Findet ihr es nicht etwas leichtsinnig, Wasser zu verschwenden, wo das ganze Land in einer Dürre steckt?", gab ein alter, weißbärtiger Mann von sich, der ein seltsames goldenes Auge hatte. Atemu kannte ihn nur zu gut, immerhin war er sein Onkel. Er konnte ihn jedoch nie wirklich leiden, so war er ihm immer ungeheuerlich gewesen. Der Prinz hatte schon lange den Verdacht, dass der Bruder seines Vaters nur zu wild auf den Thron war und nichts lieber getan hätte, als dem Pharao mit einem Messer in den Rücken zu fallen. "Natürlich.", gab er klug zurück und erhob sich schließlich. "Mana, du solltest jetzt wieder zu Mahado-Sama gehen, ehe er noch vor Wut zerplatzt.", sprach er noch zu seiner Spielgefährtin und ging schließlich wieder nach drinnen.
Der schreckliche, sich immer mehr verschlechternde Zustand Ägyptens blieb auch den Göttern nicht verborgen. Besorgt blickten sie auf das Land, dass sie ihr Eigen nannten und berieten sich, was zu tun sei. Schon einige Male hatten sie versucht, die Dürreperiode mit ihren unvorstellbaren Mächten zu beenden, doch war es selbst ihnen nicht gelungen. Eines wussten sie, diese Dürreperiode lag weder in ihrer Macht, noch war es das Schicksal, dass sich gegen sie verschworen hatte. Eine dunkle Macht, die es selbst schaffte, ihnen zu trotzen war dabei das Land zu zerfressen und sie schien immer stärker zu werden.
Ein junges Mädchen mit schier endlos scheinendem weißen Haar durchstreifte die Straßen Ägyptens. Die Farbe ihrer Mähne war hierzulange ebenso selten wie die stechend grünen Augen, die aus ihrem Gesicht blitzten wie zwei Smaragde. Von manchen wurde sie seltsam angestarrt, verwunschen und gefürchtet, doch das schien sie nicht sonderlich zu stören. Sie umgab eine Aura, die sie den anderen überlegen zu machen schien und unantastbar zu sein. Das Leid der Menschen riss in ihrem Herzen tiefe Wunden, auch wenn es nicht das Herz eines Menschen war. Sie hatte andere Gefühle, kannte die Liebe nicht, die Familie und das Vertrauen. Sie war aus einer anderen Welt, ähnlich der der Menschen und doch ganz anders. Hätte sie weinen können, hätte sie es gewiss getan, denn sosehr hatte sie die Menschen Ägyptens noch nie leiden gesehen. Immerhin war sie nun schon fast dreihundert Jahre alt und kannte so manche schlimme Zeit, die das land durchstehen musste. // Die Armen Menschen. Wie furchtbar sie leiden müssen..// Ein Hohepriester hätte sie durchaus sofort erkannt, doch dem gemeinen Volk fehlte dazu die spirituelle Energie. Längst zweifelten sie an ihren Göttern und begonnen blind zu werden für ihre Zeichen und ihre Macht. So war es auch kein Wunder, dass in diesem seltsamen Mädchen niemand die Gottheit der Liebe und der Fruchtbarkeit erkannte, Bastet, welche in vielen Dörfern als Katzengöttin verehrt wurde. Selten, aber doch alle guten zehn Jahre durchstriff sie das Land, um einen Blick auf die Entwicklung der Menschen zu werfen und sich davon zu überzeugen, dass alles so lief, wie es sollte. Doch so war es nicht. Definitiv nicht.
Atemu hatte sich wieder in seine Gemächer zurückgezogen, so hatte er keine große Lust seinem verhassten Onkel ein weiteres Mal über den Weg zu laufen. Der Prinz war ihm ein Dorn im Auge, das wusste er und so legte er nicht sonderlich viel Wert auf dessen Gesellschaft. Ein zarter Windhauch streifte um seine Wangen und spielte mit seinem goldblonden