Wüstenrose

wenn die Saat Hoffnung in der Dürre sprießt

Die my Prince

Die Tage zogen ins Land und die Dürreperiode fand kein Ende. Immer mehr Menschen erlagen den Folgen der mangelnden Ernährung, des fehlenden, so lebenswichtigen Trinkwassers oder der Hitzeschläge. Auch in Kairo spitzte sich die Stiuation immer mehr zu. Das leidende Volk war nichtmehr bereit, auf bessere Zeiten zu warten und dem Pharao blindlinks zu vertrauen. Die Hektik und die Panik wurden auch im Palast immer größer. Jeden Tag fürchtete man sich vor einem Bürgerkrieg, einer Rebellion, einem Angriffsversuch auf den Pharao, welcher ohnehin immer schwächer und kränklicher wurde.
Was würden sie tun, ohne ihren Gottkönig, welcher die letzte Verbindung zwischen dem Volk und dem Palast wahrte? Wie würde das Volk reagieren, ohne einen Führer, der ihnen sagte, was sie in solchen Zeiten zu tun hatten? Wäre der junge Prinz einer solchen Aufgabe bereits gewachsen? Natürlich. Pharao Akunadin selbst, bestieg den Thron mit jungen sechzehn Jahren, doch ohne zweifel, war er einer der verbissensten Schüler und Lerhlinge, die je ägyptischen Boden betraten.
Atemu striff durch die unendlich scheinenden Gänge des Palastes. Sein Kopf pochte vor Schmerz und sein Herz schien schwer wie ein Stein. Der Kloß in seinem Hals wurde immer dicker und schien ihm die Luft zum Atmen zu nehmen. Eigentlich sollte er jetzt in einer der Zahlreichen Lehrvorleseungen sitzen, die er in den letzten Wochen und Monaten über sich ergehen lassen musste, doch dafür hatte er jetzt keinen Kopf. Alle wollten ihn vorbereiten, auf das was unvorhersehbar war, doch wovon jeder wusste, dass es bald eintreffen würde: der Tod seines Vaters, des Pharaos. Und wenn es so weit sein würde, würde er bereit sein müssen, das Land zu führen, wie ein weiser Herrscher. Schwer seufzend blickte er empor, der Sonne entgegen, die ihn mit ihrer Grellheit blendete. Er hielt es nicht mehr aus, hier im Palast, wo jeder nur von ihm forderte und wollte und er keine einzige freie Minute mehr zu haben schien.
Es gab einen geheimen Weg aus dem Palast, durch den Garten. Eine Sicherheitslücke, gewiss, doch Atemu war sich sicher, dass sie bis jetzt niemand außer ihm entdeckt hatte. Vielleicht Mana, aber die würde es keinem erzählen, da war er sicher. Sein Diadem ließ er im Palast, immerhin wollte er keine zu große Aufmerksamkeit erregen, auch wenn das Volk sein Gesicht ohnehin kannte. Was sich hinter dem Palastgarten erstreckte, war mit den üppigen Pflanzen der Grünanlage nicht zu vergleichen. Überall war Sand, trockener, lebloser Sand und ein Blick auf die Endlos scheinende Wüste. Ab und an konnte man noch ein Haus sehen, doch der Großteil des Dorfes lag vor dem Königshaus und dessen Garten war auf der Rückseite gelegen. Nicht weit weg von den Mauern lag der Nil. Wenn Atemu erschöpft war und einen Ort der Stille brauchte, nur für sich, schlich er sich oft zum Nil, um dort zu baden. Natürlich trug das alles Risiken mit sich, doch die war er bereit einzugehen.
Seine Schritte waren langsam und schwer, doch nach guten zehn Minuten hatte er das seichte Ufer des größten und längsten Flusses des ganzen Landes erreicht. Er schlüpfte aus seinen sandalenartigen Schuhen und stellte seine Füße ins Wasser. Das kühlende Nass schien wie eine rettende Kraft. Sie strömte durch seinen ganzen Körper und löste eine seltsame Ruhe in seinem Inneren aus. Außerdem kam er sich in dem, im Vergleich zu der Luftemperatur kalten Wasser vor, wie im Himmel.
Für einen Moment schloss der Prinz seine Augen, bis er sich seines Oberteiles entledigte und es ans sandige Ufer schmiss. Mit schnellen, gezielten Schritten ging er tiefer ins Wasser, bis er bis zum Bauchnabel in diesem stand. Er träufelte sich das Wasser vorsichtig mit den Händen über Schultern und Oberkörper und seufzte dabei wohlig.
Wie angenehm es war,s ich bei dieser Hitze in den kühlenden Nil zu retten, war schier unbeschreiblich.
Doch Atemu war nicht der Einzige, der diese Idee zu haben schien. Selbst für eine Göttin in Menschengestalt war es viel zu heiß auf dieser Welt. Wie die Menschen das täglich überstehen konnten, war der Katzengöttin nicht klar. Auch wenn sie eine große Macht besaß, so befand sie sich derzeit doch in einem sterblichen Körper und war genauso mit Hitze und Kälteempfindungen gesegnet, wie jeder andere Ägypter. Langsamen Schrittes betrat sie den Fluss ihres Heimatlandes und tauchte ein Mal unter, um ihre Haare nass zu machen. Die weißen Strähnchen hingen ihr wild ins Gesicht und ihre grünen Augen blitzten aus dem Haarwirrwarr hervor. Sie war so darauf konzentriert, sich mit ihrem menschlichen Körper zurechtzufinden, dass selbst ihrem göttlichen Auge die Anwesenheit des Prinzens unbemerkt blieb.
Dieser jedoch, seine Aufmerksamkeit völlig auf seine Umgebung lenkend, erhaschte den anderen Badegast, der anscheinend die selbe Idee hatte wie er, sofort. Immerhin war es gefährlich für ihn als Prinz Ägyptens, einfach aus dem Palast zu verschwinden, ohne jederlei Wachen oder Schutz. Der Anblick, der sich ihm hierbei bot, war für ihn etwas gänzlich neues. Noch nie zuvor hatte Atemu ein Mädchen mit solch bleichen, weißen Haaren gesehen, die solche stechend grünen Augen ihr Eigen nennen konnte.
Für Ägypterinnen üblich, war normalerweise schwarzes oder braunes Haar, wobei ersteres überwog, doch weißes Haar, hatte er, mal abgesehen von alten Leuten, noch nie bei einer jungen Frau gesehen. Zumindest schien sie ihm jung. Doch etwas machte ihn stutzig. Trotz ihres anscheinenden Alters, machte sie den Eindruck, als ob sie schon tausende Jahre alt wäre. Ihre Augen strahlten eine Weisheit aus, die er bei Menschen in diesem Alter noch nie gesehen hatte. Als er seine Hand ins Wasser gleiten ließ um sie etwas abzukühlen, schreckte die junge Frau hoch. Mit einer raschen Bewegung ihres Kopfes blickte sie zu dem Prinzen, den sie als Göttin sofort wiedererkannte.
Für einen Moment stand sie still, wie eine Salzsäule und bewegte sich keinen Millimeter. Was sie nun tun sollte, war ihr nicht ganz klar. Einfach verschwinden konnte sie nicht, durfte sie ihre wahre Gestalt doch niemandem preisgeben. Doch wie sollte sie auf den vermeindlichen Entdecker reagieren? Sollte sie sich ihm zu Boden werden, wie es eine normal Sterbliche getan hätte? Nein. Dafür war ihr Stolz zu groß, immerhin war sie eine Gottheit und musste gewiss nicht vor einem Menschen niederknien.
Atemu hatte ein ungutes Gefühl im Magen. Ein solcher Trip konnte ihm schnell das Leben kosten und somit eine Katastrophe für das Land bedeuten. Doch aus irgendeinem Grund konnte er sich nicht von dem Antlitz der jungen Frau lösen.
Plötzlich schoss etwas gigantisches aus dem Wasser. Eine Schlange, so groß wie ein Haus, mit einem seltsamen starren Blick. Ihre Augen waren rot und schienen zu brennen, wie Feuer und ihre Haut war eiskalt und hart. Selbst ein Leihe hätte erkannt, dass es sich hierbei um ein Wesen aus dem Reich der Schatten handelte, dass ein begnadeter Priester oder ein Medium herbeigerufen hatte. Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen und die junge Frau schien mit einem Mal uninteressant.
Das wäre ihre Chance gewesen, zu fliehen und unerkannt zu bleiben, doch sie wusste, dass dieses Monster keinesfalls zum Vorteil des Pharaos gerufen wurde und den Sohn des amtierenden Königs konnte sie keinesfalls ohne Schutz zurücklassen.
Das Monstrum schnellte auf den Prinzen zu und riss sein riesieges Maul auf, aus dem lange weiße Zähne blitzten. Unfähig sich zu bewegen, starrte er in die Augen des Untiers, die ihn in ihrem Bann hielten.
Die weißhaarige Frau schloss ihre strahlend grühnen Augen, faltete die Hände und murmelte einige Worte in der Sprache der Götter, welche nur die Hohepriester des Pharaos und hohe Gelehrte verstehen und sprechen konnten. Dann, wie ein Blitz, erschien ein zweites Monster, ebenso gigantisch wie die Schlange, die das Leben des Prinzen bedrohte. Ein schwarzer Drache, dessen Haut glänzte wie ein edles Metall und dessen Augen genauso rot und brennend schienen, wie die der Schlange, fiel mit tosendem Gedonner auf die Schlange nieder. Er verbiss sich in ihrem Hals und konnte sie in letzter Sekunde wegreißen. Das Schlangenmonster löste sich in Rauch auf und der Drache entflog zurück in die Lüfte, aus denen er gekommen war. Geschockt und kreidebleich im Gesicht ließ sich Atemu ins seichte Wasser fallen und stützte sich mit den Händen auf dem sandigen Untergrund ab. Die junge Frau warf einen Blick auf den Ort, an dem die Schlange eben noch gewesen war und blickte dem von ihr herbeigerufenen Monster nach. Dann waatete sie durch das seichte, schilfige Wasser zu dem Prinzen und hockte sich neben ihn. "Ist alles in Ordnung mit Euch?", sagte sie mit sanfter Stimme und versuchte sich im Ton zu waren, immerhin musste sie das normale Mädchen aus dem Dorfe spielen, welches sie definitiv nicht war. Der Angesprochene fasste sich wieder und blickte die junge Frau an. Er musterte sie einen Moment lang und atmete tief durch. "Ich danke Euch. Wer seid ihr? Wie eine normale Bürgerin seht ihr mir nicht aus. Ihr beherrscht das Spiel der Schatten?" Die Weißhaarige schluckte hart. Ihr hätte klar sein müssen, wie gefährlich ihr Handeln war und das sie sich damit verraten hätte können. "Mein Name ist.. Anuket. Ich bin Großenkelin eines alten, weisen Gelehrten aus der Wüste, nahe Memphis. Er starb vor kurzer Zeit und nun habe ich entschlossen, nach Kairo zu reisen.", log sie gekonnt und sponn sich in ihrem Kopf eine ganze Identität zusammen.
Atemu war verwundert. Eine ägyptische Frau mit weißem Haar und grünen Augen war ihm noch nie untergekommen, in seinem ganzen bisherigen Leben nicht. Oft war er mit seinem Vater auf Staatsbesuchen in verschiedenen Städten seines Reiches, doch soetwas vermochte ihm noch nie unter die Augen zu kommen. Mit einem Mal spürte der junge Prinz einen stechenden Schmerz in seinem ganzen Körper. Sein Blick trübte sich und