Das Herz des Pharao
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Mana lief auf und ab und es nervte Geron langsam. Er drehte sich von ihr weg, aber ihre Schritte hallten durch den Saal und machten den alten Magier wahnsinnig. Er schnaubte verächtlich und schielte zu Mana. Bemitleidenswertes Mädchen. Machte sie sich schon sorgen um dieses sarkastischen, arroganten jungen Kerl, der sich Pharao nannte. Geron hasste ihn und er würde zu gern wissen wo diese Zauberin lebte um mit ihr gemeinsame Sache zu machen und ihn ein für alle mal aus dem Weg zu räumen. Geron sah wieder weg. Jetzt sollten auch noch diese Bauern helfen Seto zu suchen. Er war schon lange genug verschwunden, als das Geron es sich vorstellen das er noch lebte. Aber bei ihm sollte man keinen Spaß machen und ihn nicht unterschätzen, das wusste der Alte.
„Wann kommen sie denn endlich?!“ knurrte Mana und blieb neben Geron stehen. „Sie hätten schon lange da sein müssen!“
„Was weiß ich denn…“ murmelte Geron wütend. „Ich hab sie ja nicht her bestellt…“
Mana sah den Obermagier verwundert an. Wollte er etwa nicht das Seto zurück kam? Mana seufzte tief und schaute zum Thor, durch das gerade Tia und Jono in den Thronsaal kamen. Die junge Magierin ging auf sie zu und hielt ihnen erst einmal einen Vortrag. Geron schlich sich derweil nach draußen. Er wollte mal schauen, ob er die Zauberin ausfindig machen konnte…
Es war schrecklich warm, die Sonne schien erbarmungslos auf die Erde herab. Seid Wochen war kein einziger Tropfen Regen gefallen, obwohl die Regenzeit schon lange hätte anbrechen müssen. Sheritra, eine junge Frau mit langem weißen Haar und stahlblauen Augen, sah mit düsterer Mine vom Felsen auf den Nil herab. Sie hoffte, dass es bald regnen würde. Sie hoffte es sehr. Ich Dorf würde nicht mehr lange ohne den regen überleben können, obwohl es am Nil lang. Aber die Felder brauchten den Regen. Seufzend wandte Sheritra ihr Pferd und ritt am Nil entlang auf ihr Dorf zu.
Plötzlich hörte sie ein leises wimmern, das vom Ufer des Nils her kam. Sie stieg vom Pferd und ging dem Geräusch nach. Sheritra ahnte was sie am Wasser vorfinden würde.
Langsam stieg sie in den Nil und suchte im Schilf nach dem, was das Geräusch machte. Und tatsächlich, das war ja ein Typ! Sheritra schaute sich um und packte ihn entschlossen am Arm. Mit ganzer Kraft versuchte sie ihn hoch zu ziehen, aber es klappte nicht so richtig. Sie sank zu ihm ins Wasser.
„Man bist du schwer…“ murmelte sie und versuchte es wieder und wieder, so lange bis sie ihn aus dem Wasser gezogen hatte.
Erschöpft legte sie sich ins Gras und schaute nach oben, in den Himmel. Der hatte sich schon rosa gefärbt. Erschrocken sprang die junge Frau auf und zog wieder an seinem Arm, bis sie ihn auf ihr Pferd gehievt hatte. Erschöpft führte sie es dem Dorf entgegen. Wer war der Typ?
Sachte öffnete der junge Pharao die Augen. Es roch gut und sein Magen hing ihm schon sonst wo. Müde setzte er sich auf und starrte zur Feuerstelle. Er befand sich in einer Hütte. Verwundert schaute er sich weiter um. In einer Ecke entdeckte er ein zusammen gerolltes etwas, mit weißem Haar, das friedlich schlief. Verwundert stand er auf und ging zu dem Etwas rüber. Das war eindeutig eine Frau. Aber jetzt interessierte ihn mehr, ob sie so gut kochen konnte wie es roch. Er stupse sie an. Aber sie schlief weiter. Seto runzelte die Stirn. Wieder stieß er sie an.
„Hey Kleine!“
Müde öffnete die junge Frau die Augen und setzte sich ruckartig auf. Dann starrten sie sich an.
„H… Hallo…“ sagte sie langsam und musterte ihn. „Ich habe Euch gefunden, bewusstlos, am Nil…“
Seto nickte ihr zu.
„Ich weiß…“ Er sah zur Feuerstelle.
Die junge Frau grinste und meinte dann ruhig:
„Das ist für dich, du siehst ganz schön ausgehungert aus…“
„Bin ich auch!“ Pharao fing erst einmal an zu Futtern. Sonst würde er ja nie etwas von ihr annehmen, aber sein Hunger war wirklich zu groß. Sheritra lachte. So etwas hatte sie nicht von ihm erwartet. Sie kannte ihn und sie wusste, was er ihr für Ärger machen würde, aber sie wollte ihm trotzdem helfen.
Als der junge Pharao fertig mit dem Essen war, setzte er sich wieder auf sein Lager und schielte sie an.
„Ihr solltet Euch noch ein bisschen ausruhen…“ meinte sie ohne auf zu sehen.
Seto dachte er sah nicht richtig. Sie polierte doch tatsächlich ein Schwert! Und es war ein schönes Schwert. Seto schlich sich an und schaute ihr über die Schulter. Sheritra merkte das natürlich, wehrte sich aber nicht, als er die Hand nach dem Schwert ausstreckte. Sie hielt es ihm hin und lächelte.
„Es gehörte meinem Vater“, sagte sie leise.
„Hm…“ Seto ließ seine Hand sinken und sah Sheritra an.
Die legte den Kopf schief und polierte die Klinge weiter. Seto stand auf und fragte kühl:
„Kannst du mir sagen wie ich zurück zum Palast komme?“
„Ja, aber nicht jetzt“, entgegnete sie ruhig.
Der junge Pharao starrte sie verwirrt an. Warum wollte sie es ihm nicht sagen? Wollte sie etwa, dass er sich noch ausruhte? Aber was war in der Zeit mit Ägypten? Er musste ein Land führen, er konnte sich nicht auf die faule Haut legen.
„Es geht dich doch gar nichts an, was ich mache…“ knurrte Seto sie an. „Ich kann auf mich selber aufpassen und brauche keine Hilfe und schon recht nicht von DIR!“
„Ach wirklich?“ Sheritras Blick wurde eisig. „Dann sagt mir doch mal, mein Pharao, wie ihr ohne meine Hilfe aus dem Wasser gekommen währt, so schwach wie Ihr wart? Ihr habt da gelegen wie ein abgekacktes Eichhörnchen also stellt Euch nicht so an…“
Setos Kopf wurde rot. Verdammt nochmal, jetzt stellte sie ihn auch noch bloß! Wütend setzte er sich auf sein Lager und schielte zu ihr rüber. Die junge Frau arbeitete ohne ein weiteres Wort zu sagen an dem Schwert weiter.
Als es Abend wurde, stand sie auf und sah zu ihm rüber.
„Meint Ihr, Ihr seid stark genug?“ fragte sie mit einem bissigen Unterton in der Stimme.
„Ja, das bin ich“, entgegnete Seto und stand auf.
Sheritra nickte und ging nach draußen. Er folgte ihr. Die junge Frau sattelte ihre beiden Pferde und füllte die Wasserflaschen.
Dann schwang sie sich auf den Rücken des Rappen und sah erwartungsvoll zu Seto, der sich mit einem leichten Schwindelgefühl, auf das andere Pferd hievte. Sheritra verdrehte genervt die Augen und rammte dem Rappen die Hacken in die Flanken. Mit einem Satz sprengte er voran und jagte den Hügel hinauf. Seto folgte ihr, wenn auch langsamer. Jetzt musste er auch noch einem Mädchen hinter her reiten.
Mana ritt wortlos neben Tia und Jono her. Sie seufzte tief und sah sich aufmerksam um. Wo war der Pharao nur? Sie machte sich wirklich Sorgen. Mana schreckte aus ihren Gedanken als Jono die Stimme erhob:
„Mana, wollen wir nicht hier rasten?“
Die Magierin sah ihn an. Dann dachte sie nach. Sollten sie noch weiter suchen, oder erst einmal schlafen? Auch machte Mana sich sorgen warum Geron nicht mit gekommen war. Sie hatte bei ihm in letzter Zeit ein sehr komisches Gefühl.
„Ja okay, lasst uns rasten“, sagte Mana seufzend und schaute zu Tia, die schon halb erschlagen auf ihrem Pferd saß.
Mana stieg und legte ihre Sachen ab.
„Gut Leute, dann schlafen wir erst einmal…“
Jono und Tia legten sich auf den Boden und schliefen sofort ein. Mana blieb noch eine zeit lang wach, bis sie dann auch der Schlaf überkam…
Seto hing halb auf seinem Pferd, aber er versuchte noch immer krampfhaft, es sich nicht anmerken zu lassen. Dabei hatte Sheritra es schon längst gemerkt.
„Wollen wir eine Pause machen?“ fragte sie genervt.
Seto sah zu ihr rüber. Nein, er würde das schon packen! Deshalb schüttelte er den Kopf und setzte sich wieder im Sattel auf. Sheritra knurrte etwas, was er aber nicht verstand. Sie hielt ihr Pferd an und sah sich zu ihm um.
„Aber die Pferde brauchen eine Pause…“
Seto nickte genervt, aber er war dankbar dafür, sehr sogar, das sie einen Grund hatte trotzdem halt zu machen. Sheritra stieg vom Pferd und band es fest, sie schmiss ihre Decke auf den Boden setzte sich verschränkte die Arme und sah Seto an.
Der Pharao schaute zurück, stieg ebenfalls vom Pferd, stolpert zu ihr und setzte sich, dann ließ er sich zurück sinken und schloss die Augen. Sheritra starrte ein paar Sekunden mit hochgezogener Braue zu ihm herunter legte sich dann auch hin und schloss die Augen. Im Gegensatz zu ihm schlief sie aber nicht und hörte, wie sich jemand näherte…