-Piece Of Broken Glass-
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Ein Schuss riss Nahira aus dem Schlaf. Sie setzte sich ruckartig auf und sah sich im Zimmer um. Sie war zu Hause, in ihrer Wohnung. Eben hatte sie von Zuhause geträumt. Von ihrer Mutter und ihrer Schwester, aber jetzt war alles wieder weg. Sie stand auf und ging in die Küche. Erschrocken sah sie sich um. Was war denn hier passiert?! Das ganze Wohnzimmer war verwüstet, auf dem Boden lag ein junger Mann, alles war voller Blut. Nahira schüttelte den Kopf, schloss kurz die Augen und sah dann wieder hin. Es war kein Traum! Sie wich zurück, prallte hinter gegen die Wand und stolperte zum Telefon, im dem Moment traf sie etwas am Hinterkopf. Dann war nichts mehr, an das sie sich erinnern konnte…
Sie hörte Wasser rauschen, irgendwo in der Nähe. Jemand hob sie hoch, dann spürte sie den freien Fall. Die Schmerzen, als sie aufs Wasser aufschlug spürte sie schon wieder nicht mehr…
Raven, Tracy und Nicky saßen wie starr im Büro des Polizeichefs. Riku sah sie aus einiger Entfernung an und seufzte tief. Nahira war also verschwunden.
„Wann habt ihr das denn gemerkt?“ fragte er.
„Irgendwann gestern Abend… Sie ist nicht ans Telefon gegangen, ICQ war sie auch nicht on und ihr Handy war aus. Wir machen uns große Sorgen, wenn war sie noch nie über Nacht weg. Noch nicht mal wenn sie einen Freund hatte, aber im Moment so wie so nicht, ich verstehe das nicht…“ flüsterte Nicky.
Raven hatte sich an Tracy gekuschelt und bekam keine Träne heraus. Die stille Raven, die immer ihre Gefühle vor anderen verborgen hielt.
Nun ergriff Tracy das Wort:
„Sie hat erzählt, das sie in letzter Zeit oft von ihrem Vater träumt, es kann sein das sie… Nein, dann hätte sie Bescheid gesagt…“
Riku zog eine Braue hoch, dann hakte er nach:
„Und weiter?“
„Ich habe vermutet, das sie nach Hause gefahren ist, aber sie hätte uns vorher gesagt was gewesen ist…“
In dem Moment kamen die Jungs von der Spurensicherung (CSI! xDDD) in den Raum. Riku wandte sich zu ihnen:
„Und?“
„Alles war verwüstet… Außerdem na ja… Wir haben einen Mann Mitte 20 tot aufgefunden. Von Miss McEwen keine Spur. Sie hat weder Sachen gepackt, noch war ihr Bett gemacht, sie muss die Wohnung schnell verlassen haben. Aber auch ihr Handy, ihre Kreditkarten, alles war noch da, ihr Personalausweiß, alles was sie gebraucht hätte.“
„Das heißt sie wurde… Entführt?!“ schrie Nicky, die natürlich mal wieder lange Ohren gemacht hatte. (Okay, das is iwi nicht typisch für Nicky xD)
„Das wissen wir ja eben nicht“, knurrte Riku.
„Aber sie muss doch irgendwo sein…“ flüsterte Tracy.
„Klar, aber wir wissen eben nicht, wo. Am besten ihr geht nach Hause, und wir machen uns auf die Suche nach ihr…“ sagte Riku seufzend.
„Ich kann nicht so rum sitzen wenn meine beste Freundin verschwunden ist“, jammerte Nicky.
„Das werden wir müssen“, darauf Rave“, das schlimmste was wir tun können, ist uns einmischen…“
„Du hast ja Recht…“ seufzte Nicky.
„Los, gehen wir, danke Riku…“ sagte Tracy und nickte ihm zu.
„Jo“, entgegnete er und sah ihnen nach.
Nahira öffnete die Augen. Zitternd setzte sie sich auf. Was… war passiert? Sie rieb sich die Stirn und sah sich um. Sie war am Ufer von einem Fluss. Die Gegend war ihr unbekannt. Sie stand auf und schlang ihre Arme um sich, die Sonne trocknete ihre Sachen schnell. Lange zeit irrte sie durch den Wald, es wurde dunkel und kühl. Schließlich setzte sie sich unter einen Baum im Gebüsch und starrte in die Leere. Sie versuchte klar zu denken, aber es funktionierte nicht. Sie war wie benebelt, wie in Trance. Erschöpft rollte sie sich zusammen und schlief trotz, das ihr unheimlich kalt war, ein…
Noch immer saß Riku im Büro und sah sich die Bilder vom Tatort an. Irgendetwas musste er finden. Die Uhr tickte unermüdlich, was war wenn ihr jetzt etwas passierte? Er seufzte und stand auf. Dann musste er wohl mal Zugai besuchen gehen. Er ging aus dem Gebäude zu seinem Wagen und brauste los. Nahira hatte auf keinen Fall jemanden getötet, also war der Mann irgendwie anders in die Wohnung gekommen.
Zugai war nicht zu Hause, also musste Riku wohl oder übel bis zum nächsten Tag warten.
Am anderen Ende der Stadt saß Nahira noch immer an den Baum gelehnt, hatte die Augen geschlossen und ruhte sich aus. Sie fing wieder an, ihre Knochen zu spüren und wieder klar zu denken. Noch ein bisschen benommen stand sie auf und ging weiter. Hinter sich hörte sie Schritte. Erschrocken wandte sie sich um. Aber da war niemand. Nahira schüttelte den Kopf. Hatte sie jetzt auch noch Wahnvorstellungen? Knurrend ging sie weiter… und wieder diese Schritte! Nahira griff nach einem Ast und schlug um sich. Jemand schlug auf den Boden auf und gab ein ersticktes Geräusch von sich. Nahira warf den Kopf hoch und erkannte im nächsten Moment Zugai.
„Scheiß! Sorry Alter…“ sie kniete sich zu ihm und sah ihn besorgt an.
„Aua…“ er schaute sie an.
Nahira grinste entschuldigend, dann meinte sie:
„Was schleichst du dich auch so an? Hm?“
„Ich wollte eigentlich nicht dass du angst bekommst, aber ich wusste nicht genau ob du es bist… Von hinten ist das so schwer zu erkennen und es is schon so dunkel…“
„Ach so…“ sie hielt sich den Kopf.
„Was machst du denn hier draußen?“ fragte er und stand auf. „Das ist doch gefährlich.“
„Für dich doch auch“, meinte Nahira. „Ich mein… Egal… Ich kann mich auch nicht mehr daran erinnern wie ich hier her gekommen bin… Ich weiß nur noch, dass ich nass war und aus einem Fluss gekrochen bin, ich hab noch im Hinterkopf, dass ich ins Wasser gefallen bin, den Schmerz habe ich nicht mehr gespürt, ich muss bewusstlos gewesen sein… Aber wie bin ich in den Fluss gekommen, rein gefallen bin ich sicherlich nicht…“
„Du meinst, dich hat jemand geschubst?“ Zugai guckte sie perplex an.
„Nein… Ich weiß es nicht, mein Kopf tut weh…“ Nahira taumelte und konnte sich gerade noch so auf den Beinen halten.
„Was is denn los mit dir?!“
„Keine Ahnung… Ich muss unbedingt nach Hause, wer weiß wie lange ich schon weg bin, ich meine, Raven und die anderen machen sich sicher schon totale Sorgen…“
„Ich hab sie schon länger nicht mehr gesehen“, entgegnete er.
„Mhm… Boa, ich geh jetzt weiter, ich will nur noch ins Bett…“ sie gähnte und wollte weiter.
„Ich komm mit, nicht das du noch umkippst und keine kann dir helfen…“
Nahira nickte, sagte aber nichts dazu. Sie gingen eine Weile nebeneinander her, bis sie zur Straße kamen.
„Ich hoffe nur sie machen sich nicht zu große Sorgen…“ seufzte Nahira und sah sich zu ihm um.
In dem Moment kam ein Wagen um die Ecke gerast. Nahira konnte den Revolver erkennen, als es näher kam. Sie warf sich vor Zugai bevor ihn die Kugel traf. Der Wagen verschwand um die Ecke, als sie auf den Boden aufschlug. Nahira kniff die Augen zusammen und versucht wieder auf zu stehen.
„Maaaaaaaaaan… warum immer dann wenn eh schon alles scheiße is…“ keuchte sie, hielt sich die Wunde und grinste.
Zugai starrte sie an. Nahira schloss die Augen und sackte wieder auf den Boden zurück.
„Wa… was…“ stammelte er und starrte noch immer. Erst als der Bürgersteig sich rot färbte begriff er was passiert war… War es jetzt vorbei?
…
Riku stand mit verschränkten Armen neben Zugai und den drei Mädchen. Raven und Daisy lagen sich in den Armen, fast weinend. Nicky lag quer über zwei Stühlen und war eben eingeschlafen.
„Was ist wenn sie stirb?“ fragte Zugai und sah zu Riku auf.
„Dann kann man es auch nicht ändern…“ sagte dieser kühl, obwohl es ihm nahe ging, sagte er lieber nichts.
Die Ärzte kamen mit der Nachricht dass sie die Hoffnung aufgegeben hatten…
Seufzend starrte Zugai auf das Grab herunter, neben ihm stand Nicky. Auch sie hatte leere Augen.
„Und jetzt?“ fragte sie und sah sich zu ihm um.
Er zuckte mit den Schultern.
Dann sah er auf und ging über den Friedhof. Nicky ging ihm lieber nicht nach.
Ich weiß wie du dich jetzt fühlen musst… Ich weiß wie es ist Jemanden nahe stehenden zu verlieren, aber man kann es nicht ändern. Man kann es nicht rückgängig machen. Es ist wie es ist und es wird sich auch nicht mehr ändern. I´m very sorry…