Colors of the Heart

Schwarzer Fleck im bunten Leben

Schwarzer Fleck im bunten Leben
Die Sonnenstrahlen schienen bereits in mein Zimmer, in dem ich noch immer stumm lag und schlief. Noch schien alles ruhig, nichts sollte diese Ruhe stören. Doch ein leises Tappsen war zu vernehmen, das die Treppe hinauf kam. Da ich dieses leise Geräusch noch nicht vernahm, drehte ich mich gähnend auf den Rücken und schlief ruhig weiter. Das Tappsen kam näher und bald darauf merkte ich, wie das Bett sich senkte und ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen wurde, als ein schwerer Labrador sich auf mich legte. Leise japste ich nach Luft und versuchte den schweren Hund von mir zu drücken. Doch der schneeweiße Hund ließ nicht nach. Schließlich gab ich es auf und ließ mich wieder zurück in die weiche Matratze sinken. Der Hund jaulte leise.
„Ja Yuhiko, ich gehe sofort mit dir nach draußen.“, maulte ich nur, woraufhin der Hund sich erhob und vom Bett sprang. Langsam erhob ich mich und streckte mich erstmal ausgiebig. Yuhiko, die weiße Labradorhündin, setzte sich auf meinen breiten Teppich und schaute mich mit ihren dunklen Augen an. Verschlafen tappste ich an ihr vorbei ins Bad, sah in den Spiegel, um mein langes, blondes Haar zu bändigen. Nach einigen weiteren Versuchen einigermaßen normal auszusehen, gab ich es schließlich auf und ging zurück in mein Zimmer. Als erstes öffnete ich das Fenster, um frische Luft hinein zu lassen. Mein Blick fiel auf die Großstadt, die sich vor mir auftat. Am frühen Morgen konnten die alle schon so lebendig sein, dachte ich müde. Jedoch schritt ich dann auf meinen Kleiderschrank zu, um mir einen kurzen Rock und ein Top heraus zu kramen, da es draußen warm war. Schnell zog ich mich um und schlüpfte noch kurz in meine Schuhe, ehe ich mich Yuhiko zuwandte. Kurz streichelte ich über ihr glattes Fell am Kopf.
„Na komm, wir gehen nun Gassi.“, sagte ich noch leicht verschlafen und die Hündin sprang freudig auf, lief schonmal vor nach unten. Meine nur 3 Jahr jüngere Schwester schaute nun aus ihrem Zimmer.
„Miharu, wo willst du hin?“, fragte sie neugierig. Kleine Schwestern, dachte ich nur. Bei allem müssen sie fragen.
„Mit Yuhiko Gassi gehen.“, gab ich müde zurück und stieg die Treppen hinab, gefolgt von meiner Schwester Miu.
„Mama und Papa sind heute früh gefahren, da sie einen wichtigen Termin haben.“, erzählte sie mir sogleich. War ja wieder klar, dachte ich nur. Sie fuhren immer weg oder hatten irgendwelche wichtigen Termine. Selbst an Tagen, wo die Familie eigentlich zusammen sein sollte. Aber mir machte dies nichts mehr, da ich mich bereits daran gewöhnt hatte. Ich war nur froh, dass meine Schwester alt genug war, dass ich nicht mehr auf sie aufpassen musste.
„Wann kommen sie wieder?“, fragte ich nun, auch wenn es mich nicht sonderlich interessierte.
„Wahrscheinlich heute Abend, meinten sie.“, entgegnete Miu und setzte sich in der Küche an den Tisch, sah zu wie ich mir Yuhikos Leine schnappte. Kurz verabschiedete ich mich von meiner kleinen Schwester, ehe ich nach draußen ging, gefolgt von einem erfreuten Hund. Ich nahm Yuhiko nicht an die Leine, denn er gehorchte mir aufs Wort, jedoch nahm ich die Leine für Notfälle immer mit. Ich bekam ihn, als ich noch klein war und nun war die Hündin meine beste Freundin. Für manche wohl seltsam, einen Hund so zu nennen oder ihm einen so hohen Stellenwert zu geben. Aber für mich war sie die Person, die mich ein ganzes Leben lang begleitete.
Ich sah zu, wie Yuhiko auf eine kleine Mauer sprang und dort entlang lief. Stumm genoß ich die Frische Luft und die Ruhe. Ich liebte es, mit ihr spazieren zu gehen, denn dann hatte ich immer Zeit für mich selbst, um nachzudenken und Ruhe zu finden. Es war einfach eine Entspannung zu dem Alltagsstress. Und den hatte ich, seit ich vor ungefähr 2 Wochen umgezogen war, in dieser Großstadt nur. Vorher lebten wir in einem kleinen überschaubaren Dörfchen in Japan. Wie ich fand, ein kleiner idyllischer Ort. Aber meine Eltern erhielten eine Beförderung in ihren Jobs und wir zogen kurzerhand in die Großstadt Tokio. Zum Glück war ein großer Park in der Nähe unseres Hauses, in dem ich gern mit Yuhiko spazieren ging.
Ich sah zu, wie die Hündin einem Vogel nachjagte und setzte mich nun auf eine schöne sonnige Bank. Stumm betrachtete ich die Kirschbäume, die gerade zu dieser Jahreszeit blühten. Eine schöne Jahreszeit, wie ich fand. Dieser Park war wahrscheinlich einer der wenigen ruhigen Orte in Tokio, auch wenn ich von der Stadt noch nicht viel gesehen hatte. Gerne schlenderte ich auch durch die Straßen, jedoch mochte ich Menschenmassen nicht so. Aber irgendwie hatte ich heute Lust, ein wenig mit Yuhiko durch Tokio zu spazieren, mir einfach mal die Stadt ansehen.
Die Hündin kam kurz darauf auf mich zugelaufen und ich streichelte sie liebevoll.
„Komm Yuhiko, ich hab noch keine Lust nach Hause zu gehen und von Miu beansprucht zu werden. Also lass uns ein wenig durch die Stadt gehen.“ Sofort wedelte die Hündin mit ihrem Schwanz und sah mich aus treuen Augen an. Ich lächelte leicht und streichelte ihr nocheinmal über ihr weiches Fell, ehe ich aufstand und in Richtung Zentrum der Stadt ging. Brav folgte mein Haustier mir.

Wie ich erwartet hatte, war die Stadt voll mit Leuten, die hektisch durch die Straßen eilten. Eine hektische Stadt, ging es mir nur durch den Kopf. Yuhiko schien es ähnlich zu gehen, denn misstrauisch beäugte sie die Menschen.
„Na komm.“, sagte ich leise zu ihr und ging mit ihr eine Weile. Die Stadt war eigentlich schön, es gab viele bunte Läden, in denen man sicher viele tolle Sachen kaufen konnte. Ab und an sah man eine Bar, darunter auch Karaoke Bars, in der ein paar Leute standen und ihren Spaß hatten. Leise lachte ich und ging weiter. Eine Gruppe von Jugendlichen, wahrscheinlich in Mius Alter, dachte ich, versammelte sich um einen bunten Stand wo es Eis und Zuckerwatte gab. Mein Blick fiel kurze Zeit später jedoch auf etwas, was nicht ganz in dieses bunte und fröhliche Treiben passte. Fünf dunkel gekleidete Jugendliche mit skurrilen Frisuren hatten sich an einem Brunnen in der Mitte dieses kleinen Platzen getroffen. Mein erster Gedanke war, dass sie anscheinend kein Zuhause hatten, denn ihre Kleidung wirkte teilweise ein wenig zerschlissen. Tatsächlich schien mein Gedanke auch nicht ganz falsch zu sein. Einer von ihnen saß auf dem Rand des Brunnens, ein Junge vielleicht in meinem Alter, umgeben von zwei weiteren Mädchen, die offenbar beide auf ihn standen. Leicht schüttelte ich den Kopf und mein Blick wanderte zu den beiden anderen Jungs der Clique, die ein wenig weiter von den drei anderen weg saßen und sich anscheinend über etwas unterhielten. So furchteinflößend sie auch wirkten und dieses Bild der schönen Stadt zerstörten, ich konnte nicht anders, als ein wenig Mitleid für sie zu empfinden. Sie hatten anscheinend wenig Geld, abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich auf der Straße lebten.
Schnell wandte ich meinen Blick ab, wollte nicht weiter in diesen trüben Gedanken schwirren und ging zu einem Stand, wo Schmuck verkauft wurde. Ein wenig neugierig trat ich näher, ließ dabei für einen Moment meine Hündin aus den Augen, von der ich aber dachte, dass sie bei mir blieb. Leider irrte ich mich, denn als ich mich wieder umwandte, war sie verschwunden.
„Yuhiko?“, rief ich ein wenig verwirrt und sah mich um, konnte den weißen Labrador jedoch nirgends erkennen. Schnell suchte ich nach ihr, fand sie jedoch nicht. Als ich einmal um den Brunnen ging, sah ich sie jedoch plötzlich wieder. Mein Blick fiel auf den Jungen, der sich vor sie gehockt hatte und sie nun streichelte. Freudig wedelte die Hündin nur mit dem Schwanz. Eilig ging ich zu ihr.
„Yuhiko.“, sagte ich ein wenig erleichtert. Sofort sah der Junge auf und ich erkannte den von vorhin, der zwischen den beiden Mädchen auf dem Brunnen saß.
„Ist das dein Hund?“, fragte er und sah mich mit seinen braunen Augen an. Schnell nickte ich und betrachtete ihn. Er lächelte leicht und strich Yuhiko nocheinmal über den Kopf, ehe er aufstand.
„Du solltest deinen Hund an die Leine nehmen. In so einer Stadt kann er schnell verschwinden.“, sagte er nur. Besserwisser, ging es mir nur durch den Kopf und leicht gekränkt sah ich ihn an.
„Ja, ich weiß. Trotzdem danke, dass du ihn festgehalten hast.“, meinte ich schnell. Ein Dankeschön musste ich schließlich aussprechen.
„Kein Problem.“, meinte der Junge nur und sah mich an, während ich seinen Blick erwiderte. Eine Weile herrschte Stille, die er jedoch schnell wieder unterbrach.
„Mein Name ist Minami.“, stellte er sich vor. Ich nickte nur, wollte ihn eigentlich so genau gar nicht kennen lernen. Auch wenn es falsch war, Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen, konnte ich bei ihm jedoch nicht anders. Er sah nicht schlecht aus, was wahrscheinlich auch erklärte, warum diese beiden Mädchen vorhin so an ihm klebten, aber daher hatte ich auch so den Gedanken, als sei er einer, der Mädchen nur als Gegenstände ansah. Sie nur in die Kiste kriegen wollte und sich toll fühlte, weil er zwei Mädels hatte.
Ich sollte lieber aufhören mit meinen Gedanken, ermahnte ich mich selbst. Du kennst ihn doch gar nicht.
Dieser Junge starrte mich die ganze Zeit lang an, wartete anscheinend auf eine Antwort, die ich ihm in meinen Gedanken vesunken jedoch nicht lieferte. Leicht lachte er.
„Und wie ist dein Name?“, wollte er wissen.
„Miharu.“, gab ich nun schnell zurück während ich meine Hündin an die Leine machte und zu mir zog. „Danke nochmal, wegen meinem Hund.“ Ich wusste nicht wieso, aber nach meinen Gedanken wollte ich einfach nur gehen. Dieser Junge, Minami, hatte irgendwie eine negative Aura, dachte ich. Komisch aber ich fühlte mich bei ihm nicht wohl. So wandte ich mich kurzerhand ab und wollte gehen, ließ ihn einfach stehen. Ich konnte sein Grinsen in meinem Rücken spüren.
„Erfreut