Schwarze Kirschblüte
rief sie und lief ihm hinterher. „Konoha kann auch kurz auf sich selbst aufpassen. Zuerst müssen wir ein Versteck für dich suchen.“, lächelte die Rosahaarige. Itachi sah sie nur an. „Warum?“, fragte er dann. Als Antwort bekam er nur ein Kopf-schief-legen des Mädchens. „Warum tust du das für einen Klanmörder?“
Sakura war baff. Genau wusste sie selber nicht, warum sie das tat. Etwas in ihr sagte ihr, dass sie ihn nicht einfach so verurteilen durfte. Da steckte mehr dahinter als einfach nur ein Mörder…
„Weil ich nicht glaube, dass du deinen Klan ohne Grund ausgelöscht hast. Außerdem hast du deinen Bruder am Leben gelassen. Und wenn schon. Ich lasse als Medic-Nin keine Verletzten zurück.“, schmollte sie gespielt und sah sich in der Umgebung um. Nach wenigen Sekunden wusste das Mädchen wieder, wo sie genau war und erinnerte sich an eine leere Hütte in der Nähe. „Komm.“, meinte sie und fasste Itachi an der Hand. Sofort stieg ihr das Blut in den Kopf und ihr Herz schlug viel zu schnell. Eilig ging sie voraus und versuchte sich zu beruhigen.
Nach wenigen Minuten erreichten sie eine alte Holzhütte. Sakura wusste, dass sie mal einem älteren Herren gehörte, der nicht gerne in der Stadt war und deshalb alleine hier im Wald lebte. Dieser war aber bereits vor zwei Jahren gestorben und seitdem stand das Haus leer. Ein perfektes Versteck.
Das Mädchen öffnete die Tür und schon standen sie in einer Art Wohnzimmer. In der Mitte stand ein Ecksofa und an den Wänden befanden sich verstaubte Bücherregale. Ein kleiner Tisch vor der Sitzlandschaft rundete den Raum ab. Gegenüber von Sakura und Itachi befand sich eine Tür, die in eine kleine Küche führte. Es gab eine winzige Küchenzeile und einen Tisch. Rechts vom Wohnzimmer befanden sich zwei Türen. Eine führte in ein Schlafzimmer mit einem alten Einzelbett und die andere bildete den Eingang zu einem, mit dem nötigsten ausgestatteten, Badezimmer.
„Nicht sonderlich schön, aber hier dürfte niemand vorbeikommen.“, meinte das Mädchen, während sie sich die Zimmer besah. Sie sah in jedes Zimmer, doch Itachi blieb einfach inmitten des Wohnzimmers stehen. Als Sakura ihre Tour beendet hatte, ging sie wieder auf den Schwarzhaarigen zu. „Ich muss jetzt zurück. Ich werde heute Abend nochmal vorbeikommen und dir was zu essen bringen.“, lächelte sie und verließ winkend das Haus.
Grübelnd, über ihre nächsten Schritte, ging die Rosahaarige durch den Wald. Sie beeilte sich ein wenig, um die verlorene Zeit aufzuholen, doch der Schneefall, der sich verstärkt hatte, bereitete ihr Schwierigkeiten. Die Schneedecke des Fußbodens wuchs von Minute um Minute um einen Zentimeter, was die Fortbewegung erschwerte. „Gut, dann kann ich das als Ausrede benutzen.“, murmelte Sakura während sie ihre von dem weißen, gefrorenen Wasser getränkten Schuhe betrachtete.
Kurz darauf erreichte sie die Stadt. Ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Mädchens aus, als sie die Stadtmauern und die restaurierten Steingesichter ihrer geliebten Heimatstadt sah. Sie freute sich so sehr wieder Zuhause zu sein, dass sie, in Erinnerungen schwelgend, die Stadt betrat.
„Sakura-Chan!!!!!“ Die Angesprochene schreckte hoch, ermahnte sich aber selber zur Ruhe. Bloß nicht auffallen… „Naruto…“, lächelte das Mädchen, als sie einen orangenen Wirbelwind auf sich zukommen sah. Sofort stand ihr alter Freund auch schon vor ihr. Sein riesiges Lachen im Gesicht und die Arme hinter dem Kopf verschränkt.
„Du bist wieder da!“, freute sich der Blonde und sofort stieg Sakura in ihre Rolle ein. „Das siehst du doch, Baka. Außerdem habe ich dir geschrieben, dass ich heute komme…“, zickte sie gespielt zurück. Naruto verstand die Geste und tat es ihr gleich. „Du bist ganz schön spät, Sakura-Chan.“, schmollte Naruto und Sakura sah ihn erschrocken an. Zu spät bemerkte sie, dass ihre Gesichtszüge entgleist waren und erntete bereits einen fragenden Blick. Sofort versuchte sie das Ruder wieder zu ihrem Gunsten rumzureißen. „Es schneit wie verrückt! So ging es nicht schneller!“, meinte Sakura wütend und ging an Naruto vorbei. „Ich muss mich bei Tsunade melden.“, war alles, was sie sagte, bevor der Blonde alleine im Schnee stand.
Zwei Stunden und einen Bericht für die Hokage später, saß Sakura geduscht auf ihrem Bett und trocknete sich die Haare. Ihr war nicht ganz wohl dabei einen Erzfeind Konohas im Wald zu verstecken und es niemandem zu sagen. Jedoch wollte sie den Uchiha nicht ausliefern. Sie empfand es als falsch, den Jungen zu verurteilen. Auch wenn er seinen Klan getötet hatte…
Die Rosahaarige zog sich an und ging in die Küche. Ihr Kühlschrank war, durch die lange Reise, gähnend leer und Sakura beschloss einkaufen zu gehen. Niemand würde es merken, wenn sie für zwei Personen etwas kaufen würde…
Eine halbe Stunde später verließ die rosahaarige Kunoichi den Supermarkt um die Ecke und ging zurück nach Hause. „Sakuraaaaa!“, rief eine weibliche Stimme hinter ihr. „Oh nein…“, murmelte sie, drehte sich aber lächelnd um. „Ino! Wie schön, dich wieder zu sehen!“, versuchte Sakura so natürlich wie möglich rüber zu bringen. Zwar hassten sie sich nicht mehr, da Sasuke sie beide verlassen hatte, aber eine gewisse Rivalität lag immer noch zwischen ihnen. „Seit wann bist du wieder da?“, fragte die Blonde in ihrem lila Kostüm. „Seit heute.“, meinte Sakura und überlegte sich, wie sie schnell aus der Sache raus käme. In einer Stunde würde es dunkel werden… „Wie schön.“, lächelte Ino und Sakura tat es ihr gleich. „So, ich muss jetzt los. Ich bin noch müde von der langen Reise. Bis später!“, lächelte die Rosahaarige und verschwand in Richtung ihrer Wohnung.
Schnell griff sie eine der Tüten und verstaute die Lebensmittel in einem Rucksack. Das Mädchen zog die Vorhänge zu, damit es aussah, als würde sie schlafen und schlich sich aus dem Haus. Schnell verließ sie Konoha und rannte in den Wald.
Der Schneefall hatte vor einiger Zeit gestoppt. Jedoch hatte er eine ca. 20 cm hohe Schneedecke hinterlassen, durch die es sich nun durchzukämpfen galt. Natürlich wusste sie als Ninja, dass sie ihre Spuren verwischen musste. Nur für den Notfall…
Sakura erreichte das dunkle Haus im Wald. Es deutete nichts darauf hin, dass dort jemand lebte. Kurz zögerte sie, fasste sich aber an Herz und öffnete die Tür. Mitten in dem Wohnzimmer brannte eine Kerze und Sakura erkannte eine schwarze Gestalt auf dem Sofa. Itachi schien zu schlafen.
Leise schlich das Mädchen in die Küche und stellte ihre Einkäufe ab. Gerade als sie den Rucksack auspacken wollte, spürte sie eine Präsenz neben sich. Langsam drehte sie sich zur Tür. Sakura wollte nicht zeigen, dass sie immer noch Angst vor ihm hatte.
Itachi stand in der Tür und sah sie ruhig an. Sakura seufzte innerlich. Irgendwie hatte sie auf eine interessantere Unterhaltung gehofft. „Ich habe dir etwas zu essen mitgebracht.“, sagte das Mädchen und wendete sich wieder den Lebensmitteln zu. „Das müsste für ca. eine Woche reichen. Verlass Konohas Umgebung, sobald du dich besser fühlst.“ Sakura legte die Lebensmittel auf ein Geschirrtuch, welches die staubige Theke verdeckte.
Eine Sekunde später spürte das Mädchen heißen Atem in ihrem Nacken. Sakura fror in ihrer Bewegung ein. Itachi stand nur wenige Zentimeter hinter ihr und sein Blick schien sie zu durchbohren. Natürlich war der Medic-Nin bewusst, dass er auf einem Auge blind war und auf dem anderen kaum noch etwas sah, doch sie spürte seinen Blick dennoch. Eine Gänsehaut bildete sich überall auf ihrem Körper und sie unterdrückte den Drang wegzulaufen. „Warum?“, kam es von dem Schwarzhaarigen, doch Sakura wusste nicht, was er meinte. „Was..?“, begann sie, doch Itachi unterbrach sie. „Ich bin ein Mörder und habe viele Menschen getötet. Außerdem bin ich Mitglied einer gefürchteten Verbrecherorganisation und bin der Grund, warum der Mann, den du liebst, gegangen ist. Also sag mir warum du das tust?“ „Hör auf damit!“, schrie Sakura und drehte sich von ihm weg. Sie stand ihm noch keuchend gegenüber. Ihr Herz raste und ihr Blut war in Wallung geraten. Einerseits war sie wütend und andererseits hatte sie auch eine Spur Angst. Sakura beschloss schnell zu verschwinden… „Ich weiß es selber nicht genau! Ruh dich einfach aus und verschwinde dann von hier, bevor ich es mir anders überlege…“ Wütend schnappte sie ihren Rucksack und rannte aus dem Haus.
Sie rannte in den Wald und blieb, einige Meter von dem Haus entfernt, stehen. Sakura lehnte sich an einen Baum und ließ die Tasche fallen. Tränen suchten ihren Weg aus ihren Augen und nach kurzem zögern, ließ sie ihnen freien Lauf. Das Mädchen wollte doch nur helfen! Sie wollte nicht sehen, wie jemand wegen etwas, wozu er wahrscheinlich einen wichtigen Grund hatte, getötet wurde. Doch nun bekam sie Zweifel. Er traute ihr nicht und das kränkte sie. Sehr sogar. Mehr als Sakura es gedacht hatte…
Eine Explosion riss Sakura aus ihren Gedanken. Blitzschnell drehte sie sich um und blickte in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatte. Ihr Herz setzte kurz aus. Itachis Hütte! Ohne zu zögern rannte das Mädchen zurück zur Hütte und konnte nicht glauben, was sie dort sah.
Dort standen Sasuke und Itachi. Beide hatten ihr Chakra konzentriert und starrten sich an. Sasukes Gesicht war wutverzerrt, während Itachi nur ruhig dastand. Die Rosahaarige starrte ungläubig auf den jüngeren Uchiha. Was machte er hier? Wieso war er in Konoha? Suchte er immer noch Rache an seinem Bruder? Das Mädchen wusste nicht, was sie tun sollte…
Sie sah, wie die Jungen sich unterhielten, verstand aus der großen Entfernung aber kein Wort. Lange standen sie sich nur gegenüber und niemand rührte sich. Sakura beschloss, sich etwas zu nähern, um das Gespräch verfolgen zu können.