Fanfic: The Path
Kapitel: Long time ago
Erschöpft und völlig entkräftet schloss Kai die Haustür auf. Drinnen war es stockdunkel, doch er war so müde, dass er sich noch nicht einmal die Mühe machte das Licht anzuschalten. Er tappte einfach weiter in Richtung Treppe. Einen Fuß schon auf der ersten Stufe und die Hand am Geländer, bemerkte er plötzlich Licht von der Veranda kommend. Etwas ließ ihn zaudern, letztendlich siegte die Neugierde. Vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, erreichte er unbemerkt die Terrassentür. Diese stand weit offen, während auf der Veranda die kleine Lampe über der Alarmanlage brannte. Gerade wollte sich Kai über die Unachtsamkeit seiner Freunde auslassen, als er eine Bewegung aus dem Augenwinkel her wahrnahm. Kaum, dass er den Kopf zur Seite geneigt, zog er scharf die Luft ein: Auf dem Boden der Veranda saß, mit angezogenen Knien, Leylan. Sie starrte gedankenversunken auf den kleinen Teich inmitten des Gartens und schien Kai nicht zu bemerken. Dieser konnte den Blick nicht von ihr wenden, folgte dem Spiel ihrer langen Haare, fuhr die Konturen ihres Rückens entlang und fragte sich dabei, was er hier eigentlich tat.
Als sie heute Nachmittag plötzlich vor der Tür stand, hatte ihn ihr Anblick völlig unvorbereitet getroffen. Sinnlos zählen zu wollen wie oft er es sich ausgemalt hatte, sie würde vor ihm stehen, würde trotz all der Dinge die er gesagt hatte zurückkehren. Als sie dann schlussendlich vor ihm stand, wenn eher indirekt, setzte alles in ihm aus.
Es war wie eine Straßenschlacht der verschiedensten Empfindungen, ohne Regeln, ohne Ergebnis. Einerseits Wut darüber empfindend, dass sie es wirklich wagte zurück zu kehren, hatte sie ihn doch erneut einfach verlassen, jedoch auch eine unsägliche Erleichterung; so wie Tala hatte auch er um ihren Zustand und Verbleib gefürchtet. Zwischen all dem der Gedanke unbeschreiblich verletzt worden zu sein, eine tiefe Traurigkeit und die Erinnerung an die Zeit, in der er sich danach sehnte in ihren Armen aufzuwachen und in den selben wieder einzuschlafen. Liebe?
>Die gibt es nicht mehr!<, dachte er wütend. >Hätte ich mich doch auf diesen ganzen Schrott erst gar nicht eingelassen!<
Er warf einen letzten Blick auf Leylan und wandte sich dann zum Gehen, als eine durchdringende Stimme ihn zurück hielt: „Ich weiß, dass du da bist. Es ist nicht gerade höflich andere Leute zu beobachten.“
Leylan erhob sich gemächlich und sah ihn direkt an. Kai lachte innerlich über seine Dummheit zu glauben, Leylan würde seine Nähe nicht bemerken. „Höflich? Gerade dir ist so etwas doch gänzlich fremd“, antwortete er kalt und sah, wie sich Ironie in ihren Blick mischte. „Wie in alten Zeiten, was Kai? Im Streit gehen wir auseinander und im Streit begegnen wir uns wieder.“
Sie ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, wie ein Raubtier umlauerte sie ihre Beute. Kai ließ mit seiner Antwort auf sich warten- sein Blick galt einzig und allein der schwarzhaarigen Bladerin. Mit den Augen fuhr er ihr Gesicht entlang, den ernsten Zug um den Mund, die vollen Lippen, die traurigen dunklen Augen... all das kannte er nur zu gut und mit einem Mal überkam ihn eine solche Sehnsucht, dass er sich unwillkürlich an die Brust fasste. „Ich gehe schlafen.“, gab er betont gleichgültig zur Antwort, keine Minute länger mehr an diesem Ort verweilen wollend. Angekommen in seinem Zimmer, ließ er sich postwendend auf sein Bett fallen, den Blick starr zur Decke gerichtet.
>Was denkt sie wer sie ist? Niemand, niemand redet so mit mir!<
Doch in seinem tiefsten Inneren wusste Kai, dass dies nicht stimmte. Wütend drehte er sich zur Seite, der Schlaf ihn bald darauf übermannend.
Auf der anderen Seite der Etage fand die 20- jährige Leylan keinen Schlaf. Kai nach so langer Zeit wieder zu sehen, brachte sie völlig aus dem Gleichgewicht. Sie sehnte sich nach seiner Berührung, wollte ihre Arme ohne Scheu um seinen Hals schlingen und all das Geschehene vergessen... bloß konnte sie nicht. Klar und deutlich klangen Kais Worte in ihrem Kopf, als wäre der Streit erst gestern gewesen.
/Flashback/ Nach dem atemberaubenden Kampf zwischen Kai und Brooklyn, war Kai kaum mehr fähig sich auf den Beinen zu halten und stolperte Leylan und Tyson haltlos entgegen. „Kümmere dich um deinen Kampf Ty, ich bringe Kai ins Hotelzimmer.“
„I- ist gut.“, stammelte Tyson und sah dem schwer angeschlagenen Teamleader bedrückt hinterher. Leylan brachte den erschöpften Kai in das nahegelegene Hotel, wo sie sich bis dato eingeschrieben hatten. Als er bequem auf dem Bett lag, setzte sich Leylan neben ihn und fragte zögerlich: „Hör mal Kai, möchtest du nicht langsam mal sesshaft werden? Hotelzimmer sind auf Dauer keine optimale Lösung und jetzt wo du erst einmal nicht mehr kämpfst...“ Erwartungsvoll sah sie ihn an. „Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Jetzt wo die wichtigsten Beyblade- Angelegenheiten vorbei sind hat Dranzer sich eine Pause verdient- ich könnte mir Arbeit suchen oder studieren. Vielleicht so etwas wie ein Appartement finden.“
Er begegnete ihrem Blick und setzte hinzu: „Und du? Was gedenkst du zu tun? Vielleicht... mal kurz wieder abzuhauen oder am besten ohne ein Wort die Kurve kratzen?“
Seine Stimme war schneidend und triefte nur so vor Ironie. Plötzlich und ohne Vorwarnung war die Wut in ihm hochgekocht. Verwirrt sah Leylan in Kais karmesinrote Augen, vorwurfsvoll erwiderte er ihren Blick. „Tu doch nicht so, du weißt was ich meine. So wie letztes Jahr, als du alles hinter dir gelassen hast, alles, auch mich, verdammt!“, er setzte sich zornig auf. „Als du mal wieder geheimnisvoll sein musstest und bei Nacht und Nebel den Abflug machtest. Na, planst du jetzt wieder so was?“
Die Wut erfüllte seinen gesamten Körper und zerrte tief an ihm. Leylan blickte erst ungläubig dann zutiefst verletzt. „Wie kannst du nur so etwas sagen... wie kannst du nur so von mir denken? Du solltest wissen, dass ich nicht aus einer Laune heraus verschwunden bin. Ja, ich habe dir nichts darüber gesagt, wofür es jedoch triftige Gründe gab. Aber wie ich schon hörte, konntest du dich gut über meinen Verlust hinweg trösten...“, gab sie mit vor Wut und Schmerz zitternder Stimme zur Antwort. Es war das erste Mal, dass sie auf Kais Affäre mit Mariam ansprach. „Ach komm schon, du weißt dass es nichts war. Gut wir haben ein wenig geflirtet- mehr auch nicht.“
Kais Blick flackerte und er wartete angespannt auf ihre Reaktion. „Natürlich... nichts. Ich hüte mich, jetzt ausfallend zu werden, aber bitte versuche nicht mich zu verarschen, Kai.“
Die Anspannung war förmlich greifbar, bis Leylan ruckartig aufstand und mit zusammengebissenen Zähne zischte: „Die anderen wissen wo du bist, sie werden gleich kommen. Ich gehe.“
Im Laufschritt hechtete sie zur Tür und ließ diese krachend ins Schloss fallen. Mehr noch als 1000 Beleidigungen, tat ihr Kais Schweigen weh. Er versuchte nicht einmal sie zurückzuhalten. Sobald die Tür hinter ihr ins Schloss fiel , sank sie abrupt zu Boden, ihre Knie sackten einfach zusammen. Erst langsam begriff sie, was so eben vorgefallen war. Sie wollte weinen- doch es ging nicht. Etwas in ihr weigerte sich zu brechen. Sie benutzte den letzten frei funktionierenden Teil ihres Gehirns und stemmte sich an der Wand hoch- alles, nur weg hier!
Und Leylan rannte los. Ohne Ziel, ohne Orientierung, einfach nur fort. Sie lief vor dem betäubenden Schmerz, welcher langsam ihre Glieder empor kroch, davon. Der Geist war willig, doch der Körper schwach. Leylan wollte immer weiter laufen, so weit wie nur irgend möglich. Ihre brennende Lunge und die immer schwerer werdenden Beine, zwangen sie schließlich nachzugeben und sich unter dem nächstbesten Baum niederzulassen. Was vorhin nicht brechen wollte, begann nun langsam zu bröckeln, sodass sie voller Verzweiflung in sich hinein horchte, die Schwere des Schadens ausmache wollend. In der Tat betrachtete Leylan sich als ein Haus, welches nach einem verheerenden Sturm von seinem Besitzer inspiziert wurde. War sie überhaupt noch bewohnbar?
[i]>Erst einmal tief durchatmen. Es war nur ein Streit.<, dachte sie und hätte noch im selben Moment am liebsten laut losgelacht. Ein Streit kann ein scharfer Windzug sein, manchmal selbst ein unschöner Sturm, doch dies kam einem Tornado gleich und er hatte Leylan in ihrem Fundament erschüttert. Zu ihrem Fundament gab es nicht viel zu sagen- es begann und endete mit Kai.
>Stets laufe ich davon, ich bin der größte Feigling den Gott jemals auf diese Welt losgelassen hat! Doch ich hatte letztes Mal keine Wahl, zu viel Stand auf dem Spiel. Heute gibt es jedoch keinen Grund weg zu laufen, diesmal nicht.<, dachte sie und jäh erschien Kais Alitz vor ihrem Inneren Auge.
>Verdammt, wie kann er nur so etwas sagen?! Wie lange habe ich gegen seine schroffe Art angekämpft und immer an das Gute in ihm geglaubt. Ist das der Dank dafür?< „Mariam...“
Zischend entwich ihr der so verhasste Name und ihre Fingernägel gruben sich tief in ins Fleisch. Plötzlich lag es klar vor ihr, unumgänglich und es würde sicherlich zur Besserung ihrer Laune beitragen. Sie verzog den Mund zu einem Grinsen und schlug dann hart die Kiefer aufeinander. Leylan wusste, dass Ray Mariam und ihrem Team erst letztens noch begegnet war- er würde wissen wo ihr Ziel lag.
„Ray, hier ist Leylan...“
„Leylan? Oh Gott sei Dank, wo bist du?“, fuhr Ray dazwischen.
Sie schnitt ihm unwirsch das Wort ab: „Egal, hör zu: Sag mir wo Mariam und ihr Team seien könnten?“
Der befehlende Ton ließ ihn stutzen, er duldete keine Wiederrede und schien Leylan nicht fremd zu sein.
„Wa- Was willst du denn von denen? Also soviel ich weiß, trainieren sie meist im alten Lagerhaus. 35. Straße am Hafen. Aber was hast du vor?“
-KLICK-
So schnell sie konnte