Fanfic: The Path

Untertitel: ~Hand in Hand mit dem Schicksal~

Kapitel: Behind your words

Leylan drehte sich ruckartig um und joggte los. Sie ignorierte verbissen die penetranten Seitenstiche und die erneut schmerzende Lunge. Ihr Kreislauf hatte sich in der kurzen Phase des Stehen wieder beruhigt und rebellierte nun vehement gegen die ansteigende Belastung.
>Du hast es dir selbst eingebrockt, also lauf verdammt!<, sagte Leylan sich und lief ungerührt weiter. Gerade umrandete sie den inneren Parkring zum dritten Mal, da schlug ihr Körper gnadenlos zurück.
Ihre Knie knickten unter ihr ein, ihre erschlaffen und maßlos überdehnten Muskeln vermochten sie nicht mehr zu tragen. Hart schlug Leylan auf dem Kiesweg auf und unterdrückte nur mit größter Mühe einen Schmerzenschrei. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste sie sich eingestehen, dass selbst der stärkste Wille bis zum Äußersten zu gehen nicht vor den Grenzen des menschlichen Körpers verschont bleibt. Fluchend stemmte sie sich mit den Armen in eine sitzende Position und begutachtete ihre schmerzenden Beine.
Mehr oder weniger harmlose Schrammen säumten ihre Kniepartie, der rechte Oberschenkel war von einer langen, leicht blutenden Schürfwunde entstellt. Obwohl sie nicht auffallend tief war, brannte schon die kleinste Berührung und kleine Steinchen gemischt mit Kiesstaub machten das Ganze auch nicht besser. Haltlos fluchend besah Leylan sich den Rest ihres Körpers, war sie doch mit voller Wucht auf den Boden gestürzt. Vorsichtig verstärkte sie den Druck auf ihrem rechten Hüftknochen und zog hörbar die Luft ein: Eine sich ausbreitende Verfärbung der Region ließ sie auf eine Prellung schließen und sie zog eilig die Hand weg. Zuletzt drehte sie die Innenfläche ihrer Hände nach oben. Aufgeschürft und keineswegs ansehnlich präsentierten sich diese, Leylan stieß einen weiteren Fluch aus, richtete sich dann, dennoch auf ihre Hände gestützt, langsam und vorsichtig wieder auf.

Noch war niemand in nächster Umgebung zu sehen, ihren „Unfall“ hatte also keiner mitbekommen. Erleichtert wischte Leylan sich den Schmutz aus dem Gesicht und klopfte die Hände vorsichtig an ihrem Shorts ab. „Und jetzt?“ Missmutig blickte sie sich um, unsicher was nun das Beste sei. Plötzlich waren Schritte zu hören und Leylan hob ruckartig den Blick.
>Tyson!<, schoss ihr es durch den Kopf und beinahe schon reflexartig humpelte sie in das Gebüsch zu ihrer rechten. Dort kauerte sie sich, so weit es ihre schmerzenden Muskeln zu ließen, hinter einen Baum und wartete. Die rhythmischen Schritte kamen schnell näher und hatten Leylan innerhalb weniger Minuten umrundet. Sobald das Geräusch leiser wurde zog Leylan sich am Baum hoch und blickte dem vorbeigelaufenen Jogger nach- kein Zweifel, der blaue Haarschopf und das irrsinnige Tempo gehörten definitiv zu Tyson.
Da wurde der jungen Frau ihre eigene Situation erneut schlagartig bewusst: „Ok, gaaanz ruhig bleiben. Einerseits kann ich jetzt weiterlaufen bis ich wiederholt umkippe oder ich gehe jetzt direkt zum Training oder aber gehe schnurstracks ins Haus und sehe zu, dass ich die Wunden versorge und säubere. Oh, verdammt.“
Die Gewissheit „versagt“ zu haben, setzte ihr schrecklich zu und ragte vor ihr auf, wie ein unbezwingbarer Berg.
Wenn sie eines nicht verkraften konnte, dann war es sich selbst überschätzt zu haben und sich dann eine selbstverschuldete Niederlage eingestehen zu müssen. Etwas scheinbar Kleines, wie 2 zwei nicht geschaffte Runden einer Trainingseinheit, waren für Leylan ein Zugeständnis an ihre Schwäche, die es für sie seit Beginn ihrer Karriere zu unterbinden galt. Schon in frühester Kindheit, zeitens ihres Aufenthaltes in der russischen Mädchen- Abtei zur Ausbildung erfolgreicher Blader, war eine Niederlage das erste Zeichen von Schwäche und Schwäche ein Resultat folgenträchtiger Selbstüberschätzung.
Diese Erinnerung trieb ihr die Tränen in die Augen, als sie sich die Worte ihres über alles bewunderten Mentors wach rief: „Es ist vertretbarer einem Kampf auszuweichen, eine weitere Kraftprobe auszulassen und dann jedoch mit einem befriedigenden Ergebnis vorrangegangener Erfolge davon zu gehen, als jede Herausforderung wahrzunehmen obgleich einem bewusst ist, dass dies nur zu einer Niederlage führen kann. Selbstbeherrschung ist besser als Selbstüberschätzung. Vergesst dies nie.“
>Und genau das habe ich Trottel getan.<, schallte es in ihrem Kopf und sie vergrub ihr Gesicht für einen kurzen Moment in ihren Armen. War Kai die oftmalige Einsamkeit und Disziplin der Abtei nie gänzlich aus den Knochen gewichen, so trug Leylan den eisernen Willen zum Sieg in sich, unterstützt von ihrer Verbissenheit und dem Zurückschrecken selbstverschuldeter Schwäche.
EINS
ZWEI
DREI
VIER
FÜNF

Ruhig zählte Leylan die Sekunden und fand wie sooft die nötige Entspannung in dieser doch recht skurrilen Art der Beruhigung. Bei „fünf“ zog sie sich schwerfällig hoch, klopfte sich zaghaft den Staub von der Hose und setzte zum Rückweg an. Sie hatte eine Entscheidung gefasst, ununterbrochen hoffend es möge die richtige gewesen sein.
Allmählich begann sich der Park mit Menschen zu füllen, Menschen die entweder zu den Frühsportlern gehörten, Ferien hatten, arbeitslos waren oder einfach nur einen arbeitsfreien Samstag genossen- immerhin war es erst 11:00 Uhr. Leylan sah jeden der es wagte den Blick über ihren, zugegebener Maßen ein wenig geschundenen aussehenden, Körper gleiten zu lassen, mit einem eiskalten Blick und hielt dazu den Blickkontakt solange bis der Betreffende die Augen verschämt abwandte. Sie biss die Zähne aufeinander und ihre Kiefermuskeln spiegelten ihre innere Anspannung wieder, aufgrund all den vereinzelten starrenden Menschen und der Entscheidung die sie zuvor getroffen hatte. Trotz Schmerzen an Hüfte und im rechten Oberschenkel setzte sie die Füße so rasch voreinander wie nur irgend möglich und so kam auch schon bald darauf das herrschaftliche Anwesen der Bladebreakers in Sicht. Wie zuvor nahm sie den Durchgang durch das schmiedeeiserne, kleine Tor am inmitten der hohen Hecke, anschließend überquerte sie die große Grünflache, welche übersät war mit den verschiedensten Pflanzen und zu Leylans Zufriedenheit nicht wie ein sorgsam gestutzter Rasen aussah, und gelangte wenige Minuten später zum rechten Flügel der Anlage wo eine Vielzahl an Arenen aufgebaut waren und zusätzliche Trainingsmöglichkeiten zur Verbesserung individueller Probleme.
In einiger Entfernung waren Tala, Tyson und Ray in ihre jeweilige Trainingseinheit vertieft: Tala trainierte seine Geschwindigkeit indem er eine Reihe von Phiolen in unterschiedlichem Abstand, mit steigender Geschwindigkeit und ohne zu berühren umkreiste, Tyson ließ Dragoon von Baum zu Baum mittels der aufgespannten Seile balancieren und Ray trainierte seine und Driggers Schlagkraft an den verschiedensten Materialien. Verstohlen hielt sie nach Kai Ausschau und atmete dann erleichtert aus, um im nächsten Moment erschrocken zusammenzuzucken.
„Du hast dich verletzt- setzt dich.“

Ungeachtet ihres schmerzenden Oberschenkels fuhr sie herum und sah Kai in wenigen Metern Entfernung zu ihrer rechten Seite stehen, lässig an die Hausmauer gelehnt und sie mit einem gleichgültigen Blick taxierend. Die junge Frau mit den langen, sanft gewellten Haaren, biss sich auf die Lippe und starrte demonstrativ geradeaus.
[i]>Ich hatte mich zwar für diesen Weg entschieden, aber es ist schwieriger als zuerst vermutet. Keine Panik, hol einfach deinen Blade und Starter und leg los.</i]
Leylan bete sich ihren nächsten Schritt eindringlich vor, Kais fixierender Blick ließ sie zu ihrem Missfallen jedoch keinen Muskel rühren.
„Ich gehe und hole meinen Blade und Starter.“, murmelte sie, den Blick weiterhin starr geradeaus gerichtet. Auf Kais Lippen erschien ein süffisantes Lächeln; er stieß sich leicht von der Wand ab und trat auf Leylan zu. Da diese noch immer nicht bereit war ihn anzusehen, schritt er kurzerhand an ihr vorbei und stellte sich in ihr direktes Blickfeld. Überrascht zog die Spitzenbladerin die Brauen hoch, eine weitere Reaktion von dem abweisenden Teamleader hatte sie nicht erwartet. Er baute sich vor ihr auf, die karmesinroten Augen auf ihre dunklen gerichtet und sagte: „Ich bin dein Teamleader, ich sage dir wann du was tust. Und im Moment steht die Versorgung deiner Wunden auf dem Plan- also setz dich hin, jetzt!“
Der letzte Teil war als eindeutiger Befehl formuliert und appellierte somit an Leylans Loyalität und Pflichtgefühl. Die dunklen Augen blitzen förmlich auf, Leylan kam Kais „Befehl“ jedoch nach und ließ sich auf der Bank nieder. Der Halbrusse holte, ohne von den drei Teamkollegen bemerkt zu werden, eine Schüssel mit Wasser, den Erstehilfe- Kasten und setzte sich zu Leylan auf die Bank. Die Zähne immer noch fest aufeinander gebissen, sah diese alles andere als entspannt aus. Ihr war die plötzliche Nähe zu dem grauhaarigen jungen Mann unangenehm, löste ein merkwürdiges Befremden in ihr aus. Kai ließ, während er vorsichtig die Schrammen und die Wund am Oberschenkel säuberte, keine Regung im Gesicht erkennen, stockte jedoch als er ihren Shorts ein wenig hochschieben musste und seine Finger für einen kurzen Moment ihre Haut berührten. Als direkte Reaktion darauf, lief Leylan ein Schauder über den Rücken und sie atmete, unabsichtlich, hörbar ein.
Eine leichte Röte überzog ihre Wangen, nach einer solchen Gefühlsfreigabe wünschte sie sich postwendend, der Boden würde sich unter ihr auftun. Kai tat weiterhin so, als hätte er nichts bemerkt und würde seinerseits nichts fühlen. Doch nur die langen Jahre der Selbstbeherrschung und seine Wand aus Eis, verheimlichten seine Empfindung auf die ungeplante Berührung.

So klein, so kurz, und doch so folgenträchtig.
Kai biss die Kiefer fest aufeinander sodass die Kiefermuskeln sichtbar hervortraten, er wollte sich unter keinen