Fanfic: The Path
Umständen eine Blöße vor der neben ihm sitzenden jungen Frau geben. Tatsächlich redete er sich ein, dies müsse jeder Trainer tun und es falle somit unter seine Pflichten denen er bekanntlich, ohne mit der Wimper zu zucken, nachkam. Eine leise Stimme in ihm, die seit zwei Tagen die Sprache zurückgewonnen hatte, meldete sich in ihm: „Pflicht? Könnte sie sich nicht eigentlich selbst versorgen? Immerhin sind es nur schmerzende Schürfungen, nichts Ernstes. Ist ihr nicht schon schlimmeres als ein Kratzer begegnet?“
Wütend stieß er ein unwilliges Schnauben aus und warf den Schwamm mit Schwung zurück in den Eimer, dass es nur so platschte. Aufgeschreckt von dieser plötzlichen Bewegung hob Leylan den Kopf und warf Kai einen misstrauischen Blick zu. Er wandte den Blick ab und sah zu Boden: „Ent...Entschuldige.“, entfuhr es ihm leise, die unterdrückte Wut immer selbst in seiner Stimme spürbar.
Mehr als nur verwundert hob sie die Brauen, ermahnte sich noch im selben Atemzug bloß keine große Sache aus diesem Verhalten zu machen. Ihr Blick suchte einen möglichst neutralen Ort und dann hörte sie sich leichthin sagen: „Schon gut, ich denke die Schrammen sind nun sauber. Danke... Kai.“
Jegliche Ironie, jegliche Selbstsicherheit, jegliche Distanz war aus ihrer Stimme gewichen, sie blendete all die rebellierenden Stimmen in ihrem Inneren kurzerhand aus und war erstaunt, wie leicht ihr der Satz von den Lippen ging. Die Augen die ihr nun begegneten waren karmesinrot, dieses Mal wieder Erwarten ohne den Ausdruck gefrorener Lava zu wirken, fast schon weich war der Blick mit dem Kai Leylan bedachte. Ein Außenstehender hätte aus diesen zwei gemurmelten Sätzen nichts großartiges erkennen können, war es jedoch weitaus mehr als nur eine Entschuldigung und eine Dank.
Kai entging nicht, dass mehr als bloß Dank in diesen Worten lag, eine zaghafte Nähe und es erschien ihm, als lege sie ihm ihr verletzliches Innenleben zu Füßen. Ihre Worte drückten mehr aus, als es oberflächlich den Anschein hatte und das traf den jungen Halbrussen zutiefst, trug doch auch seine Entschuldigung eine zweite Bedeutung in sich.
Ohne Scheu blickten die beiden jungen Leute sich an, die unsichtbare Trennwand war wie fortgeweht. Die Verbindung zwischen Muskeln und Gehirn war scheinbar nicht mehr vorhanden und Leylan konnte den Blick nicht von Kai wenden.
Gefühlte Ewigkeiten vergingen, bis Kai sich mit Gewalt in die Realität zurückzwang und schlagartig änderte sich der Ausdruck in seinen Augen... dies entging der schwarzhaarigen Frau keineswegs und sie wusste- nun war es vorbei.
Nur mit größter Mühe konnte Leylan den Blick senken, ihr war klar, dass Kai die plötzliche Nähe zwischen ihnen nicht länger dulden wollte.
>Mich stößt du nicht so einfach vor den Kopf.<, dachte sie und stand ihrerseits noch vor Kai auf.
Womit sie ein deutliches Zeichen setzte, dass sie sich keineswegs beherrschen lassen würde, ihm keineswegs freie Entscheidungsfreiheit in punkto Annäherung und Zurückweisung gewähren würde. Die feine, auch ohne Worte, funktionierende Kommunikation zwischen ihnen, ließ Kai ihre Geste unmissverständlich wahrnehmen und ein ironisches Lächeln umspielte seine Lippen. Im Aufstehen warf er ihr ein Paket Verbandszeug zu, kopfschüttelnd sah er auf den Boden und lachte leise. Das Verbandszeug landete sicher in Leylans Hand, die ihm argwöhnisch hinterher sah, wie er Ray, Tyson und Tala das Ende des heutigen Trainings verkündete. Es schien so, als sei das kurze Gefühlsintermezzo der beiden unbemerkt geblieben und Leylan seufzte erleichtert. Sie war ohnehin schon durcheinander, da konnte sie definitiv keine Bemerkungen seitens ihrer Teamkollegen gebrauchen. Ohne ihren Starter auch nur angerührt zu haben, kehrte sie noch vor dem Rest des Teams auf dem schnellsten Weg über die Veranda zurück ins Haus, den Oberschenkel mit einem festen Verband umwickelt und die Waden voller, leicht schimmernder, Wundheilcremestreifen.
„Das Training ist für heute beendet, ihr könnt aufhören.“
Kais arrogant klingende Stimme hallte über den Trainingsplatz und ließ seine Kollegen aufblicken. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehte er ihnen den Rücken zu und schritt in Richtung Haus.
>Was sollte DAS denn? Habe ich nun völlig den Verstand verloren? Keine Distanz, kein Abgrund zwischen uns, nichts das auf Klüfte aufgrund diverser ABsudrtäten hindeutet! Und doch ließ sie es sich nicht nehmen, das letzte „Wort“ zu haben...<, dachte er und ein weiteres ironisches Lächeln ließ seine Mundwinkel zucken.