Fanfic: The Path
sie weiterhin einen Fuß vor den anderen, eine vage Vermutung im Hinterkopf wohin ihr Weg sie nun führen würde. Die Sonne schien angenehm warm auf die Menschen hinab und von überall her drangen freudige Stimmen und herzhaftes Gelächter zu ihr. Leylan sah sich uninteressiert um, fuhr mit den Augen die lachenden Gesichter nur wenige Meter entfernt von ihr ab und fragte sich, ob ein jeder von ihnen Herr eines geregelten Lebens sei. Plötzlich wurde sie unsanft aus ihren Gedanken gerissen als ein kleiner Junge, an der Hand seiner großen Schwester, auf sie zu zeigen begann und freudig auf und ab hüpfte. Dabei rief er: „Chihiro schau mal, Leylan von den Baldebreakers! Von der hast du doch ein Poster in deinem Zimmer!“
Er zog seine Schwester aufgeregt an der Hand und wollte sich schon losreißen, als die Ältere ihn mit strenger Stimme zurecht wies: „Schluss jetzt- du kannst doch eine berühmte Persönlichkeit nicht einfach so anspringen! Wir gehen jetzt ganz gesittet zu ihr hin und bitten um ein Autogramm, klar?“
Mit großen Augen nickte der Kleine und hielt sich folgsam neben seiner Schwester. Obwohl Leylan ihr leises Geflüster nicht entgangen war, setzte sie auf den zaghaften Gruß des Mädchens hin eine überraschte Miene auf.
„Hallo, na wer seid ihr denn?“ Lächelnd ging sie vor dem Jungen in die Knie und verkniff sich mit großer Mühe ein Lachen, als er sie mit offenem Mund und ehrfürchtiger Miene anstarrte. Erst als seine Schwester ihm einen kräftigen Schubs gab stammelte er: „Ich... ich heiße... To...Toshio.“
„Und du?“, fragte Leylan, immer noch freundlich lächelnd, an das Mädchen gewandt.
„Ich bin Chihiro... und ich bin ein großer Fan von dir“, setzte sie hastig hinzu, die dunkelgrünen Augen erwartungsvoll auf Leylan gerichtet. Leylan richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und lächelte süffisant: „So so, ein großer Fan also. Dann hast du doch sicherlich nichts dagegen, wenn ich etwas von dir signieren würde, oder?“
„Was?! Ich meine... nein, nein natürlich nicht. Wie wäre es mit meinem Blade u...und vielleicht auch mein Rucksack. Hier, Toshio hat seinen Lieblingsdranzer dabei, könntest du den auch signieren?“
Vor lauter Aufregung verschluckte sich das ca.13-jährige Mädchen fast und Leylan sah gewissenhaft darüber hinweg.
„Natürlich, immer nur her damit.“
Chihiro schlug ihren Jackensaum zur Seite, holte Blade und Starter hervor und reichte es zusammen mit ihrem bunt gestreiften Stoffrucksack an Leylan weiter.
„Stift?“, fragte diese und sah Chihiro fragend an.
„Ah ja natürlich- hier.“, antwortete sie mit einem verlegenen Lächeln und schob Leylan einen silbernen Edding zu. Leylan besah sich den Blade des Mädchens genauer: Er war leicht und biegsam, in purpurn und schwarz gehalten und verfügte über kleine, goldfarbene Ringe an den Außenkanten, welche bei jeder Bewegung leise klirrten. Grinsend warf Leylan Chihiro einen Blick zu und sagte: „Mh, kommt mir irgendwie bekannt vor- was sagst du?“
Chihiro lachte verlegen auf und antwortete: „Ich sagte doch, ich bin ein großer Fan von dir. Ich habe dich und Clover in jedem Match verfolgt und ich bin total fasziniert von der Art wie ihr kämpft.“
Es sprudelte nur so aus ihr heraus und Leylan musste unwillkürlich lachen. Immer noch grinsend signierte sie Balde und Starter und griff dann nach dem Rucksack, als eine kleine Hand sich auf ihre legte.
„Bitte zuerst Dranzer.“, flüsterte Toshio kaum hörbar. Überrascht nahm Leylan den Stoffdranzer entgegen, drehte ihn locker in den Händen und fragte dann: „Du hast aber einen schönen Dranzer- ist das dein Lieblingsbitbeast?“
Toshio hob verschämt den Blick, plötzlich war er gar nicht mehr so mutig, antwortete aber mit unüberhörbarer Begeisterung: „Ja und Kai ist mein Lieblingsblader- er ist ein Held!“
Leylan warf dem kleinen einen schiefen Blick zu, tätschelte ihm dann das Haar und setzte hinzu: „Hast du denn was dagegen, wenn ich deinen Dranzer signiere?“
Da schüttelte Toshio heftig den Kopf und antwortete: „Nein, du bist auch toll! Und Clover ist sooo schön.“
Mit einem Lächeln im Gesicht signierte Leylan schnell das Stofftier und anschließend den Rucksack. Sie gab beides den Geschwistern zurück und wandte sich zum gehen als Chihiro sie am Ärmel zurück hielt: „Die Zeitungen schreiben, du bist wieder zu den Bladebreakers zurückgekehrt- stimmt das?“
Leylan verharrte in der Bewegung und gab dann mit fester Stimme zurück: „Ich bin nie wirklich weg gewesen. Bis dann ihr zwei und immer schön trainieren.“
Die Geschwister winkten ihr eifrig hinterher und Leylan hörte noch wie Chihiro zu ihrem Bruder sagte: „Sie hat dir den Kopf getätschelt, jetzt darfst du deine Haare nicht mehr waschen- verstanden?!“
Grinsend ließ sie die beiden hinter sich, begleitet von ihren Gedanken: >Ich hatte ganz vergessen wie es ist, berühmt zu sein.<
Da vernahm sie das Rauschen des Meeres und zeitgleich wehte ihr eine sanft salzige Briese ins Gesicht, sie hob den Blick und da war es: Der alte Trainingsplatz der Bladebreakers.
Es kam ihr so vor, als wäre es gestern gewesen, dass sie hier all die aufgestellten Grills stehen sah und sich hungrig näherte. Als wäre es gestern gewesen, dass plötzlich Kai aus dem Schatten hervortrat. Als wäre es gestern gewesen, dass der dann folgende Streit sie davonlaufen ließ, wie ein flüchtendes Tier, ohne Ziel und ohne Namen.
Kein Mensch war zu sehen, Leylan war völlig allein, zu ihrer linken das Meer und zu ihrer rechten Wald. Sie überquerte zügig den Platz und ließ sich dann auf der niedrigen Düne nieder mit Blick auf die anrollenden Wellen auf denen sich leichter Schaum kringelte.
Die Beine fest an den Körper gezogen und mit geschlossenen Augen, lauschte sie ergriffen der Symphonie des Meeres; das anschwellende Geräusch herannahender Wellen ging über in ein kräftiges Brausen, sobald Wasser auf Fels traf und klang dann ab, um sich wohlig schnurrend zurückzuziehen.
Ein ewiges Vor- und Zurück- gleich dem Lauf des Lebens.
Stundenlang verharrte sie in dieser Position, regte sich erst als die Sonne, einem Feuerball gleichend, ins Meer eintauchte und der Himmel über ihr sich zunehmend verdunkelte.
Mit hochgezogenen Schultern und in den Hosentaschen vergrabenen Händen, machte Leylan sich schließlich auf den Heimweg, das lange schwarze Haar wehte im kühlen Abendwind und erweckte den Eindruck, eines winkenden Abschiedsgrußes and das nun still liegende Meer.