Fanfic: The Path
Kapitel: Der Worte süßer Duft
~Dies ist wohl das bis jetzt längste und, für mich persönlich, emotionalste Kapitel. Besonders passend ist es, die Lieder im Hintergrund laufen zu lassen und nebenher weiterzulesen- die Lyrics sind ja aufgeführt.~
„Meister Ivanov- ich denke ich weiß die Antwort.“, rief ein junger Mann und rückte wichtigtuerisch seine schmale Brille zurecht, ein wissendes Grinsen im Gesicht und die Augen fest auf den rothaarigen Russen hinter dem Pult gerichtet. Tala hob unmerklich eine Braue und sagte: „So? Welch eine Überraschung, dass du dich meldest, Takumi. Na dann, schieß mal los.“ Den Kopf auf den rechten Arm gestützt, die Augen schon halb geschlossen, linste Tala den offensichtlich übereifrigen 17- jährigen Schüler geduldig an und wartete auf dessen ´bahnbrechende´ Antwort.
Takumi räusperte sich vernehmlich und antwortete mit fester Stimme: „Der Trick um nach einem heftigen Seitwärtsangriff nicht aus der Bahn geworfen zu werden ist, sich seinerseits auf sein Bit Beats zu konzentrieren und eine rasche Rückwärtsbewegung auszuführen.“
Mit einer scheinbar beiläufigen Geste fuhr er sich durch das blonde Haar und warf dem Lehrer einen ´na- wer- hat´s- jetzt- drauf´- Blick zu, welcher von Tala betont süffisant mit einem ´was- denkst- du -warum- ich- Lehrer- bin´-Blick beantwortet wurde. Dem Blick folgte die Antwort: „Tja, Takumi, dein Engagement ist wie immer beeindrucken.“
– kurze Kunstpause-
„Dennoch ist die Antwort falsch, richtig wäre gewesen: Um einem Gleichgewichtsverlust zu entgehen, mobilisiert man starke Kräfte die man seinem Bit Beast ´zu Verfügung stellt´ und führt einen ´schnellen Vorwärts- Move´ aus. Du siehst, bloß konzentrieren und zurücktaumeln bringt wenig. So, wo wir das geklärt hätten würde ich dich Tisha, bitten, uns zu erklären wie man denn nach einem solchen Schlag zum Gegenangriff ausholen kann.“
Takumis wütenden Blick ignorierend, widmete Tala seine Aufmerksamkeit dem angesprochenen schüchternen Mädchen in der dritten Reihe. Lediglich ein zartes Lächeln, welches unterdrückt seine Mundwinkel umspielte, gab Auskunft über den Spaß den er wieder einmal hatte. Takumi hingegen kochte förmlich vor Wut, war es doch offensichtlich, dass seine Antwort den richtigen Kern enthielt und nur etwas unglücklich formuliert war.
Doch Tala konnte sich nicht nur auf höchst geschickte und vornehme Weise amüsieren sondern auch vortrefflich schauspielern, er hätte ihm also augenblicklich höchst glaubhaft versichern können sein ´Rüffel´ sei nie Absicht gewesen oder böse gemeint. Die, wie Spiegelscherben wirkenden, Augen des listigen Russen sahen angestrengt über Takumi hinweg, immer wieder Tisha freundlich ermutigend.
>Dieser Typ ist große Klasse! Sich so königlich amüsieren zu dürfen und dazu noch jeden Tag aufs Neue- der perfekte Arbeitsbonus!<, dachte er verschmitzt und lobte im selben Atemzug Tisha überschwänglich für ihre richtige Antwort. Einerseits um dem schüchternen Mädchen Mut zu machen, schließlich war er der Lehrer, und andererseits um Takumi seine ´Niederlage´ noch deutlicher vor Augen zu führen. Der sonst so selbstsichere und arrogante Blonde, zog eine beleidigte Schnute und hielt für den Rest des Tages eisern den Mund, was Tala gelegentlich mit einem spöttischen Lächeln quittierte und dabei immer wieder einen Lobgesang auf seinen exzellenten Humor haltend.
Um Punkt 16:00 Uhr ertönte zum letzten Mal für diesen Dienstag die Schulglocke und Talas Schülerschar verließ plappernd den Raum, Takumi riskierte sogar einen bösen Blick in seine Richtung um den Kopf dann rasch zurückzudrehen, als Tala mahnend den Finger hob. Lachend packte dieser seine Tasche, wischte die Tafel, schloss die Fenster und wollte die Lichter gerade löschen, als die Tür plötzlich aufgerissen wurde und Tyson in den Raum polterte. Wie ein gehetztes Tier blickte er sich um, bemerkte Tala und ein erleichtertes Lächeln glitt über sein Gesicht. Da hörte man vom Flur her aufgeregte, hohe Stimmen und erneut von panischer Angst ergriffen, riss Tyson mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung dem spöttisch dreinblickenden Tala die Schlüssel aus der Hand. In Rekordschnelle drehte er den schmalen Schlüssel zweimal im Schloss um- erst als er das befreiende Klicken des Schlosses hörte atmete er erleichtert aus und ließ sich mit zittrigen Beinen auf dem nächstbesten Stuhl nieder.
Unbeeindruckt stand Tala neben der Tür, die ledernde Tasche unter den Arm geklemmt und bemerkte mit leiernder Stimme: „Den Stuhl wollte ich gerade hochstellen- kannst du dich nicht auf den Boden setzten?“
Tyson hob den Kopf und musterte den rothaarigen jungen Mann aus blitzenden Augen.
„Ich knall dir den hier gleich an Kopp´! Kann ja wohl nich sein- ist dir entgangen, dass ich vorhin fast gestorben wär?“
Er sah ernsthaft mitgenommen und fertig aus, wie nach einer langen Hetzjagd...
Doch Tala warf ihm nur einen weiteren unbeteiligten Blick zu, erneut Spaß witternd, und antwortete ungerührt: „Nein, auf mich wirkst du äußerst lebendig. Wie auch immer, my home is my castle und das hier ist mein Arbeitsplatz. Ich würde also gern nach Hause wenn´s dir nichts ausmacht.“
Er machte Anstalten den Stuhl unter Tyson wegzuziehen, als dieser wutentbrannt auffuhr, trotz offensichtlicher Erschöpfung, und in gewohnt dynamischer Tyson- Manier brüllte: „Sag mal, sind heut alle gegen mich?! DU hast MICH hier herbestellt, weil DU der Meinung warst, ICH müsste mich mehr engagieren und sollte hier arbeiten. Ich also hier hin und was dann? Eine ganze HORDE durchgeknallter Groupies stürzt sich in der Pause auf mich. Flucht durch unbekanntes Gelände war angesagt, mann! Ich hab mir halb die Haxen gebrochen, weil in diesem Miststall überall irgendwelche Arenen rumstehen und man jede dieser verdammten Türn AUFDRÜCKEN muss!! Ich verlange Personenschutz, wenn ich hier je wieder auch nur einen Fuß reinsetzen soll!!!“
Scheinbar verständnisvoll blickte Tala auf den schnaufenden Tyson herunter und antwortete dann: „Soll ich dich unter Tierschutz stellen lassen?“
Seine Stimme klag dabei Oskarverdächtig unbeeindruckt, ein skurriler Gegensatz zu dem gespielt mitfühlenden Ausdruck auf seinem Gesicht. Tyson schnappte hörbar noch Luft, doch bevor er, vor Wut schon völlig zugeknallt, Tala an die Gurgel springen konnte, streckte dieser zielsicher zwei Finger aus und tippte an Tysons Stirn: „Immer mit der Ruhe, Pulverfass. Wir wollen ja nicht das du platzt- ich seh mich schon, mit einem Wischmopp, den spärlichen Inhalt deiner Rübe aufwischen.“
Seine ausgestreckten Finger drückten Tyson unnachgiebig zurück auf den Stuhl, die Augen leicht geschlossen, Tyson jedoch wach und aufmerksam fixierend. Der blauhaarige junge Mann hatte den Mund vor Verblüffung leicht geöffnet und fügte sich bereitwillig dem Druck auf seiner Stirn, der Blick aus braunen Augen friedlich und folgsam. Erst als Tyson sicher auf seinem Stuhl saß, löste Tala die Finger von dessen Stirn und stieß, angesichts Tysons völlig überrumpeltem Gesichtsausdruckes, ein tiefes Lachen aus.
„Das haben sie damals auch immer gemacht... ich hätte nicht gedacht, dass es wirklich hilft. Und das ohne Strom, interessant.“, sagte er, mehr zu sich selbst als zu Tyson. Der starrte Tala weiterhin mit offenem Mund an, unfähig die Zunge auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
„Jetzt ist aber gut, du Trottel. Du solltest dich beruhigen und setzten, nicht die schweigsame Meerjungfrau spielen. Wie auch immer, ich werde deinem, doch etwas exzessiven, Fanclub ausrichten, dass ihr Tyson-Bubi von soviel Zuneigung ein wenig ´erdrückt´ erscheint... Komm morgen einfach sofort ins Lehrerzimmer, erste Pause, dann werden wir mit den andren besprechen, wie du deinen bescheidenen Dienst leisten kannst.“
Zynismus und Ironie gehörten zu so gut wie jedem Satz Talas genauso dazu, wie seine unendliche Ruhe. Er klopfte Tyson kräftig auf die Schulter und ging dann auf die Tür zu, wandte sich um und pfiff einmal durchdringend: „Tyson! Ich will nach Hause- entweder du kommst mit oder läufst.“
Genervt trat er durch die Tür auf den, mittlerweile menschenleeren Flur, als Tyson wie von der Tarantel gestochen durch die Tür stürmte und unruhig von einem Fuß auf den andren trat, auf Tala wartend. Dieser schloss gemächlich die Tür ab und warf Tyson ein ironisches Grinsen zu. Hinter dem rothaarigen Russen eilte Tyson, sich immer wieder nervös umblickend, durch die leeren Gänge der Einrichtung.
>Wie hat er das nur gemacht? Zwei Finger und zack hab ich mich gefühlt wie nach nem´ gewonnen Match... is ja schon komisch, ob er elektromagnetische Strahlen aussendet... ach nee, die tun ja weh. Vielleicht ist er ein Hypnotiseur? Nee, geht auch nicht, ich bin ja nicht weggeratzt. Mann, so was will ich auch können, dann wäre Kai ein Klacks und wir müssten nicht mehr wie die Spinner um den Park hetzten.<
Trotz seiner Verwirrung musste Tyson angesichts solch verlockender Aussichten leise kichern, obwohl es ihn drängte nach solch ´verstörenden´ Erlebnissen, frei heraus zu grölen. Doch das traute er sich unter keinen Umständen, Tala könnte ja möglicherweise hellsehen und würde Kai von seinen Vorstellungen unterrichten. Schon allein der Gedanke, wischte Tyson das breite Grinsen aus dem Gesicht und er stapfte schweigsam hinter dem großen Russen in Richtung Parkplatz, wo Talas schwarzer Mercedes auf sie wartete.
Leylan hatte den Rest des Tages, um sich von der quälenden Entscheidungsfrage bezüglich des Studienangebotes abzulenken, mit Mariah in der Innenstadt verbracht. Mariah hatte sie überzeugen können, wie nötig sie neue Klamotten hätte.
„Du hast dein Hosensortiment doch schon ewig nicht mehr aufgestockt und Kleider... oh mann, Kleider besitzt du gar nicht. Wie wär´s außerdem mal mit einem Rock?“
„Na wohl habe ich