Fanfic: The Path

qualitativ auf dem Nullpunkt angekommene Gerede der jungen Frau auf stumm und in diese plötzlich entstandenen Stille hinein, drangen die unverkennbaren Töne eines Flügels.
Verwundert hob sie den Kopf und lauschte: Wunderschöne, melodische Klänge, voll und schwer drangen sie an ihr Ohr und riefen tief verborgene Erinnerungen wach- sie kannte diese Melodie und den dazugehörigen Text.

Wie magisch angezogen, erhob sie sich, stellte die Schüssel sanft ab und folgte den Tönen, deren Quelle, zu ihrer größten Verwunderung, hinter einer Tür, welche leicht offen stand, am Ende des Flures zu sein schien. Verwundert schritt sie auf die, zuvor nie bemerkte, Tür zu und drückte leicht dagegen- sofort schwang die breite Front auf und gab den Blick auf den dahinter liegenden Raum frei.
Sie hatte es erwartet- wer sonst befand sich außer ihr im Haus und konnte zudem dem Flügel solch melodische Klänge entlocken?
Kai saß mit geschlossenen Augen und völlig entspanntem Gesichtausdruck vor einem schwarzen, antiken Flügel und ließ seine Finger sanft über dessen Tasten gleiten. Der Flügel stand in der Mitte des Raumes und füllte ihn beinahe vollständig aus. In die Wände waren schmale, bis auf den Boden reichende, Fenster eingelassen, alles war lichtdurchflutet und rief automatisch eine seltsame Zufriedenheit hervor. Da der Raum wie ein Halbkreis geformt war, fiel das Licht schräg durch die Fenster und brach sich anschließend auf den dunklen Holzdielen. Ausschließlich der Mittelpunkt, wo sich der Flügel befand, wurde vom Licht nicht vollständig erreicht, das tiefe Schwarz hüllte sich in Schatten.

Kai war vollkommen Eins mit der Musik, er bemerkte Leylan selbst dann nicht, als sie leise die Tür hinter sich schloss und einen Schritt auf den Flügel zuging.
Sie kannte dieses Lied, Ton um Ton, Note um Note und in ihrem Innersten nahmen die dazugehörigen Worte Gestalt an, wie Rauch stiegen sie auf und formten sich zu einem vertrauten Gebilde, und ohne ihr Zutun drangen sie aus ihr heraus, wollten sich mit der melancholisch klingenden Melodie verbinden. Aufmerksam lauschte Leylan jedem emporsteigenden Ton, wartete auf den, wo sich Melodie und Wort verbinden sollten und da drang das es auch schon ihre Kehle empor.

“You walked with me Footprints in the sand.”

Melodisch verwob sich ihre Stimme mit den Klängen des Flügels, welche kurz stockten als Kai ruckartig den Kopf hob, sich ihrer Anwesenheit bewusst werdend. Ein rascher Blick aus unergründlichen Augen, verborgen hinter einer Maske, den Kopf erneut seinen talentierten Händen zugeneigt, führte er das Lied nahtlos weiter. Sein Schweigen interpretierte sie als ein stummes Einverständnis und nahm den begonnenen Faden wieder auf.
/Song: http://www.youtube.com/watch?v=PvizQnQN-vg / nur bis zum 2. Refrain/

“You walked with me
Footprints in the sand
And helped me understand
Where I'm going

You walked with me
When I was all alone
With so much unknown
Along the way
Then I heard you say”

Die Augen geschlossen, die Sinne bis zum Äußersten geschärft, saugte er erneut jede Sekunde, in der die Melodie unter seinen Fingern mit Leylans melodischer Stimme verschmolz, tief in sich hinein, erfrischte die zu verblassen beginnende Erinnerung.
Er ließ sich fallen.

“I promise you
I'm always there
When your heart is filled with sorrow
and despair
I'll carry you
When you need a friend
You'll find my footprints in the sand”

Die Worte flossen nur so aus ihr heraus, hinterließen einen süßen Duft auf ihren Lippen, bis zum Rand gefüllt mit der klangreinen Stimme, welche aus den tiefsten Tiefen Leylans emporzusteigen schien. Hingebungsvoll verlieh sie diesen, einst niedergeschrieben Worten, Leben, ließ sie in den melodischen Taumel der raumerfüllenden Klänge gleiten um sie dann mit jeder Faser ihres Körpers aufzunehmen, zu bewahren wie einen Schatz.

“I see my life
Flash across the sky
So many times have I
Been so afraid
And just when I
I thought I'd lost my way
you gave me strength to carry on
That´s when I heard you say”

Sich dem Ende nähernd, entlockte Kai dem Flügel kraftvolle, leidenschaftliche Töne, Leylan hob ihre Stimme und verlieh ihr eine voluminöse Tiefe.

“I promise you
I'm always there
When your heart is filled with sadness
and despair
I'll carry you
When you need a friend
You'll find my footprints in the sand”

Zärtlich ließ sie ihre Stimme ausklingen, den letzten Ton auf seine Reise schickend, die Zunge strich genüsslich über ihre Lippen, wie um den süßen Nachgeschmack der sanften Worte einzufangen. Das Verstummen des Liedes holte ihn langsam zurück in die Realität, wie aus dem Schlaf erwachend schüttelte er leicht den Kopf, die Finger lagen noch immer leicht auf den ebenholzfarbenen Tasten des Flügels, von ihm so einmalig zum Leben erweckt worden.
Ein Blick, ein kurzer Moment und sie fühlten sich um Jahre zurückversetzt in die Zeit, wo jeder Morgen mit einem Gedanken an ihn begann und die Nacht mit einem Gedanken an sie hereinbrach. Wo es kein ´möglicherweise´ sondern nur ´definitiv´ gab und solche Szenen an der Tagesordnung standen, wie ein geheimes Ritual mit ungeahnten Kräften.

Von diesem Zimmer, mit diesem Flügel hatte Leylan nichts gewusst, Kai offensichtlich um so mehr. Es war unschwer zu erkennen, dass dies sein kleines, persönliches Reich darstellte, fernab von Lärm und Hektik. Und mit einem Mal fühlte die junge Frau sich wie ein penetranter Eindringling, der mir nichts dir nichts in das ´Wohnzimmer´ eines Fremden gepoltert kam. Kai beobachtete sie und machte sich nicht einmal die Mühe dies zu verstecken, seine Position war zweifellos die sichere, die des Einheimischen, wohingegen Leylan aussah, als bereue sie es auch nur einen Fuß in diesen Raum gesetzt zu haben.
Innerhalb von Sekunden hatte er eine Entscheidung gefällt, stand auf und ging auf die Tür zu. Neben Leylan hielt er jedoch inne und sagte, den Blick geradeaus gerichtet,: „Sie ist schöner geworden, noch schöner als damals. Der Flügel steht dir zur Verfügung.“
Nur einen Wimpernschlag lang sah er Leylan an, lang genug um die grenzenlose Verwunderung auf ihren ernsten Zügen zu bemerken, straffte die Schultern und trat vollends auf die Tür zu.

Den Blick zu Boden gerichtet, wartete sie auf das vertraute klicken des Schlosses. Erst da fühlte sie sich sicher, sicher genug um ihrem Verlangen freien Lauf zu lassen. Sie wusste nicht warum und weshalb er es ihr erlaubte, wo er doch augenscheinlich erneut Unwille ihr gegenüber hegte, war es ihr momentan redlich egal. Andächtig durchquerte sie den kleinen Raum in Richtung Flügel, fuhr mit den Fingern über das tiefschwarze Holz, die strahlenden Tasten, glitt geschmeidig auf die hölzerne Sitzbank und atmete tief ein.
>Lange ist es her, dass ich das letzte Mal vor einem solch schönen Instrument saß, lange ist es her, dass ich mich auf die Reise in unbekannte Sphären begeben konnte, getragen von den Schwingen der Melodie, berauscht von der Schönheit der Worte...<, dachte sie und die Erkenntnis dies nun ändern zu können, liebkoste ihre Seele und ließ ihr Herz weit werden.

Noch ganz berauscht von dem, wenn auch zaghaften, Duett mit Kai, welches sie so schmerzhaft an vergangene Tage erinnerte, spreizte sie die Finger und ließ sie vorsichtig auf Tuchfühlung mit dem Klavier gehen. Sie war kein Meister, konnte dem Instrument keine solch vollendeten Töne entlocken wie Kai es vermochte, jedoch beherrschte sie ein spezielles Lied ganz besonders gut.
Es war der Soundtrack zu ihren Tagen in Einsamkeit, verbracht in den Straßen der Städte dieser Welt, voller Wehmut, voller Hoffnung, erfüllt von einem starken Selbsterhaltungstrieb. Zaghaft ließ sie die ersten Töne anklingen, fühlte wie ihr Innerstes bei dem Klang von Vertrautem jubilierte und lächelte, bereitet ihre Stimme für eine weitere Vereinigung vor. Die anfängliche Zaghaftigkeit verblasste, Leylans Finger entlocktem dem Klavier die passenden, kraftvollen Töne und sie spielte, wie es ihr schon lange nicht mehr vergönnt gewesen war. Laute formten sich zu Wörtern, sie ließ ihrer Stimme freien Lauf.
/Song: http://youtube.com/watch?v=D2AAO7x9dB0 /

“There's a harvest each saturday night
At the bars filled with perfume and hitching a ride
A place you can stand for one night and get gone
It's clear this conversation ain't' doing a thing
Cause these boys only listen to me when i sing
And i don't feel like singing tonight
All the same songs

Here in these deep city lights
Girl could get lost tonight
I'm finding every reason to be gone
Nothing here to hold on to
Could i hold you?

The situation's always the same
You got your wolves in their clothes whispering Hollywood's name
Stealing gold from the silver they see
But it's not me”

Jedes Stückchen ihres Seins war erfüllt von diesem Lied, war durchtränkt von der puren Glückseligkeit die Leylan verspürte, aber auch die starke Last der Melancholie der Erinnerungen aus vergangenen Tagen. Mit geschlossenen Augen und befreiter Brust sang sie aus tiefster Seele, wobei es ihr gleich war ob jemand sie hören konnte oder nicht.

“ Here in these deep city lights
Girl could get lost tonight
I'm finding every reason to be gone
There's nothing here to hold on to
Could i hold you?

Calling out somebody save me i feel like i'm fading away
Am i gone?
Calling out somebody save me i feel like i'm fading

In these deep city lights Girl could get lost tonight
I'm finding every reason to be gone
There's nothing here to hold on to
Could i hold on to you?”

Kai lehnte sich an die kühle Mauer, das Ohr sachte dem offenen Fenster zugeneigt, die Augen geschlossen, den Atem zittrig