Fanfic: The Path

mit dem Ganzen nichts zu tun. Leylans Puls beruhigte sich allmählich und sie wartete geduldig auf Kais Erklärung, selbst wenn sie Dranzers Attacke gerne mit einer selbigen von Clover beantwortet hätte.

Schließlich durchbrach Kai die anhaltende Stille, immer noch an den Boden gewandt sagte er: „Du lügst.“
Es waren simple Worte, verfehlten jedoch in keinster Weise ihre Wirkung. Leylans Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und sie wollte schon eine lapidare Bemerkung loslassen, da hob er den Kopf und sah ihr fest in die Augen: „Sowie du bei diesem lächerlichen ´Frage- Antwort´- Spiel gelogen hast. Ich muss zugeben, du hast es wirklich äußerst überzeugend gespielt, wie es sich für einen Profi gehört, nicht? Ich dachte mir schon, dass du dich nicht aus der Reserve locken lassen würdest- wenn, dann spielst du nach deinen eigenen Regeln. Aber mich Leylan, mich täuschst du nicht.“
Seine Worte trafen sie erneut, bohrten sich erbarmungslos in ihr Innerstes, ohne Wiederstand, ohne jegliche Abwehr. Die Zeit schien wie stehen geblieben, das Getöse der restlichen Bladebreakers erstarb mit einem Mal und an dessen Stelle trat eine ohrenbetäubende Stille. Erstarrt, nicht fähig auch nur einen Muskel zu bewegen, starrte Leylan in Kais karmesinrote Augen in denen so viel verborgen lag, dass sie nicht wusste wie er all dies allzeit unter Verschluss halten konnte.

Kräftig fuhr der kühle Wind über ihren Körper, zog spielerisch an ihren langen schwarzen Haaren und ließ Kais Weste um seine Hüfte schlagen.
Noch immer war sie nicht in der Lage sich zu bewegen, geschweige denn zu antworten, doch als er sich einen Schritt auf sie zu bewegte, sie sich der Bewegung wie in Trance bewusste wurde, erwachte sie aus ihrer Starre. Mit einem Mal stieg Wut in ihr hoch, mischte sich mit ihrem ohnehin schon erhitzten Gemüt und fokussierte sich nun vollends auf Kai.

Adrenalin schoss durch ihre Adern und verschaffte ihr einen wahren ´Energieschub´, sodass sie ihrerseits einen entschlossen Schritt auf Kai zu ging und sie sich mit einem Mal ungewollt nahe waren.
Er runzelte leicht die Stirn, doch Leylan fauchte nur: „Ich habe nicht gelogen und selbst wenn, geht es dich nichts an, kapiert?! Was denkst du eigentlich wer du bist? Derjenige mit der unbefleckten Weste? Die treue Seele inmitten von verdorbenen Gaunern?“
Pure Wut flackerte in ihren Augen, ließ diese schwarzen Augen bedrohlich auflodern. Mit keiner Reaktion verriet Kai was in ihm vorging, er verzog seine Lippen lediglich zu einem ironischen Grinsen und zischte: „Wenn du nicht gelogen hast, warum sprichst du dann so leise? Du willst es also nicht zugeben... so so, dann werde ich es dir eben ein wenig ´verdeutlichen´: Du warst weder bei deiner Großmutter in Sendai, noch hast du deine Zeit mit harmloser Hausarbeit verschwendet. Da dies gelogen war, gehe ich davon aus, dass es sich mit dem Rest genauso verhält... somit hast du also jemanden kennen gelernt, nicht wahr?
Und wenn doch nicht, dann hast du diese 2 ½ Jahre zumindest nicht wohlbehütet in irgendeinem Dorf verbracht. ´City´, das hast du doch letztens gesungen, nicht wahr? Da wurde mir klar, WO du deine Zeit verbracht hast.“

Zufrieden sah er in ihr erzürntes Gesicht, sie hatte den Blick abgewandt und fixierte einen Punkt vor seinen Füßen. Er hatte Recht und eben diese Tatsache machte sie noch wütender, immer noch schaffte er es sie zu durchschauen.
Die Hände zu Fäusten geballt, rief sie sich mahnend zur Ruhe; sie würde ihrer Wut nicht die Möglichkeit geben zu entweichen.
„Glückwunsch Sherlock, noch immer bist du der Einzige der sich wahrlich nicht täuschen lässt. Doch was interessiert es dich eigentlich? Wo ich die Zeit verbracht habe, sollte doch gerade DICH herzlichst wenig kümmern.“
Nun war es an ihr ironisch zu lächeln, dennoch ließ sie ihn nicht aus den Augen, wartete angespannt auf eine Reaktion. Ein stieß ein bitteres Lachen aus und fuhr sich durchs Gesicht. Nur langsam senkte er die Hand, nur langsam fügten sich seine Gedanken zu vollständigen Sätzen zusammen, die Stimme beinahe schleppend als er sagte: „Und so wird es ewig bleiben, ich werde auf ewig der Einzigste sein der dich zu durchschauen vermag, Leylan. Ich denke du bist es mir schuldig, die Wahrheit zu sagen.“

Auffordern sah er sie an. Leylans Zorn flackerte kalt und erbarmungslos, die Hitze war ihr schon lange abhanden gekommen.
„Das wir solch tiefsinnige Gespräche immer an den unpassendsten Orten führen müssen.“, sagte sie höhnisch. „Du glaubst ich wäre dir etwas schuldig? Oh, ich kann mir schon denken warum, doch sei dir eines gewiss: Falls du über die Schuldfrage diskutieren möchtest, sollten wir zu aller erst bei dir anfangen. Und glaub ja nicht ich hätte die anderen absichtlich belogen... es musste sein- alles andere hätten sie nicht verstanden. Doch du Kai, du kennst dich mit Lüge und Betrug fabelhaft aus, vielleicht ist das der Grund weshalb ich dir bereitwillig die Wahrheit verrate. Es stimmt, ich war nicht bei meiner Großmutter in Sendai, ich war... ja, wo war ich eigentlich?“
Sie trat einen Schritt auf ihn zu, sodass er ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte.
„Ich war in Moskau, Kai. Willst du noch mehr hören?“

Die Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen beobachtete sie die Wandlung in Kais Miene, von gleichgültig zu fassungslos. Dies hielt lediglich einige Sekunden lang an, dann wurde sie erneut zu der vertraut unbeeindruckten Maske, welche er so penibel versuchte aufrechtzuerhalten.
„Das erklärt einiges... tja, war wohl nicht allzu angenehm dein kleiner ´Urlaubstrip´, wie?“, bemerkte er süffisant, die Brauen leicht gerunzelt.
Noch immer standen sie direkt voreinander, nur wenige Zentimeter lagen zwischen ihnen. Sie lächelte sarkastisch, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, und wisperte: „Nein, nicht wirklich... so jetzt kennst du sie, die ´Wahrheit´, ist damit meine ´Schuld´ getilgt?“
Obwohl ihre Stimme nur so vor Ironie triefte, war Kais Blick ernst und wurde noch ernster als er antwortete: „Wir sind niemals quitt, falls du das meinst. Irgendwann wird es aus dir herausbrechen und erst DANN, werde ich die wirkliche Wahrheit erfahren. Wir sind nun einmal so, Leylan, Menschen wie wir hüten die Wahrheit wie einen Schatz den sie nicht bereit sind zu opfern.“
Er beugte sich leicht vor um die Wirkung seiner Worte noch zu steigern, ihr Ausdruck blieb nichtsdestotrotz unbewegt, lediglich ihre Augen flackerten unruhig.

„Wenn es so ist wie du sagst, dann müsstest du mittlerweile einen unvorstellbaren Reichtum besitzen...ganz schön geizig, findest du nicht? Glaub ja nicht, ich wäre wie du, Kai. Denk nicht einmal dran!
Ich habe es oft gedacht, beinahe schon geglaubt. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen uns: Ich bin noch lange nicht so unnachgiebig und verbittert wie du es bist- ich werde es niemals werden. Außerdem liegt mir die Art von ´Spiel´ die du so meisterlich beherrschst nicht, ich bin nicht so unberechenbar wie du. Ich zwinge niemandem meine ´Spielregeln´ auf.“
Von ihrem Blick ging eine solche Intensität aus, dass Kai meinte zu verbrennen. Er wusste worauf sie anspielte, wusste das jedes Wort ihrem vollsten Ernst entsprach. Dieser Umstand traf ihn wie er es nicht erwartet hätte, obgleich er sich von ihr ungerecht behandelt fühlte, da er sein Verhalten lediglich auf das ihre eingestimmt hatte.
Doch dass ihn ihre freundschaftliche Absicht derartig verletzte, konnte er unmöglich zugeben.

„Das Leben ist ein Zusammenspiel aus Reaktion und Folgereaktion. Demnach sollte man den Ursprung gewissen Verhaltens immer zuerst bei sich selbst suchen... und ja, ich bin ein reicher Mann und habe nicht vor dies zu ändern. Denn die Wahrheit sowie die Erinnerungen, sind das Einzigste was mir ganz allein gehört. Und lass dir eines gesagt sein: Dein ´Spiel´ ist meinem gar nicht so unähnlich. Schon allein die Tatsache, dass wir beide ein Spiel spielen von dem keiner weiß, stellt wohl unsere größte Gemeinsamkeit dar. Sieh es endlich ein, Leylan.“
Seine Worte hallten in ihrem Kopf wie ein jahrtausend altes Echo, der abgeklärte Klang seiner Stimme erschien ihr angesichts solch essentieller Worte beinahe schon anrüchig.

Doch in Leylans jahrelangem Schmerz lag die Antwort: „Du vergisst, dass das Leben mehr ist als bloß eine logische Folge an Reaktionen, du vergisst, dass es Gefühle gibt. SIE bestimmen den Lauf unseres Lebens, die Quelle allen Ursprungs. Belächle es nur, verleugnen wirst du es dennoch nie können. Es ist menschlich, Kai, wie auch immer du darüber denken magst. Vielleicht habe ich seit meiner Ankunft den falschen Weg eingeschlagen, allerdings gibt dir dies nicht das Recht ihn noch zusätzlich zu erschweren.
Und zu ´meinem´ Spiel... nun, es wird von lediglich einer Regel bestimmt: Entweder du bist mein Freund... oder mein Feind. Doch um deines zu verstehen, bedarf es eines ganzen Lebens.“
Ihr Blick galt ihm, ihre Worte galten ihm und mit einem Mal spürte sie was es heißt, Sehnsucht zu empfinden. Sie drehte sich um und wandte sich zum Gehen, er hielt sie nicht zurück.
Da entfuhr ihr ein überraschtes Keuchen: Erneut zog Dranzer eine tiefe Spur in den Sand, ließ ihn wie eine Fontäne in die Höhe fahren, nur knapp Leylans Schuhspitze verfehlend.
Mit klopfendem Herzen drehte sie sich um. Kai hatte sich nicht bewegt, die Hände in den Hosentaschen vergraben hob er den Kopf, den Blick auf den Himmel gerichtet und sagte: „Du hast es dir schon immer gerne einfach gemacht und hast schon immer Entscheidungen allein getroffen... da drängt sich mir die Frage auf: Woher nimmst du dir dieses Recht?
Vielleicht haben wir beide ein Problem mit diesem ´für sich beanspruchenden Recht´ und wissen beide nicht, wo die Grenze liegt.“ Karmesinrot traf auf Nachtschwarz. „Vielleicht ist es einfach zu spät für