Fanfic: The Path

Verhalten nicht einverstanden, war dennoch nicht scharf auf eine handfeste Auseinandersetzung, weshalb er ihn in ein wahres ´Denkloch´ stürzte um ihn dann mit seinen Gedanken allein zu lassen.
Wiederwillig musste Kai zugeben, dass er damit direkt ins Schwarze traf- er begann seinen Entschluss anzuzweifeln.
„Hey Yuriy- fahr du schon mal vor, ich hab noch was zu erledigen... Bis später.“

Er drehte sich um und schritt die Straße entlang durch die frische Morgenluft.
>Bingo!<, dachte Tala und ein weises Lächeln umspielte seine Lippen. Auch wenn er Kai mit seinem eher reservierten Verhalten in nichts nachstand- sie beide ließen diese langjährige Maske untereinander fallen, die Grenze zwischen ihnen und sozialen Kontakten jeglicher Art verschwand unmerklich.
Während Tala in seinen Wagen stieg, kam ihm ein äußerst suspekter Gedanke: Kai inmitten einer meterdicken Eiswand die kurioserweise unsichtbar war, weshalb er sich halb krank lachte während andere ahnungslos dagegen liefen. Sich selbst sah er umgeben von züngelnden Schlangen, die, ebenfalls kurioserweise, um ihn herum in der Luft schlängelten, und gehässig zischelten sobald er sich köstlich über das Leid und die Verwirrung anderer amüsierte.
>Oh ja, wir sind böse Jungs...<
~

>Es gibt Dinge, die habe selbst ich nicht verdient. War ich denn so ein schlechter Mensch, dass mir solch eine Strafe auferlegt wird? Boden tu dich auf oder noch besser, Blitz schlag bitte ein... nicht, na gut, dann eben anders: Seele mach dich vom Acker und lass mich in Ruhe sterben...<

-Nichts passierte-

>Nicht einmal DAS ist mir vergönnt... oh, welch schnöde Welt.<
Leylan lag ausgestreckt auf dem Sofa und suhlte sich förmlich in Selbstmitleid, die Augen starr zur Decke gerichtet, rief sie lautlos nach einer Erlösung von ihrem Leid.
Der Grund dafür saß direkt neben ihr: Tyson war wieder einmal zur Hochform aufgelaufen und spielte begeistert eine neue Runde seines neusten Zeitvertreibes, was Hilary an den Rand der Verzweiflung trieb. Seit knapp einer Stunde ging Tyson mit ihr auf Tuchfühlung, weidete sich an ihrem gequälten Gesichtsausdrucks und, angestachelt von dem unterschwelligen Verlangen in ihren Augen, stieß sie dann lachend zurück. Seit knapp einer Stunde wurde so Leylans Geduld einer harten Probe unterzogen und ihr, ohnehin schon ausgereiztes Fassungsvermögen, in ernsthafte Bedrängnis gebracht.
>Ich war zuerst hier, verdammt! Hat man in diesem dämlichen Haus eigentlich nirgendwo seine Ruhe?!<, dachte sie wütend und ermahnte sich erneut zur Ruhe. Doch in diesem Moment kamen Tysons Lippen Hilarys gefährlich nahe und sie quiekte überrascht auf, wich reflexartig zurück und versetzte Leylan somit einen herben Schlag.
Sie wandte sich noch nicht einmal nach der schwarzhaarigen Bladerin um, sondern war vollkommen auf Tysons Lippen konzentriert.
Leylan hing halb vom Sofa und klammerte sich erschrocken an die Rückenlehne. An sich war nichts schlimmes passiert, doch Leylans Geduld war nun vollständig ausgereizt und sie sprang wütend auf.

„Sach ma, seid ihr so bescheuert oder tut ich nur so?! Ihr solltet euch mal sehen- wie zwei verblödete Volltrottel! Verdammt, Tyson du Oberhonk, entscheid dich endlich, entweder du willst was von ihr oder lass es verdammt noch mal bleiben. Und du Hilary; bist du dir eigentlich nicht zu schade für so´n Mist?! Das ist ja einfach nur jämmerlich! Hau ihm eine runter oder kommt endlich zusammen- so einen hirnverbrannten Blödsinn kann man sich ja keine zwei Sekunden länger ansehen! Klapsmühle und abführ´n!“

Vor Wut schnaubend machte sie auf dem Absatz kehrt und stampfte aus dem Wohnzimmer in Richtung Veranda- Tyson und Hilary sahen ihr mit großen Augen nach. Tyson atmete, sich vom ersten Schock erholend, erleichtert aus und murmelte: „Glück gehabt- sie hat uns keine runter gehauen. Ummh, ich glaub sie war sooo nah dran.“
Mit Zeigefinger und Daumen verdeutlichte er ihr welch ein Glück sie hatten. Hilarys Blick verweilte nur für drei Sekunden auf dem blauhaarigen Blader, dann stand sie plötzlich auf und verließ den Raum. Verdutzt sah er ihr nach und rief: „He, wo willst du hin?“
„Schnauze!“, kam es nur vom Flur her und, oh Wunder, Tyson klappte den aufgerissenen Mund tatsächlich wieder zu.

Hilary steuerte entschlossen die Veranda an und wie erwartet, lag in einem der Liegestühle Leylan, mit geschlossenen Augen und halbwegs entspanntem Gesichtsausdruck.
Die Managerin der Bladebreakers baute sich demonstrativ zu ihren Füßen auf und nahm ihr so die Sonne. Leylan bemerkte das Ausbleiben der wärmenden Strahlen und öffnete verwundert die Augen. Ihr Blick traf auf Hilary, die sie, mit in die Hüften gestemmten Händen, wütend anfunkelte.

Lustlos bemerkte Leylan: „Was soll das? Kann man denn nirgends seine Ruhe haben?“
Hilary war es anzusehen, dass sie noch ein wenig zauderte und sich nicht sicher war, ob sie denn das Richtige tat- doch letztendlich siegte ihr Ärger und sie antwortetet aufgebracht: „Oh ja, die große Leylan Lao will ihre Ruhe haben! Du solltest eine allgemeine Durchsage machen und Flyer verteilen- SO kann das ja echt nicht weitergehen!
Wahrscheinlich steh ich jetzt auf der ´Black- List´, schließlich habe ich deine ´Ruhe´ gestört!“
Verblüfft setzte Leylan sich auf und musterte die wütende Furie, die ihr so unverschämt das Sonnenlicht nahm, mit genervter Miene. Ihr war es anzusehen, dass sie sich weit weg auf eine entfernte Insel wünschte.
Mit schneidender Stimme antwortete sie: „Reagierst du immer so, wenn jemand dir die Wahrheit sagt? Du weißt ich habe Recht- nimm´s hin oder lass es bleiben, aber lass mich endlich in Ruhe. Dieses Haus ist definitiv eine ´Lärmhölle´.“

Seufzend fuhr sie sich mit den Fingern durchs Haar und blinzelte gelangweilt zu Hilary hoch. Auf dem Gesicht der braunhaarigen Frau erschien ein durchtriebener Ausdruck; die Augen zu schmalen Schlitzen verengt zischte sie: „Dann geh doch! Du willst Ruhe- in Moskaus Gassen wirst du sie sicher finden...auf der Straße, da kennst du dich schließlich aus. Du hast doch eh nur Ärger gemacht, seit du hier bist.“
Sie wusste es. Noch bevor die Worte ihre Lippen verließen war ihr klar, dass dies ein großer Fehler war.
Ungläubig.
Fassungslos.
Ärgerlich.
Wütend.
Zornig.
Der Zorn überwog schließlich und ließ Leylan in die Höhe fahren- sie stand nur wenige Meter von Hilary entfernt mit gefährlich flackernden Augen. War sie die meiste Zeit über eher beherrscht und ließ sich nur schwer aus der Ruhe bringen, verwarf sie dieses Mal all ihre, momentan nicht vorhandene, Geduld und fixierte Hilary voller Zorn. Alles an ihr drückte uneingeschränkte Wut und Aggression aus.
Doch Hilary war aus unerfindlichen Gründen auf direktem Konfrontationskurs und wich keinen Meter vor der gefährlichen jungen Frau zurück.
„Das war höchst unklug von dir, Hilary.“, zischte Leylan und trat einen Schritt auf sie zu.

Obwohl langsam die Angst ihre Knochen empor kroch, erwiderte Hilary den Blick der nachtschwarzen Augen ungerührt- was sie anfing zog sie auch durch.

„Was willst du jetzt tun- mich schlagen?“
„Ganz genau, Hil. Ich kann dir sehr weh tun und glaube mir, ich werde nicht davor zurück schrecken. Manche Dinge bleiben lieber unerwähnt.“
Wagemutig stieß Hilary ein höhnisches Lachen aus und konterte: „Warum? Schämst du dich etwa? Tja, auch die beeindruckende Leylan Lao hat ihre Schwächen. Und dennoch bist du wie ein wildes Tier.... Eve hatte Recht.“
Ein Blick aus listigen Augen streifte Leylan und dennoch war Hilary sich nicht bewusst, welch eine Wirkung ihre Worte erzielten. Mit einem Mal war die Wut verflogen, an ihrer pochte nun dumpfe Fassungslosigkeit wie eine entzündete Wunde in Leylan und mit aufgerissenen Augen dachte sie:>Die schon wieder... hätt ich mir ja denken können. Und Hil hört auch noch auf sie, sowas lächerliches!<

Hilary beobachtete misstrauisch die Stimmungswandlung in Leylans Gesicht und wollte schon zu einer erneuten Stichelei ansetzten, als sich Leylans Hände plötzlich um ihre Schultern schlossen und sie leicht schüttelten.
„Was hat sie dir für einen Mist erzählt, he? Was hat sie dir ins Ohr geflüstert, dass du dich gegen mich stellst?“
Völlig perplex starrte Hilary sie an, sichtlich verwundert über diese plötzliche Wendung.
Es in Erwägung ziehen dies könnte ein Scherz sein, schwieg sie und wartete auf das erlösende ´Tja, rein gefallen!´
Doch nichts dergleichen passierte, Leylan schwieg ihrerseits und wartete auf die, in ihren Augen wohl erlösendere, Antwort.
>Sie meint es also ernst... ruhig bleiben, Hil, jetzt bloß nicht verplappern.<
>Warum atmet die denn so komisch? OMG- halte ich sie etwa zu fest- vielleicht kriegt sie keine Luft!<, tauchte es plötzlich in Leylans Gedanken auf und sie lockerte augenblicklich ihren Schraubstockgriff um Hilarys Schultern, was von dieser postwendend als ein Zeichen von aufkommender Schwäche interpretiert wurde.

Schnippisch sagte sie: „Warum sollte ich das gerade DIR verraten? Tu ja nicht so, als sei Eve die Schuldige! Du bist es nämlich die nur Ärger macht und uns ausnutzt... und belügt.“
Ihre letzten Worte ließen Leylans Augen aufblitzen worauf Hilary die Lippen zu einem süffisanten Lächeln verzog.
>Ja! Volltreffer, Hil!<
Die Schwarzhaarige zog scharf die Luft ein und fragte dann, mit vor Wut zitternder Stimme: „Hil, keine Spielchen- was hat sie dir gesagt?“
Es war nicht die Frage an sich, die Hilary zur einer Antwort trieb, es war der Ausdruck in Leylans Augen- wütend, lodernd, massiv.

Immer schon galten Augen als besonders intensives Stimmungsfenster; in ihnen mögen sich die verschiedensten Emotionen widerspiegeln- davon hatte Hilary schon viel gehört, es aber nie ganz