Fanfic: The Path
glauben wollen. Auch als Eve sie auf Leylans Schwächen, ihr impulsives Wesen und ihre Dünnhäutigkeit in Punkto Lebensweise, hinwies und ihr klar machte, wie erschreckend und gleichermaßen faszinierend die Augen der erfolgreichen Bladerin waren, hatte sie nur genickt, ihren Worten aber keinerlei weitere Beachtung geschenkt.
Doch Eve sollte Recht behalten.
Nur selten hatte sie ein solches Unwohlsein in sich gespürt wie in diesem Moment, wo sie doch wusste wie nachtragend Leylan seien konnte, war sie doch an nichts gebunden und niemandem Rechenschaft schuldig.
Hilary musste sich entscheiden, zwischen der Furcht vor Leylan und dem Respekt für Eve.
„Sie sagt, dass du uns nur ausnutzen würdest und nichts als Ärger ins Haus bringst. Außerdem ist Eve überzeugt, dass du gelogen hast... damals beim ´Frage- Antwort´- Spiel.
Die... Komplikationen in deiner Vergangenheit... sie werden auch uns belasten und dem Team schaden...“
Sie stockte.
Das wütende Funkeln war verschwunden, die angsteinflößende Skrupellosigkeit dahin; stattdessen blickte sie nun ein einfaches, dunkles Augenpaar an, erfüllt von einer seltsam abgeklärten Ruhe. Leylan belächelte sich selbst und fragte sich ernsthaft, wie sie so dumm hatte sein können.
>Diesen Mist hat sie sich nicht selbst ausgedacht, ts... sie hat ihr einfach nachgeplappert. Oh mann, Leylan, absoluter Reinfall.<
Sie tadelte sich selbst für ihre Naivität zu glauben, Hilary würde hier ihre persönliche Meinung vertreten und dann, ob sie so was überhaupt besaß. Eilig scheuchte sie das wütende Raubtier zurück in den Hintergrund, Zeit für ihre beherrschte, pragmatische Seite.
„Und? Ist es so? Bin ich wirklich so ´böse´ wie Eve sagt?“
Sie fand es nicht minder angenehm diesen abgeklärten Blick auf sich zu spüren, sie fühlte sich seltsam durchleuchtet. Den Blick abgewandt und mit gedämpfter Stimme antwortete Hilary: „Ich... ich weiß nicht. Doch seit du da bist, gibt es nur Ärger mit Kai und die Presse rennt mir regelmäßig die Bude ein. Und... ja, was wenn du uns wirklich belogen hast?“
Die junge Frau musste sich mit aller Macht ein Grinsen verkneifen, angesichts dem wiederkehrenden angriffslustigen Funkeln in Hilarys braunen Augen.
„Das du ein wenig ´sprunghaft´ bist weiß ich, doch mal ehrlich, für SO manipulierbar hätte ich dich nicht gehalten.“ Sie klopfte Hilary kumpelhaft die Schulter und fügte hinzu: „Ich will dir nicht drohen, Hil, denn es geht auch anders. Wir kennen uns schon lange, du solltest mehr Vertrauen haben... doch vergiss eines nicht: Lege dich niemals mit jemandem an, der dir haushoch überlegen ist. Denn im Gegensatz zu mir, würdest du es auf der Stelle bereuen.
Wir sind noch jung, Hilary, und doch leben wir ein Leben jenseits des Sinnvollen. Wenn wir also schon das Leben eines Erwachsenen führen wollen, sollten wir uns auch so benehmen.“
Hilarys Schultern loslassend, drehte sie sich um und steuerte auf die Verandatür zu, wohl wissend, dass Hilary sich das letzte Wort nicht nehmen lassen würde.
„Ja komisch, im Gegensatz zu ´normalen´ Leuten in unsrem Alter, sind wir wohl zu schnell erwachsen geworden... vielleicht hast du Recht, Leylan, und ich bin die ´Böse´. Schließlich habe ICH dich hintergangen... doch ich traue dir nicht ganz- beweise mir, dass du es wert bist!“
Listig grinsend wandte sich die hochgewachsene junge Frau um und sagte beinahe flüsternd: „Du wirst schon noch verstehen was ´Irrtum´ bedeutet. Spätestens dann, wenn ich Eve in hohem Bogen ins Nirgendwo gekickt habe. Viva la vida, Hilary- die heutige Zeit bringt viel zu viele Vorschriften und Einschränkungen mit sich, doch bist du stark, kann keine noch so ausgefeite Regel dich in die Schranken verweisen.“
Ein kehliges Lachen entfuhr ihr und sie ließ eine in, höchst unangenehme, Gedanken versunkene Hilary zurück.
~
Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, die Beine leicht angewinkelt und die Augen geschlossen- so lag Kai Hiwatari schon seit Stunden im hohen Gras und dachte nach.
Genau genommen dachte er nicht viel, die Vielschichtigkeit seiner Gedanken hielt sich eher in Grenzen. Doch was gab es denn schon, dass einer bloßen Erwähnung in Kais Gedankenwelt wert wäre?
Dafür, dass der junge Mann einen beeindruckenden Intellekt besaß und mit beachtlichem Scharfsinn gesegnet war, fiel seine Denkaktivität, aufgrund des oftmals mangelnden Interesses an seiner Umwelt, die meiste Zeit über recht bescheiden aus. Seit jedoch Leylan Lao es gewagt hatte geradezu in seinen gewohnt geregelten Alltag reinzuplatzen, sah er sich gezwungen mehr als nur einen Gedanken zu investieren.
Talas Worte hatten ihn wider Willen nachdenklich gestimmt und der kleinen, bis dato leisen, inneren Stimme des Zweifels neuen Aufschwung beschert. Diese lieferte sich nun ein erbittertes Gefecht mit dem Part, der sich ein feuchten Kehricht um Leylan scherte.
Kai fühlte sich beinahe wie ein Außenstehender der eine handfeste Auseinandersetzung beobachtete, ohne Einfluss darauf zu nehmen oder sich selbst eine Meinung zu bilden.
Ungläubig schüttelte der schweigsame Mann den Kopf- solch ausgefuchste Hirngespinste waren wohl das Letzte auf das er vertrauen sollte. Ihm war klar, dass er hier und jetzt eine Entscheidung zu fällen hätte, die den weiteren Verlauf der Dinge prägnant beeinflussen würde... dieser zwingende Umstand missfiel ihm, sehr sogar.
Und die unsichtbaren Fesseln spürend, wehrte er sich vehement dagegen- wie sooft.
Denn sobald der eiskalte junge Mann Zwänge und Notwendigkeiten um sich herum spürte, reagierte er beinahe instinktiv ohne groß darüber nachdenken zu müssen.
Er sträubte sich, stemmte bildlich gesehen die Füße in den Boden und ließ sich keinen Zentimeter mehr bewegen.
Angesichts dieser erneuten Erkenntnis seines überaus unreifen Verhaltens musste Kai lachen, er lachte hemmungslos- um ihn herum herrschte schließlich völlige Einsamkeit, keine Menschenseele war zu sehen. Für Kai optimale Bedingungen.
Die Augen langsam öffnend sah er zum strahlend blauen Himmel hinauf, flauschige Wolkenboote zogen gemächlich durch das Meer der Ewigkeit, seltsame Gebilde formend.
Er runzelte Stirn und langsam dämmerte es ihm, doch zu spät.
Die Erinnerung verschlang ihn gnadenlos.
/Flashback/
[i]„Da! Siehst du es?! Schau genau hin, das ist ohne Frage ein Drache!“
„Ein Drache?“ Raues Lachen. „Du hast Ideen...“
Sie lagen im Graß und starrten hinauf in den strahlend blauen Himmel. Er konnte ihre Hand ganz nah neben der seinen spüren, die Wärme die von ihr ausging, und dennoch traute er sich nicht sie zu ergreifen. Aus dem Augenwinkel warf er ihr einen Blick zu, musste verhalten lächeln über die Begeisterung mit der sie die Bildergeschichte der Wolken zu ergründen versuchte. Gerade wollte sie ihn auf eine abenteuerlich verschlungene Wolke aufmerksam machen, die, ihrer Meinung nach, wie ein fliegender Drache aussah, mit ausgebreiteten Schwingen und schlagendem Schwanz.
In kindlicher Euphorie hob sie die Hand und zeigte bestimmt in Richtung dieser Wolke, zog ihn spielerisch am Ärmel, auf dass er doch endlich begreife. Er war nicht dumm und erst recht nicht fantasielos- den Drachen hatte er schon längst erkannt wobei er, seiner Meinung nach, eher einem Lindwurm ähnelte. Er gab jedoch weiterhin vor nicht zu verstehen, nur um sie zu einer neuen Erklärung anzuregen- dem kam sie prompt nach.
Zog schwärmerisch die Linien der sonnenerleuchteten Wolke nach, lenkte seinen Blick auf den geschwungenen Kopf des Bildnisses und erzählte.
Sie erzählte von all dem Leid das der Drache schon hatte erleben müssen und nur aus diesem Grund das Maul so weit aufriss, bereit einem jeden vernichtenden Feueratmen entgegenzuwerfen. Tatsächlich wirkten die blutroten Sonnenstrahlen, welche den Kopf des Drachen trafen, wie Feuer und ließen ihn mächtig erscheinen. Er hatte vergessen, dass sie ihm von einem ´Wolkenbildnis´ erzählte, hatte vergessen das dies alles nur Fantasie war, ihre Stimme war ganz rauchig und schmeichelte seinem Gehör- seufzend lauschte er versonnen ihren abenteuerlichen Worten.
Doch Wolken sind eben nur Wolken, sie gehen mit dem Wind und beugen sich seinem Willen. So verging auch der große Drache, von dem er in solch kurzer Zeit derartig viel erfahren hatte.
Neben ihm raschelte das Graß und sie setzte sich behutsam auf. Ihre langen schwarzen Haare wehten leicht im Abendwind, eine schwüle Brise legte sich über die Stadt, und sie stieß einen traurigen Seufzer aus.
„Was ist?“ Auch er hatte sich aufgerichtet und die Arme nun auf seine Knie gelegt.
Er wandte sich ihr zu, fuhr im Geiste die Konturen des Gesichtes, welches ihn so faszinierte da es nicht perfekt war, nach und blieb an ihren Augen hängen, Augen die allzeit wie ein großer, dunkler See wirkten, dessen Grund niemand jemals hatte ergründen können.
Doch genau dies war sein Ziel.
Er wollte hinab, hinab in die Tiefen dieser schwarzen Fluten, wollte eintauchen in all jenes was auf dem Grund verborgen lag. Er würde keine Angst haben, würde voller Mut nach alle dem suchen, was ihm helfen könnte sie besser zu verstehen, ihr nahe zu sein.
„Mh? Ach nichts, ich dachte grade nur, dass es uns ähnlich ergeht wie Boondax.“
„Du hast ihm einen Namen gegeben?“, fragte er amüsiert und weidete sich an ihrem leuchtenden Lächeln.
Sie kicherte verlegen und antwortetet: „Ja, er war mir schon richtig ans Herz gewachsen.“
„Was meinst du mit uns würde es ähnlich ergehen wie ihm?“
Er wusste was sie meinte, wollte es jedoch aus ihrem Munde hören.
Den Blick in die Ferne gerichtet, wo weit weg von ihnen weißer Rauch sich kringelnd gen Himmel erhob, dort wo Hektik und Lärm herrschten, sagte sie: „Wir entstehen mit einem Windzug und vergehen mit dem nächsten... das Schicksal, es bestimmt wie stark ´unser´ Wind ist, wie sehr wir auseinandergerissen