Fanfic: The Path

noch äußerst delikate Frage deutlich anzusehen, der Blick aus karmesinroten Augen schien den betreffenden Reporter förmlich aufspießen zu wollen. Doch Kai wäre nicht Kai, wenn er nicht auch diese Situation betont lässig meistern würde. Ein hochmütiger Ausdruck ließ seine edlen Züge erstrahlen und er gab kalt zurück: „Ich würde den Begriff ´Beziehung´ außen vor lassen, er verzerrt nur unnötig das Wesentliche. Leylan Lao und ich sind Teamkollegen, nichts weiter. Wir arbeiten zusammen und wohnen zwangsläufig in einem Haus. Ich verbitte mir tunlichst jegliche Art von intimeren Spekulationen.“

Zack- das hatte gesessen. Doch nicht nur der Reporter schien angesichts solch klarer Worte sprachlos, auch der Rest des Teams warf Kai den ein oder anderen überrascht nervösen Blick zu. Leylan hingegen... Leylan blickte nur starr auf die Tischplatte vor ihr, die Augen leer und ausdruckslos. Obgleich er nur wenige Zentimeter von ihr entfernt saß kam es ihr so vor, als trennten sie auf einmal Welten. Es hatte ihr einen Stich ins Herz versetzt, wie er so lapidar ihr Verhältnis zueinander herunter spielte, mehr noch- er erklärte es für nichtig, für nie da gewesen.

Und obwohl sie innerlich wusste, dass er all jenes was zwischen ihnen vorgefallen war und wohl auch immer noch bestand, nicht gänzlich abzustreiten in der Lage war, so tat es ihr weh, irgendetwas zog sich schmerzhaft zusammen kurz davor zu bersten.

Sie schalte sich einen Vollidioten, ging hart mit sich ins Gericht wie sie nur so sentimental und unangebracht betroffen sein konnte; doch so sehr sie sich selbst auch für ihre Reaktion verurteilte- ebenso wusste sie wie sehr es doch der Wahrheit entsprach.

>Mistige Wahrheit- scher dich zum Teufel!<, fluchte sie innerlich.

Dass die Fragerei schon längst fortgesetzt worden war, entging ihr scheinbar gänzlich.

„Miss Lao? Leylan Lao?”

Ihr Name ließ sie aufschrecken und ihr Blick wanderte irritiert ins Publikum, als eine junge, ehrgeizig dreinblickende Journalistin mit hoch erhobener Hand Leylans Blick auf sich lenkte. Perfekt drapierte mahagonifarbene Haare, ein maßgeschneidertes dunkelblaues Kostüm, zartrosa Lippen, blitzende Zähne und Augen so strahlend blau wie der schönste Mittag im Sommer- kurzum, ein Raubtier unter den Reportern.

Und da wusste sie: Dieses Mal würde es kein Entkommen geben.

Mit ihrem liebreizenden Lächeln auf den Lippen erinnerte sie Leylan kurioserweise an Eve, eine beinahe perfekt gespielte Liebenswürdigkeit unter der gnadenlose Zielstrebigkeit verborgen lag. Die junge Journalistin warf Leylan einen aufmerksamen Blick zu und genoss es sichtlich, alle Augen auf sich gerichtet zu sehen; legte eine unnötige Kunstpause ein und wiederholte ihre Frage, die Leylan wohl beim ersten Mal entgangen war.

„Was uns alle sicherlich brennend interessiert: Wo waren Sie, Miss Lao, nur die ganze Zeit über? Ich meine, immerhin waren Sie 3 ½ Jahre unauffindbar, geradezu verschwunden und ich denke ich spreche für alle wenn ich Ihnen sage, welch große Sorge uns plagte.“

Sie war nicht nur eine talentierte Rednerin sondern zu allem Übel auch noch eine begnadete Schauspielerin; Leylan entglitt das letzte bisschen Hoffnung das sie noch besaß.

„Nun?“

Himmelblaue Augen bohrten sich förmlich in ihr Innerstes, tasteten gierig nach des Rätsels Lösung. Einer der Reporter räusperte sich vernehmlich- die Stille begann unangenehm zu werden.

Leylans Ausdruck wechselte von Resignation zu Panik, kalter Schweiß legte sich auf sandfarbene Haut. Ihre Freunde warfen ihr verwirrte Blicke zu, einer nach dem anderen versuchte den ihren aufzufangen um sie zu einer Antwort aufzufordern- alle bis auf Kai.

Der eigensinnige Halbrusse wusste schließlich um Leylans Misere und konnte beinahe fühlen, wie verzweifelt sie war. Doch erst als Kai sie von der Seite her musterte wurde ihm das eigentliche Ausmaß ihrer Verzweiflung bewusst und er erinnerte sich daran, wie sehr Leylan es schon damals gehasste hatte wenn die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihr lag, und wie sehr sie es verabscheute in die Enge getrieben zu werden, in einer Sackgasse festzustecken und keinen Ausweg zu wissen.

In solchen Momenten war es mit ihrer Ruhe dahin, das Abgeklärte in ihrem Blick verschwand und sie sah so gar nicht mehr wie die sonst so überlegene und allzeit süffisant lächelnde junge Kämpferin aus. Unruhig irrte ihr Blick umher, ein seltenes Flackern in ihren Augen, die Hände lagen wie erstarrt in ihrem Schoß und ihre Lippen waren fest aufeinander gepresst- sie bot einen wirklich bemitleidenswerten Anblick.

Es brauchte nicht viel Grips um zu erkennen, dass auch die Wahrheit selbst Leylan solche Probleme bereitete, denn würde sie der Welt eine ehrliche Antwort geben, so läge ihre Erinnerung bloß, wäre für einen jeden zugänglich. Er war sich ziemlich sicher, dass ihre Zeit in Russland erlebnisträchtig und keinesfalls angenehm war, er konnte ihr die Furcht ansehen, konnte ihr von den Augen ablesen wie sehr sie sich vor der Wahrheit fürchtete und ihm wurde klar, dass Leylan lieber in Flammen aufgehe als ihr Geheimnis preiszugeben.

Und eben diese Einstellung war es, die sie in eine solch missliche Lage brachte.

Die hübsche Journalistin warf der Schwarzhaarigen einen kritischen Blick zu und sagte dann mit einem ironischen Unterton in der Stimme: „Na kommen Sie, so schlimm kann es doch nicht sein, dass sie es der Öffentlichkeit vorzuenthalten gedenken. Aber ich verstehe, Wichtiges will man in bedeutungsvolle Worte kleiden. Aber letztendlich sind Sie es Ihren Fans schuldig, meine Liebe.“

Der Knoten in Leylans Zunge blieb bestehen, selbst angesichts solch offensiver Worte fand sie nicht zu ihrer alten Scharfzüngigkeit zurück. In diesem Moment der Hilflosigkeit, in diesem Moment wo sie die so verhasste Schwäche verspürte, wandte sie sich an den einzigen Menschen in den sie grenzenloses Vertrauen setzte, was auch immer geschehen möge.

Ihre dunklen Augen, dem tiefsten aller Seen gleichend, begegneten seinem Blick, der Kopf leicht geneigt, gab es keinen Zweifel an der Eindeutigkeit ihrer Geste- sie wandte sich direkt an ihn. Es brauchte nur zwei Sekunden um ihn zum Handeln zu bewegen, nur zwei Sekunden um ihn all das wissen zu lassen, was sie blockierte. Einen scheinbar endlosen Moment verschmolz Karmesinrot mit Nachtschwarz, bis die Stille nicht mehr auszuhalten war und Kai sich entschlossen dem Publikum zuwandte.

Seit ungefähr fünf Minuten hing diese bedeutungsvolle Frage nun schon in der Luft, seit fünf Minuten lag über dem Raum eine eindringliche Stille und einem jeden wurde klar, dass Leylans Verschwinden einen tiefen, sehr tiefen und delikaten Grund hatte. Die lange Pause machte dies nur überdeutlich und ließ ebenso klar werden, dass egal was nun als Antwort folgen würde, es eine Lüge oder zumindest gemilderte Wahrheit wäre.

Denn wer nichts verbarg, der zögerte auch nicht.

Die anwesenden Journalisten fragten sich also, was denn so pikant und beunruhigend an Leylan Laos Grund für ihr Verschwinden sei, wohingegen Tyson und Co. sich Gedanken darüber machten, warum Leylan den Reportern nicht einfach von ihrem Aufenthalt bei ihrer Großmutter erzählte- es war ja schließlich nichts dabei.

Kai war dies ziemlich egal. Er scherte sich einen Dreck darum was andere in diesem Moment dachten und zu seiner Verwunderung scherte er sich ebenso einen Dreck darum, was zwischen ihm und Leylan vorgefallen war- in diesem Moment wollte er sie schlichtweg beschützen und dieser sensationslüsternen Journalistin das Maul stopfen.

Er ließ seinen eisigen Blick über die Anwesenden gleiten, blieb an der hübschen jungen Frau hängen und musterte sie gleichgültig. Allein schon weil sie seinem bohrenden Blick, im Gegensatz zu ihren Kollegen, stand hielt und ihn aus himmelblauen Augen angriffslustig erwiderte.

„Miss Lao befand sich auf meinen Geheiß hin im Urlaub, ich empfahl ihr eine Zeit lang ´unterzutauchen´ um Ruhe und Entspannung zu genießen. Aufgrund des enormen Medienrummels um ihre Person, hielt ich Aufenthaltsort und letztendlich auch den Grund ihrer Abwesenheit geheim- zu gut weiß ich um das filigrane Informationsnetz hiesiger Reporter. Fernab der Medien und all den Interviews, fand Miss Lao zu ihrer gewohnt exzellenten Form zurück und ist nun in der Lage, unser Team erneut produktiv zu unterstützen. Damit ist das ´große Geheimnis´ um Leylan Lao also nichts weiter als eine nötige Auszeit von der Öffentlichkeit.“

Erneut Verblüffung.

Kais Lippen verzogen sich zu einem makabren Lächeln und seine Miene verriet die enorme Schadenfreude angesichts der vernichtenden Niederlage der unverschämten Reporterin. Diese schien dennoch nicht ganz überzeugt; sie blickte äußerst verstimmt in seine Richtung, konnte jedoch nichts mehr ausrichten da die Umstehenden Kais Geschichte für wahr hielten und sie ihm kommentarlos abkauften. Es wurde notiert und aufgenommen- des Rätsels Lösung war im Kasten, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie zuvor angenommen.

Ray warf einen schnellen Blick in die Runde- kein Zweifel, die andren waren ebenso verwundert wie er. Weder Max, Tyson noch Tala schienen auch nur den blassesten Schimmer zu haben, weshalb Kai plötzlich mit einem solchen Märchen um die Ecke kam.

Lediglich Hilary lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und... grinste.

Es war als hätte sie es gewusst; gewusst, dass Leylan sich trotz ihrer überzeugenden Story aus der Affäre ziehen würde, womit Hilary Eves Vermutung bestätigt sah.

>Leylan hat uns also wirklich belogen... doch wenn die Geschichte von Kai stimmt, warum hat sie es uns nicht erzählt? Ach verdammt, Hilary! Denk doch mal nach: Leylan ist abgehauen, Kai war am Boden zerstört und rasend vor Wut, Leylan taucht wieder auf und die Beiden machen nichts als Ärger- Kai kann sie also gar nicht