Fanfic: White Shadow
Kapitel: Hinter den Schatten
°Rins Sicht°
Regen prasselte auf die vermeintlich leeren Straßen, wie in jener Nacht. Doch die Wege waren nicht leer, im Gegenteil, sie waren voll von stillen Beobachtern, den Schatten. Ich kenne sie gut, sie sind wie Menschen, nur unterhalten sie sich nicht mit Stimmen. Die dunklen Wesen sprechen mit Gedanken, und sie sind sehr sprachgewandt, nur muss man sie eben verstehen können. Wenige Menschen schaffen es sich mit Gedanken zu unterhalten, es ist fast wie eine eigene Kunst, für die man hart trainieren muss. Gelangweilt sprange ich von meinem Dach. Das dunkle, große Haus in dem ich wohnte, war nicht immer mein Zuhause. Eigentlich wohnte ich erst seit einem Jahr hier, seit ich mich entschlossen habe, eine Ninja-Ausbildung zu machen. Sieht man die düstere Fassade, meint man, ich hätte hier alleine gelebt. In irgendeiner Weise stimmte das zwar, aber ganz allein war ich nicht. Mit den Schatten in meinem Haus habe ich mich nie angefreundet, aber ich hatte Kage. Er ist mein bester und einziger Freund, ein Dämon. Seit dem Vorfall ist er der einzige, dem ich noch vertraue.
*Was has du vor, Rinny?*, erklang die vertraute Stimme des Schattendämons in meinen Gedanken.
*Rein gehen.*
*Aber du magst Regen doch so?*
*Das schon, aber ich wäre noch verschrumpelt, wenn ich hier länger sitzen geblieben wäre.*
Drinnen erwartete mich dieselbe bittere Kälte wie draußen. Meine Kleider trieften und ich zog meinen Mantel aus.
*Was meinst du wie die Ge-Nin aus Konoha so sind, Kage? Jetzt wo wir in Teams eingeteilt werden wäre es praktisch etwas über sie zu wissen.*
*Rinny… Mach dir keine Sorgen, du wirst schon mit ihnen auskommen. Du musst ja nicht gleich so enge Freundschaften schließen, es reicht wenn du dich normal mit ihnen anfreundest.*
*Aber… Trotzdem…*
Nachdenklich schaute ich auf die Uhr. Der Abend brach an.
*Bald ist es wieder so weit…*, bemerkte ich.
*Ja… es tut mit wirklich Leid für dich, wegen den Schmerzen.*
*Ich habe mich schon dran gewöhnt. Seit 8 Jahren nun…*
Die Zeit verging wie im Flug, während ich mit meinem Freund redete.
Inzwischen war es schon neun Uhr abends, als meine Kopfschmerzen einsetzten.
Das bekannte, schauderhafte Gefühl kribbelte wieder in meinem Körper. Mein Körper fing an in eine Ruhephase zu wechseln, als ich plötzlich Kages Chakra in mir spürte. Ein gleißender Schmerz durchzuckte meinen Körper und ich verweilte eine paar Minuten in einer verkrampften Position, während er unendlich langsam wieder verschwand. Als ich meine Augen wieder öffnete erblickte ich die stille Dunkelheit, die mich jede Nacht verfolgte, Kages Gedanken. Seine Seele hatte wieder meinen Körper übernommen. Ruhig setzte er sich die schwarz-weiße Karnevalsmaske auf.
*Wirst du wieder jagen gehen?*, fragte ich ihn neugierig.
*Ich denke schon*, kam die Antwort und er fuhr seine dämonischen Krallen aus.
Ein gequältes Miauen ertönte, als die Wildkatze ihren letzten Atemzug tat. Lustvoll stieß Kage meine spitzen Eckzähne in ihre Schlagader und saugte das warme Blut aus ihrem Körper. Unsere Sinne schärften sich und unsere gemeinsamen Pupillen verengten sich, als die fremde rote Flüssigkeit durch eine besondere Ader in unseren Blutkreislauf gelangte. Böse kichernd ließ Kage ihren Körper leblos auf den Boden fallen.
*Musstest du sie töten?*
*Hey, das Blut hat dir doch auch geschmeckt!*
*Ich mein ja nur… die arme Katze…*
„Wer bist du?“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter uns. Unbeeindruckt drehte Kage sich um und starrte den blonden vorlauten Jungen an.
*Er sieht aus wie ein Ge-Nin! Wenn du jetzt etwas sagst kennt er deine Stimme… und erkennt uns bei der Teameinteilung übermorgen!*
*Schon klar, Rin.*
Ohne auch nur einen Augenblick noch zu verschwenden sprang Kage auf den Fremden zu und stieß sich von seinen Schultern ab um Zeit zu gewinnen und den Jungen gleichzeitig gegen den Boden zu drücken.
*Hoffentlich folgt er uns nicht…*
°Sicht des Jungen°
Ein unruhiges Rascheln in den Büschen war zu hören. Vorsichtig ging ich dem Geräusch nach in die Dunkelheit. Eine komische Art Schreien ertönte, oder eher ein Miauen?
*Was zum…?*
Meine Schritte wurden schneller und schon bald sah ich beunruhigende Blutspritzer an den Blätter kleben. Als ich das Bild hinter den Büschen sah, weiteten sich meine Pupillen vor Schrecken.
„Wer bist du?“, fragte ich entsetzt während ich den leblosen Körper der ausgesaugten Wildkatze anstarrte, doch noch bevor ich mich auf eine Antwort vorbereiten konnte, sprang der Fremde mit der Maske auf mich zu und stieß mich gen Boden während er selbst verschwand. Unsanft kam mein Körper auf und zuckte zusammen.
„Was zum…?“, murmelte ich noch während ich aufstand und in die Richtung schaute, in die der Mörder geflüchtet war. Doch das einzige, das ich sah, war die Dunkelheit zwischen den Straßen.
°Rins Sicht°
Die Nacht war kühl, irgendwo krähte ein Rabe. Wie in jener Nacht…
Ein leichtes Schauern überkam meinen Körper und ließ Kage innehalten. Alles war genau wie damals. Sogar gemordet hatte ich wieder… oder war diesmal die Schuld Kage zuteil?
*Vergiss deine Angst…*
*Ich kann nicht… es war so schlimm… so etwas kann ich nicht vergessen…*
*Aber irgendwann musst du. A-…*
*Sei ruhig! Spreche niemals meinen Namen aus! Nicht mal in Gedanken!*
*Warum eigentlich nicht?*
*Weil ich damit Wut, Hass und Zerstörung verbinde… und das weißt du auch…*
*Ist ‚Rin’ oder ‚Ra’ etwa besser?*
*Wenigstens habe ich unter diesen Namen nicht… na ja…*
*Rinny…*
Ein kühler Wind pfiff um die Dächer.
*Wieso lebe ich überhaupt noch? Was habe ich für einen Grund zu existieren?*
*Jeder ist etwas Besonderes. Jeder hat einen Grund, für den es sich lohnt, zu leben. Nur wie du, müssen manche diesen Grund noch finden…*
*Und du? Wieso existierst du noch?*
*Na ja… also erstens leben Dämonen eh 1000-mal länger als normale Menschen und zweitens habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dich zu beschützen, dir zu helfen, und dich dem Leben wieder nahe zu bringen…*
*Ich…schade den Leuten doch nur. Sei ehrlich, Kage, habe ich so ein Leben verdient?*
*Jeder hat ein gutes Recht zu leben. Egal wie viele Menschen du auch töten würdest, du bist auch nur ein Mensch. Entweder man verzeiht dir, oder man ignoriert dich. Gebe den Leuten doch einfach eine Chance sich wirklich mit dir anzufreunden und du wirst sehen, du findest dein Ziel schon recht bald.*
*Ich kann ihnen nicht vertrauen… Ich werde niemals feste Freundschaften schließen…*
Der Rabe verstummte, Ruhe lag nun wie eine Decke über Konoha.
Mein Körper begann wieder sich zu bewegen und Kages Schritte hallten durch die Straßen. Das einzige Geräusch, welches man noch hörte. Eine schwarze Katze rannte lautlos und unerwartet über den Weg. Kage starrte ihr hinterher, als er bei meiner Haustür ankam.
*Können wir heute wieder schlafen? Bitte?*
*Nein, tut mir Leid, Rin. Meine Seele ist nicht mal annähernd müde…und mein Chakra will noch nicht zurück in Gefangenschaft… Du weißt ja, dass jetzt die einzige Zeit ist, in der ich zum Vorschein kommen kann.*
*Na ja…ich hab nur gehofft…dass ich vielleicht doch wieder mal schlafen könnte. Meine letzte ruhige Nacht war vor 7 Monaten, Kage, meine Augenringe sind wieder dicker geworden…*
*Ich weiß wann deine letzte ruhige Nacht war, ich wohne in dir! Schon vergessen?*
Die Tür fiel knarrend hinter uns ins Schloss.
*Und was nun?*
*Nichts nun, wir warten bis zum Morgengrauen, wenn du wieder bei Kraft bist. Und dann gehen wir neue Waffen kaufen. Dein Breitschwert ist wieder stumpf, und ich will nicht riskieren es zu schleifen, ich bin schlecht in sowas!*
*Wir könnten ja malen?*
*Meinetwegen…*
Kage ging zu einem großen, mit Büchern und Mangas vollgestopften Schrank und nahm eine große Schriftrolle heraus, bevor er sich einen Stift schnappte und ihn auf dem Papier aufsetzte.
*Fang an!*, befahl er mir und ich fing an, seine, oder besser meine Hand zu leiten. Nach einer Weile erkannte man schon, dass es ein Drache sein sollte.
*Du malst immer dasselbe!*, tadelte mich Kage.
*So ein Quatsch! Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich einen Vogel gemalt!*
*Das war vor 10 Monaten, Rin.*
*Ach, wirklich? Na ja, sag du mir doch, was ich malen soll!*
*Mal eine Person! Irgendwen!*
*Ich werde niemals irgendwelche Menschen malen, vergiss das nicht.*
Und damit endete das Gespräch. Mein Körper verkrampfte sich, als wieder die Schmerzen einsetzten, ich spürte wie ich wieder die Kontrolle über meinen Körper übernahm. Nun musste ich mich nicht mehr konzentrieren um meine Umgebung zu sehen, ich war wieder Herr über meine Augen.
*Ist es schon Morgen?*, fragte ich irritiert.
*Nicht ganz, aber der Mond ist schon weg…*
*Ach ja, der Mond… Er steigert deine Kraft, nicht war?*
*Und lässt dich müde werden, ja. Mit etwas Training könnten wir das aber kontrollieren. Wie wär’s?*
*Ja, irgendwann.*
*Das hast du auch schon vor 2 Jahren gesagt!*
*Ist doch egal!*
*Nein ist es nicht. Willst du etwa noch länger Schmerzen erleiden?*
*Das nicht aber… ich weiß nicht… irgendwas hält mich davon ab…*
Ein paar Sonnenstrahlen fielen durch das große, zur Hälfte vom Vorhang verdeckte Fenster. Mein Blick fiel gelangweilt auf die sich langsam füllenden Straßen. Ruhig ging ich aus dem Haus und begann Schritte in Richtung Waffenladen zu machen. Das kleine Zimmer war voll von Kunai, Shuriken und sontigen praktischen, handlichen Waffen. Aber auch Schwerter waren zu sehen. Säbel und Breitschwert, Katana und Langschwert. Nach kürzester Zeit zogen ein paar Riesenshuriken meine Aufmerksamkeit auf sich.
*Was meinst du, brauchen wir welche? Ich habe sie früher gerne benutzt…*
*Kauf sie ruhig, du bist hier die Meisterin der Waffen.*
Und so fing ich mit meinem Einkauf der neuen Waffen an. Als ich fertig mit Aussuchen war, war ich verblüfft, wie