Reaper

freiwillig das Risiko eingehen würde, irgendetwas anderes anzulocken...
Zögerlich geht sie durch den Flur, wobei die überrascht feststellt, dass keiner ihrer Schritte auch nur ansatzweise einen Laut verursacht... es ist fast so, als wäre sie überhaupt nicht hier. Als sie dem Ende des Ganges näherkommt, entdeckt sie eine Gabelung, die sie in zwei neue, völlig identische Flure führt. Irgendwo hatte sie mal gelesen, dass man in einem Labyrinth immer rechts gehen sollte, um irgendwann zum Ausgang zu gelangen... Sie ist sich zwar nicht mehr sicher wie zuverlässig diese Quelle war, entschließt sich aber trotzdem ihre rechte Hand, während sie läuft, an einer der Wände entlanggleiten zu lassen. Nachdem sie eine Weile so von einer Kurve zur nächsten gewandert ist, hört sie plötzlich ein unerwartetes Geräusch. Sie hält einen Moment die Luft an, als es sich aber nicht wiederholt, entscheidet sie sich weiterzugehen. Nach einigen Schritten ist sie sich aber sicher wieder etwas zu hören... wie das Kichern eines Kindes... dazu ein paar leise Schritte, die sich zu nähern scheinen... Von einer plötzlichen Angstwelle gepackt rennt sie blindlings los, in der Hoffnung die seltsamen Laute einfach hinter sich lassen zu können. Als sie keuchend um eine weitere Ecke sprintet ist sie sich sicher die helle Silhouette einer jungen Frau sehen zu können... Auch wenn das Bild im Bruchteil einer Sekunde wieder verschwunden ist, weiß Suki mit hundertprozentiger Sicherheit, dass es Chitori war, die ihr da entgegen gelächelt hat... Sie rennt hektisch weiter, ist sich jetzt völlig sicher, dass sie von irgendjemandem oder irgendetwas verfolgt wird... Die Schritte klingen jetzt schwerer... nicht mehr wie die eines Kindes... und sie kommen unaufhaltsam näher. Suki wagt es nicht einen Blick über ihre Schulter zu werfen, aus Angst, ihr Verfolger könnte bereits direkt hinter ihr stehen. Im Hintergrund kann sie konstant ein leises Lachen hören... Chitoris Lachen... Plötzlich erhebt sich vor ihr eine massive, graue Wand. Sie stößt einen leisen Fluch aus, hält sich aber augenblicklich eine Hand vor den Mund, als ihr klar wird, dass auch die Schritte hinter ihr verstummt sind. Auch wenn kein Laut zu hören ist, nichtmal ein leises Atmen, ist sie sich sicher, dass da jemand hinter ihr steht... und auf ihre nächste Bewegung lauert... Ihr fällt der metallische Gegenstand wieder ein, den sie in Seys Jackentasche entdeckt hatte und tastet unauffällig mit ihrer Hand danach. Als ihre zitternden Finger sich um das kalte Metall schließen, fühlt sie sich unerwartet um einiges sicherer. Sie kann sogar genug Mut zusammensammeln, um sich langsam zu ihrem Verfolger umzudrehen. Sie versucht möglichst selbstbewusst dabei auszusehen, doch als sie die dunkle, gesichtlose Gestalt vor sich sieht, kommt ihre Angst ungebremst zu ihr zurück. Das Wesen vor ihr ist eher ein Schatten, als ein Mensch... nur ein schwarzer Umriss und doch furchterregend real... Für einen Augenblick starrt es sie nur an, weshalb Suki beschließt, es vielleicht einmal auf die vernünftige Weise zu versuchen...
„H..Hallo? Ähm... was.. was willst du von mir?“
Die Gestalt scheint sie nicht zu verstehen, jedenfalls reagiert sie nicht auf ihre Stimme. Doch als Suki genauer hinsieht, glaubt sie eine leichte Bewegung in dem Schemenhaften Gesicht der Person zu erkennen... so als würde sie sprechen, allerdings ohne tatsächlich ein Wort zu verlieren. Gerade als Suki das Wesen erneut ansprechen will, macht die Gestalt plötzlich einen Schritt auf sie zu, wobei sie einen Arm hebt, so als wolle sie nach ihr greifen. Suki zuckt ängstlich etwas zurück, doch das Wesen scheint das als anlass zu nehmen, weiter auf sie zuzugehen.
„B-Bleib weg! Ich warne dich! Ich-...“
Ihre Hand umschließt die Waffe in ihrer Tasche noch etwas fester.
„Na los... beeil dich schon und töte sie... Ich hab schließlich nicht den ganzen Tag Zeit...“
Suki blickt sich hektisch um, und entdeckt Chitori, in der Form der kleinen, weißen Katze, die einige Meter entfernt sitzt und sie amüsiert angrinst.
Der Schatten setzt sich lautlos in Bewegung, während Chitoris stummes Lächeln sich wie ein Messer in Sukis Körper zu bohren scheint. Doch mit einem Mal spürt sie auch eine unglaubliche Wut in sich. Sie hasst dieses zufriedene Lächeln auf Chitoris Gesicht und sie hasst es, sich in ihrer Gegenwart wie eine Marionette vor zu kommen. Aber vor allem hasst sie diese miese Katze dafür, dass sie solchen Gefallen daran findet, anderen Menschen leid zu zufügen... für das was sie Sey angetan hat und sogar für Selena... Als der dunkle Schatten direkt vor ihr steht und mit seiner schwarzen Hand nach ihrem Arm greift, versucht Suki sich mit aller Kraft zu wehren. Sie tritt und schlägt zu so fest sie kann, doch die Gestalt lässt nicht so leicht locker, wie sie gehofft hatte. Als letzten Ausweg zückt sie das scharfe, kleine Messer aus der Tasche und sticht damit ohne groß nachzudenken zu und setzt all ihre Wut und ihren Hass auf Chitori in diese eine Attacke. Zu ihrer Überraschung bietet das Schatten-gleiche Wesen sogar einen Widerstand. Die Klinge bleibt tief in der linken Schulter der Gestalt stecken... sogar Blut beginnt langsam daran hinabzulaufen... Suki fällt, teils erleichtert über ihren Erfolg und andererseits geschockt über sich selbst, auf die Knie. Ihr ist plötzlich schwindlig und vor ihren Augen flimmern bunte Lichter auf. Sie kann gerade noch grob erkennen, wie sich die Gestalt zu ihr hinunterbeugt, bevor alles vor ihren Augen schwarz wird. Doch sie hat nicht das Gefühl als wäre sie bewusstlos... Im Gegenteil, ihre Sinne kommen ihr plötzlich schärfer vor als zuvor... Als wäre alles um sie herum durch einen Schleier verdunkelt gewesen, der sich jetzt allmählich klärt. Sie glaubt weit entfernt eine Stimme zu hören, die ihren Namen ruft. Sie kommt ihr bekannt vor...
„Hey! Suki!, Komm schon... mach die Augen auf!“
Sie spürt wie sie leicht an den Schultern geschüttelt wird...
„Hör mir zu, Suki, das ist alles nur eine Illusion! Du musst nur die Augen aufmachen!“
Die Stimme scheint jetzt ganz nah zu sein... Suki hat das Gefühl aus einem unglaublich tiefen Schlaf aufzuwachen. Mit einem leisen Grummeln blinzelt sie schließlich in das trübe Dämmerlicht um sich herum. Direkt vor ihr erkennt sie Sey, der sich, offensichtlich erleichtert über ihr Erwachen, einige Haarsträhnen aus dem Gesicht wischt. Er kommt ihr ziemlich bleich vor und sie kommt nicht darum herum sich zu fragen, ob er tatsächlich so besorgt um sie gewesen war... Als sie ihre Sinne wieder beisammen hat, richtet sie sich vorsichtig auf.
„Was ist passiert?“
„Chitori... sie hat uns schon wieder drangekriegt...“
Seys ernster Gesichtsausdruck, wandelt sich plötzlich in ein erschöpftes Grinsen.
„...Ich muss zugeben, du bist um einiges kräftiger als du aussiehst, Suki... Ich hatte schon mit Soldaten zu tun, die mir nicht annähernd so zu schaffen gemacht haben wie du!“
Suki ist einen Moment leicht verwirrt, bis ihr die rötlichen Kratzspuren auf Seys Wange auffallen. Gerade als sie fragen will, was passiert ist, fällt ihr Blick auf eine weitere Wunde, dank der sie selbst realisiert, was geschehen war. Sey Hemd ist blutdurchtränkt und in seiner Schulter steckt, das kleine, dunkle Metallmesser, das Suki vor wenigem Minuten noch selbst in der Hand gehalten hatte... Seys Grinsen verschwindet sofort, als er ihren Gesichtsausdruck sieht.
„Hey... das ist halb so wild... mach dir deswegen keine Sorgen..“
„Aber...“
Sey beisst die Zähne zusammen und versucht sich möglichst wenig anmerken zu lassen, als er die Klinge mit einem schnellen Ruck herauszieht und vor sich auf den Boden fallen lässt.
„Siehst du,... kein Problem... Das heißt-...“
Er wirft einen besorgten Blick auf das Metallmesser vor sich. Es hat eine ungewöhnliche Krümmung und entlang seiner Klinge ist alle paar Millimeter ein winziges Loch eingeprägt.
„Du.. äh... hast das nicht zufällig aus der Tasche rechts vorne, oder?“
„Doch, ich denke schon... Wieso fragst du?“
„Ach... völlig egal... lass uns einfach so schnell wie möglich einen Weg hier raus finden...“
Suki blickt sich zum ersten Mal richtig um, und ist verblüfft als sie feststellt, dass sie sich noch immer in dem düsteren Labyrinth befinden... Zumindest das scheint nicht nur ihre Einbildung gewesen zu sein. Die Beiden gehen auf gut Glück die Erste rechts und von da an zunächst immer geradeaus. Suki wird allerdings das Gefühl nicht los, dass sie den Ausgang vergeblich suchen. Zudem macht sie sich sorgen um Sey... Auch wenn er sie bereits mehrmals zu beruhigen versucht hatte, kann sie nicht darüber hinwegsehen, dass er alles andere als fit aussieht...
„Verdammt! Ich glaub das einfach nicht!“
Suki dreht sich zu Sey um, der sich frustriert an die Wand rechts von ihnen fallen lässt.
„Was ist?“
Ohne aufzusehen zeigt er mit einem Arm auf den Boden vor sich. Suki kann einige glänzende rote Flecken auf dem dunklen Untergrund sehen.
„Wir sind im Kreis gelaufen...“
Suki seufzt verzweifelt auf, und lehnt sich neben Sey an die Wand.
„Und was machen wir jetzt?“
„Ich hab keine Ahnung...“
Sie stehen eine Weile schweigend nebeneinander, so als würden sie darauf warten, dass ihre Probleme sich doch einfach mal von selbst lösen würden...
„Hörst du das?“
Suki schreckt aus ihren Gedanken auf und lauscht in die Dunkelheit am anderen Ende des Flurs. Sie glaubt das leise Plätschern eines Brunnens zu hören... Sey stößt sich von der Wand ab und geht auf das Geräusch zu. Suki folgt ihm leicht zögernd. Als sie sich bei der nächsten Kreuzung nach links wenden, kann sie in einiger Entfernung ein winziges Licht ausmachen, das aber, als sie vorher hier vorbeikamen definitiv noch nicht da gewesen war. Als sie schließlich nur noch wenige Meter von der Lichtquelle entfernt sind, ist sie sich