eién no súimin
Don't be like your parents!
Der nächste Morgen begann für Bemoku so wie jeder andere. Er fuhr mit dem Bus in die Schule, schlief im English Unterricht ein und fuhr wieder nach Hause. Kaum kam er an, steuerte er in die Küche, schnappte sich die Takoyaki-Bällchen und fuhr mit seinem Stand an den Platzt an dem er immer war.
Es war mittlerweile fünf Uhr und das Geschäft verlief ganz gut. Plötzlich tippte ihm jemand auf die Schulter. Ruckartig drehte sich Bemoku um und entdeckte Mai, die lächelte oder eher grinste. „Zeit für ein bisschen English.“ Meinte sie mit leichtem Ton, zog ihn auf eine Bank und packte ihr Englischheft aus. Bemoku war so überrumpelt das er sich nicht wehrte. „Also was heißt „Ich bin männlich“ auf Englisch?“ fragte sie und grinste diabolisch. Bemoku verdrehte die Augen. „I’am male.“ Antwortete er. „Na bitte geht doch.“ Sagte sie und fragte ihn weiter ab.
Eine Stunde später. „Ich weis gar nicht was mit dir los ist. Du bist doch eigentlich total gut, warum sind deine Noten immer so schlecht?“ fragte sie ihn neugierig und gleichzeitig verwirrt. „Ich hab einfach keine Zeit mich um Schule und so weiter zu kümmern. Ich muss arbeiten, damit meine Großeltern nicht in irgendeinem Loch leben müssen.“ Erklärte er und starrte in die Ferne. Mais blick wurde noch verwirrter. „Aber bezahlen deine Großeltern nicht deine Ausbildung, dann solltest du doch auch gut in der Schule sein?“ fragte sie und versuchte daraus Schlau zu werden. „Das ist eine lange Geschichte.“ Sagte Bemoku und verzog schmerzlich das Gesicht. „Ich hab Zeit!“ meinte Mai und legte das eine Bein über das andere.
„Naja meine Eltern sind von unterschiedlicher Kultur. Du weist bestimmt, dass mein Vater kein Japaner sondern ein Chinese ist? Gut und das ich erst vor anderthalb Jahren aus Peking hier her gezogen bin? Gut dann bist du auf dem richtigen Stand. Meine Eltern haben sich getrennt, da war ich gerade zehn. Ich habe es nie verkraftet und bin von einem zum anderen gezogen. Aber meine Eltern haben sich eine eigene Familie, ein eigenes Leben aufgebaut und plötzlich war ich nur noch ein ungewolltes Kind, das man mit teuren Geschenken ruhigstellte.“ –Mai blickte ungläubig und wollte ihn schon unterbrechen- „Glaub nicht, dass das irgendwie toll war mir fehlte Liebe. Meine letzte Umarmung meiner Eltern war vor fünf Jahren, als meine Mutter zu meinem Geburtstag sich erbarmte. Ich hab’s nicht ausgehalten. Eine zeitlang habe ich bei meinen Chinesischen Großeltern in Peking (Beijing) gelebt, aber auch sie wollten mich nicht, wer will schon ein Halbblut als sein Enkelkind nennen. Dann bin ich hierher gezogen und zum ersten Mal habe ich mich geborgen gefühlt. Da war jemand der mich in den Arm nahm. Und jetzt arbeite ich hart um meinen Großeltern ein angenehmes Leben zu schaffen.“ Sagte er.
„Aber deine Großeltern sollen dir helfen, nicht du ihnen!“ sagte sie.
„Weist du das ist nicht so einfach, jemand muss doch für sie Sorgen!“ schrie er jetzt plötzlich wütend. Mai zuckte zurück, bevor auch sie wütend wurde. „Ach ja! Was glaubst du eigentlich was besser wäre, frag doch deine Eltern. Ich bin mir sicher das deine Großeltern lieber einen Enkel haben wollen dem es gut geht und der in Zukunft etwas erreicht!“ schrie sie unbeherrscht. Ihr Gesicht wurde Rot. „Du benimmst dich doch wahrscheinlich genauso wie deine Eltern!“ fügte sie hinzu und die Ader an ihrer Stirn schwoll an.
Es wurde still im Park. Bemoku starrte Mai an und er begann zu bemerken, dass sie tatsächlich recht hatte. Er benahm sich wirklich wie seine Eltern. Bemoku ließ den Kopf hängen und eine einzelne Träne bahnte sich ihren Weg über seine Wange. Er benahm sich genauso wie seine Eltern. Dabei konnte man Liebe doch nicht durch Geld ersetzten, genauso wenig wie den Moment wenn er eine eins schreibt und seine Großelter total Stolz auf ihn sind.
Mai blickte ihn mittlerweile fast schon mitleidig an. Und sie bereute es Bemoku gleich so etwas vorzuwerfen. Sie nahm all ihre Kräfte zusammen. „Entschuldigung Bemoku-san.“ Sagte sie und ihre Augen zeigten Reue. Bemoku seufzte und hob den Kopf. „Schon, Ok. Du kannst nichts dafür, beziehungsweise, du hast recht. Verdammt, ich hab mich genauso wie meine Eltern benommen!“ sagte er nun wieder wütend, dieses mal auf sich selbst. „Nein, du hast recht, deine Großeltern brauchten Geld, sie sind bestimmt ziemlich Stolz auf dich, aber du kannst dich nicht drei teilen, du kannst nicht gleichzeitig lernen, arbeiten und Leben. Das funktioniert nicht, schon gar nicht wenn du bis in die Nacht hinein arbeitest. Du brauchst eine gute Schulausbildung, damit du etwas erreichen kannst, und später vielleicht sogar deinen Eltern zeigen kannst, dass du es drauf hast.“ Sagte sie und blickte Bemoku ernst an.
Dieser begann plötzlich zu lachen. „Hey was ist so lustig?!“ rief Mai und blickte Moku entrüstet an. „Du hörst dich an wie meine Großmutter.“ Bemoku hielt sich bereits vor lachen den Bauch und hielt es schier nicht mehr aus. Auch Mai begann zu lachen. Mein Gott, sie hatte sich wirklich wie achtzig und nicht wie sechzehn angehört. „Weist du, ich will dir helfen, alle wollen dir helfen, also lass dir auch helfen!“ rief sie aus und blickte ihn mit strengem Blick an, doch sie musste an sich halten nicht schon wieder loszuprusten. „Au man Kitamoto-san du bist wirklich lustig!“ rief er aus und lachte weiter. Mai seufzte und lachte mit.
Eine gute Stunde später begleitete Mai, Moku auf dem Nachhauseweg. „Kitamoto-san?“ fragte Bemoku und riss Mai aus den Gedanken die sich fragte warum sie ihm, dem Hoffnungslosen Fall unbedingt helfen wollte. „W-Was?“ fragte Mai leicht gereizt zurück. Bemoku hielt beide Hände in die Luft um zu zeigen, dass er unbewaffnet war. Mai schüttelte nur den Kopf doch ihren Mund zierte ein breites Grinsen. „Wie wollen wir das jetzt weiter machen?“ fragte er und grinste zurück. „Keine Ahnung, ich glaube ein Anfang wäre wenn du mich Mai nennen würdest.“ Sagte sie und runzelte ihre Stirn. Bemoku piff fröhlich vor sich hin. Er wusste nicht warum, aber Mai hatte eine besondere Aura wie ihn irgendwie zum fröhlich sein brachte. „Na gut Mai…-chan.“ Meinte er provozierend. Doch Mai war das irgendwie egal. „Und dann Moku-kun, arbeitest du nicht mehr so lange in die Nacht hinein. Nicht länger als Neun!“ sagte sie und hob wie eine Mutter den Zeigefinger drohend. „Schon Ok, ich überziehe nicht, versprochen!“ Er nickte mit dem Kopf und grinste. Mai seufzte erneut, dieser Junge war einfach verrückt. „Und dann komm ich immer um fünf und mach mit dir eine Stunde Englisch, Mathe oder Japanisch.“ Sagte sie fröhlich.
Moku nickte und stoppte plötzlich. „Wir sind da. Wann sehen wir uns wieder?“ fragte er und bemerkte erst kurz darauf wie sehnsüchtig das geklungen hatte. Nicht das er sich auf Mai freute, aber diese seltsame Aura war einfach zu angenehm. Mai schüttelte den Kopf ehe sie meinte, dass sie sich morgen wieder sehen würden.
Kaum hatte er das Haus betreten kam ihm seine Großmutter entgegen. „Oh Moku-kun, du bist ja schon wieder da.“ Erst jetzt blickte Bemoku auf die Uhr und stellte fest, dass es gerade mal sieben Uhr war. „Ja, ich wollte noch ein bisschen lernen. Ich hab heute relativ viel eingenommen“ -was an Mai, einem Vielfraß, lag- „ mehr als sonst.“ Meinte er. „Du siehst heute so glücklich aus, ist heute irgendetwas passiert?“ fragte sie ihn. „Ach Granny, ich hab heute erkannt wie ich mein Leben wieder in Griff kriege!“