Die Ewigkeit der Nacht

Kapitel 1 – Das Vorstellungsgespräch

Kapitel 1 – Das Vorstellungsgespräch

Es war später Nachtmittag und Seto Kaiba saß gelangweilt vor seinem Laptop in der Villa. Er hatte sich heute einen freien Tag gegönnt. Im Grunde hatte er heute wirklich keine Lust zu arbeiten. Sein kleiner Bruder Mokuba war in der Firma und Seto war mit ihm über Funkkontakt verbunden, so dass er ihm gegebenenfalls auch Anweisungen mitteilen konnte. Nebenbei kontrollierte er jedoch die Daten seiner Firma.

Mokuba durfte heute alleine in der Firma bleiben. Fast. Denn Roland wich ihm nicht von der Seite, was den jungen Kaiba natürlich nervte. Doch es gab keinen Grund sich darüber aufzuregen.
Friedlich kuschelte er sich in den Chefsessel seines Bruders und folgte brav den Anweisungen seines Bruders.

Als es kurz vor fünf am Nachmittag war, ging ein junges Mädchen durch die Parkanlage der Kaiba Corporation. Unsicher sah sie sich in der riesigen Anlage um und jeder konnte sehen, dass sie nicht zum Personal gehörte.
Ihre Kleidung war förmlich und unter ihrem Arm hatte sie eine Bewerbungsmappe geklemmt.
Bei einer Gabelung blieb sie stehen und sah sich in beide Richtungen um, nicht sicher wohin sie gehen sollte. Sie hatte nicht mehr viel Zeit um in die KC zu kommen und sich dem eiskalten Jungunternehmer als Kindermädchen und Sekretärin vorzustellen und den mehr als gut bezahlten Job zu ergattern.
Plötzlich hörte sie etwas über den Boden scharren und ging auf den Gärtner zu, der gerade ein Beet neu bepflanzte. Schnell setzte sie ihr nettestes Lächeln auf.
„Entschuldigen Sie bitte…“, sagte sie und blieb freundlich lächelnd vor ihm stehen, „…können Sie mir sagen, wie ich schnell zum Haupteingang der Kaiba Corporation komme?“
Überrascht blickte der Mann auf und sah das junge Mädchen fragend an.
„Bist du blind?“, fragte er und klang dabei ungewöhnlich freundlich. Er hob einen Finger und deutete hinter sich auf das große Firmengebäude und hakte das Beet weiter.
„Oh…ähm…danke…“, sagte sie und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Schnell setzte sie wieder die Maske der Selbstsicherheit auf hinter der sie ihre Unsicherheit verbarg.
Als sie am Haupteingang angekommen war, schoben sich die Türen von alleine auf und am Empfang saß ein Wachmann, der mit kritischem Blick musterte.
Der Blick verunsicherte sie und sie ging zur Sicherheit auf ihn zu. Er war der Einzige, der hier unten saß und an den sie sich wenden konnte, um das Büro von Seto Kaiba zu finden.
„Guten Tag.“, sagte sie freundlich, „Ich bin hier, weil ich ein Vorstellungsgespräch mit Seto Kaiba habe.“
Der Mann sah auf eine Besucherliste, die vor ihm lag und nickte.
„Fahren Sie in den fünften Stock.“, war seine knappe und unfreundliche Antwort.
„Danke.“, sagte sie und ging auf den Fahrstuhl zu. Die Türen des gläsernen Fahrstuhls schlossen sich und sie drückte auf den Knopf für die fünfte Etage. Ihr Herz pochte. Gleich würde sie vor Seto Kaiba treten und sich ihm vorstellen.

Mokuba wurde sofort von dem Wachmann über das Vorstellungsgespräch informiert.
„Herr Kaiba, hier ist gerade Frau Kuzuki eingetroffen und möchte zu Ihrem Bruder.“, erklärte er und Mokuba rollte mit den Augen.
„Mein Bruder ist nicht da.“, antwortete er knapp und drückte den Wachmann weg. Sofort rief er seinen großen Bruder an, der immer noch an den Daten seiner Firma arbeitete und aktualisierte.
Seto nahm das Gespräch an und seufzte.
„Was gibt es, Mokuba?“, fragte er mit monotoner Stimme.
„Hier ist Frau Kuzuki und hat mir dir ein Vorstellungsgespräch.“, erklärte er.
„Ach ja. Sie ist ganz wichtiges Personal. Sieh sie dir mal an und sag mir, wie du sie findest. Lass einfach die Sprechanlage, damit ich euer Gespräch mit verfolgen kann. Wenn sie nett ist und sie dir gefällt, stell sie ein, andernfalls mische ich mich schon ein.“, antwortete Seto und grinste breit.
„Ok, aber warum willst du sie denn nicht sehen? Ich dachte, sie wäre für dich?“, fragte er nach.
Seto grinste, denn er hatte Mokuba verschwiegen, dass es sich um seine zukünftige Babysitterin handelte.
„Viel Spaß, Mokuba. Ich warte auf euer Gespräch.“, meinte er zufrieden.
Mokuba ließ sein Head Set an und erhob sich aus dem bequemen Chefsessel. Widerwillig ging er in den Flur und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten.
Der Wachmann entdeckte seinen Vorgesetzten und begrüßte ihn höflich.
„Wo ist Frau Kuzuki?“
„Im fünften Stock.“
Mokuba seufzte säuerlich und ging wieder in den Fahrstuhl.
„Was ist Mokuba?“, fragte Seto.
„Hättest du nicht sagen können, dass du sie im fünften Stock erwartest?“
„Nein.“
Im fünften angekommen, trat Mokuba heraus und ging in das Büro. Dort setzte er sich in den Sessel um die Bewerberin zu erwarten, die sich vorstellen wollte.
Im fünften Stock angekommen, trat sie aus dem Fahrstuhl und ging zu der Empfangsdame, die hinter einem Tresen saß.
Kaum hatte sie sich genähert, sah die Frau auf und begrüßte sie.
„Guten Tag, Sie sind bestimmt, Frau Kuzuki?“
Das junge Mädchen nickte. „Guten Tag.“
„Folgen Sie mir. Herr Kaiba erwartet Sie schon.“
Gehorsam folgte sie der Dame in ein kleines Büro mit einem gläsernen Tisch in der Mitte und zwei Sesseln im Raum. Der Raum hatte riesige Panoramafenster, somit fiel viel Licht hinein. Auf dem gläsernen Tisch standen Gläser und Getränke und ihre Bewerbungsmappe, die sie zur KC geschickt hatte, lag auch dort.
Doch in dem großen Chefsessel saß nicht Seto Kaiba wie sie erwartet hatte, sondern sein kleiner Bruder Mokuba.
„Sie ist da, nicht wahr, Mokuba?“, fragte Seto, „Willst du sie nicht mal begrüßen?“
Nachdem Mokuba von Frau Kuzuki begrüßt worden war, überschlug er die Beine.
Naomie wartete bis der junge Kaiba ihr einen Platz anbot.
„Guten Tag, Frau Kuzuki, bitte nehmen Sie doch Platz.“ Mokuba deutete auf den Sessel gegenüber.
Naomie setzte sich und vermied es die Beine übereinander zu schlagen. Sie hatte gelesen, dass das nicht gut ankommen würde. Ihre Kehle fühlte sich rau und trocken an. Doch sie wollte nicht so dreist sein und von den Getränken nehmen ohne vorher dazu aufgefordert worden zu sein.
„Bitte, Frau Kuzuki, stellen Sie sich doch einmal vor. Mein Bruder ist zurzeit nicht da. Ich vertrete ihn.“
Naomie fühlte sich noch nervöser. Die ganze Zeit hatte sie sich auf ein Gespräch mit dem älteren Kaiba vorbereitet und nun saß der jüngere vor ihr. Wenn sie hier einen Fehler macht, würde es der Ältere sofort wissen und ihre Chancen in der KC zu arbeiten bei Null!
„Danke, dass Sie mir die Gelegenheit geben mich kurz vorzustellen.“, begann sie und lächelte dem jüngeren freundlich zu. „Mein Name ist Naomie Kuzuki und ich bin in Domino geboren und achtzehn Jahre alt. Ich habe gerade meinen Schulabschluss auf der Surio Privatschule für Mädchen gemacht. Vor einigen Tagen habe ich die Anzeige in der Dominoer Tageszeitung gelesen, dass eine Sekretärin und Kindermädchen gesucht wird. Es war schon immer mein Wunsch in so einer großen Firma zu arbeiten.“
Ihr Mund fühlte sich nun noch trockener an.
Mokuba und Seto lauschten den Worten der jungen Frau. Mokuba hob fragend eine Braue. „Als Sekretärin und Kindermädchen?“, letzteres sprach er beleidigt aus und auch als Frage, da diese an seinen Bruder gerichtet war.
„Ja, Mokuba, du braucht ein Kindermädchen, wenn ich mal nicht da bin.“, sagte Seto.
Mokubas Gesichtsausdruck wurde noch etwas beleidigter.
„Lächeln, Mokuba, du willst deiner künftigen Nanny doch gefallen, oder?“, fragte Seto.
Mokuba setzte sein künstliches Lächeln auf, als wenn er gerade ein Stück Spargel quer im Mund stecken hätte.
„Was für Aufgaben erwarten Sie bei uns? Sind Sie auch sportlich?“, wollte Mokuba wissen.
„Mokuba, willst du nur wieder an deine Vorteile denken? Wie sieht sie denn aus? Schlank, blond, vollbusig? Ich hoffe, du gibst mir unauffällig eine Personenbeschreibung von ihr ab! Denn, wenn sie vollbusig ist, will ich sie nicht haben.“
„Warum glauben sie,…“, er beschrieb unauffällig ihr äußeres, „…dass Sie die richtige für uns sind?“
Naomie bemerkte, dass der jüngere Kaiba etwas vor ihr verbarg, denn sein Lächeln war gekünstelt.
„Ja, auch als Kindermädchen. So stand es in der Stellenausschreibung.“, erklärte sie und fragte sich, ob alles in Ordnung war. „Nun, ich erwarte Aufgaben, die mich jeden Tag aufs Neue herausfordern und aus denen ich lernen und Erfahrungen fürs Leben sammeln kann. Und auf Ihre Frage, ob ich sportlich bin, kann ich sage, dass ich während meiner Schulzeit in der Tennis AG war und auch gerne am Wochenende im Wals joggen gehe. Ich denke, dass ich die richtige bin, weil ich weiß, dass Verantwortung und Perfektion in dieser Firma äußerst wichtig ist und ich habe früh gelernt Verantwortung zu tragen und meine Aufgaben zu perfekt zu meistern.“
Mokuba bemühte sich nicht zu enttäuscht auszusehen, was ihm jedoch etwas schwer fiel.
Seto wurde ungeduldig. „Für mich ist sie perfekt. Sag ihr, als Nanny kann sie arbeiten. Aber sie soll noch einen Test machen, um sich als Sekretärin für mich zu beweisen. Lass sie an meinem PC etwas tippen. Ein Schreiben an mich, dass sie mir auf meinen Laptop schicken soll. Irgendetwas. Sie wird sich sicher auf ein Gespräch mit mir vorbereitet haben. Ich will ihre Grammatik, Schnelligkeit und ihre Ausdrucksweise überprüfen, wie sie sich mir unpersönlich, schriftlich noch einmal vorstellte. Und achte darauf, dass sie nichts aus meiner Schublade nimmt.“
Mokuba grummelte innerlich. Er sollte selbst seine eigene Nanny einstellen.
„Nun, abschließend möchte ich Sie bitten, sich hierher zu setzten und eine Mail an meinen Bruder zu schicken, um sich ihm selbst noch einmal vorzustellen, da er an dem Gespräch leider nicht teilnehmen konnte.“ Mokuba drückte auf eine kleine eingearbeitete Tastatur im Tisch und ein moderner High