Kimi no Shiranai Monogatari

Meine Seele, dein Rhythmus!

Der Tag hatte schon so unglaublich gut angefangen. Ich war schön die ganze nacht lang aufgewesen und hatte Videospiele gespielt, mich dann um fünf Uhr schlafen gelegt, nur um mich um sechs Uhr wieder wecken zu lassen. Man. Wie ich dass alles hasste. Konnte nicht endlich mal jemand einen gefährlichen Virus entwickeln, sodass schön alle zu Zombies werden und ich die Welt retten kann? Oder eine gigantische Bombe bauen und das weiße Haus in die Luft sprengen? Mit solchen Gedanken war ich eingeschlafen. Man. Ich war schon ein komischer Typ.
Das unglaublich nervige Geräusch meines Weckers weckte mich an diesem Morgen. Genervt drehte ich mich zur Seite um weiter zu schlafen. ,,Araragi, bist du immer noch nicht wach?“, hörte ich meine Mutter von unten rufen. ,,Nein, natürlich nicht...“, antwortete ich sarkastisch und setzte mich auf. Man, hatte ich Kopfschmerzen. Ich schlürfte ins Bad und betrachtete mein Spiegelbild. Der selbe Araragi wie immer, mit den selben müden, genervten Gesichtsausdruck und der selben verstrubbelten Frisur. Ich seufzte. ,,Araragi!“, rief meine Mutter etwas energischer. ,,Ja! Was ist denn?!“, brüllte ich genervt und streifte mir T-Shirt und Jeans über. ,,Was ist denn?“, fragte ich noch einmal und trabte die Treppe hinunter. ,,Du bist spät dran...“, lächelte meine Mutter und deutete auf die Uhr. ,,Scheiße!“, murmelte ich, stopfte mir einen Pfannkuchen in den Mund und huschte durch die Tür.
Ich rannte die Straße entlang. Mist! Hibiko würde mich in der Luft zerreißen, wenn ich wieder zu spät kam. Die Bahn fuhr nur einmal in der Stunde und ich bin sicher sie wollte die Mathearbeit nicht alleine in den Sand setzen. ,,Da bist du ja!“, hörte ich ihre Stimme hinter mir. ,,Hibiko. Ähm, wir sind spät dran, also...“, murmelte ich. ,,Gehen wir.“, antwortete Hibiko, schwang sich die Tasche über die Schulter und trabte neben mir her. ,,Wenn wir uns beeilen, dann ist Arisu auch noch im Zug.“, lächelte ich meine Freundin an, welche gleich etwas eingeschnappt aussah. ,,Arisu ist schon lange in der Schule, sie ist nämlich vernünftig und pennt nicht bis kurz vor acht so wie andere Leute...“, lachte Hibiko und grinste fies in meine Richtung. Entnervt stöhnte ich auf, ich hasste ihren Sarkasmus. ,,Der Zug...“, Hibiko blieb stehen und folgte mit ihren Augen dem Zug, der langsam anfuhr. ,,Super, der ist weg...“, murmelte ich und legte den Kopf in den Nacken. Der Himmel war richtig blau, dabei war es Winter. Wir hatten milde vierzehn Grad, keinen Schnee. ,,Komm, dann laufen wir eben...“, stieß mich Hibiko an. ,,Äh, ja klar...“, murmelte ich ein wenig benommen und folgte ihr. Hibiko hatte diesen besonderen, entschlossenen Blick. Sie sah immer fröhlich und vertrauenswürdig aus, jeder aß ihr aus der Hand.
Gemütlich schlenderten wir einen Feldweg entlang, alles war noch ziemlich trübe, die Sonne gerade erst aufgegangen und die Vögel hingen lasch auf den Zweigen einiger Kirschblüten. ,,Wir werden zu spät kommen...“, lächelte Hibiko mich an. ,,Mh, und wenn schon...“, machte ich und mein Blick streifte wieder den Himmel. ,,Weißt du, Aki...“, lächelte Hibiko und hakte sich bei mir ein. ,,Du sollst mich nicht Aki nennen...“, stöhnte ich genervt. ,,...du bist mit deinen Gedanken schon wieder ganz woanders...“, beendete sie ihren Satz und sah mich mit ihren großen, blauen Augen an. Mein Blick streifte ihr viel zu kurze Schuluniform und ich sah zur Seite. Ich war rot angelaufen. Für einen Moment hörte man nur das pochen meines Herzens und ich fühlte mich ziemlich unwohl. ,,Aki?“. ,,Äh, da fällt mir ein...“, ich druckste herum. ,,Hm?“. ,,Ich hab noch zwei Karten für das Omibosu Konzert nächste Woche, also...“, fügte ich hinzu. ,,Wollen wir zusammen dahin gehen?“, strahlte sie mich an. ,,Klar, also... können wir machen...“, antwortete ich neutral. Hibiko lächelte und ihre Augen sahen sogar noch strahlender aus, als sonst. ,,Ach, da fällt mir ein, wolltest du nicht im nächsten Halbjahr in die Musik AG?“. ,,Hm? Ja...“, antwortete sie. ,,Also willst du immer noch Sängerin werden...“. ,,Natürlich, warum sollte ich diesen Traum so plötzlich aufgeben?“, lachte sie.
Nach einer Weile standen wir vor unserer Schule. ,,Wir kommen zu spät zur Morgenversammlung, Nakao-Sensei wird uns nachsitzen lassen...“, seufzte Hibiko und sah mich ein wenig verloren an. ,,Mh.“, machte ich nur und schaute zum Versammlungssaal. Es klingelte, Hibiko erschrak, zuckte zusammen. Während ich damit beschäftigt war Arisu zwischen all den unwichtigen herausstürmenden Schülern zu erkennen. Arisu war in der Oberstufe, und obwohl ich noch nie ein Wort mit ihr gewechselt hatte, beeindruckte sie mich immer wieder. So wie letztes Jahr, als sie ganz alleine ein riesiges Schulfest auf die Beine gestellt hatte. Ja, jeder mochte Arisu. Ich auch. Ich denke, dass ich Hibiko manchmal ziemlich nervte mit meiner ewigen Schwärmerei. Und dann sah ich sie. Mit ihren dünnen Beinen schritt sie elegant voran, ihrer Schulbücher im Arm und mit einem leichten Lächeln. Mit einem Mal blieb sie stehen und schaute in die Runde, musterte jeden ganz genau. Arisu war Schulsprecherin, und dass mit einem Vorsprung von achtundsiebzig Stimmen vor Hibiko. Ich denke dass war ein weiterer Grund, warum Hibiko sie nicht mochte. Ich zuckte zusammen. ,,Was ist?“, hakte Hibiko sofort nach. ,,S-Sie kommt hierher...“, stotterte ich. ,,Hibiko?“, ihre Stimme klang unglaublich weich. ,,Hm?“, machte Hibiko unbeholfen. ,,Nakao-Sensei hat mich gebeten dich und, ähm...“, sie sah mich kurz an. ,,...ihn, in sein Büro zu bestellen.“. Super. Sie kannte nicht mal meinen Namen, und mal ganz abgesehen davon dass sie zwei Jahre älter war als ich, hatte ich keine Chance ihr meinen Namen zu verraten, denn Arisu war schon wieder im nächstbesten Gang verschwunden. ,,Schnepfe...“, murmelte sie, griff nach meiner Hand und marschierte zum Büro von Keiichi Nakao, unserem verhassten Direktor. Hibikos Hand war ziemlich warm, und irgendwie irritierte mich dass. ,,Was?“, ihre Stimme klang zornig. ,,N-Nichts.“. Sie seufzte, blieb stehen und hämmerte gegen die Blechtür von Nakaos Büro. ,,Aha, da seid ihr ja! Zum dritten mal in Folge zu spät!“. ,,Tut uns leid.“. Huch. Wo war denn auf einmal Hibikos Entschlossenheit geblieben? ,,Habt ihr auch eine eurer billigen Ausreden parat?“. ,,Ja, also ich meine nein, also ich meine...“, ich hatte mich mal wieder total verhaspelt. ,,...Wir haben den Zug verpasst...“, beendete Hibiko meinen Satz. ,,Ach, nun ist also schon wieder der Zug schuld, hm? Na gut, wenn dass so ist könnt ihr ab morgen den Ferienunterricht besuchen.“, grinste Nakao fies. ,,Ferien-“, stotterte ich und sah Hibiko an. ,,-unterricht?!“, beendete sie schon wieder meinen Satz. ,,Wollen sie uns verarschen!?“, schrieen wir im Chor. ,,Jetzt schaltete mal einen Gang runter, ihr seid ja ein richtiges Liebespaar.“, lachte Nakao. ,,LIEBESPAAR?!“. Und schon wieder hatten wir im Chor geantwortete. ,,Sie können uns doch nicht zum Ferienunterricht schicken, d-dass ist unmenschlich!“, rief Hibiko und hatte einen wirklich ernsten Ausdruck in den Augen. Nakao seufzte. ,,Da Japaner sowieso kein Weihnachten feiern, liebe Hibiko, ist es durchaus menschlich.“. Ich biss mir auf die Lippe und musterte Nakao. Mit seiner zerzausten Frisur und den tiefen Falten auf der Stirn, hatte er irgendwie etwas von einem Altenpfleger. Hibiko wollte Nakao noch weitre Dinge an den Kopf werfen, doch ich legte meine Hand auf ihre Schulter und warf ihr ein mattes Lächeln zu. Sie seufzte. ,,Gehen wir...“, murmelte ich mit einem abwertenden Stimme und sah Nakao tief in die Augen. Super. Er schien zu wissen wie scheiße ich ihn fand. Ich riss die Tür auf und Arisu stand unmittelbar vor mir. Ich spürte wie ich rot anlief. ,,Kann ich kurz...“, murmelte Arisu und drängelte sich an mir vorbei. Scheiße, ich sollte wirklich mal zum Arzt gehen , ich mit meinem ewigen Herzrasen.
,,Man, wenn du so weitermachst weiß bald jeder dass du auf sie stehst...“, keifte Hibiko. ,,Wieso dass denn?“, fragte ich ganz erschrocken. ,,Hast du schon mal dein Gesicht gesehen, wenn sie in deiner unmittelbaren Nähe steht?“, lachte Hibiko. ,,Man, du bist echt mies.“, murmelte ich und verschränkte die Arme. ,,Ach, komm es war nicht so gemeint...“, lachte Hibiko. ,,Tzz...“, machte ich immer noch beleidigt. ,,Man, du hättest mal dein Gesicht sehen müssen, als sie vor die in der Tür stand!“, Hibiko schien vor Lachen fast zu platzen. ,,Ja ja, danke für dein Mitgefühl...“. Ich sah mich um. Aus irgendeinem Grund sahen uns alle an. Super. Wir hatten wieder einmal schön rumgeschrieen. ,,Was haben wir jetzt?“, fragte ich um vom Thema abzulenken. ,,Mathe.“, antwortete Hibiko schlicht. ,,Na toll.“, ich war sichtlich genervt.
,,Ah, schön dass ihr Beide euch auch dazu entschieden habt, am Unterricht teilzunehmen.“, murmelte meine Klassenlehrerin, wobei ihr Spott nur mir galt, sie schien Hibiko nämlich ziemlich zu mögen. ,,Wir hatten noch was mit Nakao-Sensei zu besprechen.“, grinste Hibiko frech. ,,Kein Problem.“. Ach, auf einmal war es nicht mehr so schlimm? Man. Ich hasste diese Schule, ich wollte einfach nur nach Hause. ,,Aki.“, stieß mich Hibiko an. ,,Irgendwann schlage ich dich wegen diesem scheiß Spitznamen...“, motzte ich sie an. ,,Wir haben gleich Musik.“, fuhr sie fort. Hibiko schien sich richtig zu freuen und strahlte. Und irgendwie hatte sie die Fähigkeit andere mit ihrer Art anzustecken und glücklich zu machen. Es klingelte und Hibiko sprang sofort auf, sie brannte darauf mir irgendetwas zu zeigen. Hibiko schleifte mich durch den Flur zum Musikraum und platzierte mich auf einem der vielen Stühle. Kurz darauf trabten auch die Anderen wiederwillig in den Klassenraum. Unter ihnen waren auch einige Oberstufenschüler. ,,Hallo alle zusammen, da heute der