Kimi no Shiranai Monogatari
Über den Wolken.
,,Aki!“, hörte ich Hibikos laute Stimme aus der Ferne. ,,Tach...“, murmelte ich und wartete bis sie direkt vor mir stand. Sie sah mich ein wenig verdutzt an. ,,Was ist denn?“, fragte ich ein wenig entnervt. Ihre Antwort darauf kam prompt. ,,Wer ist das?“, fragte sie und deutete auf das Mädchen neben mir. ,,Achso, ja... dass ist eine lange Geschichte...“. ,,Hm, egal ich will es gar nicht wissen...“, antwortete Hibiko und musterte sie genau. ,, Masutā...“, machte sie und klammerte sich ängstlich an meinen Arm. Hibiko hob eine Augenbraue. ,, Masutā, ja?“, lachte sie. ,,Dass ist nicht witzig...“, murmelte ich. ,,Was hast du denn mit der gemacht, dass sie dich “Masutā“ nennt?!“, lachte Hibiko weiter. ,,Hörst du jetzt endlich mal auf...“, stöhnte ich genervt auf. ,,Oh ja, es tut mir leid Masutā Araragi!“. Hibiko schien sich gar nicht mehr einzukriegen. Beleidigt drehte ich mich weg. ,,Ich ignoriere dich jetzt!“. Gesagt getan, genervt verschränkte ich die Arme und ging weiter. ,,Ach Aki, so war dass doch nicht gemeint.“, beruhigte mich Hibiko, immer noch kichernd. ,,Ja ja...“. ,,Ach, da fällt mir ein...“, lächelte Hibiko und sah kurz in den Himmel. ,,...ich wollte nachher noch mit meiner Cousine und ihrem Freund nach Ikebe, willst du vielleicht mitkommen?“, beendete sie ihren und sah mich erwartungsvoll an. (*Anmerkung Ikebe = japanisches Schnellrestaurant / Café ). ,,Hm, mal sehen. Ich muss mit der Puppe hier noch zur Polizei, sonst werde ich sie ja nie los...“, antwortete ich und deutete auf das Mädchen von Gestern. Hibiko sah ein wenig bedrückt aus. ,,Weißt du wie lange der Ferienunterricht heute geht?“, fragte ich um das Thema zu wechseln. ,,Bis kurz vor elf...“. ,,Dann haben wir doch noch den ganzen Vormittag Zeit um zu Ikebe zu gehen.“. ,,Also kommst du mit?“, ihre Augen sahen gleich wieder etwas fröhlicher aus. ,,Ja ja.“, lächelte ich und fuhr mir mit der Hand durch Haar. ,,Aki, der Zug...“, lächelte Hibiko und stieg ein. Ich seufzte, gab es etwas Schlimmeres als Ferien-Unterricht? Wie konnte man nur das Wort „Ferien“ mit dem ätzenden Wort „Unterricht“ zusammenbringen? Ich sah mich kurz um, mein Blick schweifte den Platz, an dem Arisu sonst immer saß. Sie war nicht da. Natürlich nicht. Ihre Noten waren super, sie fiel nie unangenehm auf und hatte somit auch im Ferien-Unterricht Nichts verloren.
,,Masutā...“. ,,So du wartest hier...“, murmelte ich und schob sie in eine Ecke hinter das Schulgebäude. ,,Wenn ich du wäre, würde ich sie am Besten noch anketten...“, hörte ich Hibiko hinter mir lachen. Ich funkelte sie böse an. ,,Hab ich da etwa wieder Salz in die offene Wunde gestreut?“, grinste Hibiko fies. ,,Nein, aber du nervst mich. Komm gehen wir...“, ich wandte mich von Hibiko ab und betrat mit Enthusiasmus und Ironie das Schulgebäude. Ein Blick auf den Stundenplan genügte und meine falsche gute Laune war getrübt. Mathe. Gab es etwas Schlimmeres als Mathe? Na gut, Chemie vielleicht. ,,Du siehst ja auch wieder total motiviert aus, Aki...“, lachte Hibiko und beobachtete mich dabei, wie ich mit dem Mathearbeitsblatt zu kämpfen hatte. ,,Nein, ich liebe Mathe und Ironie...“, murmelte ich und sah aus dem Fenster. Ob sie wohl immer noch hinter der Schule auf mich wartete? Mir war so langweilig, ich hätte beinahe Hausaufgaben gemacht, doch dann kam mir die Idee, Nakao-Sensei gemeinsam mit Hibiko, ganz dezent mit Papierfliegern abzuwerfen. Der Tag war gerettet.
,,Also wir sehen uns bei Ikebe!“, verabschiedete sich Hibiko. Ich hingegen schlenderte um die Schule herum, wohin ich den “Engel“ verfrachtet hatte. ,,Ah, da bist du ja...“. Innerliche seufzte ich auf, warum konnte sie nicht einfach verschwinden? Man. ,,Masutā...“, machte sie ein wenig verschlafen und warf mir ein mattes Lächeln zu. ,,Na komm, gehen wir...“, ich griff nach ihrer Hand und schleifte sie wie einen Klotz hinter mir her. ,, Masutā, wo gehen wir hin?“. ,,Zur Polizei, damit du mich nicht mehr nervst...“. Sie sah mich erschrocken an. ,,Was ist? Jetzt sag mir nicht du bist Mann Staatsfeind Nummer eins, oder eine bekannte Auftragskillerin...“, bluffte ich und lächelte ihr zu. ,,N-nein Masutā...“. Ich seufzte. ,,Na gut, dann komm jetzt, ich gehe nachher noch mit Hibiko zu Ikebe und habe keine Lust zu viel zeit mit dir zu verplempern...“, murmelte ich rasch und schleifte sie in den nächsten Zug Richtung Polizeistation. ,,Masutā?“. ,,Hm?“, machte ich nur und sah sie aus den Augenwinkeln an. ,,Wirst du mich jetzt alleine lassen?“, fragte sie ein bisschen verzweifelt. Ich seufzte. ,,Warum alleine lassen, ich kenn dich doch gar nicht...“. ,,Mh.“, machte sie als Antwort und blieb stehen. Wir waren an unserem Ziel angekommen. Endlich, ein Problem weniger. Ich öffnete die Tür einen Spalt weit, sodass sie schnell reinhuschen konnte. Auch ich betrat das Gebäude und sah ein paar Polizistin, die wohl richtig Spaß an ihrer Arbeit hatten. Dass konnte man dann so verstehen, dass die Meisten schliefen und der Rest gelangweilt in ihren Kaffeetassen herumrührten. Ich räusperte mich und bekam ein paar verschlafene Blicke ab. ,,Was haben wir denn hier...“, hörte ich die freundliche Stimme einer Polizistin hinter mir, die mich mit ihren sanften, braunen Augen musterte. ,,A-Also...“, begann ich und überlegte kurz was genau ich sagen sollte. ,,...ich würde gerne wissen ob es irgendwelche Vermisstenanzeigen im Zeitraum von letzter Woche gibt.“. ,,Von letzter Woche, hm...“, murmelte die Polizistin und kramte auf ihrem ziemlich chaotischen Schreibtisch herum. Durch die Luft wirbelten nun neben einer Menge Staub, ein Großteil verwahrloster Papiere und kleine Fotos, Passbilder. ,,Ah, hier schau mal.“, machte sie nach einer Weile und reichte mir einen Ordner. ,,Hm, danke...“, murmelte ich und überflog die Papiere, bis ich am Ende doch noch auf etwas stieß.
,,Hier...“, machte ich und der “Engel“ lugte mir über die Schulter. ,,Masutā...“. ,,Da, das bist du doch, oder?!“, fuhr ich hektisch fort und deutete auf ein loses Blatt Papier. `Emi Fumiko´ (*Anmerkung Emi = gesegnete Schönheit ) stand darauf, und ein Mädchen mit ausdrucksloser Miene war auf dem Gesicht war abgebildet. Sie sah alles in allem ziemlich unzufrieden aus. ,,E-Emi, ist dass dein Name? Emi?“. Sie nickte. Auf einmal überkam mich ein unglaublich schlechtes Gewissen und die Stille im Raum schien mich erdrücken zu wollen. ,,Die Eltern des Mädchens sind kürzlich verstorben, wissen sie.“, sah mich die Polizistin mit der unglaublich beruhigenden Stimme an. ,,Wirklich?“. Sie nickte. ,,Ihre Großeltern haben die Anzeige ins Leben gerufen, als Fräulein Fumiko von Zuhause weggelaufen ist, jedoch haben weder ihre Großmutter noch ihr Großvater die Vormundschaft für sie, also nehme ich an, Fräulein Fumiko bleibt bei ihnen?“, sie sah mich fragend an. ,,B-Bei mir?!“, stotterte ich entsetzt. Emi sah mich erwartungsvoll an. ,,Tut mir leid, aber dass geht wirklich nicht..!“, beendete ich meinen Satz. ,,Nun, da sie auch noch nicht volljährig sind, würde ich nur zu gerne mit deiner Mutter, oder deinem Vater sprechen.“, antwortete die Polizistin ruhig. Wiederwillig gab ich ihr meine Telefonnummer und setzte mich gemeinsam mit Emi ins Wartezimmer, ließ die Beamtin telefonieren. ,, Masutā, ich will dir nicht zur Last fallen, aber...“. ,,Du fällst mir aber zur Last, und wie du das tust!“, knurrte ich sie an und ihr Blick wurde von Sekunde zu Sekunde trauriger. Mittlerweile sah sie schon beinahe so aus wie auf dem Bild von der Vermisstenanzeige. Mein genervter Blick schweifte das Kalenderblatt. Freitag. Ich sammelte meine Gedanken. Freitag. Omibosu. Hibiko. Oh. Verdammt, dass hatte ich komplett verpennt. Ganz klasse, mal wieder. Ich hatte es schon immer gewusst, irgendwann würde ich für meine Schussligkeit noch einen Plastikpokal bekommen. Die Polizistin betrat das Zimmer. ,,Araragi, kommen sie bitte mal mit...“, lächelte sie. Emi folgte mir in das Büro der Beamtin. ,,Also...“, sie setzte sich in einen bequemen Schreibtischstuhl. ,,...ihre Mutter hätte kein Problem damit, wenn Fräulein Fumiko für eine Weile das Gästezimmer bezieht, sie müssten dann nur noch hier unterschreiben...“, fuhr sie fort und reichte Emi Papier und Stift. ,, Masutā?“, Emi sah mich fragend an. Genervt verzog ich ein Gesicht und sah aus dem Fenster. Emi lächelte und unterschrieb. ,,Alles geschieht aus gewissen Gründen...“, hätte mein Vater an einer solchen Stelle gesagt. Ich biss mir auf die Unterlippe und versuchte nicht zu böse dreinzuschauen. Ein kurzer Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk genügte und ich sprang vom Stuhl auf. Die Polizistin sah mich verwundert an. ,,Ich bin noch verabredet. Da du mir ja immer und ständig hinterherläufst, wirst du wohl noch wissen wo ich wohne...“, zischte ich Emi zu und verließ das Gebäude, schnurstracks Richtung Innenstadt.
,,Da bist du ja endlich!“, knurrte Hibiko mich an und legte die Hände auf die Hüften. Ich musste erst einmal verschnaufen, man war ich gerannt. Solche Höchstleistungen hätte ich von mir gar nicht erwartet. Hibiko sah irgendwie anders aus als sonst. Sie hatte sich einen Zopf gemacht und ihre Haare waren ziemlich lockig. Außerdem trug sie einen warmen, rosafarbenen Mantel, der ihr bis zur Taille ging. Dadurch dass sie zur Abwechslung mal nicht die Haare mitten im Gesicht hängen hatte, sahen ihre Augen noch größer aus als sonst. ,,Warum starrst du mich so an, hm?“. ,,Hä? Ach, nur so...“. Erst jetzt sah ich Hibikos kichernde Cousine hinter ihr stehen. Amaya. Man, die hatte ich lange nicht mehr gesehen. Und neben ihr Uyeda, ihr Freund der gefühlt drei Köpfe größer war als ich. Eigentlich waren es nur sieben Zentimeter.
Während wir so durch die Einkaufsstraße schlenderten, begangen Amaya und Uyeda nach einer Weile wild