Fanfic: Angel Beats
wieder? Da schlief ich endlich mal wie ein Stein – und man weckte mich. Nein – keine Lust. ,,Coleen, verdammt! Ist er weg? Er ist doch weg, oder? Oh Gott!“, zeterte eine aufgeregte Stimme. Irgendwas zerrte an meiner Bettdecke und ich riss meinen Kopf hoch. Ich versuchte irgendwas zu erkennen, doch in meinem Zimmer war es stockdunkel. ,,Endlich, du bist wach. Siehst du mich?“. ,,Leander...“, stöhnte ich entnervt und wollte mich wegdrehen. ,,Siehst du mich?!“, wiederholte er sich. ,,Nein.“. ,,Oh nein, neiiiin, er ist weg, ich wusste es, mein Körper ist weg. Für immer weg!“, flennte Leander. Entnervt rückte ich ein Stück nach oben und knipste das Licht meiner Nachttischlampe an. Sofort blinzelten mich ein Paar Husky-Augen an. ,,Jetzt sehe ich dich.“, seufzte ich. Ehrlich gesagt wünschte ich mir, ich hätte ihn nicht gesehen. Ich wünschte mir, er würde einfach in einer Rauchwolke verpuffen. ,,Gott sei Dank!“. ,,Warum machst du jede Nacht so einen Terz?“, fluchte ich und zog mir die Bettdecke über den Kopf. ,,Terz? Was ist das?“. ,,Vollidiot!“, quiekte ich unter der Bettdecke hervor und knipste das Licht wieder aus. So etwas machte Leander andauernd. Seit ich ihm gesagt hatte, er würde seinen heißgeliebten Körper irgendwann verlieren, nur um ihn ein wenig aufzuziehen versteht sich, rüttelte er mich immer wieder Nachts wach und fragte mich, ob ich ihn denn noch sehen könnte. Dieser selbstverliebte Idiot. Dieser herrliche Idiot. ,,Man, ich bin echt erleichtert, ich dachte diesmal wirklich, er wäre weg...“, seufzte Leander und setze sich auf die Fensterbank. ,,Hör mal, du bist doch ein Engel-“. ,,Ich bevorzuge den Ausdruck Wächter!“, unterbrach er mich. ,,Ja, ja! Wie auch immer, warum schwirrst du nicht einfach ab? Du nervst mich.“, gab ich zurück und drehte mich zur Seite. Leander sprang gekonnt von der Fensterbank und landete in einem Satz auf meinem Bett. ,,Was soll dass?“, zischte ich ihn an. Leanders Augen durchbohrten mich – schon wieder. Ich musste schlucken. Er rückte zur Bettkante, machte es sich in der Ecke bequem und begann, „Indigo Girl“ zu summen. ,,Dein Platz ist da unten...“, flüsterte ich und deutete auf das freie Plätzchen neben meiner Heizung. ,,Ich weiß, aber du wolltest doch, dass ich was singe.“. ,,Aber du summst nur.“, korrigierte ich ihn. ,,Du kannst ja auch nicht mal eine Sekunde lang abwarten – ich muss mich erst an den Text erinnern.“, murmelte er. ,,Aha.“, machte ich Schulterzuckend und drehte mich zur Seite. Er räusperte sich kurz und flüsterte die ersten Zeilen vor sich hin, bis er anfing, lautstark zu singen. ,,Geht doch...“, seufzte ich und schloss mit einem Lächeln meine Augen. Ich schlief nicht. Ich hörte ihm gespannt zu. Seine Stimme half mir, zumindest wenn er sang, mich zu entspannen.
Als Leander fertig war, öffnete ich meine Augen wieder. Er schien sich auch ein bisschen ausgeruht zu haben. Vielleicht konnte ich jetzt mit meiner Unterrichtsstunde anfangen. ,,Leander, du weißt ja, dass ich dir jeden Abend etwas beibringe-“. ,,Ja, und du bist eine lausige Lehrerin...“, seufzte er. ,,Dass hab ich jetzt mal überhört!“, zischte ich ihn an. Ich sah zu Leander herüber – er lächelte. Und es war nicht diese nervige, selbstgefällige Grinsen, nein es war ein sehr beruhigendes, leichtes Lächeln. ,,Also du wolltest mir wieder irgendwas beibringen.“. ,,Äh, ja. Also...“, ich war regelrecht zusammengezuckt. ,,Ich höre.“. ,,Also, Leander. Ich wollte dir heute mal erklären, was es bedeutet zu lieben und-“. ,,Ich will Nichts über Krankheiten wissen...“, machte Leander kühl. ,,Dass ist doch keine Krankheit!“. ,,Oh, doch...“. Liebe war also für ihn und seine anderen Engelchen eine Krankheit? Super – die wurden mir ja immer sympathischer. Ich seufzte und kuschelte mich wieder zwischen meine Kissen. Leander sah kühl zur Seite und würdigte mich keines Blickes mehr. Er sagte auch die ganze restliche Nacht Nichts mehr. Kein einziges Wort.
,,Coleen...“, weckte mich mein Vater früh morgens und kam rein, ohne vorher anzuklopfen. ,,Hm?“, gab ich nur unbeholfen zurück und zog mir die Bettdecke über den Kopf. ,,Deine Mutter und ich gehen jetzt deine Tante besuchen – du willst wohl nicht mitkommen, hm?“. ,,Nein.“, maulte ich unter der Bettdecke hervor. ,,Na gut, dann Schlaf mal weiter...“, lächelte mein Vater und verließ mein Zimmer so schnell wieder, wie er gekommen war. ,,Leander?“, erkundigte ich mich vorsichtig. Keine Antwort. ,,Leander!“, machte ich nun befehlend und erwartete, dass er sich zeigte. Ich setzte mich auf. Und da war er – Leander. Aber nicht, wie sonst auch, zusammengerollt neben der Heizung, sondern in meinem Bett. Er öffnete verschlafen die Augen und setzte sich vorsichtig, aber schwungvoll, auf. Ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss. Seine Haare waren noch strubbeliger als sonst und er sah ein bisschen verloren drein. Ja – er sah gut aus. ,,Was ist?“, meldete sich Leander zu Wort – ich hatte ihn wohl, mal wieder, etwas zu lange angestarrt. ,,Ach, Nichts. Also, ich wollte mich nur vergewissern, dass du auch schon wach bist.“. ,,Nun, jetzt bin ich wach.“, zischte er und sprang gekonnt mit einem Satz auf und landete, wenn auch auf wackeligen Beinen, auf dem Boden. ,,Bist du sauer?“. ,,Nein.“, machte er kühl und streckte sich erst einmal. ,,Ich geh jetzt duschen.“, sagte Leander nach einer Weile und lächelte mich an. ,,Och, nein!“, quiekte ich. ,,Ich will noch nicht aufstehen!“. Er seufzte. ,,Aber Coleen-“. ,,Nein, du hast mir lange genug auf der Nase rumgetanzt! Jetzt bleib ich erst mal liegen!“. Leander hockte sich neben mich ans Bett und sah mich mit seinen Husky-Augen an. ,,Was machen wir heute?“, erkundigte er sich und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. ,,Wieso wir? Ich mache ja andauernd was – aber du schwirrst immer nur hinter mir her und nervst.“, seufzte ich und rückte etwas weiter von ihm weg. ,,Du nervst mich auch!“, zischte er. Ich setzte mich auf. ,,Du solltest echt zurück zu deinen anderen Engelchen – hier wirst du nicht mehr gebraucht.“, murmelte ich und rollte mir den Augen. ,,Wie-?“, er war ganz erschrocken. ,,Mensch, Leander! Dass hat doch keinen Sinn. Ich war noch nie wirklich in Gefahr, ich brauche keinen Beschützer. Je mehr Zeit wir verbringen, desto mehr habe ich das Gefühl, wir sind so was wie – na ja, Freunde, von mir aus, Freunde. Aber du weißt gar nicht, was das ist. Du beobachtest dass nur von außen, aber du fühlst es nicht hier drin.“. Ich deutete auf mein Herz. Leander sprang empört von meinem Bett auf und begann hektisch in meinem Zimmer auf und ab zu tigern. ,,Ich fühle sehr wohl etwas, Coleen.“. Ich seufzte. ,,Wie kannst du nur behaupten, dass ich keine Gefühle habe?“, ereiferte sich Leander weiter. ,,Als wir zum Beispiel gestern diese Melodie gehört haben – na, was war da? Da war es in meinem Bau plötzlich anders, und ich konnte nicht richtig schlucken. ,,Ruhe jetzt, ich bekomm von deinem Gebrabbel Kopfschmerzen!“, befahl ich. ,,Und dann...“, fuhr er gestikulierend fort, ohne mich zu beachten, „kam auf einmal Wasser in meine Augen. Ihr nennt das Tränen der Rührung oder so.“. ,,Sonst sagst du immer, du hättest nur etwas im Auge gehabt.“. ,,Ja, weil ich weiß, dass ihr Menschenmädchen es nicht mögt, wenn Männer weinen.“. Ich kicherte. ,,Du bist kein Mann, Leander. Du bist alles andere, aber kein Mann.“. ,,Und du bist kein Mädchen. Du fühlst ja auch fast nie was.“, brummte Leander beleidigt. ,,Erzähl du mir nix vom fühlen...“, murmelte ich gelangweilt. ,,Wenn du schon meinst ich würde Nichts fühlen, dann musst du es mir eben beibringen. Immerhin hast du mir ja auch beigebracht wie man isst und trinkt und duscht. Apropos duschen, könnte ich vielleicht schnell-“. Er schielte Richtung Tür. ,,Nein.“. ,,Und warum willst du noch mal gleich hier bleiben? Wie gesagt – ich brauche keinen Beschützer.“, setzte ich giftig hinterher. ,,Ich weiß nicht genau. Das ist – hier drin. Ja, genau hier.“. Er legte die linke Hand auf seinen Bauch. ,,Und manchmal auch hier.“. Die Hand wanderte zu seiner Brust. ,,Wie so ein Ziehen und Brennen. Ich kann es nicht erklären, denn eigentlich finde ich die ja ganz furchtbar, aber ich muss bleiben. Ich muss einfach! Auch wenn es unlogisch ist, ich will hier sein.“. Leander sah mich erwartungsvoll an. ,,Du bist bekloppt.“, seufzte ich. ,,Aber – das ist immerhin ein Anfang.“, fügte ich hinzu und erlaubte ihm, zu duschen. In dem Moment wurde mir klar, dass ich eine Menge Arbeit vor mir hatte.