Eine ganze Welt

Eine ganze Welt

Traurig stand sie am Fenster und blickte in die kalte, dunkle Nacht hinaus. Sie konnte deutlich spüren wie seine Blicke auf ihr lagen. Seit die Beiden das Zimmer betreten hatten herrschte Schweigen, lässig stand er gegen die Wand gelehnt ein Stück hinter ihr. Das einzige Geräusch entstand als er seinen Mantel ablegte. Starr hatte sie ihren Blick auf einen weit entfernten Stern gerichtet, er blinkte schon heftig und würde bald in einem finalen Leuchten verglühen, genau wie er. Vorsichtig presste sie die Hand gegen die Scheibe, von ihrer wärme bildete sich ein Abdruck, ob sie auch einen Abdruck in seinem Leben hinterlassen hatte? Wenn ja, war dieser von Dauer? Sie biss sich auf die Lippe um ihn nicht anzuschreien, stattdessen trug sie einen inneren Kampf mit sich aus. „Sag es“, erklang seine Stimme hinter ihr. Wie immer wusste er genau was sie dachte. Äußerlich zeigte sie keinerlei Reaktion, aber innerlich löste es eine Sturzflut aus. Den Blick weiter auf den Stern gerichtet prasselten die Worte aus ihrem Mund „Wieso tust du das? Du weißt genau, dass es purer Selbstmord ist“ In der Spiegelung der Scheibe konnte sie seine Reaktion sehen. Er verschränkte die Arme und senkte seinen Kopf, mit einer Selbstsicherheit als hätte er schon tausende von Leben hinter sich sagte er „Weil ich versuchen muss ihn auf den richtigen Weg zu führen. Ich habe seine Familie, unsere Familie getötet und er wird es mir nie verzeihen, er sieht nicht die Notwendigkeit dahinter, er kennt die Wahrheit nicht“ Vorsichtig tastete sie sich durch jedes Wort, dass er gesagt hatte. Wieder trat die Stille an die Stelle, an der so viele ungesagte Worte hingen. Malerisch unterstrich die Dunkelheit in dem Raum die Atmosphäre, nur ein Knarren durchbrach die Wand an dem was in der Luft hing. Er war ein Stück näher an sie herangetreten. Sie drehte sich ein bisschen, wollte ihm direkt ins Gesicht schauen, schaffte es aber nicht, ihre Augen wanderten Richtung Boden. Dennoch, sie hatte ihm etwas zu sagen
„Wenn das deine Entscheidung ist, dann werde ich sie akzeptieren“, ihre Stimme wurde leiser „Von mir würdest du dich sowieso nicht aufhalten lassen“ Sie wollte ihr Gesicht schon wieder abwenden, da spürte sie seinen Atem an ihrem Ohr, heiß strich er ihren Hals hinab. „Du wärst die Einzige die es könnte“ Er hatte die Arme links und rechts neben sie gelegt, ein Schauer durchfuhr sie. Sie kannten sich schon seit Ewigkeiten, immerhin gehörten sie einmal demselben Clan an und waren fast gleich alt, doch so nahe waren sie sich noch nie. Vorsichtig legte er die Hand an ihr Kinn und drehte ihren Kopf zu sich. Hatte sie doch Spuren hinterlassen? „Du warst immer die Einzige“, er lächelte. Ihr wurde ganz warm. Warum musste es ausgerechnet in diesem Moment passieren? Sanft zog er sie zu sich, als wollte er sich vergewissern, dass sie auch wirklich einverstanden war. Dann war er da, der Moment in dem sich ihre Lippen berührten, ihr Herz begann zu rasen. Es prickelte angenehm, dann öffnete sie ihre Lippen leicht und es war als würden ihre Zungen einen vertrauten Tanz aufführen. Sie würde von Glücksgefühlen überflutet, doch zugleich drohte der Schmerz ihn zu verlieren, das hier zu verlieren sie förmlich zu Boden zu reißen. Sie zog ihn an sich „Bitte“, flehte sie „gib uns diese eine Nacht“ Als hätte er nur darauf gewartet hob er sie hoch und lies sie behutsam auf dem Bett nieder, dabei ließ er sie keine Sekunde lang aus den Augen. Dieser Blick, dieser wundervolle Blick, sie wollte in ihm ertrinken. Noch nie hatte sie sich so geborgen Gefühlt wie in diesem Moment. „Du bist wunderschön“, wisperte er. „Du auch“, sie legte ihre Hand auf seine Wange. Er beugte sich tiefer zu ihr hinunter, dabei strich seine Hand zärtlich über ihren Rücken. Ihr Körper war vollkommen auf ihn eingestellt und drängte nach mehr. Sie wollte jeden Zentimeter von ihm kennenlernen und anscheinend beruhte das auf Gegenseitigkeit. Sie zogen sich aus, jede seiner Berührungen lies ihren Körper erzittern.
Endlich lag sie vor ihm, in einer Flut aus ihren schwarzen, langen Haaren und sah ihn sehnsüchtig an. Er erwiderte diese Sehnsucht mit einem tiefen Kuss. Dann schliefen sie miteinander. Sie hoffte, dass dieser Augenblick nie vergehen würde, doch wie alles im Leben ist auch tiefste Innigkeit vergänglich. Sie lag in seinen starken Armen. Still begannen ihre Tränen über ihre Wange zu rollen. „Hör auf zu weinen“, er strich über ihren Kopf.
Sie bettete ihr Gesicht neben seines „Wie soll ich aufhören zu weinen, wenn ich weiß, dass mir das Liebste verloren geht. Wenn ich weiß, dass du nie wieder kommen wirst“, er wischte ihre Tränen weg und sie weinte nicht mehr, für ihn wollte sie stark sein. Ein bisschen hatte ihr diese Berührung aber auch Ruhe geschenkt. Trotzdem wollte sie es hören, sie flüsterte zu ihm
„Schenk mir das Wort, das eine ganze Welt erschaffen kann“ Er beugte sich über sie, küsste sie und flüsterte an ihren Lippen „Ich liebe dich“

Das waren die letzten Worte die sie je von ihm gehört hatte, am Morgen war sie alleine aufgewacht, am nächsten Tag hörte sie von seinem Tod. Doch heute denkt sie nicht mit Trauer an diesen Tag zurück, sondern mit unbändiger Freude. Er hatte ihr damals nicht nur das Wort geschenkt, das eine ganze Welt erschaffen kann. Nein. In dieser Nacht hatte er ihr eine ganze Welt erschaffen und auch heute noch ist ein Teil von ihm immer bei ihr.
„Mama kommst du?“, fragte das kleine schwarzhaarige Mädchen die Frau mit den wundervollen langen Haaren, die so verträumt auf den Abendhimmel blickte. „Ja, mein Schatz ich komme gleich“, sie beobachtete den Stern, der seit jener Nacht nicht erloschen war.
ENDE
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ich hoffe es hat euch gefallen^^
gglg Suki