~ Mondseelen ~ [MMFF]

Ruf des Mondes

kleine Offenbarungen

Also erstmal vorweg:
Es tut mir wirklich Leid, dass es doch etwas länger gedauert hat! Ich war mir total sicher, dass ich das schnell auf die Reihe kriege aber ich bin bei einer Stelle einfach gehangen, kam einfach nicht mehr weiter. Aber ich habs jetzt doch endlich geschafft :D
Außerdem wollte ich mich für ein paar Fehler im letzten Kapitel entschuldigen, die mir irgendwie andauernd entgangen sind, wie z. B. dass Lucera Spanierin ist und keine Italienerin... peinlich :D
Ich werde mir Mühe geben, damit soetwas nicht nochmal vorkommt!
Aber jetzt zum Kapitel:

„Uns läuft die Zeit davon“, meinte das Mädchen hinterm Tresen und ließ die Beine vom hohen Barhocker baumeln während er das nächste nasse Glas von der Ablage nahm, es mit dem blau-weiß kariertem Geschirrtuch trocknete und zurück an seinen Platz auf dem Marmorregal stellte. Jede seiner Bewegungen war dabei so gezielt ausgerichtet und geschmeidig ausgeführt, dass er beinahe auch als Lunaris durchgehen könnte. Wären da nicht die schwarzen Haare und die blutroten Augen. Schon öfter hatte sie ihn auf seine Augen angesprochen. Doch er hatte immer abgelenkt und da ihm das Thema offensichtlich nicht sehr gefiel, hatte sie es bislang dabei belassen.
„Ich fasse mal zusammen: Wir wissen, dass wir etwas suchen und, dass wir Hinweise dazu in Paris finden könnten was für einen Monat intensiver Recherche nicht wirklich viel ist.“, fügte Valentina hinzu und rührte mit ihrem Strohhalm die Eiswürfen in ihrem Glas Cola herum das vor ihr stand.
Zane nahm das letzte Glas, trocknete es ab und lehnte dann über den Tresen zu ihr hinüber. Dunkle Gewürze. Sein Duft umwehte sie, der ihrer Meinung nach besser als jedes Parfum oder Deo roch. Und in diesem Moment dankte sie für ihre sensible Nase. Er schob den Saum seines Arbeitshemdes über seinen Oberarm und gab damit seine Tätowierung preis.
„Les' es mir vor.“, flüsterte er mit wohlbedacht strengem Unterton.
„Dum spiro spero.“
„Übersetzte es.“
Sie seufzte, tat jedoch, was er wollte „Solange ich atme, hoffe ich.“
Sein Lächeln steckte sie an als er fragte: „Also was sagt uns das?“
„Vive la France! Paris wir kommen.“ meinte sie grinsend. Er tat es immer. Immer wenn sie anfing zu zweifeln, schaffte er es auf diese Weise ihr neuen Mut zu machen. Und das konnte normal bei weitem nicht jeder. Valentina dankte ihm dafür innerlich sehr, doch laut ausgesprochen hatte sie es bislang noch nicht. Was genau sie daran hinderte konnte sie jedoch nicht benennen.
Zane machte sich wieder an die Arbeit, nahm einen Zettel von der Kellnerin entgegen und mixte die aufgelisteten Cocktails ohne große Anstrengung. Kaum zu glauben, dass er erst seit einer Woche in der Bar arbeitet, dachte Valentina. Doch wenn man seinen Worten Glauben schenken konnte, war es nur logisch, dass er des Öfteren in Bars gejobt hatte. Und bestimmt nicht nur dort, denn der Mann arbeitete überall da, wo es ihn hin verschlug. Und da es ihn nirgendwo länger als zwei Monate hielt, hatte er eine Menge Arbeitserfahrung die ihn für jeden Arbeitgeber attraktiv machte, der nicht von seiner Freiheitsliebe wusste.
Valentina fischte mit Hilfe ihres Strohhalms einen Eiswürfel aus dem Glas und steckte ihn sich schnell in den Mund. Kaum hatte er ihre Zunge berührt, breitete sich schon die schmerzende Taubheit aus. Doch es half ihr sich zu konzentrieren und sich nicht andauernd von Zane ablenken zu lassen. Denn seit Monaten hatte sie eine Unruhe in sich, ein Fluchtreflex der immer stärker wurde und sie zwang Sicherheit zu suchen die sie nicht fand. Genau wie ihr die Erklärung für dieses Phänomen absent blieb. Und das ärgerte sie, brachte sie in Rage und letztendlich dazu... Fremden zu verraten was sie war. Eine Lunaris. Was in der heutigen Zeit, dank der starrköpfigen Mentalität der Bevölkerung ein schweres Eingeständnis darstelle. Man wusste zwar, dass die Lunaris unter den Menschen lebten, doch man ignorierte sie gekonnt. Also hatte sie verdammtes Glück gehabt, dass Zane auf ihren Ausrutscher der Wahrheit eher interessiert als schockiert reagiert hatte.
Er war sich an jenem Tag mit der Hand durch das dichte schwarze Haar gefahren, hatte sich zurück gegen die Lehne der Parkbank fallen lassen und hatte sie gemustert. Nach einigen Minuten hatte er, sehr zum Erstaunen von Valentina, nicht angefangen sie zu beleidigen, sondern ihr Fragen zu stellen. Stundenlang waren sie in dem kleinen Park gesessen, in dem er sie angesprochen hatte und hatten sich unterhalten. Doch am nächsten Tag war ihr ihr Fehler klar geworden, als sie in ihrem kleinen schäbigen Hotelzimmer aufgewacht war. Sie verfluchte sich dafür jemanden den sie erst seit ein paar Stunden kannte, so viel von sich verraten zu haben den sie auch noch höchstwahrscheinlich nie wieder sehen würde. Verdammt, sie war als IT-Genie dazu im Stande Computersysteme in Windeseile zu durchschauen, wurde aber schwach wenn ihr ein hübscher Junge schöne Augen machte? Wenn das keine verfluchte Ironie war. Doch es kam anders. Zane stand am nächsten Morgen vor ihrem Hotel und wollte mehr über Lunaris wissen. Mehr über sie wissen. Das war jetzt fast vor einem Monat gewesen.
Sie seufzte auf, da sie genau wusste das solche Zufälle nur in Filmen eine Zukunft hatten. Eine kitschige Zukunft, die sie sich trotzdem irgendwie wünschte.
… Und jetzt kam sie sich vor wie ein Idiot. Schnell schüttelte sie die Gedanken ab, verdrehte die Augen wegen ihres komischen Verhaltens in letzter Zeit und versuchte den nächsten Eiswürfel aus dem Glas zu fischen. Vielleicht war Ablenkung gerade doch besser für sie als Konzentration.
„Hast du Hunger, Kleines?“, fragte Zane und beobachtete sie skeptisch „Von Eiswürfeln wird man nämlich nicht satt. Das haben die Promis nur erfunden damit man ihre Disziplin lobt.“
„Was du nicht sagst!“, antwortete sie gespielt erstaunt. „Mir ist nur etwas langweilig.“
Ein kurzer Blick auf seine Armbanduhr seinerseits folgte. „Ich hab noch eine Stunde Schicht. Du kannst ja schon Mal spazieren gehen. Ich ruf an, wenn ich hier fertig bin.“
Sie nickte, strich sich ihr Kleid glatt und zog sich den Mantel über bevor sie hinaustrat.
Es wird langsam kalt, dachte sie, als sie sich dem regen Treiben auf der Promenade anschloss.

Shane Westlake sah in den Kühlschrank und bei dem Anblick mit den Zähnen. Außer einer gammligen Tomate, einem Joghurt der dem Datum zufolge morgen zusammen mit der Tomate einen Platz im Müll verdiente und einer Packung Käse war nichts mehr essbares bzw. nicht-mehr-essbares anzufinden. Das kam davon, wenn man als Student andauernd in der Mensa aß oder sich zu Hause von Dosen Ravioli ernährte. Gäste hatten dabei den kürzeren gezogen. Resigniert schlug er die Kühlschranktür zu und lehnte sich an das Gerät. Wenigstens war das Scheißding zu diesem Zweck gut.
„Wie wäre es, wenn wir wo anders frühstücken?“, rief er dem Mädchen im Wohnzimmer zu „Ich lade dich ein.“ Als sie nicht antwortete schlürfte er mit seinen grünen Wuschelhausschuhen hinüber. Sie zog sich gerade das Sweatshirt über den Kopf und setzte eine nachdenkliche Miene auf. Es dauerte etwas bis sie schließlich nickend zustimmte.
„Gut. Ich zieh mich nur schnell um.“, meinte er lächelnd.

Das Café war ganz nett fand sie. Amerikanischer Fifties Diner Look, Little Richard mit Tutti Frutti im Hintergrund, jetzt fehlte nur noch, dass die Kellnerin in Rollerskates angefahren kam, was sie nicht tat und Lucera irgendwie enttäuschend fand. Aber es fühlte sich ohnehin komisch an nach dem gestrigen Abend einen solch öffentlichen Platz aufzusuchen, auch wenn im Radio keine weiteren Unwetter vorhergesagt und versichert wurde, dass der Strom wieder überall vorhanden war.
Die quietschrote Lackbank auf der sie hockte machte bei jeder Bewegung unpassende Geräusche, weshalb sie noch steifer dasaß als sonst. Nachdem Shane für sie beide Frühstück bestellt hatte, lehnte er sich auf seiner Bank ihr gegenüber zurück und musterte sie, wie er es schon die ganze Zeit tat. Aus irgendeinem Grund der Lucera schleierhaft war wusste er aber immer wie er mit ihr umzugehen hatte. Was einerseits, eine schöne Abwechslung darstellte aber andererseits Lucera skeptischer ihm gegenüber stimmte.
„So“, fing er vorsichtig an. „Du heißt also Lucera.“
Sie nickte.
„Ich bin Shane.“
Wieder ein Nicken.
„Du bist nicht gerade gesprächig.“, unterstellte er ihr. Doch es stimmte musste sie zugeben. Damals war sie es einmal gewesen. Als Kind. Doch das war sie schon lange nicht mehr. Kein Kind mehr und nicht mehr gesprächig.
Sie zuckte die Achseln.
Er schnaufte kurz auf. Seine Augen wanderten hilfesuchend durch den Raum. Doch er fing sich relativ schnell wieder, räusperte sich und setzte fort: „Wo waren wir gestern stehen geblieben?“
Lucera wusste es genau. Sie hatte ihm eröffnet, dass sie eine Lunaris war. Und wie hatte er reagiert? Er war aufgestanden, hatte ihr Decke und Kissen geholt und dann gemeint, dass es Zeit zum schlafen sei. Das war ihr verdammt unangenehm gewesen und sie hatte geplant in der Nacht abzuhauen wenn er schlief. Doch anstatt ihm war sie zuerst eingeschlafen. Und nun saßen sie hier. Abermals zuckte sie mit den Schultern und suchte sich eine Ablenkung zu der die Karte im Halter auf dem Tisch wurde. Er sollte meinen, dass es sie nicht rührte wie er reagiert hatte. Aber die Wahrheit war, dass es das verflucht nochmal tat. Auch wenn sie nicht genau verstand wieso. Immerhin kannte sie ihn erst seit gestern Abend!
Er biss sich kurz auf die Lippe, lehnte sich über den Tisch und flüsterte: „Hör zu, ich hab nichts gegen Lunaris. Ihr seid für mich einfach Wesen, die die Erde bevölkern. So wie es wir Menschen, Tiere, und der Himmel weiß noch was, tun.“
War es zu viel verlangt einfach mal von jemandem zu hören "Eine Lunaris? Ich