Die nächste Generation

I. Ankunft in Hogwarts

Rose Weasley und Albus Potter standen noch immer am Fenster ihres Abteils, die Hand vom Winken noch erhoben, als sich die Abteiltür öffnete. „Kann ich mich setzen?“, fragte ein schwarzhaariges Mädchen, das einen sperrigen Koffer hinter sich herzog und eine kleine, rote Katze auf dem Arm trug. „Klar!“, sagte Rose und Albus half ihr, das Gepäck zu ihren Koffern auf die Ablage zu schaffen. James hatte sich zu seinen Freunden gesellt und Victoire, ihre Cousine war ebenfalls verschwunden, so waren sie allein im Abteil. „Danke.“, sagte die Schwarzhaarige, „ich bin Amanda. Amanda Barnes.“ „Rose Weasley.“ „Albus Potter.“ Nachdem sich alle vorgestellt hatten, fiel es ihnen nicht schwer, ein Gespräch in Gange zu halten. „Mein Dad ist allergisch gegen Katzenhaare.“, gab Amanda zu, „aber als dieser Typ von Hogwarts mit mir in die Winkelgasse ging, um meine Schulsachen zu kaufen, habe ich mich sofort in Boris verliebt!“ „Unser Kater, Krummbein, ist leider vor zwei Jahren gestorben.“, erzählte Rose, „Und Mom will keinen neuen, leider. Dafür hab ich Mimi bekommen.“, sie deutete auf die große, braune Eule auf dem Sitz neben ihr, die friedlich in ihrem Käfig schlummerte, „aber selbst für eine Eule schläft sie ungewöhnlich viel.“ „Besser als Arnie. Mein Bruder, James, hat ihm irgendeine Schlafdroge unters Futter gemischt, damit er mal ruhig ist.“, sagte Albus. Rose grinste. „Ich habe auch überlegt, mir eine Eule zu kaufen, aber dann kam Boris und der Hogwartstyp meinte, ich könnte die Schuleulen benutzen.“, sagte Amanda und streichelte ihren Kater liebevoll, „meine Mutter ist Psychiaterin, sie hätte ihn fast eingewiesen, als er erzählte, dass ich eine Hexe sei.“ Albus und Rose lachten, Amanda grinste. Dann runzelte sie die Stirn. „Eure Eltern waren schon auf Hogwarts, oder?“ Sie nickten. „Meint ihr, ich bin dadurch benachteiligt, oder so? Schließlich hatte ich in meiner vorigen Schule nicht die besten Noten und die Kinder, die mit Magie aufgewachsen sind-“ „Ach was, mach dir keine Gedanken. Meine Mutter hat auch Muggel als Eltern und sie war jedes Jahr Jahresbeste.“ Rose verdrehte die Augen und die Besorgnis wich von Amandas Gesicht.

Als eine pummelige, kleine Hexe die Abteiltür aufschob und ihnen einen ganzen Wagen voller – für Amanda – exotischer Süßigkeiten anbot, stürzten sie sich begierig auf Schokofrösche, Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen, Zauberdrops, Lakritzzauberstäbe und vieles mehr. „Pass auf, die schmeckt noch Popel!“, warnte Rose Amanda, als diese sich gerade eine hellgrüne Bohne in den Mund gesteckt hatte, und kicherte über ihren Gesichtsausdruck.
Albus und Rose erzählten Amanda während des Essens alles, was sie über Hogwarts wussten und für wichtig erachteten (sie würden über einen See zur Schule gebracht werden, in dem angeblich ein Monster hauste, der Geist von Griffindor war fast-kopflos, Erstklässler kamen fast nie ins Quidditch-Team, und so weiter) und die Zeit schien wie im Fluge vergangen zu sein, als eine Lautsprecherstimme ertönte, die sie dazu aufforderte, ihre Schulumhänge anzuziehen und die Koffer im Zug zu lassen.
Die Aufregung war sichtlich gestiegen, immer öfter sahen sie Schüler den Gang auf und ab laufen, sie selbst schauten entweder auf die Uhr oder aus dem Fenster heraus, um den ersten Blick auf Hogwarts ja nicht zu verpassen. „Sehen wir die Schule überhaupt?“, fragte Amanda, „wir werden ja nach Hogsmeade gebracht, hast du gesagt, Albus.“ „Ich glaube schon.“, antwortete er ernst und suchte die vorbeiziehenden Landschaften – mittlerweile waren es nicht mehr nur Felder, Wiesen und Gewässer, auch die ein oder andere Stadt hatten sie gesehen und sich gefragt, ob dort wohl Zauberer oder Muggel lebten, oder beide – nach dem Schloss ab.
Doch wie es meistens in solchen Situationen ist, war es Rose, die Hogwarts entdeckte, als Albus seine Uhr aus der Umhangtasche zerrte. „Warum bindest du sie dir nicht um dein Handgelenk?“, wollte Amanda wissen, die belustigt zugesehen hatte, wie die Reste ihres Mittagsmahles aus den Tiefen seiner Taschen auftauchte. Albus wollte gerade etwas erwidern, da schrie Rose leise auf und deutete auf eine Silhouette in der Ferne. „Da! Da ist Hogwarts!“
Majestätisch und geheimnisvoll ragten die vier Türme aus einem Dickicht von Bäumen hervor und einen Moment lang war die Sicht frei auf das beleuchtete, alte Schlossgemäuer. „Wie in einem Märchen.“, flüsterte Amanda begeistert.

Zauberer und Hexen quetschten sich durch das dichte Gedränge von Menschen und Tieren, Vetrauensschüler brüllten Anweisungen so laut und oft, dass sie sicher heiser werden würden und die drei Elfjährigen warteten lieber, bis sich der Strom ein wenig gelöst hatte.
Sie stiegen aus und ließen sich einfach mit der Menge treiben, bis sie eine kräftige Stimme hörten: „Erstklässler! Erstklässler hierher! Erstklässler!“ „Hagrid!“, stellte Rose begeistert fest und sie schlängelten sich durch die Menge, bis sie vor dem Halbriesen standen. „Hi.“, sagte dieser uns grinste sie durch einen buschigen Bart an. „Gute Reise gehabt, ja?“ Albus und Rose nickten, Amanda ein wenig unsicher. „Ist das ein Riese?“, fragte sie flüsternd. Rose schüttelte den Kopf. „Nur ein Halbriese!“, berichtigte sie strahlend.
Nach und nach trudelten auch die restlichen Erstklässler ein und Hagrid führte sie weg von den Kutschen, zu einem dunklen See, an dessen Ufer viele, kleine Boote warteten. „Ich bin Rubeus Hagrid.“, stellte er sich vor, „Hüter der Schlüssel und Ländereien von Hogwarts. Zu eurem ersten Jahr auf Hogwarts werdet ihr mit diesen Booten gebracht. Jeweils zu viert in ein Boot und während der Fahrt schweigen, okay?“
Leise stiegen die Schüler in die schwankenden Boote, zu Albus, Rose und Amanda gesellte sich ein Junge, dessen weißblonde Haare unnatürlich im Licht der Laternen, die an den Bugseiten befestigt waren, schimmerten. Albus und Rose wussten, wer das war: Scorpius Malfoy. Sie nickten sich kurz zu und schauten dann weiter nach vorn, während die Schiffchen sie immer näher zur Schule brachten.
Einmal meinte Amanda, Tentakel aus dem Wasser lugen zu sehen, ein anderes Mal quiekte jemand überrascht auf, aber sonst verlief die Fahrt bis auf das sanfte Plätschern des Wassers lautlos.

Am anderen Ufer erwartete sie eine hagere Hexe, deren lange, nussbraune Haare zu einem festen Zopf gebunden waren. „Amy Redford.“, nannte sie ihren Namen, als sie alle mehr oder weniger fest standen, „Lehrerin für Zaubertränke. Folgt mir, Erstklässler.“ Sie winkte Hagrid flüchtig zu und ging dann vorweg zu einem großen, prachtvoll verzierten Tor. Die Schüler folgten ihr schweigend.
Als sie alle versammelt waren, lächelte sie die Kinder an und sagte mit erhobener Stimme: „Die anderen Schüler sind schon in der Großen Halle, wo auch ihr eure Begrüßungszeremonie abhalten werdet. Vorher jedoch werdet ihr in einem Raum abseits der Halle warten müssen, bis ich euch abhole. Verhaltet euch ruhig und erschreckt nicht, sollten die Geister der Schule euch einen Empfang auf ihre Art veranstalten.“ Sie machte eine lässige Handbewegung und das Tor schwang auf. „Herzlich Willkommen auf Hogwarts!“