Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Neuland

WARNUNG: Diese FF enthält tollpatschige Szenen, die wirklich schon im realen Leben passiert sind. ^^


Neuland



Liebes Tagebuch,

Ja, genau so fängt meine Geschichte an.
Also nochmal:

Liebes Tagebuch,
Endlich ist die erdrückende Entscheidung gefallen: In nicht einmal einem Monat ziehen wir um. Das Ziel: Japan. Die Stadt: Domino. Die Leute: Hoffentlich nicht nur Machos und Zicken.
Und ich? Ich fühle mich grad wirklich....beschissen.
Mein Bruder und ich hatten eigentlich gehofft, dass es doch nicht soweit kommt. Aber nun...
Zoé -du weißt schon, meine beste Freundin- war wohl am niedergeschlagensten von uns allen. Kein Wunder: Wir kennen uns schon seit dem Kindergarten.
Meine Mum meinte, wir sollen uns nicht so anstellen. Schließlich sind wir ja nicht aus der Welt. Das vielleicht nicht, aber wir sind ab da auf der anderen Seite der Erde. Ich meine, England und Japan sind nicht gerade Nachbarn. Davon wollte sie allerdings nichts mehr hören!!
Das heißt für mich: Finde dich damit ab. Basta!
Nun mache ich einen Japanischkurs, damit ich mich dort zurecht finde und auch in der Schule nicht den Anschluss verliere.
Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ich ein Land vollkommen verlasse, doch damals war ich noch klein und habe nicht viel von unserem ersten Umzug mitbekommen.
Für mich ist das hier alles nur noch anstrengend und ich hoffe, dass der Umzug bald vorbei ist...
Deine Dany


Danielle Munir, eine 17jährige Ägypterin, ließ ihren Füller auf ihr Tagebuch fallen und streckte sich. Es war bereits nach Elf; draußen hatte sich die Dunkelheit wie ein Teppich über das Land gelegt, genauso dunkelblau wie die Farbe der Tinte auf dem Papier des Tagebuchs.
Danielle, die von allen Dany genannt wurde, hatte fast knielanges schwarzes Haar, mit einem lilanen Pony und eisblauen Augen. Sie gähnte und stand auf, nur um zum Fenster zu gehen und zum klaren Himmel hinauf zu schauen. Sie setzte sich aufs Fensterbrett und betrachtete die unendlichen Weiten des Sternenzeltes.

„Dany! Aufstehen!“, rief Lianne Munir am nächsten Morgen die Treppe hinauf.
„Jaja!“, murrte diese leise zurück. Danielle setzte sich auf und ließ ihren Blick durch das Zimmer wandern. Diesen Raum würde sie in etwa drei Wochen also nie wieder sehen. Der Umzug zeigte nicht nur bei ihr Nachdenklichkeit. Auch James, der nur zwei Jahre älter war, versank in seinen freien Minuten in seinen Sorgen. Er befürchtete, dass seine Beziehung zu Luzy an dieser Entfernung zerbrechen würde.
Langsam stand Danielle auf und suchte sich ihre Schuluniform aus dem Schrank. Dann fiel ihr Blick auf die Uhr und sie schreckte auf. „Verdammt!“, fluchte sie und ließ die Tür des Schrankes zuknallen. „Schon so spät!“
Sie rannte ins Bad, kam etwa nach einer viertel Stunde wieder hinaus und sprang die Treppen hinunter. Sie schnappte sich ein Brötchen und rief ihrer Mutter nur ein „Tschau“ entgegen, bevor sie zur Tür hinaus verschwand. Wie jeden Tag hatte sie ihre Haare zu zwei Zöpfen zusammengebunden, die jeweils an einer Seite herunterhingen.
Sie kam keuchend und mit Seitenstechen an der Schule an, vor der Zoé schon wartete.
„Na...Auch endlich da?“, meinte diese grinsend und verschränkte die Arme.
„Einmal kann man doch mal verschlafen!“, gab Dany frech grinsend zurück.
„Wenn es nur nicht jede Woche einmal passieren würde.“, lachte Zoé und gab ihr einen Klaps auf den Rücken. „Komm, wir sind schon spät dran.“

Am Nachmittag saßen die beiden in ihrem Lieblingscafé und unterhielten sich genauso ausgelassen wie sie es sonst immer schon getan hatten. Doch dann wandte sich das Gespräch dem Thema zu, von welchem Dany gedacht hatte, sie könnte es umgehen.
„Du schreibst mir doch dann?“, vergewisserte sich Zoé.
„Natürlich! Jeden Tag fünfmal.“, sagte Danielle und rührte in ihrem Eis herum.
„Von mir aus! Jeden Tag zehn SMS und 40 Mails und nicht zu vergessen rufst du mich viermal in der Woche an!“, meinte Zoé lächelnd und schwenkte ihren Löffel umher, sodass sie die Leute neben sich mit Eis bespritzte.
Dany fing an zu lachen, als sie dies sah, und das so stark, dass sie aus versehen die Blumenvase auf dem Tisch umstieß. Daraufhin breitete sich das ganze Wasser der Vase auf dem Tischtuch aus. Nun begann auch Zoé zu lachen, während eine Bedienung mit einem gezwungenem Lächeln zu ihrem Tisch kam und fragte, ob sie denn helfen könne.
Kurze Zeit später standen die beiden vor dem Café und hatten sich noch lange nicht beruhigt.
„Wir sehen uns morgen!“, rief Zoé und winkte Dany hinterher.
Diese wünschte sich, die Zeit würde stillstehen und der Umzug würde niemals kommen.

Drei Wochen später stand Dany am Flughafen. Neben ihr Zoé, die aussah, als würde sie am liebsten sofort losheulen. „Bis bald!“, flüsterte Zoé und umarmte Dany ein letztes Mal.
„In den Ferien komme ich wieder hierher!“, versprach Danielle. Daraufhin nickte Zoé.
Wenig später hob das Flugzeug ab und Danys Blick zog sich sofort nach draußen in die weißen bauschigen Wolken. Elend und Trauer waren die einzigen Gefühle, die ihr Denken gerade zuließ. Es dauerte nicht lange, da war das Mädchen in einen unruhigen Schlaf gefallen.