Galaxy
Die Vergangenheit holt jeden ein
Die kleine Diebin
Die kleine Diebin
26. August
Seit nun etwa einem Monat gehe ich auf die Domino-High.
Mittlerweile komme ich mit allen aus meiner Klasse klar. Nun ja, wenn man Tea und Yami weglässt. Tea hasst mich noch wie eh und je, und ich habe nicht das Bedürfnis, mich mit Yami zu unterhalten.
Dafür habe ich seinen kleinen Bruder Yugi und seinen besten Freund Ryo kennengelernt. Ich finde den kleinen wirklich knuffig. xD
Mit Seto, Mai und Joey komme ich bisher am besten aus (natürlich nur, wenn unser „Traumpaar“ nicht in der Nähe ist...-.-).
Doch nun zu was anderem: Unser Geschichtslehrer hat beschlossen, dass wir morgen ins Museum gehen. Passend zu unserem Geschichtsthema (Altes Ägypten) findet dort eine Ausstellung statt. Ich finde das Land eigentlich ganz spannend, kein Wunder, ich komme von dort. Meine Mum war natürlich mal wieder nicht begeistert. (Was auch sonst?) „Ihr solltet lieber mal im Stoff weitermachen“ und „So eine Geldverschwendung“ waren die gängigsten Aussagen, die sie mir die letzten Tage vorgehalten hatte. Aber meine Vorfreude kann sie damit nicht dämpfen. ;)
Doch als ich wissen wollte, wie es damals dort war und warum wir überhaupt umgezogen waren, hat sie sofort abgeblockt. Das hat mich ein wenig stutzig gemacht, doch bei ihr braucht man gar nicht erst versuchen, nachzuhaken.
Als Dad wieder nach Hause kam, habe ich ihm dieselbe Frage gestellt. Komisch war, dass er genau wie Mum total abgeblockt hat und meinte, ich solle mich eher auf die Schule konzentrieren, als mich mit solchen Nichtigkeiten zu beschäftigen.
Doch ich werde noch James fragen, vielleicht weiß er ja etwas darüber.
Dany
Danielle las sich ihren Eintrag vom Vortag noch einmal durch. Nachdenklich ging sie zum Schrank und suchte sich ein paar Sachen aus diesem. Heute mussten sie keine Uniformen tragen, was Dany nur zu recht war. Da es draußen schön warm war, suchte sie sich ein blaues Kleidchen heraus. Sie liebte dieses Kleid; das hatte sie zu ihrem letzten Geburtstag bekommen.
Wenig später stand sie fertig angezogen unten und schnappte sich ihre Tasche. Dann rief sie ihrer Mutter ein „Bis heut Abend“ zu und verließ das Haus.
Sie genoss beim Gang zur Bushaltestelle die letzten Sonnenstrahlen des Sommers. Bald war der August vorbei und der Herbst würde beginnen. Sie summte eine Melodie, die sie seit ein paar Tagen im Ohr hatte.
Heute müsste sie ein wenig weiter mit dem Bus fahren; weiter in die Stadt hinein. Und genau dort stieg sie nun aus. Das Museum war ein großes weißes Gebäude, auf dem mit schwarzen Lettern Domino-Museum stand. Darunter hing ein Banner, auf dem groß angekündigt wurde: Ab dem 27. August: Ägyptenausstellung im Westteil des Museums. Ausstellungsstücke der 18. Dynastie.
Vor dem Gebäude blieb sie stehen. Sie hatte schon von Weitem Seto, Joey, Mai und, zu ihrem Missfallen, auch Yami und Tea gesehen.
„Hi.“, begrüßte sie Seto, Mai und Joey; Yami und Tea ignorierte sie geflissen.
„Du siehst heute wirklich...toll aus.“, staunte Joey und Dany wurde rot.
„Danke...“, murmelte sie verlegen.
Tea schnaubte nur, daraufhin warf Dany ihr einen wütenden Blick zu. Doch bevor sie etwas sagen konnte, stand plötzlich ihr Geschichtslehrer neben ihr und fragte: „Seit ihr bereit?“
Ohne, dass sie es gemerkt hatten, war auch der Rest der Klasse vor dem Museum angekommen und unterhielt sich laut und aufgeregt.
„Wir werden heut von einer Mitarbeiterin des Museums herumgeführt. Wenn wir danach noch Zeit haben, könnt ihr euch die Ausstellung noch allein weiter ansehen...“
Die Menge begann nun wieder zu tuscheln, solange, bis eine freundlich dreinblickende ältere Dame im Eingang auftauchte und zu ihrem Lehrer ging.
„Wir können anfangen...“, gab sie ihm Bescheid und ging wieder zurück zur Tür. Die Klasse folgte ihr, alle waren gespannt, was sie dort drin erwartete.
Ganze eineinhalb Stunden ging schon allein die Führung, an den wichtigsten Stücken vorbei. Während sie sich ein paar Mumien ansah, hörte Dany, wie Tea Yami so laut wie möglich fragte: „Sag mal Yami, hattest du nicht gesagt, dein Großvater kam aus Ägypten?“
Sofort wurden die meisten aus der Klasse hellhörig. „Wirklich Yami?“, fragte ein Mädchen mit rotbraunen Haaren bewundernd. Diesmal war Dany es, die schnaubte: „Das ist doch nichts besonderes!“
Tea schenkte ihr nur einen Blick, den sie nicht deuten konnte. „Komm Yami!“, meinte sie hochnäsig, „Gehen wir weiter!“
Dany schüttelte nur den Kopf. Ihre Klasse war schon ein ganzes Stück weiter gelaufen; sie wollte gerade folgen, als ihr etwas ins Auge fiel. Hinter einer Vitrine, ihr gegenüber, hatte sich etwas bewegt. Sie trat näher an den Glaskasten heran und versuchte einen Blick hinter diesen zu werfen. Doch da sie nichts erkennen konnte, wandte sie sich der Vitrine und deren Inhalt zu. Papyrusrollen lagen in dieser; die Rollen waren mit Hieroglyphen geschmückt.
Sie sah sich jede einzelne genau auch, doch dann fiel ihr Blick auf eine, auf der ein Bild zu sehen war, welches ihr den Atem nahm. „A-aber, dass kann nicht sein!“, flüsterte sie.
Sie sah sich selbst. Oder glaubte es zumindest. Diese Person auf der Rolle sah ihr unglaublich ähnlich. Neben dieser sah sie ein weiteres Mädchen stehen.
Dany schüttelte nur den Kopf. „Sie sieht mir nur ähnlich, mehr nicht!“, beruhigte sie sich leise.
„Dany? Wo bist du?“, rief plötzlich Mai vom Ende des Ganges her und Danielle ging rasch zu ihr. Dabei bemerkte sie nicht, dass sie von jemandem beobachtet wurde.
„Komm, wir gehen gleich in den letzten Raum!“, meinte Mai und wandte sich begeistert zu ihr. Dany nickte nur benommen, ihr lag das mit dem Papyrus noch ein wenig im Magen. „Geht´s dir gut? Du bist ganz schön blass.“, fragte Mai besorgt, doch Dany winkte ab: „Mit mir ist alles in Ordnung.“ „Gut, dann komm.“, sagte Mai und zog sie mit.
Der Rest der Klasse war schon im Raum. Doch etwas war anders. Niemand tuschelte mehr aufgeregt, es klang nun eher besorgt. Dany schnappte ein paar Wörter von Mary, dem Mädchen mit den rotbraunen Haaren, auf. „Die sehen echt aus wie Yami und Seto!“ Dany und Mai warfen sich einen fragenden Blick zu. „Was ist denn nun los?“, fragte Mai und Mary deutete auf eine große Steintafel, die an der Wand hing. Dany und Mai sagten beide gleichzeitig: „Oh mein Gott!“
Auf der Tafel waren zwei Männer abgebildet. Es wäre nichts besonderes gewesen, wenn die beiden nicht unbedingt wie Seto Kaiba und Yami Muto ausgesehen hätten. Dany sah zu Yami, der kreidebleich war. Seto war gar nicht mehr zu sehen, genauso wenig wie Tea.
Dany ging langsam zu ihm hinüber, wieder fiel ihr die Papyrusrolle ein. In diesem Moment vergaß sie ihre Wut und tippte ihn leicht an. Sein Blick fiel auf sie und wandte sich wieder ab.
„Was ist?“, fragte er und klang dabei leicht gereizt.
„Wenn du nichts dagegen hast, möchte ich dir etwas zeigen.“, sagte sie und deutete auf den Raum, aus dem sie und Mai gerade gekommen waren.
„Warum?“
„Weil du nicht der einzige bist, der einem, der auf einem Ausstellungsstück abgebildet bist, ähnlich sieht!“
Er sah sie stirnrunzelnd an. „Was meinst du?“
„Komm doch einfach mit!“
Schließlich folgte er ihr und sie brachte ihn zu der Vitrine, in der die Rolle lag. „Da!“, sagte Dany und deutete auf den gläsernen Kasten. Yami schaute hinein und sah wieder auf. „Und was soll ich mir da angucken?“, fragte er.
„Na die Rolle oben links!“, sagte Dany und schaute selbst hinein. Plötzlich stockte sie. „S-sie ist weg?“, fragte sie verwirrt.
Yami jedoch sah sie leicht genervt an: „Du, ich hab jetzt echt keine Lust auf solche Späße! Ich hab gerade wirklich andere Sachen im Kopf!“
„A-aber das war kein Spaß!“, wollte Dany erklären, doch Yami drehte sich nur kopfschüttelnd um und ging einfach.
„Wie kann das sein?“, flüsterte Dany und sah erneut in die Vitrine.
Erneut nahm sie einen Schatten aus den Augenwinkeln war. Sie drehte sich schnell um, doch wieder konnte sie nichts sehen. Das Licht war etwas gedämpfter als noch vor zehn Minuten, als sie das erste Mal in diesem Raum war. „Hallo?“, fragte sie, doch wie erwartet, antwortete ihr niemand. Also drehte sie sich zur Tür um und suchte ihre Klasse, die bereits wieder vor dem Museum stand.
Ihr Geschichtslehrer sagte freundlich in die Runde: „So ich hoffe, der Ausflug hat euch Spaß gemacht! Wir sehen uns nächste Woche in unserer Geschichtsstunde wieder! Einen schönen Tag noch!“ Nach diesen Worten verteilte sich die Klasse wieder und viele gingen, ebenso wie Dany, direkt nach Hause.
Nachdem Dany den Raum im Museum verlassen hatte, trat ein kleines Mädchen aus dem Schatten eines Reliefs. Sie hatte die Papyrusrolle in der Hand, die Dany Yami hatte zeigen wollen. „Tut mir leid Dany, aber du und auch Yami, ihr würdet es noch nicht verstehen!“, flüsterte sie leise, ohne, dass sie jemand hörte. Dann lief sie los und wollte schnell das Museum verlassen. Sie war schon fast an der Tür des Raumes, als sich ihr ein grimmig dreinblickender Wachmann in den Weg stellte. „Hey!“, rief er, „Du bist doch die Kleine von vorhin! Komm her!“
Das Mädchen stoppte kurz, doch dann rannte sie geschickt an ihm vorbei, zwischen den ganzen Ausstellungsstücken hindurch und gelangte von einen Raum in den anderen, bis sie am Ausgang stand. Der Wachmann hatte Verstärkung gerufen, doch die kam zu spät, da die Kleine schon wieder verschwunden war.
Der Wachmann setzte die Verantwortliche der Ausstellung nur wenig später darüber in Kenntnis. Er betrat einen kleineren Raum, der gemütlich eingerichtet war. Am Fenster stand eine junge Frau mit pechschwarzen längeren Haaren und einem langen Gewand.
„Miss Ishtar, Sie haben sicherlich schon von dem Vorfall gehört?“, fragte er.