Galaxy
Die Vergangenheit holt jeden ein
Kaputte Vasen & Missverständnisse
Kaputte Vasen & Missverständnisse
„Dany!“
Sofort saß diese kerzengerade im Bett. Den ganzen letzten Abend hatte sie bis tief in die Nacht hinein gegrübelt, warum sie dem Mädchen auf der Schriftrolle so ähnlich sah. Nun war sie hundemüde und hatte dunkle Ringe unter den Augen.
„Beeil dich!“, rief ihre Mutter von unten her.
„Ja!“, rief sie zurück und sprang aus dem Bett.
Nur eine halbe Stunde später trat sie vor die Haustür und wollte sich auf den Weg zur Schule machen. Ihre Mutter hatte überhaupt nicht gefragt, wie es im Museum gewesen war. Aber nach ihrer Reaktion von den Tagen davor hatte Dany nichts anderes erwartet.
Sie gähnte und setzte wie in Trance nur noch einen Fuß vor den anderen. An der Bushaltestelle angekommen bemerkte sie, dass sie fast den Bus verpasst hätte. In letzter Sekunde stieg sie ein und wollte sich nur noch auf irgendeinen Platz setzen. Doch der Bus war voller als sonst, sodass alle Sitzplätze belegt waren. Das hieß für Dany: Stehen. Sie hielt sich fest, als der Bus anfuhr, kippte aber trotzdem leicht zur Seite. „Nie wieder so spät ins Bett.“, beschloss sie leise murmelnd.
Am Nachmittag saß sie vor dem Fernseher; sie war allein zu Hause. Plötzlich krachte es im Flur. Irgend etwas war dort zerbrochen. Dany stand auf und schaute vorsichtig um die Ecke in den Flur. Hätte ja ein Einbrecher oder so sein können.
„Oh nein!“, stieß sie hervor. „Nicht die Vase!“
Mitten im Flur lag die kostbare Vase ihrer Mutter; sie war zerbrochen. „Nein, nein, nein! Das darf doch nicht wahr sein!“, flüsterte sie hastig. „Wie kann das sein? Die stand doch mitten auf dem Regal!“
Dann fiel ihr wieder ein, dass schon einmal etwas runtergefallen war, das mitten auf dem Tisch stand. „Erst das Glas, dann die Vase...“, flüsterte sie leise. „Verdammt die Vase! Ich bin schon so gut wie tot!“
Sie räumte die Scherben in den Mülleimer und setzte sich wieder unruhig auf die Couch. Doch dann zuckte sie zusammen und sprang auf. „Wer ist da?“, fragte sie. Sie war sich zu 100 Prozent sicher: Sie hatte Schritte gehört. Jedoch schrie sie nur einen leeren Raum an. „Spinn ich jetzt oder was?“, fragte sie sich selbst und trat nach dem Wohnzimmertisch.
Den restlichen Nachmittag, bis zum Abend, saß sie unruhig auf der Couch und wartete auf ihre Mutter. Sie starrte die ganze Zeit abwesend auf den Fernseher, bis ihre Mum die Tür öffnete. „Dany?! Ich bin wieder da!“, rief sie ins Haus.
„H-hi Mum!“, sagte Dany leicht unsicher. Dies merkte Lianne sofort. Scharfsinnig fragte sie nach: „Was ist los?“
„Mum, ich weiß echt nicht, wie das passieren konnte!“, begann Dany und deutete auf das Regal.
„Oh, wie wunderbar! Hast du die poliert? Das ist wirklich toll, Dany!“, sagte ihre Mutter entzückt, und umarmte sie kurz, dann ging sie in die Küche.
„Ähhh...HÄ?“, sagte Dany und sah zum Regal hoch. Da stand sie: Die Vase. Heil und unversehrt, und glänzte, als sei sie frisch poliert worden.
„Das gibt es doch nicht! Wie...Was...Aber die war doch kaputt!“, stotterte sie leise vor sich hin. „Bin ich bescheuert oder was?“, fragte sie und starrte immer noch die Vase an. Dann wandte sie sich kopfschüttelnd ab und stieg die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf.
Der Abend zog sich noch quälend in die Länge. In ihrem Zimmer ging Danielle auf und ab. 'Wie kann es sein, dass mir in letzter Zeit so komische Dinge passieren, dass ich Dinge sehe, die dann doch nicht da sind? Erst diese Papyrusrolle, dann die Vase, im Museum sehe ich Schatten die nicht da sind...Was ist nur mit mir los?' Wütend trat sie mit dem Fuß auf. „Wieso nur?“, fragte sie sich. Dann fiel ihr wieder ihr Traum ein, den sie aus ihren Gedanken verdrängt hatte. Es war die erste Nacht in diesem Haus gewesen, als sie von der Galaxie geträumt hatte.
Sie ging auf ihren Schreibtisch zu, zog ihren Laptop unter einigen Blättern hervor und setzte sich aufs Bett. Dany klappte ihn auf und ließ ihn hochfahren.
Wenig später lag sie auf dem Bett und suchte den Begriff 'Galaxie'. Unter Begriffserklärungen und Bildern fand sie eine Seite, auf der darüber spekuliert wurde, ob es eine Person namens Galaxis wirklich gibt bzw. gab.
Leise vor sich hin murmelnd, las sie die Einträge:
„>>Natürlich gibt es sie! Galaxis existiert!<<
>>Was bist du denn für ein Spinner? Glaubst du wirklich, dass es so etwas wie Engel gibt?<<
>>Jeder, der sich ein wenig mit Ägypten auskennt, weiß, dass sie schon in Pharao Atemus Schriften erwähnt wurde! Ich füge gern noch einen Link bei!<<“ Darunter stand der besagte Link. Dany wurde neugierig. In der Führung war von Galaxis nie die Rede gewesen.
Die Seite lud schnell und ein Foto von der Milchstraße, das den Namen Galaxis trug, zog ihre Blicke auf sich. Darunter war eine Menge Text.
Sie begann zu lesen:
„Galaxis: Ist der aus der griechischen Mythologie stammende Begriff für die Milchstraße.“ Sie las den Rest des allgemeinen Teil; erst ab etwa der Mitte begann sie wieder lauter zu lesen.
„Schon viel früher wurde der Begriff 'Galaxis' verwendet. Jedoch aus einem anderen Grund. Im Alten Ägypten war Galaxis eine Person, die wir heute als Magier bezeichnen würden. Ihr wurden schon in den Schriften des Pharaos Atemu (18. Dynastie) großartige Kräfte zugesagt. Sie soll das Land und den Pharao zusammen mit Orion, einem weiteren Wesen, vor Dieben und bösen Kreaturen beschützt haben. Es ist bisher noch keine Darstellung der beiden, die man schon fast mit den Göttern gleichstellte, gefunden worden. Sie trugen in etwa den gleichen Rang wie der Pharao. Bis heute ist es jedoch nicht bewiesen, dass es Galaxis und Orion wirklich gab.“
Dany dachte nach. „Galaxis und Orion“, wiederholte sie leise. Die Namen sagten ihr nichts, deshalb überlegte sie nicht weiter und schaltete ihren Laptop wieder aus. „Was hab ich eigentlich erwartet?“, fragte sie sich und legte ihn wieder auf den Schreibtisch.
Ihr Blick wanderte zur Uhr, die ihr sagte, dass es schon wieder ein Uhr morgens war. Sie streckte sich und gähnte, und beschloss ins Bett zu gehen. Doch sie konnte noch nicht einschlafen. Ihre Gedanken waren noch immer bei dem gestrigen Museumsbesuch und dem Text, den sie eben erst gelesen hatte. „Na klar! Das Museum!“, sie saß wieder aufrecht im Bett. „Ich gehe morgen ins Museum und frage einfach diese Frau, die uns geführt hat, ob sie etwas über die beiden weiß!“ Zufrieden über diesen Einfall, lehnte sie sich wieder zurück und schlummerte nur wenige Sekunden später.
Der nächste Schultag zog sich genauso zäh in die Länge. Dany war, als würden fünf Minuten eine ganze Stunde dauern. Ständig sah sie auf die Uhr, was ihrer Banknachbarin Mai nicht verborgen blieb.
„Was ist denn mit dir heute los?“, fragte sie in der Pause, „Du klebst heute ja praktisch an der Uhr!“
„Ich will einfach nur, dass die Stunden schnell vorbeigehen! Ich hab noch was vor!“, sagte Dany und wieder wanderte ihr Blick zur Uhr.
„Willst du dich etwa mit jemandem treffen?“, fragte sie hinterlistig und Seto, Joey, Yami und Tea sahen auf, als Dany gedankenlos sagte: „Ja!“
„Wer ist denn der Glückliche?“, fragte Mai nach und nahm sie in den Arm. Dany, die jetzt erst bemerkte, was Mai dachte, versuchte die Situation richtig zu stellen: „Nein...also...du hast da was falsch verstanden...ich treff mich nicht mit einem...Jungen...!“
Mai lachte leise: „Na klar Süße! Du hast dich verplappert!“
„Nein!“, entgegnete Dany nun leicht genervt, „Ich will einfach nur heute Nachmittag...“ „Dich mit deinem Süßen treffen!“, vervollständigte Mai den Satz und grinste.
„NEIN!“, rief Dany wütend und stürmte über den Hof davon.
„Eindeutig ist da ein Junge im Spiel.“, meinte Mai fachmännisch und schlenkerte mit der Hand.
Danys Wut darüber war auch noch nicht abgeflaut, als die nächste Stunde begann. Mai ließ sie jedoch in Ruhe, was ihr nur zu recht war. Erst, als Dany nach der Schule den Weg in Richtung Bushaltestelle einschlug, rief Mai ihr „Viel Spaß noch mit ihm!“ hinterher. Dany ignorierte den Ausruf geflissen und nahm den nächsten Bus zum Museum.
Das Gebäude lag genauso ruhig da, wie bei ihrem ersten Besuch. Langsam stieg sie die Stufen hoch und bezahlte den Eintritt. Dann machte sie sich auf die Suche nach jemanden, der vielleicht eine Gruppe herumführte. Doch im Museum herrschte totenstille. Keine Menschenseele war zu sehen oder gar zu hören. Ein leichter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie zwischen Mumien und anderen Ausstellungsstücken hindurchging. Den Raum mit der Steintafel hatte Danielle schnell wiedergefunden. Alles war wie beim letzten Mal. Sie sah sich kurz um und ging dann schnurstracks auf die Tafel zu. Dany strich mit der Hand über den Stein; er war eiskalt.
„Du bist wieder hier!“, stellte jemand hinter ihr fest.
Schnell drehte sich Dany um, die Frau, die dort in der Tür stand, hatte sie fast zu Tode erschreckt.
„I-ich wollte nicht....“, sie stoppte im Satz. Dany wusste nicht, was sie sagen wollte.
„Ist schon gut. Ich wusste, dass du wiederkommst.“, sagte ihr Gegenüber und lächelte leicht.
„Ja..ähm...Was?“, fragte Dany verwirrt.
„Ich bin Ishizu Ishtar. Ich habe veranlasst, dass diese Sammlung der Stücke aus der 18. Dynastie für ein paar Wochen hier in Domino ausgestellt wird.“, sagte Ishizu.
Dany sah erneut zur Steintafel. „Ist es Zufall?“, fragte sie leise. „Ist es Zufall, dass zwei meiner Freunde aussehen wie die beiden da?“ Sie deutete auf die Tafel.
Ishizu trat näher an sie heran und schaute ebenfalls zur Tafel auf. „Ich glaube nicht.“
Dany sah überrascht zu ihr. „Nicht?“
„Nein, ich glaube nicht.“, wiederholte Ishizu leise.
Dann fiel Dany