Galaxy

Die Vergangenheit holt jeden ein

Ich komme wieder!

Ich komme wieder!


Der Rest des Tages verstrich genauso schnell wie der Morgen. Dany und Ria begaben sich nach Hause; auf dem Weg dorthin drängte Ria die Ältere, ihr zu erzählen, was zwischen ihr und Yami passiert war. Dany seufzte nur und gab an, dass sie es der Blonden erzählen würde, wenn sie zu Hause wären. Ria schien mit der Antwort unzufrieden, sagte allerdings nichts zu Dany.
Doch die Ankunft kam schnell und Dany begann noch vor der Haustür, Ria vom Vergangenen zu berichten.
Interessiert und sogar ab und an kichernd verfolgte die Jüngere die Erzählungen der Größeren.
Als Dany bei der Stelle mit dem Kuss ankam, klappte Ria der Mund auf. Sie quietschte leise und brachte lächelnd ein „Ihr seid ja beide so putzig“ hervor.
Dany wurde leicht rot, als sie sich wieder in die Situation zurückversetzte.
Ria klopfte ihr auf den Rücken und meinte grinsend: „Das wird schon noch!“ Dann schloss sie die Tür auf, um endlich in das Haus zu treten. Dany folgte ihr; der ungesunde Rotton blieb allerdings in ihrem Gesicht hängen.
Lianne und auch John waren noch nicht zu Hause, sodass Dany nur wenig später begann, Mittag für sich und Ria zu kochen. Die Blonde saß währenddessen am Tisch und starrte auf ihre Hausaufgaben.
Dany drehte sich nach einer Weile um und begann zu lachen, als sie Ria sah, die immer noch so dasaß wie vor einer viertel Stunde. „Sag mal, wie lange willst du sie eigentlich noch anstarren?“
Ria schaute von ihrem Buch auf und sagte verärgert: „Bis sie sich von selbst machen!“
Dany schmunzelte nur, erwiderte aber darauf nichts mehr.
„Willst du nicht erst was essen?“
„Willst du nicht meine Hausaufgaben machen?“, gab Ria frech ihre Gegenfrage zurück.
Dany begann wieder zu lachen. „Nein danke, ich muss noch meine eigenen machen!“
Ria grummelte leise; sie sah aus, als hätte sie das Buch am liebsten in die Ecke gepfeffert und nie wieder angefasst.
„Warum muss man bitte so etwas lernen?“, murrte Ria und deutete mit einer abwertenden Handbewegung in Richtung Mathebuch. „Manche Sachen brauche ich danach nie wieder!“
Dany zuckte nur mit den Schultern. „Geht mir genauso...Aber du kannst eh nichts dagegen machen...“
Rias Miene wurde wieder verärgert. „Trotzdem...“
Doch das, was Ria danach sagte, bekam Dany nicht mehr mit. Wie schon im Tempel wurde ihr urplötzlich schwarz vor Augen und sie sackte in sich zusammen.
„Dany...was...?...gehts...?“, Rias Worte drangen nicht mehr vollständig zu ihr durch; sie schloss die Augen und schien davon zu gleiten, zurück in das Vergangene.

Die Sonne schien heiß auf sie hinunter, als sie durch Straßen lief, die ihr unbekannt waren. Doch plötzlich veränderte sich die Umgebung; sie saß auf einmal auf dem Boden eines riesigen Raumes und starrte zu einem Mann hinauf, der ihr bekannt vorkam, den sie aber nicht zuordnen konnte. Nur zwei Worte schossen ihr durch den Kopf, ohne dass sie wusste, woher sie den Stand und den Namen des Mannes kannte: Pharao Aknamkanon.

Die Realität erschien wieder vor ihren Augen. Ria, die sich besorgt über sie gebeugt hatte, fragte sie etwas, doch Dany verstand das Mädchen noch nicht.
„Dany...?“, Ria rüttelte leicht an ihr, sodass sie wieder schneller zur Besinnung kam.
Doch Dany lag sofort eine Frage auf der Zunge; sie wollte wissen, wer dieser Pharao gewesen war.
Ria überlegte kurz, bevor sie langsam sagte: „Er war vor Atemu Pharao...Aknamkanon war sein Vater!“
Dany sah kurz auf, etwas in ihrem Unterbewusstsein regte sich.
„Natürlich...“, flüsterte sie. „Aknamkanon und Taisia!“
Ria sah Dany erstaunt an. „Woher kennst du denn jetzt bitte den Namen von Atemus Mutter?“
Dany schaute zu Ria auf; sie zuckte nur mit den Schultern. „Der Name war einfach da...“
Zufrieden und doch besorgt sah Ria auf ihre Schwester hinab. „Du solltest dich etwas ausruhen!“, meinte sie, setzte sich wieder an den Tisch und zog ihr Mathebuch dichter zu sich heran.
Dany nickte nur noch etwas benommen; Ruhe war das, was sie jetzt wohl wirklich gebrauchen könnte.
Sie verließ die Küche und betrat den Flur; stieg Stufe um Stufe die Treppe hinauf, bis sie an ihrem Zimmer ankam. Sie stieß die Tür auf und durchquerte mit wenigen Schritten ihren Raum; setzte sich auf ihr Bett und ließ sich nach hinten fallen. Ihr weiches Kissen und die Decke fingen sie ab; nur wenige Sekunden danach war sie in die tiefen Schluchten der Träume verschwunden. Es blieb ihr gar keine Zeit, über das Gesehene nachzudenken; sie war viel zu erschöpft.

Sie stand wieder auf der Straße. Sand, vom Wind getrieben, spielte um ihre nackten Füße. Sie wandte den Blick nach oben; der hellblaue Himmel trug nicht eine einzige weiße Wolke mit sich. Sie genoss die Wärme -nein, die Hitze-, die eigentlich jeden einzelnen Bauern von seinem Feld in die Schatten der Häuser trieb.
Doch sie wusste, dass sie schnell fliehen musste. Einige Wachen, welche vom Palast her stammten und die eigentlich nur ihre freie Zeit auf dem Markt verbrachten, hatten sie beobachtet, als sie versucht hatte, zu stehlen.
Das Geräusch schneller Schritte näherte sich und sofort sah sie sich nach einem Versteck um; doch hier gab es keines. Nicht mehr lange und die Wachen würden sie schnappen; würden sie zu dem örtlichen Richterkollegium bringen, dass dann über ihre Strafe entscheiden würde. Doch was würde dann auch ihrer kleinen Schwester werden?
Bei diesem Gedanken suchte ihr Gehirn nach einer Lösung; doch es gab keine. Schon hörte sie eine Wache, die es geschafft hatte sie einzuholen und nun begann sie anzuschreien. Ihr blieb keine Zeit mehr zum Davonlaufen; nun war es aus...

Dany saß wieder aufrecht im Bett. Draußen funkelten die Sterne; es war tiefste Nacht.
Ihre Atmung und ebenso ihr Herzschlag ging schneller als normal; sie versuchte sich an das zu erinnern, was sie eben gesehen hatte. Doch die Hälfte war bereits wieder aus ihrem Kopf verschwunden.
Doch ihr Blick fiel auf etwas anderes. Vor ihrem Bett stand jemand, den sie noch nie gesehen hatte. Dany schrie auf, doch plötzlich begannen die Augen der Person vor ihr in der Dunkelheit stechend lila zu leuchten.
„Sei still!“, flüsterte ihr Gegenüber; es war eindeutig ein Mädchen; ihre Stimme klang noch sehr kindlich.
Doch trotz dessen lief der Schwarzhaarigen ein eiskalter Schauer über den Rücken; sie war wie gelähmt.
„Du lernst jetzt deine Vergangenheit kennen, doch sobald du alles weißt, komme ich wieder!“, es klang nicht wie eine Drohung, doch auch nicht freundlich. Dany starrte nur in die lilanen Augen und brachte kein Wort hervor. Aber innerhalb eines Augenblickes verschwand die Person; zurück blieb Dany nur das Bild der glühenden Augen, dass sich auf ihrer Netzhaut eingebrannt hatte.
Es lag nun an ihr, ob sie Ria über diese Begegnung in Kenntnis setzen wollte, oder nicht. Dany entschied sich dafür, es Ria am nächsten Morgen zu erzählen; sie ließ sich in die Kissen zurücksinken und dachte über das Mädchen nach.
Danielle versank erneut in den Tiefen der Träume, wobei sie von gleißenden lilanen Augen verfolgt wurde.

Der nächste Morgen brach an; so jäh, dass Dany sich fragte, wo die Nacht geblieben war. Den ersten Traum hatte sie bereits wieder vergessen; die Begegnung mit dem Mädchen mit den lilanen Augen in der Nacht allerdings nicht.
Als Dany die Tür öffnete und auf den Gang trat, lief Ria gerade an ihrem Zimmer vorbei. Die Schwarzhaarige hielt sie am Arm fest und zog sie zu sich in den Raum.
Ria, total verwirrt, fragte Dany sofort, was denn los sei und Dany gab schnell und zügig wieder, was in der Tiefe der Nacht passiert war. Ria konnte nicht Danys Frage beantworten, wer das gewesen war; dennoch schien Ria, als sie Danys Zimmer verließ, über irgend etwas nachzugrübeln. Da es Wochenende war, saß Dany kurze Zeit später auf dem Fensterbrett und dachte über das Mädchen nach. 'Kannte ich sie vielleicht sogar mal? Sie kommt mir auch so bekannt vor...' Sie unterbrach ihre Gedanken und nahm sich vor, nicht weiter darüber nachzugrübeln. Darum studierte sie nur wenig später die Zeitung des heutigen Tages. Sternschnuppen waren für den heutigen Abend angekündigt; Dany liebte diese Naturerscheinungen. Doch plötzlich klingelte es an der Haustür.
„Ich mach auf!“, brüllte Ria von unten herauf.
Dany konnte hören, wie sie zur Tür ging, sie öffnete und leise mit jemandem sprach.
Sie schnappte nur ein „Sie ist oben...“ auf, was sie neugierig werden ließ. Doch schon kamen Schritte die Treppe hinauf und Yami stand mit einmal in ihrer Tür.
„Hey du!“, lächelte er und trat ein. Dany, vollkommen überrascht, rutschte vom Fensterbrett und landete unsanft auf dem Boden.
„Autsch!“, murmelte sie leise und stand wieder auf; dabei wurde sie rot. Yami jedoch lächelte nur.
„Wie geht’s dir?“, fragte er leise.
Dany lächelte etwas und murmelte: „Ich...äh...gut geht’s!“
„Super...Also...ähm...Willst du nicht heute Abend mit mir die Sternschnuppen zählen gehen?“ Bei dieser Frage wurde Yami rot; schnell richtete er seinen Blick auf den Boden.
„Ähm...“, mit so einer Frage hatte Dany nun nicht gerechnet. „Oh...ähm...klar, ich komm gern mit!“
Yami begann förmlich zu strahlen. „Ich komm dann heut Abend und hol dich ab!“, versprach er und verabschiedete sich noch beim Hinausgehen. Dany sah starrte noch lange auf den Fleck, wo eben noch Yami gestanden hatte.
Doch dann kam Ria herein und grinste wieder einmal vielsagend. „Naaaa...Heut Abend schon was vor?“
Dany nickte leicht abwesend. „Sieht so aus.“
„Du schaffst das schon! Ich wette, wenn du heute Abend nach Hause kommst, bist du glücklich!“, zwinkerte Ria ihr zu und verschwand wieder aus dem Zimmer. Doch Dany fühlte sich jetzt schon wie ein Glückspilz. Der Junge, in den sie sich