Fanfic: Dem Schicksal entgegen
Kapitel: Keine Rückkehr
Keine Rückkehr
Ich sehe aus dem Fenster. Kleine Tropfen bahnen sich einen Weg die Scheibe hinunter. Manchmal vereinigen sie sich, tropfen aber dann wie alle anderen auf die Fensterbank. Ich lasse meinen Stift fallen. Eigentlich sollte ich lernen. Es ist lang her seit ich dich das letzte Mal gesehen habe. Zu lang vielleicht. Ich senke meinen Blick. Sehe meine vielen Notizen an. Viele haben nichts mit Mathe zutun, fast alles kreist um einen Gedanken. Du hast deine Mission erfüllt, wirst niemehr zurückkehren. All meine Gedanken drehen sich um eine Frage. Werd ich dich je wieder sehen? Ich weiß schon längst die Antwort, verleugne sie jedoch. Du wirst nie wieder zurück kommen. Nie wieder werde ich in deine Augen sehen. Diese Wärme in deinem Blick spüren. Du hast alles aufgegeben nur um zuhelfen. Dich schon oft in Lebensgefahr begeben, alles um deine Freunde zuretten. Alles durchgehalten und nie aufgegeben. Ich werde versuchen deinem Beispiel zu folgen. Ich werde dich vergessen. Immer wieder sage ich es mir, doch ich weiß es stimmt nicht. Immer werde ich irgendwo an dich erinnert. Ich wollte einen Schlussstrich ziehen, alles vergessen, neu anfangen. Alles Papier, jedes Buch auf diesem Tisch sollte mich hindern zu denken, meine Gedanken abschweifen zulassen. Es lässt mich nicht los, alles, jeder Gedanke dreht sich um dich. Das Wetter passt zu meiner Stimmung. Grau, trüb, ab und zu ein Tropfen, kaum Sonne. Seit Wochen nun schon, versuche jeden Abend auf´s Neue einen klaren Gedanken zu fassen. Seit du gingst, sitze ich nun schon hier. Warte auf deine Rückkehr. Sie wird nie kommen. Seufzend sehe ich aus dem Fenster. Ein einziger blauer Streifen durchbricht den Himmel. Ein Zeichen von dir? Wohl kaum, eine Laune der Natur. Vielleicht will sie mich aufmuntern, mir zeigen, dass es noch eine andere Welt gibt. Eine außerhalb des Zimmers. Werde ich je wieder lachen, mich verlieben können? Ich bezweifle es. Jungs wollen nur das 'Eine', doch du warst anders. Anders als alle Jungs, die ich kenne. Für dich zähltendie inneren Werte mehr als Aussehen. Du hast an den guten Kern in jedem Menschen geglaubt. Selbst deinen Feinde Verständnis entgegengebracht. Der Wind lässt nach, das Blau überwiegt und lässt einige Sonnenstrahlen durch. Der Abend ist noch jung, die Sonne schon schwach. Bald wird sie untergehen, Platz machen für die Dunkelheit. Dunkelheit die auch in meinem Herzen herrscht. Niemand konnte sie bis jetzt erhellen, mich vor ihr retten. Du warst der einzige. Doch du bist weg. Sie wird stärker, von Tag zu Tag, von Minute zu Minute, unaufhörlich, reißt mich immer tiefer in ein schwarzes Loch. Ich stehe auf, lasse das Rollo runter. Heute hat es doch keinen Sinn mehr. Ich lege mich schlafen.
Mein Wecker klingelt. Noch im Halbschlaf sehe ich auf das Ziffernblatt. 6.30 Uhr. Gähnend versuche ich aufzustehen. Bleibe dann aber doch lieber liegen. Mein Körper schmerzt an jeder Stelle, meinen Hals spüre ich fast nicht mehr, mein Kopf dröhnt. Meine Ma hatte mir oft seit jenem Tag gesagt, dass ich doch lieber vitamintabletten nehmen solle, wem es psychisch nicht gut geht ist sehr anfällig für Krankheiten. Jedes mal weigerte ich mich eine der Tabletten zu nehmen und schon lag ich mit einer fetten Grippe im Bett. Ich stöhnte. Wie ich es hasste, wenn Ma Recht hatte. Ich musste wohl oder übel heut zu haus bleiben, vielleicht könnte ich dann morgen wieder in die Schule. Es klopfte, meine Ma trat ein. „Schatz, wo bleibst du denn?“ Ich öffnee den Mund, bekomme aber statt einer Antwort nur ein Krächzen heraus. Meine Mutter sieht mich an, kommt auf mich zu und fühlt meine Stirn. Ihre kalte Hand tut gut. „Du bleibst heut zu haus.“ Ich nicke nur, will einfach meine Ruhe. Sie verlässt das Zimmer. Wie oft du schon hier warst. Wie oft hast du mich besucht, als ich, wie jetzt, krank im Bett lag. Wieder kennen meine Gedanken nur eins. War es Schicksal, dass wir uns trafen? War es vorherbestimmt? Ja war es. War mein unglück auch bestimmt? War es Schicksal, dass ich dich traf und mich in dich verliebte? Ist Liebe vorherbestimmbar? Ich glaube nicht. Liebe ist anders, anders als alles andere. Es war Schicksal, dass wir uns trafen, dass ich mich in dich verliebte, war es nicht. Dass ich so leide, ist wohl die gerechte Strafe. Ich habe den Lauf der Dinge verändert. Verändert, was nicht verändert werden durfte. Werde ich mich je wieder verlieben können, je wieder lachen? So viele Fragen und keine Antwort. Ich schließe die Augen, stelle mir unsere gemeinsame Zeit vor. Die schönste Zeit meines Lebens. Was du wohl gerade machst?