Fanfic: Sol et Scelus
Kapitel: Kapitel 14: Ich liebe dich nicht
Kapitel 14: Ich liebe dich nicht
„Lass ihn gehen!“, schrie Teiga und hielt sich schon die Augen zu, doch ihr Bruder starb nicht. Yuna traf gut zwanzig Zentimeter über ihm in die Felswand. Nein, dachte sie. Ich treffe doch sonst immer meine Gegner! Warum kann ich diesen Typen dann nicht töten? Er ist doch nur ein Halbdämon, also absolut überflüssig. Noch nicht einmal seine eigene Mutter würde ihn vermissen... aber ich.
„Na los! Das ist die perfekte Gelegenheit! Töte sie endlich!“, befahl Teiga und gab ihm sein Schwert zurück, doch er ignorierte die Waffe vor seinen Füßen. „Yuna, bitte hör auf! Willst du mich denn wirklich töten?“
Das Mädchen war in einem heftigen Gewissenskonflikt. Sie hatte bei ihrer Aufgabe versagt und das nur, weil dieser dämliche Mischling sie damals geküsst hatte. Wenn er mir nicht auf diese Weise gezeigt hätte, dass ich ihm was bedeute, könnte ich ihn jetzt töten. Aber es geht nicht mehr. Jetzt werde ich dafür bezahlen müssen.
Und genau wie sie erwartet hatte, zog Lenya ihr Schwert und sagte: „Ich sehe schon. Du kannst es nicht. Leute wie dich kann ich nicht gebrauchen, ihr verschwendet nur meine Zeit.“ Langsam kam sie näher und als Teiga nicht mehr bewacht wurde, nutzte sie die Gelegenheit um loszulaufen und Yuna erst mal mit einem gezielten Fausthieb von ihrem Bruder wegzubringen. So war er aus der Schusslinie, während Lenya ihre ehemalige Kriegerin erledigte.
„Nein, bitte ich... ich weiß, es war ein Fehler! So was passiert mir nicht noch mal!“, versuchte Yuna sich zu retten, wusste aber, dass es für sie bereits zu spät war. Dieser Dämon zeigte niemals Gnade.
„Tut mir ja Leid für dich, nur kann ich dich nicht verschonen. Das wäre all den anderen Toten gegenüber ungerecht, findest du nicht?“, erwiderte Lenya und lächelte dabei. Teiga sah sich alles ruhig aus der Entfernung an und wartete darauf, dass endlich einer den anderen fertig machte. Das wäre schon mal ein Problem weniger! Kenji versuchte währenddessen Yuna zu helfen, aber Teiga hatte bereits vorgesorgt und ihren Fuß auf seine Hand gestellt, damit er nicht aufstehen konnte. Du musst noch viel lernen, sagte sie in Gedanken zu sich. Man denkt mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen! Was ich wohl tun würde, wenn ich mich verlieben würde...?
„Lass mich gehen! Ich muss ihr helfen!“, rief er wütend, schaffte es aber nicht, sich zu befreien. Kannst du vergessen, Brüderchen. Wenn einer Lenya tötet, dann bin ich das. Ich bin die einzige, die das kann und es bringt niemandem etwas, wenn du jetzt stirbst. Okay, ich könnte Lenya nun töten, nur... ich habe dieses unbestimmte Gefühl, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen ist (persönliche Anmerkung: Der Autor hat das Gefühl, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen ist, aber sie muss das ja nicht unbedingt wissen...).
Yuna wich immer weiter zurück und Lenya kam ihr immer näher. Och Mann, dachte Teiga. Das ist so doch echt langweilig. Können die sich nicht endlich gegenseitig fertig machen und mich in Ruhe lassen? Jetzt muss ich wohl doch eingreifen...
Kenji war so überrascht, als seine Schwester plötzlich loslief, dass er vergaß, Yuna zu helfen und einfach am Boden liegen blieb.
„Okay, ich bin dran!“, rief sie und warf sich zwischen Yuna und Lenya. „Das ist doch wirklich lachhaft. Du konntest mich selbst in deiner Dämonengestalt nicht besiegen! Was lässt dich glauben, dass du es jetzt schaffst?“, fragte ihre Mutter spöttisch. Teiga lächelte nur und verfehlte sie um Zentimeter. „Na ja, du bist einigermaßen geschwächt, während ich noch meine ganze Kraft hab. Wenn ich mich nämlich verwandele, kann man mich nicht verletzen, nur den Dämon in mir. Ich habe also noch meine ganze Kraft!“
Mit einem weiteren Schlag traf sie Lenya am Bein, die schon anfing zu taumeln. Okay, gleich hab ich sie, rief Teiga in Gedanken. Hehe, ist ja leicht, wenn sie nicht ausweichen kann!
„Gut. Aber wirst du auch mit denen fertig?“, fragte Lenya und zeigte auf eine Gruppe Dämonen, die nun ais dem Wald in der Nähe gelaufen kamen und sie umstellten. Schade... ich war so kurz davor.
„Äh, öh... sicher! So ein paar hundert Leutchen sind doch kein Problem...!“, sagte sie und warf Kenji einen hilfesuchenden Blick zu. Der war jedoch selbst schon mit einigen Dämonen beschäftigt.
„Tja, ich habe keine Zeit mehr für euch, ich muss einige Verbündete über eure Flucht informieren. Yuna überlasse ich euch. Falls ihr überlebt“, fügte Lenya tonlos hinzu und löste sich wie beim letzten mal einfach in Luft auf. Teiga fragte sich still: Warum kann ich so etwas nicht? Ich hab doch sonst so gute Kräfte!
„Ähähä, gut Jungs, folgt doch einfach eurer Herrin und lasst mich in Ruhe, ja?“, versuchte sie ihre Verfolger zu besänftigen. Die hörten jedoch nicht zu und zogen ihre Waffen. „Sky!“, rief Teiga! „Jetzt wäre ein guter Moment um aufzutauchen! Du willst mich doch nicht hier alleine lassen, oder? (Träne raus quetsch)Hilf mir doch!“ Okay, dachte sie. Jetzt müsste er kommen. Der Typ liebt solche dramatischen Auftritte.
Und tatsächlich: Direkt vor ihr schoss er aus dem Boden, blieb aber stecken, so dass nur sein Kopf und seine Schultern zu sehen war. Der Rest war an irgendetwas hängen geblieben.
„Hmm... Das lief jetzt nicht ganz so wie geplant“, sagte er und fragte lächelnd, ob sie ihn vielleicht herausziehen könnte. Sie musste wohl oder übel gehorchen, da die Dämonen immer näher kamen.
Zusammen mit Sky und Yuna waren die allerdings kein Problem und innerhalb von wenigen Minuten hatte die Vierergruppe gewonnen und beratschlagten, was sie als nächstes tun sollten. Zumindest drei von ihnen taten das. Yuna stand weiterhin abseits und spielte mit dem Schutt zu ihren Füßen. Was mach ich jetzt, dachte sie. Lenya vertraut mir nicht mehr und ich habe keinen Ort mehr, wo ich hingehen könnte. Verdammt, warum sitz ich überhaupt hier?! Wenn ich hier bleibe, töten die drei mich früher oder später! Ich muss verschwinden, solange es noch geht...
„Wo willst du denn hin, Yuna?“, fragte Teiga, noch bevor das andere Mädchen auch nur aufgestanden war. „Also,... wir haben uns über dich unterhalten und alle (eigentlich nur einer) finden, dass du bei uns bleiben solltest. Zumindest für`s erste.“, fügte sie noch hinzu und hoffte schon fast, dass Yuna ablehnen und abhauen würde. Die nervt doch auch nur...
Was soll das, fragte Yuna sich selbst in Gedanken. Ob das ein Trick ist? Quatsch, wenn sie mich wirklich töten wollten, könnten sie das jetzt tun und müssten mich nicht bitten, wieder bei ihrer „Weltrettungs-Aktion“ mitzumachen. Außerdem,... wo sollte ich sonst hin? „Ähm... wenn ihr meint... okay“
„SUPER!!“, schrie Kenji und sprang zwei Meter hoch in die Luft. Sky warf ihm einen verwirrten Blick zu, aber Teiga lächelte nur. Ich habe das Gefühl, dass alles wieder wie vorher ist, am Anfang unserer Reise. Alle sind glücklich, ob das mit Kenji und Yuna funktioniert, weiß man nicht, das ist aber auch egal. Wenigstens hab ich keine Probleme mehr! Alles ist wieder (abgesehen von den Dämonen) vollkommen friedlich.
„Teiga, warte auf mich!“, reif Sky ihr nach und holte sie schnell ein. Sie war schon wieder losgegangen und die anderen komplett vergessen. „Du hast dich noch gar nicht bei mir entschuldigt!“
Teiga blickte ihn nur verständnislos an. „Ich habe mich doch dafür entschuldigt, dass ich dich aus der Gruppe geschmissen hab. Erinnerst du dich, kurz nachdem du mich aufgefangen hast.“
Sky schüttelte den Kopf. „Das meine ich doch gar nicht. Du sollst dich gefälligst dafür entschuldigen, dass du mich durch das ganze Schloss hast rennen lassen! Ich mach mir die ganze Zeit Sorgen um dich, kann euch aber nicht helfen, weil irgend so ein Idiot mir gesagt hat: ``Hmm, und dann irgendwo anders hin``. Was sollte der Mist?!“, fragte er wütend und Teiga fiel nichts anderes ein, als weiter zu grinsen.
„Sorry, aber ich wusste es nicht besser. Freu dich, dass ich überhaupt so eine coole Idee hatte!“ Jetzt, dachte Sky. Sag es ihr, na los! DU wärst eben fast gestorben... Wer weiß, ob diese Gelegenheit noch einmal kommt.
Er antwortete: „Schon okay. Ich nehme es dir nicht übel. Ich liebe dich doch“, fügte er an und sein sonst so fröhlicher Gesichtsausdruck wurde plötzlich ganz ernst. Teiga bemerkte dass auch und stotterte: „Ähm, was hast du gesagt? Das... das kannst du doch nicht ernst meinen...“
Sky erwiderte: „Das tue ich. Ich war mir noch nie mit etwas so sicher.“ Der Halbdämon schwieg und Sky fragte: „Hast du denn dazu gar nichts zu sagen?“ Teiga blickte auf ihre Füße und dachte nach. Wie kann er so etwas leichtfertig sagen? Ich bin doch nur ein Mischling... weder Dämonen noch Menschen vertrauen mir. Die Dämonen am allerwenigsten. Wie kann er, selbst ein Dämon, dann behaupten, dass er mich liebt? Er ist nett, freundlich und... na ja. Ich mag ihn, aber... das ist nicht... vielleicht doch. Solche Gefühle machen einen schwach und ich darf nicht versagen. Doch ich will nicht ohne ihn sein.
Ich weiß nicht, ob solche Gefühle Liebe sind. Vielleicht liebe ich ihn... auf meine ganz eigene Weise. Aber nicht auf seine.
„Ich liebe dich nicht“, antwortete sie kalt und ging weiter, während Sky stehen blieb und ihr fassungslos nachschaute.